Fischwerk
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Bäckerstraße 4, 26548 Norderney
Restaurant Cafe Veganes Restaurant
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GastroGuide-User: Hanseat1957
hat Fischwerk in 26548 Norderney bewertet.
vor 4 Jahren
"Empfehlenswerte Fischküche mit Anspruch jenseits des Einerleis"
Verifiziert

Geschrieben am 03.06.2015
Es existiert eine neue Bewertung von diesem User zu Fischwerk
Besucht am 02.06.2015
Zeche: 88,00 € (zwei Personen)

Allgemein:

Die Norderneyer Gastronomie ist erwartbar sehr fischlastig, aber im Schnitt wenig originell. Matjes, Scholle & Co. dominieren in meist immer gleicher Zubereitung.

Das Fischwerk will sich davon absetzen und kommt als ambitionierte Kombination aus „Fischtheke mit Selbstbedienung“ und Restaurant daher. Das Mission Statement lautet „Fisch aus Leidenschaft“. Nach unserem Besuch des Restaurants haben wir den Eindruck, dass es ein Kollektiv jüngerer Leute ist, die sich dieser Passion verschrieben haben und das Fischwerk mit Engagement betreiben.

Das Projekt hat Zuspruch verdient und wir empfehlen das Fischwerk gerne.

Das Publikum gemischt, sicherlich auch Neugierige wie wir. Da das Restaurant klein ist, sollte man reservieren.
Das Preis-Leistungs-Verhältnis sehe ich bei soliden vier Sternen.

Dass Fischwerk findet man im Internet bei Facebook (https://www.facebook.com/fischwerk). Die Karte habe ich dort vergebens gesucht.

Service:

Der Restaurantbetrieb wird von einer jungen Frau geschmissen. Meiner ständigen Inselbegleiterin fiel ein  Nasenpiercing auf, das sicherlich ein Nasenrümpfen bei einigen Gästen hervorruft. Als sich später auch ein Koch mit langem Bartzopf (!) und tellerartigen Ohrläppchentunneldehnern zeigte, wird man diesen Körperschmuck wohl trendiger Jungendlichkeit des Kollektivs des Fischwerks zurechnen müssen – suum quique, wie mein Mitstreiter aus Borgfeld formulieren würde.

Die junge Frau war flott unterwegs und so waren alle Wartezeiten kommod. Eine deutliche Kritik an einer Vorspeise musste wohl erst einmal verdaut werden. Am Ende war dann eine Dialogbereitschaft vorhanden und ein Friesengeist ging zur Beschwichtigung auf`s Haus. Die Gästeansprache aber verhalten. Das ist ein Befriedigend, ergo drei Sterne.

Die Getränkeauswahl ist überschaubar. Preislich kommt ein Warsteiner (das für die Hausfrauen) auf 2,10 € für 0,2 l. Die Flasche Wasser 0,75 l wird mit 5,60 € berechnet. Sieben offene Weine zwischen 5,00 und 7,00 € für 0,2 l und einige Flaschenweine aus Italien, Frankreich, Deutschland und Spanien. Wir hatten den Rosé Mas Donis Rosat aus Spanien für 5,50 €, der richtig kalt war und für einen Rosé viel Frucht und Körper hatte.

Essen:

Die Karte ist reduziert: Zwei Suppen (Tomate 5,00 € oder Fisch 6,50 €), fünf kleinere oder Vorspeisen (Räucherfisch, Matjestartar, Räucherlachs, Krabben, Thunfisch) zwischen 7,50 und 12,50 €. Zehn Hauptspeisen mit Matjes, Räucherfisch, Filets (Rotbarsch, Seelachs, Lachs, Steinbeißer), Scholle und Thunfisch zwischen 14,00 und 25,00 €, die sich vom sonstigen Einerlei partiell durch Zubereitung und Beilagen unterscheiden (z. B. Walnuss-Rosinen-Krautsalat, Ratatouille, Rote-Beete-Risotto, Spinatgnocchi, Wakamesalat).

Erst einmal gab es ein Körbchen mit Stangenweizenbrot und einem dunklen Vollkornbrot mit einem Schälchen Frischkäse, drapiert mit etwas Seehasenrogen. Eine nette Geste. Das Korbbild mit Arm und Hand ist übrigens ein besonderer Wunsch meiner ständigen Begleiterin und soll den Besitzstolz ausdrücken, die erste Applewatch Bremens zu tragen!

