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GastroGuide-User: x2x
hat Restaurant Z im Hotel Zugbrücke in 56203 Höhr-Grenzhausen bewertet.
vor 5 Jahren
"Trotz Hotelrestaurant - jede Menge Individualität und Kreativität."

Geschrieben am 25.02.2015 | Aktualisiert am 01.03.2016
Besucht am 10.01.2015
* Das Restaurant Z ist Bestandteil des Hotels Zugbrücke (****+) im 100 Seelen Dorf Grenzau, zugehörig zur Gemeinde Höhr-Grenzhausen. Zur Abfahrt an der A 48 sind es 5 Minuten, trotzdem "Ruhe und Abgeschiedenheit" ohne Ende. Vielleicht 30 Häuser im Dorf, ein Kirchlein, ein uriges Wirtshaus, ganz viel Wald und eben das Hotel Zugbrücke. Vom Rheinland oder auch aus dem Rhein-Main-Gebiet jeweils in knapp 90 Minuten zu erreichen, bis Koblenz sind es 20 Minuten. Das Hotel verfügt über 2 Restaurants. Das Restaurant Z und zusätzlich die rustikale Landhausschänke. Beide Restaurants werden von der identischen Hotelküche bekocht. Bis vor knapp 2 Jahren erinnerte das Ambiente noch etwas an die bekannte "Mövenpick-Architektur". Das hat sich inzwischen gewaltig gerändert.

* Das neue (2013) Restaurant-Ambiente wird bei puristisch gestylten Young-Mangagern die 24 Stunden online sind auf Zustimmung stoßen. Eher konservative Stammgäste könnten allerdings auch zur Wortschöpfung "Kantinen-Flair" neigen. Wir finden es ausgesprochen klasse, haben aber auch eine Anlauf-Gewöhnungsphase für das neue Ambiente benötigt. Der Inhaber des Hauses bevorzugte schon immer ein Design, dass manchmal schon etwas der Zeit voraus war. Zumindest im eher konservativen Westerwald. Wie häufig in Hotel-Restaurants wird neben dem a la carte Geschäft auch ein Buffet angeboten. Das sportliche Relaxvolk das sich hier mehrheitlich aufhält, möchte das so. Man kann den Wellness-Gästen kaum entgehen. Selbst die Karte bietet das ein oder andere Ayurveda Gericht an. Wer es braucht - bitteschön.

* Das Restaurant verfügt noch über einen klassischen Restaurantleiter und über einen Oberkellner. Dazu über eine Vielzahl von jungen, vorrangig weiblichen Servicekräften. Im Restaurant stehen unter Nutzung aller Räumlichkeiten geschätzt 200 Plätze zu Verfügung. Einige davon an bodentiefen Glasfronten, direkt am wilden Brexbach der dort am Haus vorbeifließt. Ländliche Westerwald-Idylee draußen, drinnen futuristisches Design. Trotzdem kommt das Gefühl von einem "sehr großen Restaurant" nicht auf. Wir hatten reserviert, "am Bach".


* Die Karten wurden gereicht. Der Inhalt - Konzentration auf das Wesentliche. Es macht Spaß aus solchen Karten zu wählen. Eine handvoll Vorspeisen, 4 oder 5 "fleischige" Hauptgerichte, etwas aus dem Meer, Dessert und für die Fleischverweigerer etwas "Veggie". Das war's. Keine 08/15 Küche. Modern, leicht, etwas regional, aber eben auch keine Molekularküche die verzweifelt nach neuen Aromen sucht, die bisher noch niemand gefunden hat. Hier unsere Wahl:

* Vorspeisen: 2x Wildschweinschinken (a 12,90 Euro)

* Hauptgerichte: 2 x Zweierlei vom Bison (a.29,- Euro)

