Zurück zu Schnitzelei Mitte
GastroGuide-User: NoTeaForMe
hat Schnitzelei Mitte in 10115 Berlin bewertet.
vor 9 Monaten
"Interessante Auswahl mit "deutschen Tapas", aber insgesamt geschmacklich noch mit Luft nach oben."

Geschrieben am 25.08.2020 | Aktualisiert am 25.08.2020
Besucht am 30.08.2018 Besuchszeit: Abendessen 1 Personen Rechnungsbetrag: 36 EUR
Gleich zwei Restaurants sind unter dem Namen "Schnitzelei" in Berlin zu finden. Ich besuchte an einem Abend im August 2018 die Dependance im Stadtteil Mitte und möchte euch hier von meinen damals gemachten Eindrücken berichten.
 
Natürlich ist bei dieser Gaststätte der Name auch Programm. Wem es also nach einer der beliebtesten Speisen der Deutschen dürstet, vertraut zunächst sicherlich darauf, hier auf ansprechende Qualität zu treffen.
Für mich persönlich war es aber noch ein weiterer Aspekt der Speisekarte, der mich auf die "Schnitzelei" aufmerksam machte: die sogenannten „deutschen Tapas“. Fisch- und Fleischklassiker, aber auch vegetarische Gerichte der "deutschen" Küche können hier in Tapas-Portion ausprobiert werden. Das klang für mich nach einer perfekten Speise, da ich Abwechslungsreichtum sehr schätze und gerne mehrere kleine Sachen probiere.
 
Ein paar Wörter zur Einrichtung des Restaurants, welches zunächst recht versteckt im Innenhofbereich eines Wohnblocks zu finden ist und daher häufig sicherlich gar nicht auf Anhieb gefunden wird. Der Beliebtheit scheint diese Lage aber keinen Abbruch zu tun, war das Restaurant doch zur Zeit meiner spontanen Einkehr fast komplett ausgebucht. Vielmehr zeigt sich ein Vorteil dieser Lage, da man zumindest vom Lärm der Hauptstraße hier nicht beeinträchtigt wird. Auch innerhalb des schlicht aber auch modern eingerichteten Gastraums sind die Sitzmöglichkeiten in großzügigen Abständen platziert, sodass sich die Lautstärke gut verteilt. Natürlich existierte auch ein Außenbereich und auch an der Bar gibt es ein paar Sitzmöglichkeiten. Eben die Letztgenannten ermöglichten es mir damals, auch ohne Reservierung noch in die "Schnitzelei" einkehren zu können, da sie für Einzelgäste fast immer frei waren.
 Innenansicht.
In Sachen Bedienung lässt sich ebenfalls ein positives Fazit ziehen. Trotz vollem Restaurant wurde für mich als spontanem Gast wie erwähnt gern noch ein Plätzchen gesucht und gefunden. Zur Hauptspeise hin war die Wartezeit zwar etwas lang, aber auf meine Nachfrage wurde freundlich und umgehend eingegangen, sodass ich mir nicht vollkommen vergessen vorkam.
Die abschließende Bezahlung ging dann wieder fix von statten.
 
Wie gesagt interessierten mich vor allem die "deutschen Tapas" sehr. Dabei lassen sich aus einer breiten Auswahl 3,6 oder 9 Schälchen bestellen, die dann auf einem Holzbrett angeordnet übersichtlich und gut transportierbar an den Tisch kommen.
Die Auswahlmöglichkeiten reichen dabei von Berliner Currywurst und Bouletten über Fischfrikadellen oder Forellenmousse bis hin zu Obazda sowie Graupen-Salat und lassen damit also keine Wünsche offen.
Ich wollte natürlich "All-In" gehen und ließ mir deshalb folgende 9 Kleinigkeiten servieren:
"Deutschen Tapas".
Geschmacklich stachen unter den Kreationen für mich persönlich vor allem die trotz kleiner Größe optimal gegarten Minikartoffeln mit einem aromatischen und durch Leinöl geschmeidigem Kräuterquark sehr positiv heraus (im Bild ganz links).
Auch die schön lockeren und saftigen Fischfrikadellen mit passender Säure und intensiven Dillaroma in der dazu gereichten Remoulade blieben mir gut in Erinnerung (im Bild die 4. Schale von links).
Selbst die kleinen Pflaumen im Speckmantel waren für mich mit noch krossem Speck, sowie einer gut gelungenen Balance aus Süße und Salzigkeit tadellos (im Bild die 4. Schale von rechts).
 
