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GastroGuide-User: Hanseat1957
hat Schießstätte in 83684 Tegernsee bewertet.
vor 2 Jahren
"Traditionswirtshaus – aussterbende Gattung in Tegernsee – Erhaltens- und empfehlenswert"
Verifiziert

Geschrieben am 09.08.2017
Besucht am 07.08.2017 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 65 EUR
Allgemein:

Als wir 2001 die Sommerfrische am Tegernsee genossen haben, kamen wir auf vier Besuche des Schandls, einem traditionellen Wirtshaus, in dem der Wirt höchstpersönlich in voller Tracht bediente und die Waldarbeiter nach getaner Arbeit an ihren Stammtisch einkehrten. Der Schandl hat nach einem Wirtswechsel im Oktober 2015 geschlossen und seitdem steht die Immobilie leer da, mit der letzten Karte im Schaukasten.

Als klassisches Wirtshaus verblieben ist in Tegernsee die Schießstätte. Gelegen im Alpbachtal neben der Schießstätte (vulgo Schießsportanlage) der Königlich privilegierten Feuerschützengesellschaft Tegernsee. Bei unserer Einkehr an einem Montagabend wurde auf der 50 Meter Kleinkaliberanlage auch kräftig geschossen. In der Schießstätte hat sich seit 2001 nach unserer Erinnerung nichts verändert und das ist gut so.

Am Stammtisch im Schatten ein langer Tisch mit Tegernseern, viele traditionell gekleidet. Auf der Sonnenterrasse auch Einheimische und natürlich Touristen aller Altersklassen.

Die Homepage ist unter „Restaurant“ mit Tripadvisor verlinkt, was wir anspruchsvolleren Gastroguides natürlich mit einem Nasenrümpfen quittieren, aber die Reichweite unserer Plattform ist halt noch ausbaufähig. Leider sieht man nicht die aktuelle Speise- und Getränkekarte. Dafür aber die nette Fotogalerie und einiges zur Geschichte und zur aktuellen Wirtsfamilie.

Das Preis-Leistungsverhältnis zeugt schon von einem gewissen Kultstatus und ich lasse die Kirche im 3,5-Sternedorf.

Service:

In der Schießstätte bedienen drei Frauen im Dirndl, davon eine sehr junge, noch etwas schüchterne Kraft, vielleicht eine Aushilfe. Über Piercings, Tattoos und Turnschuhe muss man heutzutage wohl als Arbeitgeber und Gast hinwegsehen können.

Die beiden anderen waren nicht auf den Mund gefallen und passten sehr gut zum Wirtshaus. Die Getränke am warmen Sommerabend standen angenehm schnell auf dem Tisch und die Speisen passten in der Abfolge.
Nicht schlechter als im Bräustüberl und deswegen auch für diesen Service vier Sterne.

Die Halbe Helles vom Tegernseer Brauhaus kommt auf 3,30 € und wer Wasser braucht, muss 5,10 € für die Flasche 0,75 l hinlegen. Ein Gebirgsenzian stand mit schon ordentlichen 3,10 € auf dem Bon.

Essen:

Die Karte ist sehr klein gehalten. Drei Vorspeisen mit zwei Suppen dabei, zwei Salate, Kässpätzle und Saibling für Vegetarier, Wurstsalate und Leberkäs in der Rubrik Brotzeit und wenige klassische Hauptspeisen (Schweineschnitzel Wiener Art, Sauerbraten, Grillfleisch mit Kartoffelsalat, Currywurst mit Pommes, Bergkasschnitzel).
Erst einmal die Rinderkraftbrühe mit Leberknödel (4,80 €) und die Ziegenkäsetaler mit kleinem Salat, Kürbiskernen und Honig (9,50 €).

Meine Suppe war nicht richtig heiß, aber in einer kräftigen Brühe ein leicht grober Leberknödel, der den Namen verdiente.

Ziegenkäse und Honig in unterschiedlicher Zubereitung ist ja mittlerweile ein Klassiker und hat auch die Schießstätte erreicht. Aber hier perfekt die Ziegenkäsescheiben mit Feigenscheiben im Wechsel aufgereiht und der sorgfältige Salat mit mehreren Sorten Blattsalat, Kürbiskernen, Mais, Rote Beete. Angemacht mit einem sehr milden Essig (meine Himbeere). Dazu ein Körbchen mit drei Scheiben gutem Stangenbrot. Also nicht sehr originell, aber dafür fein komponiert und sorgfältig zubereitet.

Für die Vorspeisen (nur) 3,75 Sterne wegen des Hitzedefizits der Suppe.

Meine ständige Begleiterin wählte dann das Bergkasschnitzel mit Röstitaler und einem Beilagensalat (15,80 €) und ich das Schnitzel Wiener Art mit Pommes, ebenfalls mit einem Beilagensalat (12,80 €).
Die Salate nahezu identisch wie bei der Ziegenkäsevorspeise, ohne Kürbiskerne.
Mein Schnitzel bestand aus zwei dünn geklopften Scheiben, die in der Panade gut ausgebacken waren. Zitroniert ein Klassiker und immer mal wieder gerne von mir gegessen. Die Pommes passten dazu.
Besser, weil mit einer dicken Schicht Bergkäse von der kräftigen Sorte belegt und gratiniert, war das Schnitzelgericht meiner ständigen Begleiterin. Serviert mit drei krossen Röstitalern in einer Eisenpfanne mit einem Braten-Käsefonds. Sehr lecker und gut portioniert.

Auch wenn es kein Schweinsbraten, keine Schweinshaxe und kein Leberkäse in der Schießstätte war, war es bodenständig und handwerklich sehr gut gemacht (bis auf die Temperatur der Suppe …).
Solide vier Sterne für die Küche der Schießstätte.

Salz- und Pfeffermühle  nahm ich uns von der Anrichte hinter mir.

Ambiente:

Die Schießstätte ist in einem historischen Gebäude im Tegernseer Stil untergebracht. Von der Alpbachtalstraße geht es eine Stichstraße ein paar Meter hoch, ohne alpine Anstrengungen zu verursachen.

In der Gaststube zeugt eine ganze Galerie von historischen Schützenscheiben von der Bestimmung des Ortes. Dazu passend das Mobiliar, der Holzfußboden und dunkle Deckenbalken. Man sitzt drinnen sehr großzügig.
Mit Blick auf den See und der Abendsonne sitzt man auf der Terrasse an Holztischen mit Bänken und hat auch ausreichend Platz. Ohne diesen Ausblick gibt es noch einen Außenbereich an der linken Längsfront mit Eingang. Einmal geschützt unter dem Dach und dann klassisch biergartenmäßig.

Die Toiletten großzügig und modern.

Sauberkeit:

Mir ist nichts Negatives aufgefallen.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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