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GastroGuide-User: Shaneymac
Shaneymac hat Charly's Diner in 42655 Solingen bewertet.
vor 12 Monaten
"Charly’s Diner in Solingen: nach wie vor DER regionale Wallfahrtsort für BBQ Fans"
Verifiziert

Geschrieben am 30.07.2023 | Aktualisiert am 31.07.2023
Besucht am 22.07.2023 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 96 EUR
Das Charly's Diner bietet jetzt endlich den Klassiker der BBQ Mix-Plates, die „Holy Trinity“ des Südstaaten BBQ auf einen Schlag, nach über drei Jahren eine gute Gelegenheit also für ein kleines Update.
 
Vorweg aber zunächst ein paar nötige Worte zum Hintergrund des Charly´s Diner, wer es schon kennt kann einfach nach unten scrollen:
 
In Deutschland authentisches BBQ zu bekommen, ist nach wie vor ein schwieriges Unterfangen, vor allem abseits der Metropolen ist es fast völlig unmöglich, obwohl man dem Begriff BBQ in der Gastronomie so inflationär oft begegnet.
 
Aber auch wenn man in Deutschland überall in den Karten „BBQ Spareribs“ liest, so ist es ein Trugschluss zu glauben, dass hiesige Spareribs, also Schälrippen - die in den Staaten als „Baby Back Ribs“ eher als Vorspeise gehandelt werden, im Gegensatz zu den mächtigen Exemplaren im St. Louis oder dem US-amerikanischen Spare Ribs Cut – zu BBQ Ribs werden, nur weil man sie zwei Stunden durch den Kombigarer geprügelt und hernach mit einer nichtssagenden BBQ Sauce bepinselt hat.
 
Nein, das langsame, behutsame Heißräuchern im Smoker hingegen, für das der Begriff BBQ eigentlich in den Vereinigten Staaten steht, „low & slow“ mit ausgewählten Hölzern, ist eine Kunst und nicht umsonst werden dort die Meister ihrer Zunft als „Pitmaster“ bezeichnet, es braucht eine Menge Erfahrung, um reproduzierbare Ergebnisse bester Qualität zu erzielen.
 
Solingen hat mit dem Metzgermeister Dirk Vieth einen solchen Meister und sein Charly's Diner steht für allerbestes authentisches Südstaaten BBQ, das man so in Deutschland nur äußerst selten findet.
 
Das sympathische Unikum hat es sich schon vor Jahren zum Ziel gesetzt, ein in jeder Hinsicht authentisches Südstaaten-Diner zu reproduzieren. Sei es, was das liebevoll gestaltete Interieur angeht, oder die „low & slow“ bei niedriger Temperatur über Stunden und ganze Nächte sorgfältigst im Smoker zubereiteten BBQ Spezialitäten aus bestem Fleisch angeht - und, ich habe es bereits mehrfach unterstrichen: dieses Ziel wurde mehr als erreicht.
 
Was sicher auch daran liegt, dass er selbst einige Zeit in den USA in einem BBQ Diner arbeitete, wo er viele wichtige Erfahrungen machte. Er hat Gäste, die durch die halbe Republik reisen, um die in dieser Qualität teilweise wirklich raren Köstlichkeiten wie Pulled Beef, Burnt Ends, Brisket oder Chuck Short Ribs zu genießen.
 
Mehr als ein Dutzend hausgemachte Soßen warten zusätzlich auf hungrige Abnehmer und auch Beilagen wie seine legendären BBQ Beans – Bud Spencer approved! – oder die herrlichen Mac & Cheese machen nicht nur satt sondern auch viel kulinarische Freude.
 
Es gibt hier viel zu entdecken, auch der schier unerschöpfliche Burger-Baukasten kommt bei Burger-Fans aller Altersklassen gut an und selbst an die Veganer hat er gedacht.
 
Die ebenfalls selbstgemachten veganen Patties und andere pflanzlichen Alternativen z.B. in Sachen Buns und Saucen z.B. haben mittlerweile so viele begeisterte Fans, dass es ihm als leidenschaftlicher Metzger manchmal schon ein wenig Sorgen bereitet.
 
Ich habe hier schon viele Leute „hin-empfohlen“ und bekam eigentlich immer nur begeisterte Rückmeldungen. Was allerdings polarisieren kann, und dafür pilgern die BBQ-Fans natürlich hier her, ist der rauchige Ton, der durch das lange Smoken entsteht und Ribs, Pulled Pork und Co. anhaftet.
 
