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GastroGuide-User: PetraIO
hat DENKMALZ - Die Kapellenküche in 55566 Bad Sobernheim bewertet.
vor 2 Monaten
"DIE langersehnte Restauranteröffnung an der Nahe"
Verifiziert

Geschrieben am 30.05.2019 | Aktualisiert am 30.05.2019
Besucht am 11.05.2019 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 86 EUR
Jahrzehnte war sie dem Verfall preisgegeben: Die Disibodenberger Kapelle St. Marien in Bad Sobernheim.

Vor einigen Jahren fiel dann der Entschluss, dieses wertvolle Kulturdenkmal aus dem 15. Jahrhundert zu retten. Der Förderverein Disibodenberger Kapelle Bad Sobernheim e. V. (https://www.disibodenberger-kapelle.de/die-disibodenberger-kapelle/geschichte)  leistete erhaltende Dienste und sicherlich sehr viel Geld!

Es interessierte mich schon lange, wann es endlich losgeht und beim Friseur (wo sonst?) die Neuigkeit:
Das Kapellenrestaurant DENKMALz hat eröffnet.
Der ganzjährige Biergarten unter der Leitung von Thomas Röhlinger besteht schon erfolgreich seit 2018.

Den Abend vor unserem Besuch rief ich an. Der überaus freundliche Gerrit (hoffentlich richtig geschrieben) bestätigte dies stolz. Auf der Homepage sei mit Absicht nichts erwähnt, ein „Soft-Opening“ zum Einspielen des Teams. Und zu meiner Überraschung war noch ein Tisch für uns frei! Das Telefonat wurde von Gerrit mit den Worten „ich freue mich auf Sie“ beendet – ist doch schön, dies mit 48 Jahren zu hören!

Voller Spannung trafen wir am frühen Samstagabend ein.
Eingang
Die Außenanlage ist noch nicht ganz fertig gestellt.
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Kostenlose Parkplätze stehen zur Verfügung. Der Denkmalschutz schreibt die Kombination von alt und neu vor. Es wurde rollstuhlgerecht renoviert. Ein Aufzug steht zur Verfügung.

Im Untergeschoss kann man nach dem Betreten durch große Glasscheiben die Brauanlage bewundern.
Brauanlage
Ebenerdig befinden sich die, natürlich neuen und sehr sauberen, Toilettenanlagen. Die Türen mit Mönch und Nonne gekennzeichnet.

Tepp- / oder Aufzugrauf geht es in zwei Ebenen der Gastronomie.

Im ersten Stock wurden wir herzlich von Gerrit begrüßt. Nicht mit leeren Händen. Nein: Mit dem Sommerbier „Wilde Hilde! Gewidmet der Hildegard von Bingen.
Begrüßungsbier: Wilde Hilde
Das eigene Bier mit Bachminze & Ingwer. Jeder Gast bekam 0,1 l zu Begrüßung und wir waren von diesem Bier begeistert. Durchweg ein sehr gutes Bier, mit sehr dezenter Schärfe durch den Ingwer und dezent-unaufdringliche Frische durch die Bachminze (Bachminze ist deutlich milder als Pfefferminze).  Hier wurde nicht, wie z. B. in Frankreich üblich, ein Sirup zugesetzt. Bachminze und Ingwer waren bereits im Brauvorgang enthalten. Ein tolles Bier, es blieb nicht nur bei dem Probeschluck. Im Laufe des Abends hörten wir immer mehr begeisterte Stimmen zu diesem Bier.

Gerrit begleitete uns zu unserem schönen Tisch am Fenster. 
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Zwischendurch durften wir uns auch noch auf der 2. Restaurantebene umsehen. 
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Das ist alles sehr gut gelungen!

Eine Büste Hildegards von Bingen wacht am eine eines langgezogenen Tisches über das Geschehen im Raum.
Hildegard wacht über den Raum
Am Tisch Platz genommen, die Karten hingen griffbereit an der Fensterreling.
Griffbereite Speise- und Getränkekarten
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Wir waren gespannt, denn Online war noch nichts zu erfahren.

Küchenchef Fabian Schwan (ehemaliger Souschef des BollAnts im Park in Bad Sobernheim), lebt seine Leidenschaft zum Kochen und Liebe zur Region in einer modernen Landhausküche aus.

Die übersichtliche, aber ausreichende Karte gegliedert in:

Vorspiel – Zwischengericht – Hauptsache lecker – Sündenfall.

Warum man den Hauptgang nicht als Höhepunkt bezeichnete, zeigte sich bei meinem Hauptgericht.

Der weitere Service wurde von 2 Mitarbeiterinnen übernommen. Eine geschult, eine nicht, so mein Eindruck. So erwarte ich, dass beim Nachlegen des Vorspeisenbestecks einer erwachsenen Frau bekannt ist, dass dieses außen und nicht innen liegt. Die kleinen Schwächen leicht zu verkraften, denn beide waren sehr freundlich und aufmerksam. Zwischendurch immer die Frage, ob alles in Ordnung ist.

