Zurück zu Haus Fabry
GastroGuide-User: Ehemalige User
hat Haus Fabry in 40721 Hilden bewertet.
vor 4 Jahren
"Küche und Service mit Entwicklungspotential -oder: Man war stets bemüht...."
Verifiziert

Geschrieben am 04.10.2015 | Aktualisiert am 04.10.2015
Besucht am 26.09.2015
Nicht zuletzt wegen der guten Erreichbarkeit (mit den Segnungen des ÖPNVs) entschieden wir uns das Angebot der tour de menue gusto (fand vom 10.09. bis 04.10.2015 statt) im Haus Fabry in Hilden, südöstlich der verbotenen Stadt wahrzunehmen. Die telefonische Reservierung für Samstagabend gelang locker, freundlich und war auch notwendig. Aus Richtung D-Hassels/-Benrath kommend findet sich das Hotelrestaurant kurz hinter dem Ortseingangsschild am Beginn des Gewerbegebiets. Die Haltestelle (Hülsen) des Busses #785 ist maximal 40 Meter entfernt. Besonders einladend wirkt das direkt an der Einfallstraße gelegene Gebäude nicht, man lebt mutmaßlich von Geschäftsreisenden/Messegästen. Beim zur Straße gelegenen Restauranteingang gilt es drei Stufen zu überwinden, der seitlich zum Parkplatz gelegene Hoteleingang führt ebenerdig in ein Treppenhaus. Ob es einen Aufzug bzw. behindertengerechten Zugang gibt konnte ich leider nicht ermitteln. Die Homepage bietet zwar einiges an Information, leider führen die Links der Speisekarte nur in den Punkten Mittagstisch und Gerichte der Saison zum Ziel, der Rest (immerhin vier Punkte) landet auf einer 404-Fehlerseite. Hier wäre etwas mehr Pflege wünschenswert.
 
Beim Betreten erst mal freundlich ignoriert, wurden wir ,nachdem wir uns bemerkbar gemacht hatten, an einen reservierten Tisch verwiesen, mit der Frage ob dieser recht sei. Alternativ zu dem Ecktisch hätte es noch einen Platz im Seitengang des etwas verwinkelt angelegten Gastraums gegeben, dessen Lage aber nicht sonderlich zusagte, weil nicht im Blickfeld des mutmaßlich einzigen Kellners. Insgesamt stehen die Tische schon sehr eng, wenn man aber mal sitzt isses bequem. Kurz hinter der Eingangstür links geht es an der Theke vorbei ins Restaurant. Bänke und Stühle wirken modern und sind gut gepolstert. crèmefarbene und braune Töne herrschen vor, ein Großteil der Atmosphäre wird durch geschickte Beleuchtung erzeugt. Weniger geschickt in diesem Zusammenhang der Druck der Speisekarte, hellgrau auf weiß bei gedämpfter Beleuchtung hat schon fast etwas von Slapstick. Auf den dunklen Systemtischen finden sich ein Tischläufer, ein wastelsches Grablicht, ein frisches Röschen, eine Broschüre zur tour de menue gusto, Salz- und Pfeffermühlen (!), Brotteller, jeweils eine Stoffserviette und Werkzeug für einen Gang. Eigentlich hätten wir, da bereits Menue vorgesehen, keine Karte benötigt. Weil Speisen und Getränke inklusive Wein in einer Kladde angeboten werden, konnten wir doch das reguläre Angebot überblicken. Die balkanischen Wurzeln sind nicht zu übersehen, es gibt aber auch deutsche, internationale und saisonale Angebote. Die Weinkarte bietet ein breites Spektrum, insbesondere auch höhere Qualitäten aus Kroatien, Slowenien und Bosnien-Herzegowina.
 
Als Aperitif wählten wir zwei Bellini à 4,50 Euronen. Hier in der Variante mit Sekt aber echtem Pfirsichpüree und nicht nur Likör wie bei vielen der Mitbewerber. Daher sehr schön aromatisch und nicht zu süß. Leider gab es kein amuse gueule, das wäre aber auch schwierig in der Kalkulation von 39,90 Euronen pro Person fürs Menue in der Kategorie ‘Globetrotter‘ unterzubringen. Das georderte, stille Wasser (0,75 L à 5,50 Euronen) kam schnell, Couvert-Brot (Aufbackbaguette und Vollkornbrotschnipsel) und crèmig aufgeschlagene Butter gab es erst zur:


 
| Vorspeise |
Japan & Mexico
Thunfisch | Sesam | Mango | Chili
Sehr schön ‘rare‘ gegarter Thunfisch, mit schwarzem und weißem Sesam aufgeschnitten auf einer aromatischen Sesamölmarinade, dazu eher langweiliges Mangokompott, Chili anscheinend nur optisch vorhanden. Nett, das kleine Blattsalatbouquet mit einer Scheibe der Rote-Beete Varietät ‘Tondo di Chioggia‘, somit ein guter Auftakt.