Das ist es, was neben den Rubs und einer guten Fleischqualität – Schweinefleisch vom Duke of Berkshire in Bio Qualität bspw. - den besonderen Geschmack ausmacht, aber wer natürlich Pulled Pork bspw. nur als die „deutsche“ Gastro-Kombigarer-Version aus der Massentierhaltung mit einer mainstreamigen Billig-BBQ Sauce à la Thomy kennt, könnte vielleicht genau das nicht mögen.
 
Apropos „Gastro“: es ist sicher kein Zufall, dass sich das Charly’s Diner gerade in der kochenden Zunft großer Beliebtheit erfreut, da weiß man anscheinend auch Aufwand und Handwerk hinter dem Ganzen zu schätzen und kann gut verstehen, warum diese Qualität ihren Preis hat, ohne dass man als Gast im Ansatz das Gefühl hat, hier auch nur einen Cent zu viel gezahlt zu haben.
 
Auf ins Gefecht: die Holy-Trinity-Platte und Co.
 
Am vergangenen Samstag waren wir zusammen mit jungen Freunden dort, die beiden waren noch nie hier und vor allem die Dame aus Tirol war sehr gespannt auf die Köstlichkeiten, die sie hoffentlich erwarten würden.
 
Über das Angebot, den mächtigen Burgerbaukasten und die BBQ Mix-Teller habe ich schon mehrfach geschrieben, mehr Infos zu den Optionen findet man auf der Website des Diners unter:

https://www.charlys-diner.de/
 
Schon häufig habe ich hier bereits Leute hinempfohlen oder –geschleppt, und das Ambiente des quietschbunten Kleinods, das von außen so unscheinbar wirkt – hier war vormals der Laden bzw. die Metzgerei von Dirks Vater Karl, dessen Spitzname stets „Charly“ war, daher der Name – verfehlte auch diesmal seine Wirkung nicht: „Ahh, ist das goldig, ist das süß!“ hörte ich alsbald mit charmantem Tiroler Akzent als wir drin waren, und recht hat sie, die junge Dame.

Putzig und gemütlich

Aber so drollig kommod es auch innen ist, es sollte dringend mal etwas am Außenbild gemacht werden, da man nur abends am Wochenende öffnet (Freitag bis Samstag) macht es unter der Woche oft einen eher tristen Eindruck. 

Da müsste man mittlweile mal ran, siehe Text.

Neue Flaggen statt dem verbliebenen Fetzen, die Neon-Reklame reparieren, ein wenig Farbe und schon könnte man meiner Meinung nach viel erreichen, auch wenn das Essen und das Interieur mir natürlich wichtiger sind.


 
Obwohl Dirk seit einiger Zeit arge Personalprobleme hat, auf einen kann der sich verlassen: seinen treuen Weggefährten Alfonso, nicht wegzudenken aus Service und Küche, ich liebe seinen Humor und seine ruhige Art sehr, gut also, dass er an diesem Samstag da war.

Dirk Vieth (links) mit Alfonso

Bei den Getränken setzt er beim Bier gerne auf Bayern, das Helle aus einer kleinen fränkischen Brauerei sollte uns gut schmecken, meine Begleitung wählte eine hausgemachte Limonade und war ebenfalls glücklich, nach dem Essen gab es noch herrlich sündige Milkshakes der Sorte "ein Schluck = 800 Kalorien, mehr Seelentrost im Glas ist kaum vorstellbar.
 
Noch als wir in Ruhe auswählten und ich den beiden BBQ-Novizen ein paar Infos zu einigen Angeboten – ich liebe das, er zieht das durch mit dem Diner, Erklärungen zu den Gerichten gibt es in der A3 Karte die auch als Tischset fungiert nicht – zeigte er uns mit einem kleinen Gruß aus der Küche, dass ihm das regionale Metzgerhandwerk und die hiesige Tradition immer noch genauso wichtig ist, wie seine BBQ Passion.
 
Denn es gab frische Mettwurst aus seiner Produktion nach einem alten Familienrezept, dazu etwas scharfen Senf, herrlich weiche Textur und fein gewürzt, das sollte allen bestens schmecken.

Amuse-Gueule auf Fleischer-Art: hausgemachte Mettwurst mit scharfem Senf
 
Die Vorspeisen bestehen zum großen Teil aus Sünden aus der Fritteuse und sind im Gegensatz zu den Beilagen – Pommes ausgenommen – einige der Dinge, die er zukauft. Wir hatten eine gemischte Platte für zwei Personen die wir uns zu viert teilten: Onion Rings, Chicken Nuggets und Wings, Mozzarella Sticks, Jalapeno Creamcheese Poppers, Chili Cheese Nuggets und Nachos, dazu bestellte ich drei von den hausgemachten Ausnahme-Dips: Beer BBQ, Smoke BBQ und Honey-Mustard.

