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GastroGuide-User: Hanseat1957
hat Nonne & Zwerg in 10961 Berlin bewertet.
vor 2 Jahren
"Zum Entdecken: Kleine Taverne mit leckeren Meze in einer ruhigen Seitenstraße"

Geschrieben am 27.05.2018 | Aktualisiert am 27.05.2018
Besucht am 23.05.2018 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 83 EUR
Allgemein:

Im Südstern-Kiez in der Gneisenaustraße hatte ich bereits das Thalassa entdeckt und gerne empfohlen. Als ich nun im Mai 2018 für mein Essen mit meiner Berliner Freundin etwas Originelles und möglichst Frisches suchte, stieß ich auf Nonne & Zwerg. Gleich vorab: Ich habe es zum Schluss eines verplauderten Abends und nach einigen Retsinas doch glatt versäumt, Aufklärung über die Benamung des Restaurants einzufordern. Ein böser Fauxpas!

Das kleine Restaurant in einer Seitenstraße der Gneisenaustraße gibt es seit dem 10.04.2017. Da wir im Service nur zwei deutsche Männer erlebten, war die Nachfrage vonnöten, ob es denn auch griechische Mitstreiter gäbe. Es wurde bejaht und Martha Nastasa Zoupa (entnehme ich Facebook, s. u.) aus der Anbauregion der berühmten Kalamata-Oliven vom Peleponnes wurde als Garantin der griechischen Kulinarik benannt. Der zweite Grieche im Nonne & Zwerg ist Alexandros Dimitropoulos.

In der quirligen Restaurantszene südlich des Landwehrkanals zwischen Südstern und Mehringdamm ist es kein Selbstgänger, ein kleines Restaurant zum Laufen zu bringen. Ob das nun wirtschaftlich mit Nonne & Zwerg gelungen ist, kann ich naturgemäß nicht beurteilen. Mein Interesse ging ja dahin zu erleben, ob uns etwas auf den Tisch gestellt wird, was nicht jeder Standardgrieche auf der Karte hat oder durch besondere Zubereitung den Unterschied macht.

Am warmen Mittwochabend Ende Mai waren einige Tische auf dem Trottoir besetzt; im Hauptraum des Restaurants blieben wir unter uns. Da ist das Nonne & Zwerg noch weit entfernt von den richtig brummenden Läden im Bergmannkiez, wie dem Restaurant Z, in das wir auch schon mehrmals eingekehrt waren. Von der Küche und der Atmosphäre her wünsche ich dem Nonne & Zwerg einen guten Zuspruch und möge das Team sein solides Auskommen haben.

Schaue ich auf den Bon und die kleine Karte, dann ist das Preisniveau etwas disparat. Da man aber sehr ansprechend für überschaubares Geld in der Karte fündig wird, gebe ich gerne vier Sterne für das Preis-Leistungsverhältnis.

Die Homepage http://nonneundzwerg.com/ wird derzeit überarbeitet, sodass habe man mit der Facebookseite https://de-de.facebook.com/nonneundzwerg/ Vorlieb nehmen muss, auf der man aber auf den ersten Blick die Standardspeisekarte findet und öffnen kann. Zudem etliche Fotos.

Wie der Untertitel im Restaurantnamen „Wein und Köstlichkeiten“ bereits andeutet, kann man im Nonne & Zwerg auch einige Produkte kaufen, die im Eingangsbereich rechts hinten im Regal stehen. Eine Liste oder dergleichen sehe ich auf der Facebookseite indessen nicht. Aber einzelne Fotos deuten auf den Hauptdreiklang Wein, Olivenöl und eingelegte Oliven hin.

Zur Erinnerung meine weiteren guten "Griechenerfahrungen" in Berlin: Thalassa, Taverna Athene,  Der Kretaner, Berkis, Restaurant Z, Elena, Estiatorion Jevssis, Nemesis, Pratirio, Ousies, Retro. Nobel, mit griechischen Restanklängen das Cassambalis. Nur mittelmäßig das Ypsilon und das Dimokritos.
 
