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GastroGuide-User: Hanseat1957
hat Restaurant Don Carlos in 28203 Bremen bewertet.
vor 3 Monaten
"Schmackhafte Tapas – auch zum Sattwerden"

Geschrieben am 08.08.2021
Besucht am 07.08.2021 Besuchszeit: Abendessen 4 Personen Rechnungsbetrag: 152 EUR
Allgemein

Ab und an mal spanisch in Bremen können wir gut vertragen, Portugal findet ja leider nur auswärts statt. Unter den bislang aufgesuchten und besprochenen Restaurants sind mit der Cocina de Salva, dem La Niña und dem Aioli drei empfehlenswerte Adressen gewesen. Um die prominenteste Adresse, das Don Carlos im Viertel, habe ich immer einen Bogen gemacht, denn mein Vorurteil war flotte Abfütterung in dem von außen betrachtet immer vollbelegtem Restaurant. Nach einem Kunsthallenbesuch kehrten wir vor sicherlich zwei Jahren mit einer großen Gruppe aus der Kanzlei im Don Carlos ein und ich war positiv überrascht, dass der Service uns gut im Griff hatte, trotz Individualbestellungen und einem vollen Haus und geschmeckt hatte es nach meiner Erinnerung auch. Also kam das Don Carlos auf die Liste und wurde prompt erstes Coronaopfer. Statt Anfang März 2020 nun zu viert an einem Samstagabend im August 2021 ins Don Carlos.

Die telefonische Reservierung versah ich mit der Bitte um einen Tisch im vorderen Bereich, der mich vom Ambiente her mehr anspricht als der Wintergarten. Unser Wunsch wurde beachtet. Nach 19 Uhr war das Restaurant nahezu voll belegt mit einem sehr gemischten Publikum von Teenagern bis zum gesetzten Alter. Ohne Reservierung kommt man im Don Carlos schlecht unter.

Das geht nur telefonisch und z. B. nicht über die Homepage (https://don-carlos-bremen.de). Auf dieser findet man leider auch nicht die Karte. Da besteht für ein Restaurant dieser Größenordnung Nachholbedarf.

Empfehlenswert ist das Don Carlos. Hält man sich an Tapas, Aioli und Brot, muss das Portemonnaie nicht prall gefüllt sein, bei den Tellergerichten und Getränken liegt man auf dem Niveau solider italienischer Restaurants. Insgesamt sehe ich das Preis-Leistungsverhältnis bei vier Sternen.

Service

Das Don Carlos bietet sehr viele Plätze und ist wohl häufig ausgebucht. Da ist eine vielköpfige Servicemannschaft vonnöten, bestenfalls mit einem großen Stamm erfahrener Bediener. Wir hatten das Glück, dass unser Tisch zum Bereich von Bediener 9 gehörte. Wie alle Kräfte im schwarzen Poloshirt und ebenfalls schwarzer langer Kellnerschürze.

Bei der Bestellaufnahme von 14 verschiedenen Tapas mit Block und Bleistift klangen die mündlichen Wiedergaben der Bezeichnungen der von mir auf der Karte angezeigten Tapas so flüssig, dass ich in ihm einen Spanier vermutete. Er ist aber Kasache und hat schon viel Gastronomieerfahrung. Er betreute uns ohne Fehl und Tadel, freundlich, souverän und gelassen. Mit solchen Kräften gelingt auch in einem quirligen Laden wie dem Don Carlos der Dienst am Tisch.

Ich belohne das gerne mit vier Sternen.

Die Getränke kamen schnell und auch die Tapas füllten bald unseren und den beigestellten Nachbartisch, was aber gewünscht war, lebt ein Tapasessen doch von der Vielfalt der Schälchen und Teller mit dem Ausgewählten auf dem Tisch. Wir konnten auch in aller Ruhe speisen und hatten nie den Eindruck, dass man ein Freiwerden des Tisches für die „20-Uhr-Schicht“ anstrebte.

Die Getränkepreise kann ich nur für unsere Orders anführen: Spanisches Bier San Miguel 5,50 €/0,5l, der gute kalte Hausrosé 12,20 €/0,5l, ein milder Caramel-Wodka 2,40 €/2cl.