Von den verkosteten Weißweinen (Zilavka, Mostar AOC 0,2 L à 5,80 Euronen für Madame, Krauthaker Rosenberg Chardonnay, AOC 0,2 L à 7,40 Euronen) war der Chardonnay die erwartungsgemäß aromatischere (der Zilavka von fast wasserheller Farbe, angenehm nach nichts schmeckend) Wahl und passte ebenso zur Vorspeise wie zum:

 
| Zwischengang |
Italien & Rumänien
Pasta | Cherrytomaten | Steinpilze | Thymian
Al dente gegarte Linguine (sehr gutes Convenienceprodukt) zusammen mit Pilzen in etwas wenig Thymiansahne, zusätzlich gebratene, frische Steinpilze und gebackene Cherrytomaten. Geriebenen Parmesan gibt’s rationiert als Zuteilung vom Kellner. Geschmacklich eine sichere Bank und bis auf den Umstand, dass die Sauce an einer Ecke bereits etwas Haut gezogen hatte eine gute, klassische Umsetzung.

 
Als angenehme Überraschung (da nicht im Menue angekündigt) wurde vor dem Hauptgang ein Sorbet von der Kaktusfeige mit Sekt serviert. Zur Neutralisation hervorragend geeignet, da man der Versuchung, den feinen Kaktusfeigengeschmack mit anderen Aromen aufzupeppen, erfolgreich widerstanden hatte. In dieser Form ein wirklich guter Gaumenerfrischer. Vor dem Hauptgang wechselten wir auf Rotwein, angesichts der durchwachsenen Erfahrung mit den Balkangewächsen wurden es ein Bordeaux (Saint Emillion à 7,60 Euronen für Madame) und ein spanischer Tempranillo à 5,90 Euronen. Beide typisch in ihrer Aromatik und somit präferenzgemäß passgenau zum

 
| Hauptgang |
Deutschland & Kroatien
Hirsch | Granatapfel | Kakao | Kartoffel-Gnocchi | Johannisbrot
Wie gewünscht medium rare gegartes Hirschrückenfilet in dezent mit Kakao aromatisierter Granatapfeljus. Die eher langweiligen Gnocchi mit Johannisbrotbröseln gepimped. Überflüssig der halbierte, kalte Patisson mit Preiselbeergelee. Licht und Schatten zu gleichen Teilen auf dem Teller, die Hauptkomponente mit ihrem schönem haut goût aber über jeden Zweifel erhaben.

 
Zum Leeren der Weingläser ließ man uns, wie erbeten, genügend Zeit. Der Service versuchte immerhin die einzelnen Gänge anzusagen, kannte die Beschreibung aber nicht so genau. Meine entsprechende, automatische Korrektur beim Hauptgang trug mir ein zurechtweisendes Augenverdrehen von Madame ein, der Service indes stutzte nur und ging zur Routine über. Bereits jetzt machte sich ein erhebliches Sättigungsgefühl breit und eigentlich bedurfte es nicht wirklich eines weiteren Gangs. Vom Nebentisch (ebenfalls Menue) kam die kategorische Aussage von ihr an ihn: „So, ich esse jetzt nix mehr, Du kannst ja noch aber ohne mich, nääh!“ Nun, ich will nicht behaupten, dass sei immer so, Tatsache war aber, dass er lediglich das Dessert probiert und sie schlussendlich zwei Portionen verputzt hat. Da wir dieses Verhalten, in mehr oder weniger ausgeprägter Form, meinen öfter beobachtet zu haben, entbehrt es nicht einer gewissen Signifikanz. Wie auch immer, pflichtschuldigst machten wir uns ans

 
| Dessert |
Türkei & Brasilien
Dattel | Karamell | Blätterteig | Tonkabohne
Eine glücklicher Weise übersichtliche aber reichhaltige Komposition aus mit Plomben ziehendem Dattel-Ragoût gefülltem vol au vent, etwas Karamelzement und anscheinend ob der Toxizität des enthaltenen Cumarins, sehr dezent mit Tonkabohne aromatisiertes Eis. Insgesamt eine ganz gute Idee, als Service könnte man eventuell einen Insulin-Pen beilegen….

 
Unterm Strich sind gute Ansätze zu verzeichnen, die Küche könnte etwas mutiger agieren und der Service etwas sorgfältiger (beim Nachschenken nicht den Flaschenhals auflegen, Ansagen nicht vernuscheln etc.). Zum Ende konnte der Kellner nicht ohne und es gab noch Slivovic aufs Haus. Insgesamt war man freundlich bemüht und entsprechend des Aufkommens einigermaßen aufmerksam. Vor dem Hintergrund, dass für ein Vier-Gang-Menue (eigentlich fünf, zählt man das Sorbet mit) keine 40,- Euronen (insgesamt mit zwei Aperitifs, einer Flasche stillen Wassers und vier Glas Wein 121,- Euronen) fällig wurden, eine glatte Empfehlung, ausreichend Hunger sollte man schon mitbringen. 
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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