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GastroGuide-User: DaueresserGK0712
hat Restaurant Hans Walter in 68163 Mannheim bewertet.
vor 1 Jahr
"Pfälzische Weine treffen französische Sorgenbrecher oder: Der Hans der Kans, der Florian auch !!"

Geschrieben am 01.02.2019 | Aktualisiert am 02.02.2019
Besucht am 23.01.2019 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 90 EUR
Ich bin gerne auf dem Lindenhof. Ich bin auch gerne im Collini Center. Und gerne in Verona.
 
Genug der Einleitung, es ist Sonntag, kurz nach 10 Uhr, meine Frau hat mir einen frisch gepressten Orangensaft hingestellt, meine Weißwurst zieht im heißen Sud vor mir her. Ich habe mir einen Obazda angemacht, die Laugenstange duftet herrlich nach „Bäcker“ und versprüht heimelige Atmosphäre. Im 75 Zoll 4K flimmert ein 4K Doku-Film, meine beiden Kater sitzen angespannt davor und sind (anscheinend) begeistert (ich weniger, würde mir lieber die PS Profis anschauen). Ein ganz normaler Sonntagmorgen, wäre nur mein Getränk in Form eines gut gekühlten Paulaner Weißbieres (was sonst zu Obazda und Weißwurst) nicht schon leer und mein Handy würde nicht vibrieren. Nebenher lese ich einen Artikel in der Mannheimer Sonntagszeitung „Mannheimer Vibratoren Verkäufer mit dem Jahr 2018 zufrieden – Das Geschäft brummte“
 
Ich schau in die App und merk, dass mich ein geschätzter Bekannter und GG Kollege angefunkt hat. Kein großes Vorspiel, wir sind gleich bei der Sache. Ich gebe ihm für den nächsten Mannheim Trip zwei kulinarische Highlights als Tipp`s, eines davon das „Hans Walter“ auf dem Lindenhof.
Das französisch-deutsch gehaltene Vorzeige Bistro, ist bei mir seit meinem letzten Besuch in den Sommermonaten in der Mittagszeit zum „Plat de jour“ für knappe 15 Euro in Vergessenheit geraten. Ich hatte auch in den letzten Monaten zu viel „in“ den Ohren, das >Hans Walter< wurde aber durch eine Anzeige im Wochenblatt in der Birne reaktiviert. Schade, für die Häuser in Mannheim wo der Aufkleber haftet „bitte keine Werbung“, die bekommen auch kein Wochenblatt und keinen Anzeiger – ob in den Familien die Werbe-Sender wie VOX, Pro7, RTL und der ganze Mist standardmäßig gelöscht wird?
 
Kollege M. aus S. schaut sich Homepage des Hans Walter an und meint „ viel versprechende Karte. Macht Lust auf einen Besuch, wie wäre es spontan am Mittwochabend ?“. Gesagt (geschrieben) und Getan. GG. Klar dass wir beide hier bei GG schreiben müssen. Um das ganze noch zu toppen, ich schreibe gerade in einer GG Wohnung. Krosses Kino !!
 
Mein Bahn hat an dem Abend Verspätung, ich schreibe Marco eine Nachricht, er könne schon mal rein und ein Aperitif bestellen. Die Lage ist mehr als ideal, eine Straßenbahnhaltestelle direkt vor der Tür „Diesterwegschule“. Ich steige aus und schaue mir durch die großen bodentiefe Fenster das Bistro an. Aber kein M. aus S. Weder am Tisch sitzend, noch unter dem Tisch liegend :-)

Ich trete die Türe ein und werde vom gelernten Kellner und vom (gelernten) Koch (der lässig hinter der Theke steht) sympathisch begrüßt. Beide scheinen vom Fach zu sein. Zum Aperitif sollte es bei mir eine Urweise im hippen Original Glas (0,5) für 5,10 sein, bestimmt kein Schnäppchen, hat mich aber den ganzen Abend begleitet – quasi zum Spülen der „BIO“ Weine. Ich mag kein Bio. In der Schule habe ich schon Bio gehasst, das ganze wird mit dem ganzen modernen Bio gedöns noch verstärkt. Kein Mensch braucht Bio.


Mittlerweile ist auch >Derwokeinenparkplatzfindet< am Tisch. Wir schauen uns im Bistro um, gedimmtes Licht, ausreichende Platzverhältnisse, Empfehlungen stehen auf einer großen Tafel. Hier passt einfach alles. Rustikale Holzstühle und -tische erinnern an deutsche Restaurants, die dunklen Wände, gemütlichen Teppiche und das zarte Kerzenlicht erinnern mich an typisch französische Bistros. Unser Tisch ist nett eingedeckt, gestärkte Stoffservietten, edles Geschirr. Im Hintergrund nette, unaufdringliche Klimpermusik.  

