Zurück zu Meze Akademie Tübingen
GastroGuide-User: Katha
hat Meze Akademie Tübingen in 72072 Tübingen bewertet.
vor 4 Jahren
"Wenn Vorspeisen zur Hauptspeise werden"
Verifiziert

Geschrieben am 15.08.2016
Besucht am 13.08.2016 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 63 EUR
Heimatbesuche sind für mich Freizeitstress, ich hatte es ja schon erwähnt. Die Zeit reicht immer kaum, um allen Freunden Herr bzw Frau zu werden und der Terminkalender ist meist praller gefüllt, als im Alltag.

Nach all der Schwärmerei über den ungriechischsten Griechen unweit der Heimat, war ein Besuch fällig. Die Meze Akademie ist der Gegenentwurf zu Pita, Pommes, Gyros und Souvlaki, hier gibt es keine weichgespülte Teutonengriechenküche, sondern nach eigener Aussage echtes griechisches Essen…

Die Spannung stieg und ein Platz auf der Terrasse war schnell reserviert. Obwohl die Terrasse eingekeilt zwischen einer Bundesstraße und einer für befahrenen Ausfallstraße liegt, sitzt man erstaunlich ruhig. Die Tische und die Deko sind angenehm dezent gehalten, keine obligatorischen Hellas-Vokabel-Servietten, keine Fischernetze, keine Götter als Wandgemälde oder Resinfiguren, dafür moderner Charme mit Wurzelholz und dezenter Beleuchtung.

Die Speisekarten sind keine der üblichen Klappmappen in Kleblederimitat, sondern beschriebe Schiefertafeln, die neben den Tisch gestellt werden. Von der umfassenden Getränkekarte wähle ich einen erfrischenden griechischen Weißwein, dazu eine Flasche Mineralwasser. Der Service ist blitzschnell und eifrig bei der Sache.

Nach der Tafel mit den Getränken bringt die blitzschnelle Dame vom Service die nächsten Tafeln mit den Hauptgerichten an den Tisch. Die eine Tafel widmet sich ausschließlich Vorspeisen, denen das Lokal auf seinen Namen zu verdanken hat. Die Meze Akademie bietet eine riesige Auswahl Mezedes, warmer und kalter Leckerlichkeiten. Die Kellnerin erklärt, dass zwei Vorspeisen mengentechnisch einer Hauptspeise entsprechen und wir wagen zu zweit das Experiment und bestellen insgesamt vier Mezedes, zwei mal wann, zwei mal kalt.

Nach kurzer Zeit trudeln die ersten Teller ein. Die Pilzbällchen mit Ziegenkäse und Trüffelöl und einem Hauch Tomatensauce schmecken großartig. Der Käse ist cremig, sämig, schmelzig, die Pilze runden den Geschmack herrlich ab. Der bestellte Oktopus ist schön angebraten, bissfest und keiner dieser obligatorischen Keilriemenersatzprodukte, die man leider so oft bekommt. Er wird auf einem Spiegel aus Olivenöl, Kräutern und Zwiebeln serviert und das dazu gereichte Brot tunkt sich prächtig ins lauwarme Öl.

Das gegrillte kalte Gemüse besteht aus roten und gelben Paprikastreifen, Zucchinistreifen und Auberginenstreifen. Letztere habe ich nicht versucht, da Aubergine wahrlich nicht mein Gemüse ist. Die anderen Sorten waren durchaus fein, wobei die Zucchini ein bisschen mehr Salz hätte vertragen können. In der Hinsicht bin ich aber ein schlechter Maßstab, weil ich gelegentlich auch einen Salzstreuer auslecken oder ein Glas Sardellen oder Anchovis so essen kann.

Die letzte Vorspeise war ein kalter Linsensalat mit Flusskrebsschwänzen, geschmacklich grandios, genau richtig in der Säure, die sich mit den leicht salzigen Flusskrebsschwänzen genau die Waage gehalten hat. Auf dem hübsch angerichteten Salat thronte noch ein kompletter Flusskrebs, den ich in unserem Fall selbst demontiert habe. Krebs-Laien können den Krebs auf Wunsch auch in der Küche zerlegen lassen.

Der auf Eis servierte Ouzo zum Nachtisch war zwar nicht auf Kosten des Hauses, sondern selbst gekauft, aber der Geschmack war fein und man hatte nicht das Gefühl, den Ouzo nicht nur für die Freunde, sondern für die besten Freunde zu bekommen.

Sollte ich wieder in der Heimat sein, probiere ich mich gerne weiter durch die Mezedes. Die Pilzbällchen und der Linsensalat sind allerdings wieder fest gebucht. Parken kann man kostenpflichtig in der näheren Umgebung und auch zwei Buslinien halten in etwa hundert Metern Entfernung. Das Restaurant ist barrierefrei, die Toiletten waren extrem sauber und sind recht extravagant designt. Da wird Hände waschen zum Erlebnis. Für zwei Personen haben wir mit vier Vorspeisen, Wein, Wasser und Ouzo zum Nachtisch 63,50 Euro bezahlt. Gyros mit Pommes mag billiger sein, aber wer authentische Küche sucht, wird sich hier wohlfühlen.

Von mir gibt's fünf Sterne. Ich komme gerne wieder!
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


kgsbus und 11 andere finden diese Bewertung hilfreich.

Vully und 11 andere finden diese Bewertung gut geschrieben.