Wir bestellten eine Flasche Mineralwasser, 0,75 l - € 5,80. Und für mich (AndiHa: Ja, ich war die Nichtfahrerin!) noch eine Wilde Hilde, 0,4 l - € 3,90. Selten schmeckte mir ein Bier so gut!

Ein Küchengruß ließ nicht lange auf sich warten: Ein frischer, leichter Gurkendipp mit Ciabatta.
Küchengruß: Gurkendipp mit Ciabatta
Die Backware serviert in der Brottüte sah sehr gut aus und war angewärmt. Leider außen nicht knusprig, eher zäh in der Konsistenz, ich tendierte zu Aufbackware. War es wohl nicht, sondern hausgebacken, wie die Mitarbeiterin herausstellte. Rubrik Anfangsschwierigkeiten, geschmeckt hat es und lobenswert ist das Selbstbacken auf jeden Fall.

Die Wahl unserer Vorspeise einheitlich:
Rindertatar handgeschnitten, Kapern, Limonenschmand - € 13,80.

Mit der Vorspeise dauerte es ein wenig länger, bei dem Gästeandrang allerdings kein Wunder. Die Eröffnung hatte sich wohl schnell herumgesprochen.

Serviert wurde ein wunderbares und gut abgeschmecktes Tatar auf Limonenschmand.
Rindertatar handgeschnitten, Kapern, Limonenschmand
Das war eine sich sehr gut ergänzende Kombination.
Detail Rindertatar
Das Limonenschmand brachte genau die richtige Frische, auch die Apfelkapern sehr fein. Zum Knuspern außen ein Kranz aus frittierten dünnen Kartoffelscheiben mit Schale. Optisch und geschmacklich: Top!

In der Zwischenzeit war wohl jeder Tisch belegt und am Treppenaufgang fanden sich immer mehr Gäste ein. Jeder wurde mit einem Gläschen „Wilde Hilde“ willkommen geheißen, auch wenn nicht jeder auf einen freien Platz hoffen brauchte. Der Geräuschpegel tendierte Richtung Eröffnungsparty. Und das war es irgendwie auch, die Kirchenakustik ließ sich trotz Zwischendecke nicht kleinkriegen. Trotzdem klug, interessierte Gäste zu begrüßen, statt einfach wegzuschicken.

Zwischenzeitlich wurde freundlich gefragt, ob sich noch ein Herr mit an unseren Tisch setzen darf. Selbstverständlich. Es war auch ein Genussmensch und somit ein nettes Gespräch mit einem Gleichgesinnten.

Zum Hauptgang durfte es für uns noch ein Gläschen Wein sein. Besonders gefiel uns, dass ausschließlich Nahe-Weine renommierter  Weingüter angeboten werden. Hausgebrautes Nahe-Bier, Nahewein, mehr muss nicht sein.

Für meinen Mann einen gehaltvoll-fruchtigen Sauvignon-Blanc vom Weingut Anette Closheim, Langenlonsheim. 0,2 l - € 6,60.
Für mich vom VDP Weingut Emrich-Schönleber, Monzingen, einen trockenen Riesling. 0,2 l - € 7,50.
Beide waren wir sehr zufrieden mit unserer Weinwahl.

Für meinen Mann als Hauptgang:
Garnelenpfanne – klassischer Brasseriestyle -  € 18,50. Dazu wurde wieder Ciabatta angeboten. Es war aber kein Problem, noch Kartoffeln als Extra dazu zu nehmen.

Eine reichliche Portion Garnelen wurde klassisch in Öl, frischen Kräutern und einigen Coctailtomaten serviert.
Garnelenpfanne
Auch am Knoblauch wurde nicht gespart. Da war mein Mann sehr erfreut. Separat gereicht ein Schälchen leicht angebräunter Drillinge.
Beilagenkartoffeln
Diese hatten einen hervorragenden Kartoffelgeschmack. Diese wurden nicht berechnet, vermutlich ein Versehen.

Für mich:
Ravioli – Walnuss-Feige – Geschmorte Rehkeule – Salbei - € 16.50.
Serviert wurde im tiefen Teller eine ausreichende Portion. Die Ravioli bissfest und mit gut abgestimmter Füllung. Walnüsse waren reichlich vorhanden, Feige suchte ich. Wenig Salbeigeschmack, scheinbar nur von 1 dekorierten Salbeiblatt. Schade ums Reh, denn erwartete ich ein kräftiges Schmorgericht.
Ravioli – Walnuss-Feige – Geschmorte Rehkeule
Das Reh als Ragout zu den Ravioli noch passend, leider eher gekocht und nicht geschmort. Es fehlte an Röstaromen, das Fleisch noch fest, wenig Würze und Aroma, die Sauce ein zu dünner Sud.

Das Gericht war gut essbar, aber das geht deutlich besser. Ich bin auch sehr optimistisch, dass es sich um „Startmängelchen“ handelt.

Gut gesättigt verzichteten wir auf ein Dessert und machten den Platz für neue Gäste frei.

Wir wurden sehr herzlich verabschiedet und werden bei nächster Gelegenheit sehr gerne wiederkommen!
Es läuft noch nicht alles komplett rund, aber ich bin mehr als optimistisch: Das wird!
Ich wünschte dem Kapellenrestaurant viel Erfolg!
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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