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GastroGuide-User: DaueresserGK0712
hat Jagawirt in 87561 Oberstdorf bewertet.
vor 4 Jahren
"A weng Österreich im Allgäu - Part II"
Verifiziert

Geschrieben am 04.01.2016 | Aktualisiert am 04.01.2016
Besucht am 25.12.2015
Oberstdorf besteht aus dem Ort Oberstdorf und fünf weiteren Ortschaften. Eines davon ist Schöllang. Wir verbrachten dieses Jahr 8 Tage dort. Typisch für Schöllang sind die Bauernhäuser um den barocken Zwiebelturm der Pfarrkirche. In der Nähe befindet sich die Burgkirche von 1531. Typisch für Schöllang ist mittlerweile auch für uns der Jagawirt. Da wir viel neues in dieser Woche ausprobierten, sollte quasi der Besuch unser "Kulinarik-Highlight" sein. Wir wurden nicht enttäuscht.

„Einfoch guad“ lautet ohne Kompromiss die "Jagawirt" Küchenphilosophie. Daher kommen ausschließlich frische Produkte aus der Region Oberstdorf in die Töpfe und Pfannen. Die hochwertigen Lebensmittel werden schonend gegart und gehen eine schmackhafte Symbiose auf dem Teller ein: für Essen auf höchstem Niveau!


Die Homepage als auch die Speisekarte liest sich hervorragend und macht einen professionellen Eindruck. Das ganze drumherum, das Essen, der Service, alles war wieder bei uns Note 1 mit Stern. Auch das Ambiente im Innern, im modernen Österreichischem Landhaus-Stil gehalten macht was her. Bei der Reservierung ein paar Tage zuvor lehnte der Chef und Inhaber ganz cool an der Theke, er erklärte mir freundlich, dass seine Frau und sein jüngerer Sohn die Küche schmeißen. Er und eine Azubine den Service machen. Sein ältester Sohn sei Berufsjäger und erschießt das Wild (wie brutal :-(), das wird dann vor Ort zerlegt und kommt ohne Zwischenhändler in die Küche. Frischer gehe es kaum, daher sei auch die Karte etwas sehr "wild".

Für Wildliebhaber gibt es tolle Variationen. Aktuell in der Karte: verschiedene Steak`s vom Reh und Hirsch, aber nicht nur Wild auch andere Fleischsorten wie Gams oder Lamm sind im Angebot. Innereien wie Leber vom Grünten Lamm (Geschnetzelt oder Glaciert auf Erzherzog Johann`s Lieblingsart zubereitet mit Kürbispüree ) sowie Jagawirt`s wüde Leber in kräftigem Portweinjus mit gebratenen Äpfel, Speck und jungen Zwieberl dazu serviert der Küchenchef Erdbirnenschnee, vervollständigen das Angebot. 
Das hört sich natürlich für Wild und Innereien -Fans verlockend an, allerdings mögen meine Frau und ich kein Innereien und kein Wild, in meiner Kindheit hatte mich mein Onkel mitgenommen, da gab es Hirsch. Dieser dominante, penetrant süßlich negative Tiergeschmack, der geht (leider) bei mir einfach nicht mehr raus. Ich frage mich immer warum man Wild mit so viel Soße bzw mit Früchten isst?? Um den eigentlichen heftigen Tier-Geschmack zu übertünchen ?? Man kennt es ja von Schnecken. Die werden auch gerne mit viel Knoblauch serviert, um vom eigentlichen Geschmack abzulenken. Schmerzgrenze ist für mich Rehfleisch, das hatte ich mal nach einem Missverständnis mit dem Kellner serviert bekommen (in einem 2 Sterne Michelin Restaurant). Ich dachte er meinte "Risotto"mit Cranberry am Ende stellte es sich als "Reh-Soute" (oder so ähnlich, irgendein französischer Ausdruck für Reh-Medaillons) heraus, irgendwas vom Reh, war sehr fein und der Wild Geschmack war nicht zu dominant, allerdings war ich aber froh als ich es unten hatte. Seitdem schaue ich mir die Rehe lieber im Wildpark an. Entwickle ich mich langsam zum Vegetarier ?? (das arme Wild)