Service:

Vom Team des Nonne & Zwerg haben wir den Abend über einen großgewachsenen Deutschen erlebt, der uns angenehm betreute. Da nicht viel los war, kamen unsere Getränke schnell auf den Tisch und als wir uns einmal raussetzten, bekamen wir unsere nächste Runde unaufgefordert auf dem Trottoir serviert. Als wir unsere Mezeorder aufgegeben hatten, schob er beherzt den Nachbartisch an unseren heran, damit alles seinen Platz haben werde. Zum Schluss konnte ich noch ein paar Fragen loswerden, die er gerne beantwortete. Er hätte mir sicherlich auch das „Nonne & Zwerg“ erklärt.

Mit den Speisen kannte er sich auch kundig aus, wie einige Nachfragen zu mir nicht bekannten Bezeichnungen zutage brachten.

Ich gebe ordentliche 3,5 Sterne für den Service.

Die Getränkepreise sind überwiegend moderat: 0,7 l Wasser kosten 3,50 €, die Flasche Flens 0,33 l kommt auf 2,60 € (gezapft wird nicht) und der Retsina 0,2 l steht mit 3,90 € auf dem Bon. Die Hausweine liegen für 0,2 l bei 3,90 € (weiß) und 4,50 € (rot). Für Nipper gibt es auch 0,1 l, die mit niedrigem Abschlag (1/3 des 0,2-l-Preises) bestraft werden. Mein Retsina war kühl und könnte auch im Nonne & Zwerg, wie fast überall, einige Grad kälter auf den Tisch kommen.

Die Bioweine stehen mit Richtung 6,00 € für 0,15 l auf der Tafel über dem Durchgang.

Spendiert wird im Nonne & Zwerg nichts.

Essen:

Die Karte ist sehr klein gehalten: acht kalte Meze, fünf Salate, drei verschiedene Käse aus Schafs- und Ziegenmilch, drei warme Meze und 11 warme Gerichte. Die Meze, Salate und Käse liegen zwischen 4,00 und 7,00 €, die Hauptspeisen zwischen viermal 9,50 € (z. B. Souvlaki, Hacksteak, Baby-Calamares) und 18,00 € (Rumpsteak, Lammkoteletts).  Ergänzt wird dieser Standard durch eine Extrakarte mit sieben Positionen, die sehr vielfältig daherkommen, von Gemüsepuffer (6,00 €), über Rinderhüftsteak mit Süßkartoffelpüree (14,50 €) bis Hokkaido Gnocchi auf Fenchel-Cherry-Tomatengemüse (10,50 €). Aber auch die kleine Standardkarte bietet z. B. mit Dakos (Olivenölbrot mit Tomaten, Kapern und einer Käsecreme Armi), marinierten Sardellen oder Orangenwurst einige Gerichte jenseits des Mainstreams an.

Wie schon üblich, bestellten wir erst einmal nur Meze um uns später zu entscheiden, ob noch weitere Orders vonnöten seien. Wir nahmen schlicht die ersten sechs Positionen der kalten Fraktion: Taramosalata (5,50 €), Tzatziki (5,00 €), Hummus (4,50 €), Melitzanosalata (5,00 €), Dolmades (6,00 €) und die schon beschriebenen Dakos (7,00 €). Dazu gab es einen Korb mit üppig Stangenweißbrot, das mal richtig gut war (frisch mit knuspriger Rinde). Olivenöl und Pfeffermühle wurden unaufgefordert dazu gestellt.

Alle Meze waren nett angerichtet, vier auf sehr hübschen Tellern mit hellblauer Innenseite. Die Portionsgrößen sehr befriedigend! Meine Favoriten waren das Taramas (aus nicht gefärbtem Fischrogen weiß) mit kräftigem Fischgeschmack und noch akzeptabel cremig und der Auberginensalat (Melitzanosalata). Er war ohne Joghurt zubereitet, wie ich es bevorzuge. Also ein frischer Geschmack mit Olivenöl, Zitrone, Petersilie, Knoblauch (dezent) und ich meine, Nüssen. Die Auberginen stückig. Das Tzatziki auch erfrischend mit Dillnote und die Dakos mit eindeutiger Käsecreme. Die Weinblätter mit langweiliger Füllung und das Hummus leider recht fad. Zwar waren ein paar Pinienkerne und Olivenöl aufgebracht worden, aber das Hummus selbst kaum gewürzt. Da gehört für mich Kreuzkümmel dran. Im Mittel sehr solide vier Sterne für den Mezegang.

