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GastroGuide-User: Hanseat1957
hat Restaurant Akropolis in 28213 Bremen bewertet.
vor 3 Jahren
"Wie im Bienenstock – Solide Griechenkost bei Christos Kalogirou"
Verifiziert

Geschrieben am 26.02.2017
Besucht am 25.02.2017 Besuchszeit: Abendessen 4 Personen Rechnungsbetrag: 126 EUR
Allgemein:

Heikle Mission: Mit Schwägerin und Schwager zu deren Lieblingsgriechen in Schwachhausen. Ich hatte es immer vermieden, weil das Akropolis in der Kritik bislang schlecht wegkam. Aber mein Schwager als langjähriger Stammgast im 2002 eröffneten Akropolis beteuerte, dass Wirt Christos kulinarisch zugelegt habe, so dass das Wagnis gering sei. An einem Samstagabend im Februar war es dann soweit.

Nach der Enttäuschung im Rhodos in Schwachhausen ist meine Hypothese erschüttert, dass Geld auch Geschmack habe, man also in gutbürgerlichen Vierteln auch Gutes auf den Teller bekäme.

Als wir gegen 19 Uhr das vollbesetzte Akropolis betraten war aber klar, dass sich das Publikum eher aus den Mietwohnungen des Umfeldes, denn aus der Parkallee rekrutiert. Also Sweatshirt statt gebügeltem Oberhemd. Paare, kleine Gruppen und Familien bevölkerten das Akropolis und erzeugten in dem engen und niedrigen Restaurant einen Geräuschpegel, gegen den man am Tisch mit erhobener Stimme anreden muss; eine Zeitlang angereichert mit Babygeplärre.

Zum Schwure kommend: Muss man nach Schwachhausen fahren, um im Akropolis einzukehren? Nein. Wie gleich zu lesen sein wird, gibt es eine solide Küchenleistung, die das Akropolis aus der Peergroup aber nicht heraushebt, sondern im sicheren Mittelfeld der Tabelle platziert. Für die Stadtteilversorgung ist das Akropolis aber eine sehr beliebte Adresse.

Auf der Homepage gibt es die Karten zum Herunterladen und einige Fotos vom Team, den Räumlichkeiten und besonderen Anlässen (http://www.akropolis-bremen.de/).

Das Preis-Leistungs-Verhältnis sehe ich bei 3,75 Sternen.

Service:

Das Akropolis ist ein familiengeführtes Restaurant. Sehr präsent Christos, der die Wirtsrolle ausübt, auch wenn seine Frau Christina die Inhaberin ist. Die Stammgäste werden mit Handschlag begrüßt und kreuzgeschlechtlich ist Busserln verbreitet. Das schafft Verbundenheit und Treue. Aber auch die Pflicht wird ordentlich erledigt. Man lässt uns Zeit für die Auswahl und bringt mit den georderten Getränken einen eiskalten, guten Ouzo. Dann die Bestellung der Vorspeisen und gelassen werden späterhin die Hauptspeisen aufgenommen. Angesichts des Besetzungsgrads waren die Wartezeiten akzeptabel.

Zur Verabschiedung noch ein Ouzo für den Weg und die Verabschiedung durch den Chef mit Handschlag.
Neben ihm sorgen zwei Männer im gediegenen Alter, klassischen weiß-schwarz gekleidet und eine weibliche Kraft für den Dienst am Tisch.

Das war eine solide Arbeit und für die persönliche Begrüßung und Verabschiedung gibt es einen halben Stern obendrauf, was dann 3,5 Sterne ausmacht.

Die Getränkepreise sind für Bier- und Weintrinker schon ambitioniert. Ein Köpi 0,3 l kostet 2,90 € und die griechischen Standardweine liegen meist bei 4,60 € für das Viertel. Mein Naoussa war dünn und hatte nicht den typischen Körper und Tannin, die ich an diesem Wein schätze. Günstig ist die Flasche Wasser 0,75 l für 4,50 €.

Essen:


Den Kartenschwerpunkt bilden Grillgerichte. Mit der üblichen Kombinatorik ergibt das eine Vielzahl von unterschiedlich belegten Grilltellern. Dazu eine Rubrik mit Lammfleisch, Ofengerichte, Meeresfrüchte und Fisch und etwas abseits des zu Erwartenden auch Spaghettigerichte und Omeletts.

Die für uns wichtigen Vorspeisen decken die Standards ab, ergänzt um einige warme Mezze wie Sardinen, Seezungenfilet oder gefüllten Blätterteig, die eigene Handschrift zeigen.

Für uns vier haben wir gewählt: Kopanisti (pürierter „weißer Käse“ pikant, 4,10 €), Taramas (4,00 €), dicke Bohnen mit Käse überbacken (5,70 €), gegrillte Peperoni mit Knoblauch (5,60 €) und eine Spezialität von Kreta (Hackfleisch, Schafskäse, Tomaten, Peperoni, Zwiebeln aus dem Backofen, 6,90 €). Dazu gibt es einen Korb mit geröstetem Knoblauchbrot. An Knoblauch am Brot kann ich mich nicht erinnern und es war auch nicht mit Öl bestrichen, was ich aber im Ergebnis gut fand; Brot nachzubringen wurde angeboten.