Wir wählten dann als Vorspeisen die Fischsuppe nach Art des Hauses (6,50 €) und Räucherlachs auf Rösti mit Frischkäse und Sanddorndressing (9,50 €). Die Fischsuppe war ein Totalausfall: Ein dünner Fond mit ein paar Fischstückchen und vielen Möhrenstiften, die in der Suppe mit ihrer Süße dominierten. Da stimmte nichts. Ich habe es auch in aller Deutlichkeit gesagt. Am Ende konnte ich noch die Empfehlung aussprechen, den Fond mit Lachsköpfen anzusetzen, wie es schon der gute alte Siebeck in seiner „Kochschule für Anspruchsvolle“ in den Siebzigern empfohlen hat (mein wohl wichtigstes Kochbuch für eine kulinarische Sozialisation durch Lektüre). Der Koch am Tresen hat es auch gehört.

Nun zu den positiven Nachrichten aus dem Fischwerk: Der Räucherlachs war für meine Mitesserin auf den ersten Blick enttäuschend, entsprach das Tellerbild doch gar nicht der Erwartung. Statt sichtbaren knusprigen Röstis und Räucherlachsscheiben ein „Gemetzel“ aus Salat und zerpflücktem Stremellachs. Ein Kartoffelrösti bedeckte den Tellerboden und war mit dem Frischkäse bestrichen. Der Dreiklang aus Lachs, Rösti und Frischkäse war gelungen, ergänzt durch guten Salat mit leckerem Dressing. Auch die Portionsgröße beeindruckend und für kleine Esser schon fast eine vollwertige Mahlzeit. Da meine Fischsuppe keinen Sättigungswert hatte, durfte ich beim Lachs mithelfen.

Die Hauptgänge: Seelachs natur gebraten mit Ratatouillegemüse und Rosmarinkartoffeln (16,00 €) und dreierlei vom Thunfisch (Carpaccio, Tartar, Steak, 20,00 €). Dazu als Beilagen Topinambur und Drillinge (statt der standardmäßigen Süßkartoffeln).

Das Ratatouille leicht tomatig aromatisiert und mit knackigem Gemüse, gut gebratenen Kartoffeln und
durchgebratenem Seelachs. Sehr ordentlich.

Bei der Thunfischbestellung wurde gefragt, ob ich das Steak englisch wünsche, was ich bejahte.
Auf dem Glasteller geformt das Tartar mit zwei Kapernäpfel, gehäufte Carpaccioscheiben und das nur kurz angebratene Steak, das ansonsten dunkelrot und damit praktisch roh serviert wurde. Es war geschmacklich sehr gut und der Sieger auf dem Teller, dann die Silbermedaille für das Tartar und dritter Sieger das Carpaccio, dem ich gewünscht hätte, etwas angemacht zu sein. Als Beilagen reichlich gute Drillinge und geformt und schon fast breiig der Topinambur, der für mich von der Konsistenz und vom Geschmack her wie Kindernahrung aus dem Glas rüberkam. Wenn es dazu auch noch Süßkartoffeln auf der Platte gegeben hätte … Der Koch scheint ein Faible für süße Gemüse zu haben.

Auf dem Foto gut erkennbar das Schälchen mit dem erbsengroßen Tropfen Wasabi. Die sparsame Dareichungsform verständlich, denn er war wunderbar scharf. Ich durfte einmal nachordern.

Die Portionsgröße meines Gerichtes bemerkenswert reichlich.

Eine Pfeffermühle wurde uns auf unsere Bitte hin gebracht.

Für das Essen gebe ich knappe vier Sterne, die Fischsuppe läuft dabei ausnahmsweise als Streichergebnis.

Ambiente:

Das Restaurant ist sehr überschaubar. Ein länglicher Raum, beginnend mit der Theke rechts und einer durchgehenden Tischreihe links, die im hinteren Teil durch Tische an der rechten Wand ergänzt wird. Gezählt habe ich an die neun Tische, meist für vier Personen. Auf den Tischen weiße Tischwäsche und schwere Schiefertafeln als „Platzteller“. Korbstühle, helles Holz, hellgraue Bodenfliesen und eine leicht tonnige, naturbelassene Deckentäfelung im vorderen Teil erzeugen eine offene, freundliche Optik. Ein paar pastellartige Inselfotos und ein gerahmter Spiegel bilden die Wanddeko. Die Beleuchtung im hinteren Teil etwas düster, da hätte eine Reihe Deckenspots gerne zugeschaltet werden können. Die Musikbeschallung (eine Liveaufnahme in Konzertlänge) nicht mein Fall, vielleicht die Vorliebe des Kollektivs.

Sauberkeit:

Alles sehr gepflegt; neue, frische Toiletten.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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