Starter Mix Plate
 
Früher hat er sogar Onion-Rings selbst gemacht, aber es geht einfach nicht mehr zeitlich ohne verlässliches Küchenteam und so konzentriert er sich auf den Kern seines Angebotes.
 
Aber, großes aber: die Qualität dieser Convenience, insbesondere der Onion Rings, ist herausragend, das ist die absolute Champions League dessen, was der Markt zu bieten hat und wer schon mal bei Burger King Onion Rings hatte, dem dürfte sich hoffentlich noch nachträglich der Magen umdrehen wenn er die köstlichen Dinger im Charly’s probiert hat, denn die schmecken annähernd selbst gemacht und bestehen nicht aus einem undefinierbaren Zwiebelbrei sondern sind echte Ringe.

Schön wäre bei den Vorspeisen allerdings noch ein paar Dinge aus dem Smoker, Wings oder ein kleiner Abstecher nach Louisiana mit Cajun-Shrimps, es ist mir etwas zu Fritteusen-lastig, auch wenn es Spaß macht.
 
Als die Hauptgerichte kamen war die Zufriedenheit dann aber völlig am Gipfel angelangt. Unsere Freunde hatten einen selbst zusammengestellten Bacon Burger (er hat mit American Bacon, Canadian Bacon und Bacon Jam alleine drei Optionen nur für die Abteilung „Speck“), BBQ Nachos mit Pulled Pork und Jalapenos und Cheese Cream, meine ständige Begleitung eine Pulled Pork Plate mit Chief Fries (es gibt u.a. auch Süßkartoffel-Pommes und Curly Fries) und Cole Slaw.

Bacon Burger aus dem Baukasten

BBQ Nachos mit Pulled Pork, Cheese Cream und Jalapenos

Pulled Pork Plate

Nur zu diesem Cole Slaw sei gesagt: wer schon mal in den USA war und diese Küche kennt, den dürfte alleine dieser gedanklich aus Solingen Höhscheid nach South Carolina beamen, unglaublich authentisch.
 
Für mich war die neue Holy-Trinity Platte aber erste BBQ-Bügerpflicht, ein Klassiker in den USA und in jedem Smoke House bzw. BBQ Diner auf der Karte: bestehend aus Pulled Pork, Beef Brisket und mächtigen Spare Ribs im erwähnten US Cut, alles aus dem Smoker natürlich.
 
Das war alles so saftig und voller Geschmack, das es wie immer eine wahre Freude war, die Spare Ribs pariert er jetzt etwas besser, was nicht nur optisch einen Unterschied machte.

DIe Holy-Trinity Platte
 
Und wer jetzt meint, davon nicht satt zu werden dem sei gesagt, dass alleine ein Stück Spare Rib um die 200 Gramm wiegt und der Fleischanteil immens ist, das ist schon eine heftige Portion und ich nahm noch einiges mit nach Hause. 

Spare Ribs aus dem Smoker (US Cut) KI
 
Ein Highlight, das ich nie auslasse gab es auch noch dazu, die BBQ Beans, die Bud Spencer wohl in Ekstase versetzt hätten, rauchig, süß-säuerlich mit viel geschmacklicher Tiefe, mit Baked Beans aus der Dose hat diese Köstlichkeit in etwa so viel zu tun wie ein gutes Wiener Schnitzel mit Tilmans Toasty.

BBQ Beans als Beilage: göttlich!
 
Ich kann jedem nur empfehlen, der eine entfernteste Ahnung davon hat, wie gutes authentisches BBQ zu schmecken hat, hier mal aufzuschlagen, ich kenne die Küche aus mehreren zum Teil längeren USA Aufenthalten in jungen Jahren recht gut und lege in dieser Hinsicht meine Hand dafür ins Feuer.
 
Und auch wer sich da nicht so recht ran traut, für den gibt es immer noch grandiose Burger und diverse andere Optionen, hier wird jeder fündig und wie erwähnt werden auch die Vegetarier und Veganer nicht vergessen, bunt gemischte Tische brauchen also keine Angst vor vereinzelten langen Gesichtern zu haben.

Fazit
 
Unverändert: nichts wie hin da! 

Beachten sollte man aber die begrenzten Öffnungszeiten und eine Tisch-Reservierung ist hochgradig empfohlen:
 
Freitag & Samstag von 17-22 Uhr
Sonntag 17-21 Uhr
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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