Mein Wunsch nach einer Pfeffermühle wurde von Christos erfüllt, aber die beiden Mühlen eher armselig. Der schwarze Pfeffer wurde in einer kleinen gläsernen Einmalmühle, der weiße in einer kleinen Holzmühle gebracht.

Was mir auf der Karte auffiel, waren drei unterschiedliche Bezeichnungen für den Käse: „Weißer Käse“, „Schafskäse“ und „Feta“. Das macht mich immer stutzig. Ist es Schludrigkeit beim Abfassen der Gerichte oder soll es Unterschiede bezeichnen, wobei Feta hauptsächlich aus Schafsmilch hergestellt werden muss. An dem Abend in geselliger Runde wollte ich Christos nicht belehrend befragen.

Der Kopanisti jedenfalls hatte nur eine laue Käsenote und auch der scharfe Paprika war nur zaghaft eingesetzt worden. Sehr gut hingegen das Taramas: Fest, fast weiß (was der Naturfarbe des Fischrogens entspricht) und gut fischig. Das war eine CL-Platzierung. Auch bemerkenswert gut die Gigantes, die ihren Namen alle Ehre machten, denn derart große Exemplare ohne Spuren des Zerkochtseins habe ich selten auf der Gabel gehabt. Das Auflaufgericht aus Kreta zeigt, dass auch eine schlichte Zusammenstellung ein schmackhaftes Ergebnis zeitigen kann. Die Peperoni wurden auf einem Spieß serviert und waren ordentlich geknobt.
Tsatsiki (3,90 €) hatten wir zu den Hauptspeisen geordert. Es war cremig und mit Gurkenstückchen versehen, aber sehr zurückhaltend gewürzt.

Für die Vorspeisen gebe ich 3,75 Sterne. Die Bepreisung in Anbetracht der Portionsgrößen ist fair, lediglich die gegrillten Peperoni fand ich mit 5,60 € zu teuer.

Drei von uns wagten dann noch ein Grillgericht. Auf meiner Trikalla-Platte fanden sich Leber, Gyros, zwei Bifteki und ein Souvlakispieß (15,20 €). Dazu ein klassischer, erfrischender Krautsalat, was schon mal ein Sternchen gibt. Die Gyrosstücke etwas dick vom Spieß gesäbelt, aber mager und würzig. Auch die Leber etwas dicker geschnitten und zart, leider schon beim Servieren nicht mehr richtig heiß. Die Bifteki hätten mehr Gewürz verdient. Das wiederum hatte das Souvlaki, allerdings war es wie meist schlicht trocken gegrillt.

Meine ständige Begleiterin hatte den Bauernspieß mit griechischen Kartoffeln und gerösteten Zwiebeln (15,20 €). Die Kartoffeln sehr lecker, an Bouillonkartoffeln erinnernd. Die Zwiebeln sehr reichlich und den Spieß bedeckend und für mich zu süßlich. Der Bauernspieß mit dickeren Fleischstücken, die zart und gut gewürzt waren; einmal mehr die bessere Wahl gegenüber Souvlaki.

Mein Schwager hatte auf seinem Mykonosteller Gyros, Leber und Souvlaki für 13,80 €.

Meine Schwägerin traute sich nur noch Spanakopitakia zu, mit Spinat gefüllter Blätterteig (4,80 €), was sie mit Appetit aß.

Mit dem guten Vorspeiseneindruck konnten die Grilladen leider nicht mithalten. Im Wiederholungsfalle würde ich mich schlicht an das Gyros halten, was mich überzeugte.

Zähle ich ab, kommen knappe 3,5 Sterne raus.

Die Portionsgrößen sind beachtlich und ich finde das positiv. Ich vermeide die Bezeichnung „Fleischberge“, weil sie negativ konnotiert ist. Uns stört es nicht, wenn man ein Bifteki nicht mehr mit Appetit essen mag, denn jeder Grieche packt einem heute die noch ansehnlichen Reste gerne ein.

Ambiente:

Das Akropolis hat keinen richtigen Eingang und von außen wirkt es provisorisch. Durch die Eingangstür gelangt man in einen Zeltbereich, der mit Wärmestrahlern beheizt wird. Ein erster Anlauf endete an einem Tisch in diesem Bereich, was ich als Zumutung empfunden hätte! Mein Schwager intervenierte dann noch einmal beim Chef und wir durften dann an einem Vierertisch im Hauptraum mit Theke Platz nehmen. Er ist eng gestellt. Auch die Tischgröße ist bescheiden. In einem anderen Bereich, der an das „Zelt“ anschließt, sitzt man nach meiner Erinnerung etwas großzügiger.

Durch Dekomauerwerk und Säulen werden die beliebten Tischnischen geschaffen. Ansonsten bilden die vielen antiken Deckenleuchten den Blickfang. Etliche Spiegel vergrößern den Raum optisch.

Im vorderen Bereich sind die Wände mit üppigen griechischen Motiven als Fresken gestaltet worden.
Das Mobiliar und der Nadelfilzboden wirken sehr altbacken und sind wohl älter als das Restaurant.
Auch der Erleichterungsraum für den Herren in braun-beiger Optik mit Styroporplatten oberhalb des Fliesenspiegels und unter der Decke weist auf den Geschmack vergangener Jahrzehnte hin. Aber alles funktionierte und war frisch und sauber.

Sauberkeit:

Alles im grünen Bereich.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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