Eine gute Leistung wurde z.B. beim cremigen Ziegenfrischkäse mit Karamellhaube und Thymian hingelegt (im Bild die 3. Schale von rechts).
Auch die Mini-Kohlrouladen überzeugten mit einer noch saftigen Fleischfüllung, wobei ich mir die dazu gereichte Speck-Stippe noch etwas kräftiger gewünscht hätte (im Bild ganz rechts).
Ebenso saftig waren auch noch die kleinen Bouletten, die klassisch von Senf begleitet wurden, welcher die annoncierten Bärlauch-Noten aber nicht wie so wie erhofft einhalten konnte (im Bild die 2. Schale von links).
Kleine Blutwurstabschnitte hätten für meinen Geschmack noch etwas schärfer angebraten sein können, wohingegen das dazu gereichte Apfelkompott aber mit der Säure eingearbeiteter Granatapfelkerne positiv überraschte (im Bild die 3. Schale von links).

Verschweigen will ich aber auch nicht z.B. den Tomaten-Bierbrot-Salat, der auf Grund der ungewürzten Tomaten und den kleinen Bierbrot-Croutons, die ein Bieraroma leider keineswegs erahnen ließen, eher geschmacksneutral war (im Bild die 3. Schale von rechts).
Mehr Geschmack hätte ich mir auch vom zum an sich knackig und frischen Gartengemüse gereichten Rote-Beete-Walnuss-Dip erhofft, bei dem der typisch erdige Geschmack nur leicht hervortrat und von der Walnuss eher nichts zu erschmecken war (im Bild die 2. Schale von rechts).

Insgesamt brachten die Tapas mit Höhen und Tiefen aber die erhoffte geschmackliche Abwechslung, wobei 19,5 € für 9 Schälchen zwar schon ein ziemlich stolzes Sümmchen aber noch zu verkraften sind.

Zudem wollte ich mich natürlich von der Kernkompetenz des Restaurants überzeugen: den verschiedenen Gerichte rund um das Schnitzel. So sollte es das Cordon Bleu von der Brust vom Paderborner Maishähnchen sein, welche mit Truthahnschinken und Emmentaler gefüllt war und zu dem Gartengemüse und Bratkartoffeln gereicht wurden. 16,5€ wurden für dieses Gericht verlangt.
Cordon Bleu von der Brust vom Paderborner Maishähnchen mit Gartengemüse und Bratkartoffeln.
Das Cordon Bleu wurde mit wunderbar krossen Kruste serviert. Das Maishähnchenfleisch war gut gegart und damit keineswegs trocken, was bei Geflügel ja gerne sehr schnell der Fall sein kann.
Auch die Füllung erfüllte die geschmacklichen Erwartungen und war in ansprechender Menge portioniert.
Das Gemüse hätte hingegen wirklich noch etwas knackiger sein können, war aber nicht komplett übergart. Allerdings kam ich an Salz- und Pfefferstreuer hier keineswegs vorbei. Auch die ansonsten ordentlich zubereiteten Bratkartoffeln hatten würztechnisch das gleiche Manko wie das Gemüse. Bei einem Gericht mit einer kräftigen Sauce wäre das vielleicht kein Problem gewesen, da eine solche aber hier fehlte, machten die Beilagen doch einen recht geschmacksneutralen und auch etwas trockenen Eindruck.
Ein bisschen mehr hätte man aus dem Gericht also durchaus noch rausholen können, als geschmacklicher Reinfall kann es aber keinesfalls bezeichnet werden.

So bescherte mir die Schnitzelei also auch ohne Reservierung einen durchaus gelungenen Abschluss des Tages im Zentrum der Hauptstadt. Während die "deutschen Tapas" eine wirklich gut umgesetzte Abwechslung waren, gab es für mich bei der Hauptspeise noch einige Sachen, die kulinarisch auf diesem Preisniveau durchaus besser gehen.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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