Uns werden die Speisekarten gereicht die Karte ist auf drei Gänge ausgelegt, allerdings sollte man da schon ein geübter Esser sein (wir waren beide nach dem Hauptgang pappsatt). Wir werden nach einem Aperitif gefragt. Wie wäre es mit einer Melonen-Kalt(Auffang) Schale? Gibt es nicht, ich hatte wohl noch die Bilder von der Pocco-Werbung von der Katzenberger "ich passe da bestimmt nicht rein Kleid" im Kopf.
Die Karte beinhaltet auf den ersten Blick französische, deutsche als auch internationale Köstlichkeiten, mehr als das alltägliche was man von einem Standard-Bistro erwarten kann. Es gibt eine Menüempfehlung: 3 Gänge für 28 Euro (franz. Weinberg-Schnecken in Knoblauch, dann Lende mit Spätzle und Waldpilzragout, danach flüssiger Schokokuchen mit hausgemachtem Eis).

Der Suppenkasper fragt nach einer flüssigen Vorspeise, es wird eine geschäumte Blumenkohlsuppe angeboten sowie eine hausgemachte Rinderkraftbrühe mit Marksklößchen.
Diese sollte es bei meinem Tischnachbar sein, ich entschied mich für die Pfälzer Tapas „neu interpretiert“ und war etwas erstaunt, dass der Herr aus S. diese nicht nimmt. Aber spätestens als ein Teil der

Leberwurst mit Zwiebelcrunch Praline von ihm auf das frisch aufgebackene Graubrot in Gestalt eines Weißbrotes „geschmiert“ wurde, freute sich die Pfälzer Tapas Variante auf die identischen kleinen Tellerchen auf der gegenüber befindlichen Tischseite.
Neben der Leberwurstpraline, gab es

Mini-Saumagen mit Weinkraut, Blutwurst Wan Tan auf einer Senf-Mayo Creme mit Fenchelsamen, sowie einem Eisbein Carpaccio mit Essig, Öl, Kapern, getrockneten Tomaten und Oliven. Klasse.
 
Klasse ebenfalls die selbst gemachte Rinderbrühe, ich denke es war eine Consomme, also eine doppelt geklärte (mit Eiweiß wird das Entfernen vom Fett verwendet, also so mache ich das daheim) Brühe , sehr intensiver Fleischgeschmack, angenehm Säure. Einen Tick zu fluffig und einen Tick zu starker „Stall“ Geschmack bei den Klößchen, hier wäre weniger deutlich mehr – aber keine Priorität bei meiner Rezi hier.
Einen Gruß aus der Küche gab es nicht, muss es auch nicht, wir sind in einem Bistro und nicht in einem derartigen gehobenen Michelin Restaurant, auch wenn der Koch im ehemaligen Sterne Restaurant Marly am Gasherd gestanden ist. Es gab eine deutliche Botschaft vom Koch „Hungrig geht heute keiner nach Hause“, denn ich hatte schon etwas Angst, als ich die kleinen Portiönchen in einschlägigen Gastro-Guides eruiert habe. Stammen diese Rezi eventuell auch von der Gastro-Konkurrenz? (siehe tripadvisor)
 
Meine geschmorte Rinderroulade

nach Opa`s Rezept war (fast) perfekt. Das Fleisch herrlich mürbe, die Sauce klasse. Die Spätzle ein Traum. Fluffig und dennoch fest, nochmal kurz vor dem Servieren vielleicht in brauner Butter geschwenkt? Der Verdacht liegt nahe. Zu dieser XL Portion gab es separat eine Schüssel selbst gemachtes Rotkraut (ich werde nie wieder Rotkraut aus dem Glas essen)
 
Der andere Karnivoren-Junkie war ebenfalls voll des Lobes für seinen

zarten Kalbs-Rahmbraten. Die Sauce war >ZUM NIEDERKNIEN< gut, Wahnsinn. Ich kann mich nicht erinnern, so eine „geile“ Rahmsauce jemals in meinem Leben gegessen zu haben. Das Fleisch war vom Zerfall gekennzeichnet, als mir Marco was abgab. Von der Konsistenz butterweich und ein ganz feiner Kalbsgeschmack. Marco war auch verwundert, da das Kalb von Hause aus „sehr fein schmecke“ – wie das hier in dem Gericht „verstärkt“ wurde. Hier kennt ein Koch die richtigen Gewürze und bedarf keinerlei „Maggi“ Beutelchen und Mittelchen. 100 % ehrliche, ausgezeichnete „Hausmannskost“.

Nach dem Hauptgang waren wir viel zu gesättigt, so dass wir auf einen Dessert leider verzichten müssten, aber das Tagesdessert an der Tafel „Mouse äh Chocolat aus dem Ofen, hausgemachtes Kokoseis, Ananas Sorbet und Creme Schlagmichtot“ wäre wohl unser Favorit gewesen.
 
Am Ende teilten wir uns noch einen etwas „zu glatten“ Syrah, davor gab es einen ? …. Rotwein, der gute Klasse hatte. Jetzt im Nachhinein wäre eine andere Reihenfolge etwas glücklicher gewesen. Glück hatten wir auch mit dem Kellner, eine gelernte Fachkraft, der sogar meine mit etwas Leberwurst an der Messerspitze (vom zweiten Messer für den Hauptgang) verschmiert, „im Vorbeigehen“ unbemerkt austauschte. Auch kennt er die Weine und die Winzer und gibt gerne eine Empfehlung ab.
 
Fazit:
Ein alles in allem unverkrampft lässiges, mit ehrlichen kulinarischen Höhepunkten, Treffen, das nach einer baldigen Wiederholung schreit. Empfehlung !!
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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