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GastroGuide-User: Carsten1972
Carsten1972 hat Coeur D‘Artichaut - Restaurant in 48143 Münster bewertet.
vor 2 Stunden
"Menu Balade en Finistère"

Geschrieben am 28.01.2026
Besucht am 27.01.2026 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen
„Ein Ausflug im Finistère“, so hatte Olivier Bellin, Chef der Auberge de Glazicks im Dörfchen Plomodiern zwischen Brest und Quimper, eines seiner Menüs genannt, als meine Frau und ich am 28. Juni 2025 seinem Restaurant einen Besuch abstatteten. Ein wesentlicher Grund für diesen Besuch der mit zwei Sternen ausgezeichneten Auberge de Glazicks war der Fakt, dass Frederic Morel einen prägenden Teil seiner Lehrjahre als Jungkoch bei Olivier Bellin verbracht hat. Bevor es ihn dann, zu meinem größten Vergnügen, über verschiedene Stationen letztendlich nach Münster verschlagen hat. Sein Coeur d’artichaut, inzwischen ebenfalls mit zwei Sternen auf dem Niveau seines Lehrmeisters, ist unser kulinarischer Herzens- und Genussort geworden. Es gibt in meiner Region ein paar Gastronomien, die ich sehr schätze und gerne besuche, aber ein Besuch am alten Fischmarkt ist immer Balsam für meine (Genießer) Seele. 
Seit Jahren war es ein Thema zwischen Fred und mir, dass er Olivier Bellin gerne mal für ein 4 Hands Diner zu sich nach Münster holen möchte. Bisher hatte das nicht geklappt, weswegen wir also mal vor Ort seine Küche gustatorisch in Augenschein genommen hatten. Wir hatten aber Fred mit auf den Weg gegeben, sollte es klappen, „unser Tisch“ direkt an der Ecke vom Pass darf für diesen Abend nur von uns belegt werden, ergo, er sollte uns sofort reservieren bei Zusage. Familie Morel verbringt ihren Sommerurlaub stets in der Heimat von Freds Familie, in Brest. Und natürlich waren sie also im Sommer 2025 ( kurz nach unserem Besuch ) auch Gäste der Auberge de Glazicks. Und in der Zeit gelang es, Monsieur Bellin zu überzeugen im Winter nach Münster zu kommen! Bingo! Als alles sicher gebucht und organisiert war der Tisch für meine Frau und mich am Abend des 27. Januar fest reserviert und wir warteten voller Freude auf den Abend. 
Um halb sieben fanden meine Frau und ich uns im Coeur d’Artichaut ein und wurden von Elisabeth Morel in Empfang genommen. Drinnen wuselten Küchenteam und Service noch durch die Vorbereitung des Abends. Ich nahm zuerst mal den Umbau des Barbereichs nach Silvester in Augenschein. 

Die Bar ist weg, stattdessen ist die Patisserie nun auch hier angesiedelt und nutzt einen separaten Pass zum Gästebereich, die offene Küche ist hier als Konzept fortgesetzt. Rechter Hand ist ein neuer Barbereich entstanden, vor dem großen Tisch für umfangreichere Gästegruppen. Ich kann mir vorstellen, uns dort einmal zu platzieren bei einem Besuch. Der Platz gefällt mir sehr.
Chef OB und Chef FM standen schon mit dem Team des Coeur bereit, und der Abend und das Menü konnte beginnen. Mit einem Cidre (what else?) als Aperitif startete ich in den Abend. Am Tisch konnten wir das Menü erstmalig in Augenschein nehmen. 

Was uns sofort sehr positiv stimmte, ein reines Fisch- und Meeresfrüchtemenü in 6 Gängen hatten sich die beiden für ihre Gäste ausgedacht. Dazu die üblichen Amuse Gueule vorweg und noch was hinterher, man ist ja im fine dining Bereich. Die Amuse kamen abwechselnd von Fred und Olivier an den Tisch.

