Zurück zu La Costanera an der Aa
GastroGuide-User: Carsten1972
hat La Costanera an der Aa in 48143 Münster bewertet.
vor 3 Jahren
"Mal Küche von weit weg......"
Verifiziert

Geschrieben am 10.12.2017
Besucht am 09.12.2017 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 105 EUR
...darauf hatten meine Frau und ich Lust am Abend vor dem zweiten Advent 2017. Wohin? Ich erinnerte mich an einen Beitrag des WDR Studio Münsterland, in dem Christoph Tiemann mit dem augenzwinkernden Blick des Satirikers Streifzüge durch Münsterländische Restaurantlandschaft unternimmt.
https://www1.wdr.de/fernsehen/lokalzeit/muensterland/serie-tiemann-testet-100.html
Auch der Beitrag zum La Costanera ist noch online. Das hatte mir gefallen, Frau fand die Idee auch gut, also einen Tisch für zwei gebucht und um 19:30 standen wir auf der Bergstraße, an der Aa und nicht weit vom Theater vor dem Haus.

Vor dem La Costanera befand ich hier eine Tapasbar. Die hatte mich nie locken können, Perus Küche schon! Sie ist ja zur Zeit eine der angesagtesten in der kulinarischen Welt. Jetzt habe ich weder Zeit noch Geld nach Lima oder Cusco zu fliegen um mich dort direkt von den Ahnen der Inkas bekochen zu lassen, aber ich kann mich von denen bekochen lassen, die das hier in Münster tun.
Rein in die gute Stube, voll war es! Ohne Reservierung am Freitag- oder Samstagabend essen zu gehen klappt in MS nur im Bereich Fast Food! Immer reservieren, wenn man anständig essen will, ist die münster'sche Grundregel. Das Ambiente war wahrscheinlich schon das der Tapasbar.

Aber gemütlich war es, einfach eingerichtet. Ein Katastrophe die Stühle an unserem Zweiertisch, ich habe selten auf unbequemeren Sitzgelegenheiten Platz genommen. Nach dem Abend dankte es mir mein Rücken! Der Tisch selber sehr klein, aber auch anständig eingedeckt.

Die Getränkekarten liegen aus, die Essenskarte kommt recht schnell an den Tisch und eine kleine Tafel, die durchs Restaurant wandert, verkündet ein kleines zusätzliches Tagesangebot. Die ersten beiden Seiten überblättert man am besten ganz schnell, die sind vermutlich für die, die sich nicht sicher sind nach ihrer Buchung in einem Peruanischen Restaurant, ob sie dann auch diese Küche wirklich essen wollen. Frittierter Conviniencekram....aber offensichtlich bestellt, wie ein Rundblick bewies. Danach aber dann die Seiten mit den landestypischen Spezialitäten, dass sah schon besser aus. So beschreibt die Karte peruanische Küche:
Die vielfältige und köstliche peruanische Küche basiert auf der traditionellen Küche der Inka und wurde seither von zahlreichen Kulturen beeinflusst. Es gibt keine homogene Nationalküche, vielmehr gibt es verschiedene Spezialitäten je nach Region. Eine Auswahl davon finden Sie in unserer Speisekarte.

Beim Wein sollte es ein peruanischer Weißer sein. Angeboten wurde ein Chardonnay Intipalka, Valle del Sol, Jahrgang 2016.

Definitiv ein Stahltankausbau, sehr unfranzösisch in seiner Art, aber er begleitete uns wacker durchs Menü. Wir orderten noch ein Wasser dazu, dann ging es an bestellen. Zwei Vorspeisen, zwei Hauptspeisen, die wir beide uns teilen wollten, man will ja möglichst viel probieren.
Vorweg:
Ceviche (Peruanisches Nationalgericht), Rotbarschfilet in Würfel geschnitten, mariniert in roter Chili, Koriander und frischem Limettensaft. Serviert mit geröstetem Mais (Cancha) und Süßkartoffel (Camote)