Schön, dass die Käsespatzen in der Karte nicht unter den vegetarischen Gerichten stehen. Das ist uns im Allgäu jetzt schon öfters aufgefallen (wegen den tierischen Zusätzen im Käse). Für Vegetarier gibt es leckere Serviettenknödel mit frischen Waldpilzen oder die Variation vom winterlichem Gemüse in knusprigen Strudelteig gehüllt an Sauerrahm- Kräuterdip mit vitaminreichen Salatarrangement nebst diversen Salaten alle ohne Fleischzusätze. Für Veganer habe ich keine Speisen entdeckt.

Wir schauen uns weiter die gelungene Speisekarte an. Mich lacht (leider) ein wildes Gericht an. Rostbraten aus der Junghirschkeule (natürlich vom Allgäuer Jaga) in kräftiger Portweinglace mit Gernot`s Schilcherschalotten, Selleriestroh und hausgemachte Kürbisnockerl. Ich kämpfe mit mir, habe Angst vor dem penetranten Tier-Geschmack. Ich entscheide mich für ein Jungschwein-Gericht, genauso wie meine Frau. Schweinegerichte stehen leider nur zwei in der Karte. Schnitzel "Wiener Art" sowie das Cordon Blue. Wir möchten anstatt dem Erdäpfel-Salat lieber Pommes und kalt gerührte Preiselbeeren.Wir verzichten wegen der großen Portionen, die wir noch vom letzten Urlaub kennen, bewusst auf eine Vorspeise um uns anschließend noch ein Dessert auszusuchen. Als Begleitung passt ein Zöttler Hefe - die Macht wird mit mir sein, vor dem Besuch beim Jagawirt haben wir uns die Star Wars "Rückkehr der Jedi Ritter" angeschaut, das geht natürlich nur im passenden Outfit. Ähnlich wie wenn man ein leckeres Welde Hefe-Weizen in einem Paulaner Glas ausschenken möchte, das geht gar nicht. 


Oder doch noch eine Vorspeise ? Das Gipfeltreffen von Rona und Apfel eine fruchtige Rote Betesuppe mit leichtem Apfelaroma und frischem Kren hören sich verlockend an. Oder das Carpaccio von der Waldviertler Weidegans mit Barrique- Apfel- Walnußvinaigrette und winterlichem Salatarangement ?? Nee, Tiere mit Federn erinnern mich zu sehr an meine Kindheit, ich war immer Indianer an Fasching. Die Vernunft siegt, wir starten mit dem Cordon Blue (13,50)

Das war BOMBE !! Angerichtet auf modernen Tellern mit asiatischem Touch kam das Cordon Blue. Die Panade knusprig, sie löste sich wunderbar vom Fleisch. Die Füllung mit geräuchertem Rohschinken und Bregenzerwälder Bergkäs ein Traum. Ordentlich portioniert, ich denke es waren mit Füllung bestimmt 300-400 Gramm. Die kalt gerührten Preiselbeeren passten dazu wie die bekannte Faust aufs Auge. Zum Spülen bestellte ich dann noch ein zweites Hefebierchen (3,40).
Zum süßen Abschluß bestellten wir uns jeweils die "flaumigen Topfenknödel" raffiniert in Szene gesetzt für erfreulich faire 4,50. Und wie diese Knödel in Szene gesetzt waren. Die Früchte waren teilweise gepfeffert, verschiedene Temperaturen bzw wohl verschieden gegart. Die Knödel wunderbar flaumig-fluffig, ich werde noch zum Knödel Fan, das war zusammen mit dem Hauptgang ganz großes Kino.

Fazit:
Hier stimmt einfach alles. Essen, Service, Ambiente, Preis-Leistung. Volle Punktzahl !!
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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