Oishii
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Bürgerstr. 16, 76133 Karlsruhe
Restaurant Sushibar
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GastroGuide-User: Oparazzo
hat Oishii in 76133 Karlsruhe bewertet.
vor 2 Wochen
"Oi oi oi...."
Verifiziert

Geschrieben am 05.02.2020 | Aktualisiert am 05.02.2020
Besucht am 04.02.2020 2 Personen Rechnungsbetrag: 33 EUR
...shiiit - solches und ähnliches ging uns durch den Kopf, als wir gestern das Oishii verließen, ziemlich ernüchtert von dem, was wir gerade erlebt hatten. Wobei, ernüchtert ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck, wenn man sich fühlt wie der böse Wolf nach der großmütterlichen Wackersteinimplantation, lechzend nach dem nächsten Brunnen. Doch ich greife vor.
 
Das Oishii (zu Deutsch: Lecker) hatten wir uns für ein schnelles Mittagessen ausgesucht, a) weil es nicht weit von der Garage lag, wo wir unser Auto geparkt hatten und wir danach gleich weitermussten, b) weil es dort “Super Sushi“ und “japanische exquisite Gerichte“ in einem “eleganten japanischen Restaurant“ geben sollte (© Website des Hauses) und c) weil wir sowieso immer auf der Suche nach den Heiligen Ultimativen Sushigral sind. Dass d) bereits drei Guides aus der GG-Gemeinde höchst positiv und überdurchschnittlich ausführlich darüber berichtet hatten, sprach auch nicht wirklich dagegen, zumal diese nicht nur die Masse (bei AYCE eigentlich kein Thema), sondern auch die Qualität gelobt hatten. Der letzte Besuch war allerdings drei Jahre her, und in drei Jahren kann viel passieren. 

Gastraum vorne
Begrüßt wurden wir sehr freundlich von einer jungen Asiatin (ich zögere trotz der steilen Aussagen auf der Website, von einer Japanerin zu sprechen, denn das wäre hier in Karlsruhe schon sehr unwahrscheinlich. Leider verrät die impressumlose Website (gibt’s das?) nichts über den oder die Betreiber). Überhaupt lässt sich über den Service nichts Negatives sagen, höflich, schnell und hilfsbereit, und alle drei, die an diesem Mittag tätig waren, sprachen hervorragend Deutsch.

Gastraum hinten
Die Einrichtung kann man mit nicht allzuviel Wohlwollen tatsächlich als elegant bezeichnen - da, aber leider auch nur da trifft die Selbstdarstellung des Oishii zu.

Hygienisch möglicherweise, geschmacklich mit Sicherheit fragwürdiges Endgerät
Bestellt wird mit Hilfe von Tablets. Wie das funktioniert, ist von den Vorberichtern ausführlich beschrieben worden. Wir mögen Tablets eigentlich nicht so: Selbst auf dem Touchscreen des eigenen Handys sollen sich ja mehr Keime tummeln als auf einer Autobahnklobrille, und wer garantiert einem, dass die mit schmierigen Essensfingern betatschten Displays nach jeder Benutzung abgeputzt werden, und wenn ja, womit?

Alle zehn Minuten darf sich jeder fünf “Items“ aussuchen, die dann tischweise bestellt und innerhalb weniger Minuten gebracht werden. Dass die Abbilder nicht immer der Realität entsprechen, ist bei zwei Personen, die sowieso immer alles teilen, kein Problem. Bei größeren Gruppen, wo vielleicht jeder gerne das essen möchte, was er bestellt hat, könnte die Zuordnung von Item zu Gast schon schwieriger werden. Und dass man nach dem Reinbeißen nicht immer sicher sein kann, was man gerade im Mund hat (s.u.), macht es auch nicht leichter.

All you can eat ist mittags mit 12,90 € recht günstig, dafür ist die Auswahl aber auch deutlich kleiner als abends, wenn es 10 € mehr kostet (mittags gibt es zum Beispiel nicht die von uns sehr geschätzten Thunfisch- und Aal-Nigiri). Sonn- und Feiertags ist dann alles nochmal 2 € teurer.
 
Zu trinken gab es heißes Wasser, das unter der Bezeichnung Grüner Tee verkauft wird.