Choritos a la Chalaca, Sechs Miesmuscheln nach Chalaca-Art

Fangen wir mit den Miesmuscheln an, dass waren die großen (grünen) pazifischen Miemsuscheln, dreimal so groß wie unsere aus der Nordsee, 6 Stück waren also eine ordentliche Portion. Diese waren gekocht, aber kalt serviert. Darauf ein Salat (Chalaca) aus Tomaten, Zwiebeln, Petersilie und Zitronenmarinade. Die leicht säuerliche Marinade passte perfekt zu den Muscheln. Sehr lecker! Störend die langweilige Salatbeilage, dass lenkte nur vom eigentlichen Gericht ab. Dann die Ceviche, die war hervorragend! Sauer-scharf! Deutliche Koriandernoten im perfekt frischen Fischfilet. Ich vermute, dass es Rotbarsch war. Das war wirklich lecker! Sogar die salzigen, krossen Maiskörner waren eine gute Ergänzung! Die Süßkartoffel wollte in meinem Geschmacksempfinden nicht recht dazu passen, aber sie störte den Genuss nicht weiter. Wir waren uns einig, das war ein guter Start mit interessanten neuen Gerichten, die wir so noch nicht kannten.

Hauptspeise:
Escabeche de Pescado, gegrilltes Fischfilet in einer roten Zwiebel-Chili-Paprika-Soße. Serviert mit Süßkartoffeln, Ei und schwarzen Oliven. Ein angenehm scharfes, kulinarisches Erlebnis aus der Küstenregion Perus

Chicharrón de Pescado, geröstetes Fischfilet, serviert mit Maniok (Yuca) und grünem Salat, dazu hausgemachtes Aioli. Eine typische Spezialität an der Nordküste

zuerst zum gegrillten Fischfilet. Bedeckt war es mit einer Sauce aus geschmorten roten Zwiebeln. Oliven und Ei obenauf, dazu wieder Süßkartoffel gekocht und Melone. Die Sauce mit den geschmorten Zwiebeln erschlug den Fisch ein wenig, von dessen Gütestufe bekam nichts mit. Die leicht süßliche, etwas scharfe Sauce an sich war äußerst schmackhaft! Hier passte dann die Süßkartoffel auch besser hin als Beilage! Guter Gang. Das geröstete Filet war in kleine Tranchen geschnitten, mehliert und dann gebraten worden. Gewürzt war es sehr zurückhaltend, der Fisch weißfleischig, vermutlich auch Rotbarsch. Die Aioli passte dann, noch besser die nicht angekündigte Oliventapenade, die war sehr lecker. Hier fand ich auch die Salatbeilage passender als bei der Hauptspeise. Nicht gut gefallen haben mir die gekochten (vermute ich), mehlierten und dann frittierten Stücke der Maniokwurzel. Das wird nicht meine liebste Sättigungsbeilage werden. Jede Supermarktkartoffel hat mehr Eigengeschmack als die die Wurzel. das muss aber jeder selber entscheiden, wie ihm diese schmeckt. Ansonsten beide Gerichte wieder mit neuen Eindrücken für uns Beide, und so möchte man es ja, wenn man eine unbekannte Küche ausprobiert.

Dessert ging nicht mehr, aber stattdessen ein peruanischer Klassiker:

Pisco Sour! Lecker! Cocktail Klassiker aus Peru, das sagt Wikipedia dazu: Pisco Sour wird mit drei Teilen Pisco, je einem Teil Limettensaft, Zuckersirup und Eiklar mit Eis gemixt und ins Glas abgeseiht. Dieser kann mit einem Spritzer Angosturabitter oder dem peruanischen Cocktailbitter Amargo Chuncho (oder auch einer Messerspitze Zimt) verfeinert werden. Das Resultat ist sehr gut! Und man darf gerne zwei Trinken!

Der Service absolvierte seine Arbeit ordentlich, obwohl man allen anmerkte, dass sie keine Fachkräfte waren. Das Konzept des La Costanera ist aber auch so ausgelegt, dass der Service vor keine großen Probleme im Umgang mit dem Gast gestellt wird.

Kann ich zum Fazit kommen. Bewusst einfach gehaltene südamerikanische Küche, bei der es Spaß macht, einfach Sachen zu bestellen, die man erstens nicht aussprechen kann und zweitens noch nie was davon gehört hat! Meiner Frau und mir hat es gefallen. Bei Gelegenheit kommen wir gerne zurück!
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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