Artischockenrolle von Fred

Tartelette von der roten Beete mit Meereschnecke von Olivier

Venusmuschel, Nussbutter und Mandel von Olivier

Macaron Sauerkraut und Steinköhler von Fred 

Hausgebackenes Brot waren der Auftakt des Menüs. Hier schon zeigten sich Unterschiede in den Küchenstilen der beiden Chefs. Olivier Bellin hat eine sehr regionale Küche geprägt. In seiner Auberge bekamen wir eine Landkarte des Finisterre, auf dem die Lieferanten aufgeführt wurden. Er kombiniert sehr gerne alles aus dem Meer nicht nur mit Fleisch, im Stil von Surf & Turf, sondern führt das weiter in die klassische französische Charcuterie. Da ist dann auch mal Schweinsfuß dabei, Collageen pur, oder Kalbskopf, kombiniert mit sehr vorsichtig gegarten Dingen aus dem Meer. Olivier sielt dann gerne mit der Jodigkeit dieser Zutaten, was man dann auch mögen muss. Fred dagegen ist in meinen Augen immer dann auf höchstem Niveau unterwegs, wenn er seiner Leidenschaft für Meeresfrüchte frönt. Diese kombiniert er mit fermentierten Aromen und exotischen Gewürzen. Also schauen wir mal auf die Gangfolge, jeweils abwechselnd verantwortet von Olivier und Fred. 

Vor dem Beginn der eigentlichen Gänge stellte Fred seinen Mentor den Gästen vor, das war ein sehr emotionaler Augenblick. Zwei gestandene Bretonen, die in Hinsicht auf ihre Beziehung ein paar Tränen verdrücken mussten! Zwei leidenschaftliche Köche, zwei überzeugte Bretonen, die mit ganzem Herzen kochen! 

Fred startete den Reigen der Gänge mit Steinbutt, Osietra Kaviar und Alge. Ein Gang im Stile einer Ceviche, der Fisch „garte“ in der Sauce nach. Feine Säure zog sich durch das Gericht, ergänzt um die Jodigkeit des Kaviars. Sehr eleganter Auftakt. 

Jakobsmuschel und Sauce charcutière war der erste Gang des Menüs aus den Händen von Olivier. Eine Essenz des schon beschriebenen Kochstils von Olivier Bellin. Es klingt verrückt, eine klassische französische Sauce zubereitet aus Schweinefüßen und deren Collagen mit einer sehr rohen Jakobsmuschel zu servieren. Auf nur einer Seite scharf gegrillt, waren die Zutaten aber genauso dosiert, dass die Muschel nicht unterging. Einer der besten Gänge des Abends.

Der zweite, für mich persönlich, Höhepunkt des Abends kam wieder von Fred. Kaisergranat, in einer sehr großen Sortierung. Spargel ( fermentiert ) in einer Beurre blanc sowie Kosho machten die auch sehr rohe Zubereitung ( nur auf einer Seite gegrillt ) zu einem der besten Gerichte des Abends. 

Laut Fred ein signature dish von Olivier Bellin, Hummer, Schweinskopf, Blutwurst, Hummer Sauce. Über diese wilde Kombination hatte ich schon mal im Sommer 2025 gegrübelt, als ich den Teller vor mir stehen sah. Erstmal denkt man ja, wie soll das funktionieren? Aber wie immer, erst probieren, dann rezensieren! Das ist ungewöhnlich, auch weil der Hummer wieder sehr „bleu“ ( roh ) auf den Teller kam, aber insgesamt machte das dann doch wieder viel Spaß. 

Zum Abschluss der herzhaften Gänge noch ein Teller von Olivier Bellin. Bretonische Rotbarbe wurde auf einer Seite scharf und kurz angegrilt, also noch recht roh auf dem Teller angerichtet. Für Crunch sorgten frittierte Schuppen, cremig wurde es durch eine Enten Konsommee. Farbe brachte gegrillter Spinat auf den Teller. Olivier Bellin Küche pur zum Abschluss. 

Fred sorgte wieder für das Dessert. Unfassbare Fingerfertigkeit war gefordert in der Patisserie beim Platzieren der einzelnen Zutaten auf dem Teller. Die neue Anrichte im Barbereich ließ mich zuschauen beim Anrichten der Teller. Frischkäse nahm Bezug auf Käsekuchen und erhielt Aromen aus Cassis. 

Betthupferl waren ein schöner Abschluss eines besonderen Abends. 
Wie immer war es für mich wunderbar der Küche beim Zubereiten und anrichten der Teller zusehen zu können. 



Wir beide, meine Frau und ich waren sehr glücklich Teil dieses Abends gewesen zu sein. Es bleibt dabei, das Coeur d’artichaut bleibt unser kulinarischer Herzensort! Und Olivier sehen wir Ende Juni 2026 wieder, wir haben uns verabschiedet mit einer Verabredung zu einem neuen kulinarischen Spaziergang durch das Finisterre. 
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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