Meine Begleiterin wollte danach nur noch weiter an den Mezeresten dippen. Mich reizte der gegrillte Oktopus mit warmer Fava, gebratenen Zwiebeln und Kapern als kleine Hauptspeise (12,50 €), was von der Portionsgröße her dann auch zutraf.

Der Oktopusarm war zart und lecker, aber auch eher vom Jungtier. Das (?) Fava war laut Erklärung ein Erbsenpüree und ähnlich flau wie das Hummus. Die Zwiebeln waren leicht aufgetürmt auf einem Balsamicospiegel, der die untere Zwiebelschicht für mich eindeutig übersäuerte. Zwiebel und Balsamico als ausgewogenen Süß-sauer-Gegensatz schätze ich durchaus, aber hier stand die Zwiebelsüße auf verlorenem Posten. Von der Komposition her ein Gericht, das bestimmt überzeugen kann, wenn Korrekturen beim Würzen vorgenommen werden. In der genossenen Fassung aber nur drei Sterne wert.

Es bleibt aber in toto bei knappen vier Sternen für unser Essen.

Kulinarisch hat der Kiez an der Gneisenaustraße Richtung Südstern nun mit dem Nonne & Zwerg eine zweite, besuchenswerte Adresse neben dem Thalassa bekommen!

Ambiente:

Auch hier deutliche Parallelen zum Thalassa.

Untergebracht in einem Gründerzeithaus gibt es hohe Decken in den beiden puristisch gestalteten Räumen. Tritt man ein, schaut man auf den Kühltresen, in dem Vorspeisen und Schafskäse stehen. Dahinter und daneben eine Espressomaschine, Flaschen und Gläser für den Ausschank und die Verkaufsware.
Im offenen Durchgang in den linken Raum ein roter Glaskühlschrank für die Süßspeisen, der aber am besuchten Abend nur einen geschlossenen Behälter beherbergte.

In unserem Raum eine hellgraue Wandtäfelung bis auf geschätzte 1,3 Meter. Darüber die kahlen, weißen Wände und die Decke. Über dem Durchgang eine schwarze Tafel mit den Bioweinangeboten. Ansonsten kaum auffallende, zarte Bilder. Von der Decke hängen schlichte Kugellampen oder Glühbirnen.

Auf dem dunkelroten Fußboden stehen quadratische Holztische mit Mittelfuß und gut gemaserter Holzoberfläche. Sitzen darf man auf schlichten Holzstühlen in pastellig unterschiedlichen Farben. Die echten Kornblumen in Bügelflaschen auf den Tischen zeugen von einer Liebe zum Detail. Aber nichts Kuscheliges oder Nischiges oder Folkloristisches. Auch die Musikfarbe bedient keine Syrtakierwartung.

Einen ansprechenden, schlichten Tavernenstil bietet das Nonne & Zwerg.

Für mich ja immer wichtig, wieviel Platz ein Wirt seinen Gästen einräumt. Das Nonne & Zwerg ist ein kleines Restaurant und da besteht ohnehin die Gefahr, dass man eng aufeinander hockt. Auch im Nonne & Zwerg wird das so sein, wenn alle Tische im Innenbereich stehen (am besuchten Abend stand eine Reihe draußen). Die Tische als solche sind an der Hohngrenze klein. Wir saßen zum Glück am Fenster, so dass wir mit dem Fensterbrett eine Ablage hatten und unser Bediener stellte ja den Nachbartisch direkt an unseren heran, weil ansonsten unsere sechs Vorspeisen, Brotkorb, Olivenölflasche, Pfeffermühle usw. auch nicht annähernd auf unserem Tisch Platz gefunden hätten.

Im Freien muss man sich standardmäßig mit äußerst primitiven Biergartengarnituren zufriedengeben.

Sauberkeit:

Alles gepflegt. Die Toiletten sind klein und frisch.
 
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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