Essen

Die Karte mit ihren Rubriken sei mangels Internetverfügbarkeit kurz aufgezählt:
·        2 Suppen
·        13 Tapas kalt 2,9 – 6,5 €
·        22 Tapas warm 5,4 – 12 €
·        7 gemischte Tapas-Variationen
·        4 Paella und Reispfannen 18,9 €
·        10 Fisch und Krustentiere 17,5 – 23,8 €
·        17 Fleisch 17,5 – 25,9 €
·        6 Geflügel 17,6 €
·        10 Nudeln und Aufläufe 13,1 – 18,6 €
·        12 Salat 5,9 – 16,4 €
·        7 Pizza 10,9 – 15,2 €
·        3 Dessert

Vermisst habe ich bei den Fleischgerichten geschmortes Kaninchen, das für mich auf eine iberische Karte gehört.
Bemerkenswert, dass es bei den warmen Tapas auch kleine Spieße mit Schwein, Kalb oder Geflügel gibt, die als Minihauptgang durchgehen können.

Wir hatten uns 15 verschiedene Tapas ausgesucht. Unser Bediener riet erst einmal von einer gesonderten Brotorder ab, weil zu den Tapas ohnehin Brot gereicht würde. Es wurden vier brötchengroße Stücke gebracht, angeschnitten und mit Kräuteröl bestrichen. Wir haben nicht alle vier geschafft zu vertilgen. Denn etliche der warmen Tapas kamen in beachtlicher Portionsgröße mit Salatbeilage und teils kleinem Aiolischüsselchen auf den Tisch; die Fotos belegen dies gut.

Das Aioli ist für mich immer ein Gradmesser für einen Spanier. Zuletzt hatte ich das Aioli im Restaurant Aioli als bestes der letzten zehn Jahre gelobt. Das im Don Carlos kommt gleich dahinter: Steif geschlagen und standfest und etwas kräuterig und mächtig geknobt. Das ist vorbildlich hausgemacht.

Die Tapas als solche waren durch die Bank schmackhaft - kein Ausfall. Hervorheben möchte ich die frittierten kleinen Sardellen Pescaditos (7,8 €), die Chorizo aus dem Ofen (6,9 €), laut Karte mit Weißwein, aber die unegal geschnittenen Scheiben schwammen im roten Öl, was besser zur Chorizo passt und die rote Mojosoße (3,0 €), die gute Schärfe hat.

Unsere Tapas standen in Summe mit 81,4 € auf dem Bon. Für vier Personen ein fast günstig zu nennender vielfältiger Schmaus und auch für gute Esser allemal ausreichend.

Das geht mit soliden vier Sternen in die Annalen ein.

Ambiente

Die Frontbreite des Don Carlos mit freistehenden Tischen auf dem eher engen Trottoir lässt ein kleines Restaurant vermuten. Die Größe kommt durch die Tiefe des Hauses und den daran anschließenden geschlossenen Wintergarten. Die Fotos auf der Homepage zeigen überwiegend das eigentliche Restaurant. Der hohe Raum wird durch Podeste und hohe Bänke gut gegliedert. Eine Kassettendecke, Säulen und antike Lampen werden kontrastiert durch dunkle Holzmöbel, tintofarbene Bänke und Hochbänke. Der Fußboden in Holzoptik wieder hell, ebenso wie die cremefarbigen Lederstühle.

Die Dekofolklore an den Wänden hält sich in Grenzen. Insgesamt ein gelungenes Ambiente, das zum Verweilen einlädt. Im Wintergarten sitzt man nach meiner Erinnerung nicht so gut.

Etwas schlicht die Papiertischdecke. Es wird vermutlich viel gekleckert beim Auftun aus den vielen Schälchen, so dass man sich für diese saugende und leicht entsorgbare Lösung entschieden hat.

Auf unserem Vierertisch passten fast alle Tapas und für jeden ein viereckiger Teller für die persönliche Zusammenstellung, so dass ich mit der Tischgröße einverstanden bin. Coronabedingt durften einige Tische nicht belegt werden, wir hatten somit einen Quasi-Beistelltisch, an dem ansonsten zwei Personen Platz nehmen sollen. Sobald dies wieder zulässig ist, ist der Abstand zwischen den Tischen sehr gering. Da der Geräuschpegel erstaunlich niedrig war, gelingt die Unterhaltung am Tisch ohne Anstrengung.

Sauberkeit

Hier fiel nichts negativ auf. Die Toiletten im Untergeschoss in Ordnung.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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