Sashimi so breit wie hoch
Die Karte gliedert sich in Sushi, warme Gerichte, Suppen/Salate und Desserts. Sesambällchen findet man bei warmen Gerichten und Sashimi bei Salaten. Letztere sind übrigens das einzige Item, das man nur in begrenzter Anzahl (2 p. P.) konsumieren darf, darüber hinaus kosten sie 3 €, was für vier schmale Lachsstreifen auf etwas Rettichraspel schon ein Wort ist.

da waren wir noch optimistisch
Überhaupt waren die Sushi eher schmächtig. Bei all you can eat ist das letztlich egal, aber à la carte würde ich bei den Einzelpreisen hier nicht essen; das macht wahrscheinlich auch keiner. Der Fisch war frisch, schmeckte allerdings wässrig. Das Wasabi war zu mild, um dem noch etwas Pfiff zu verleihen (Wasabipulver gehört nach dem Anbruch in den Kühlschrank). Der Reis war kalt und schon leicht trocken, man scheint in der Küche also auf Vorrat zu arbeiten. Ganz besonders merkte man das den Maki an, bei denen die Norihülle schon weich und zäh geworden war. Das erklärt natürlich auch das Tempo, in dem die Items serviert werden.

In der Mitte Geheimnisvolles aus der Fritteuse 
Trotzdem waren die “Super Sushi“ noch ein wahrer Hochgenuss, verglichen mit den warmen Gerichten: Alles, was aus der Fritteuse kam, schmeckte nach altem Frittierfett und sonst nichts; jeder Biss vermittelte das Gefühl, dass man gerade seinen Monatsbedarf an Trans-Fetten deckte (bevor jemand den Finger hebt: Der Bedarf ist natürlich gleich Null).  Beim gebackenen Maki-Mix war nicht herauszuschmecken, womit die außen harten, innen breiigen Rollen befüllt waren.

Wir rätseln jetzt noch, was sich unter der Panade verbarg
Die Tintenfischringe, die wir uns unvorsichtigerweise bestellt hatten, hatten weder Biss noch Geschmack, zumindest nicht nach Tintenfisch.

Toter Fisch
Auch der gegrillte (?), breiige Fisch schmeckte nicht einmal mehr nach Fisch. Das muss man erst mal schaffen.

Muscheln, so zäh wie unscharf
Die Muscheln waren zäh und blieben größtenteils zwischen den Zähnen hängen.

Arme Würmchen am Spieß
Die gebratenen Garnelen am Spieß hätten sehr davon profitiert, wenn man sie zum Beispiel in etwas Knoblauch oder Teriyakisauce gewendet hätte; das empfiehlt sich vor allem dann, wenn die armen Würmchen sonst nach nichts schmecken.

Der Fluch der Pharaonin
Die knusprig gebackene Ente war bereits mumifiziert.

Sättigungsbeilage 1
Sättigungsbeilage 2
Und auch der gebratene Reis und die gebratenen Nudeln hatten mit “japanischen exquisiten Gerichten“ nichts, aber auch gar nichts zu tun. 
 
Um nicht ein völliges Durcheinander auf dem Tisch zu haben, hatten wir die warmen Gerichte mehr oder weniger gleichzeitig bestellt. So standen wir dann vor dem Problem, alles möglichst aufessen zu müssen, um am Ende nicht noch pönalisiert zu werden. Da ist man nämlich recht streng, was aber sicher seine guten Gründe hat. Die Resteverwertung blieb dann im Wesentlichen bei mir hängen, weil meine Gastritis-geplagte Frau bald die Segel strich. Nur die verbliebenen Tintenfischringe brachte ich nicht mehr runter, was aber gottseidank keine Sanktionen nach sich zog. 

Trostkugel
Während ich noch mit den transfettigen Resten kämpfte, beschloss meine Frau ihr Mahl mit etwas Nachtisch. Das Sesambällchen war gut, das Lychee-Eis allerdings eine künstlich aromatisierte Zumutung, die eher nach Jasmin als nach Lychee schmeckte.

 Wer Kunstschnee mag, wird auch dieses Eis lieben
Auch wenn wir mit der nicht immer glücklichen Auswahl der Items sicher zu dem Trauerspiel beigetragen haben, muss ich mich doch zweierlei fragen: An welchen Haken haben Betreiber und Köche ihre Berufsehre gehängt, und wieso war es dort trotzdem so gut besucht? Dass der Gesamteindruck nicht dem Mittelwert der Einzelnoten entspricht, liegt an meiner Überzeugung, dass Service, Sauberkeit und Ambiente noch so toll sein können - wenn das Essen nichts taugt, dann hilft das nichts.

Unsere Karlsruher Sushi-Suche haben wir jedenfalls erst mal ausgesetzt, zumal wir im April ein paar Tage in Tokio verbringen werden. Dort sollte doch was möglich sein...
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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