* Die junge Dame nahm erfrischend unsere Bestellung auf. Weinkennern sei gesagt, dass die Weinkarte extrem umfangreich ist. Relativ vieles von der nahen Mosel und noch viel mehr diverse Gewächse aus Italien, Frankreich, Österreich und  "Round the World". Erfreulich die Anzahl der offenen Weine. Wer allerdings eine Weinberatung braucht, sollte sich diese vom Restaurant/Serviceleiter geben lassen. Die jungen Damen sind wirklich aufmerksam und flott und ein Kölsch können sie auch von der regionalen Biermarke "Hachenburger" unterscheiden. Aber hinsichtlich einer Weinberatung besteht noch etwas Schulungsbedarf. Unsere Getränkebestellung bestand aus dem einheimischen "Hachenburger" (Pils) und einem offenen Merlot. - Schon kurz nach der Bestellung wurde ein netter Gruß aus der Küche serviert. Etwas Lachs-Creme, wirklich leckere Nuss-Butter und eine weitere, sehr leichte Quark-Kräuter-Creme. Alles sehr frisch und offensichtlich ein Produkt des Hauses und nicht von "Helene Fischer Meggle". Dazu eine Auswahl unterschiedlicher frischer Brotsorten. Helles Brot, aber auch dunkles Nuss-Körner Brot. Wunderbar ! Die aufmerksame Bedienung fragte zwischendurch nach, ob sie noch etwas nachservieren sollte.

* Mit dem richtigen zeitlichen Abstand wurden die Vorspeisen serviert. Wildschweinschinken mit etwas Feldsalat. Während der Feldsalat eher dekorative Zwecke erfüllte, der Hokkaido-Kürbis bestimmt die Veggie-Fraktion begeistert hätte, war der Schinken von der Wildsau (oder vom Eber) ein kulinarisches Gedicht. Die dazu gereichte Nuss-Paste machte die Vorspeise nahezu perfekt. Lecker und außergewöhnlich, obwohl der gemeine Neandertaler vermutlich schon ähnliches verzehrt hat. Allerdings ohne den Hokkaido Kürbis. Soweit es er nun doch nicht gelascht. - Nach dem Genuss von weiterem Hachenburger wurden die Hauptgerichte serviert. Mein Lieber Küchenchef, dass sah aber vorzüglich aus. Ein Stück Bison aus des Bisons Rücken und dazu noch etwas Bison-Gulasch. Eine in der Tat mutige Komposition. Wer allerdings das verzehrt hat, verspürt für die nächsten Tage keine Lust mehr auf das einheimische schwarz gefleckte deutsche Hausrind. Das Bisonfleisch schmeckte einerseits ähnlich wie allerbestes Rindfleisch, allerdings durchzogen von einem leichten Wildgeschmack. Wunderbar auf den Punkt medium zubereitet. Dazu Rotkohl, umgangsprachlich im Süden der Republik auch als Blaukraut bekannt. Abgerundet mit einer Pürrekruste. Den gastronomische Laien (so wie ich) sei erklärt, dass eine Pürreekruste ungefähr die neuste Ausgabe der Krokette ist. Also quasi die Krokette 4.0. Auch dieses Produkte entstammte wohl der Restaurant-Küche, also garantiert nicht aus den Produktstätten von Pfanni & Co. Wunderbar, a like Bison. Wie wir später auf Nachfrage erfahren haben, bezieht der Küchenchef das Bisonfleisch aus der unmittelbaren Nähe. Dort - etwa 10 Kilometer entfernt - mitten im Westerwald werden Bisons gehalten. Wir waren rundherum zufrieden. Dessert ? Nein Danke. Digestif ? Ja bitte gerne. Und was ? Nun der heimische Brand von der Birne überzeugte voll und ganz.


* Bis vor etwa 5 Jahren wurde hier noch konservativ gekocht, eben die rustikale Küche aus dem Westerwald. Der Hotelier wollte neue Zielgruppen erreichen. Dafür musste die Küche mehr erbringen. Man holte sich aus Frankreich einen neuen Küchenchef. Dieser vollzog in der Küche ein Veränderung wie sie tiefgreifender kaum sein konnte. Und das quer durch alle Bereiche. Beginnend beim Frühstücksbuffet, über den a la carte Bereich, bis zu kulinarischen Specials. Leider hat er Ende 2014 das Haus verlassen. Wir haben es nicht gespürt. Er hat in der Küche beim dortigen Team nachhaltige positive Spuren hinterlassen.

Fazit: Keine Sterneküche, aber trotzdem eine Küche für die sich ein Umweg lohnt. Wir waren nicht zum ersten Mal wieder sehr zufrieden. Für das Essen 4,5 Sterne, gute 4,0 Sterne für den Service und ebenso für das Ambiente. Beim nächsten mal werden wir mal die Bisons besuchen, auch wenn diese irgendwann auf dem Teller landen.

update 01.03.2016 Der Küchenchef > Laurent Vialle < ist Ende 2015 zurückgekehrt - wunderbar. Das Haus wird davon partizipieren.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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Carsten1972 und 14 andere finden diese Bewertung gut geschrieben.