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GastroGuide-User: DerBorgfelder
hat Foodbox Pusdorf in 28197 Bremen bewertet.
vor 4 Wochen
"Ordentliche Hipster-Kantine"
Verifiziert

Geschrieben am 26.09.2020 | Aktualisiert am 26.09.2020
Besucht am 07.09.2020 Besuchszeit: Mittagessen 1 Personen Rechnungsbetrag: 11 EUR
Pioniere haben es nie leicht.
Nachdem es die Q1-Gruppe wie unlängst hier berichtet in der Überseestadt vom Start-up zum arrivierten Marktführer gebracht hat, wird das Konzept „Bewährtes in stylisch“ nun in das Tabakquartier gebracht, dem sehr großen Gelände der ehemaligen Tabakfabrik der Martin Brinkmann AG.

(Das Unternehmen war mit Lord extra sowie hauptsächlich den heute weitgehend vergessenen Marken Lux, Peer Export und - für die Älteren unter uns - Texas eine große Nummer im deutschen Markt. Als Schuljunge durfte ich noch mit einem Klassenkameraden ins betriebseigene Schwimmbad. Später beeindruckte mich der Duft des Feinschnitts in den großen Hallen, in denen die Portionier-Maschinen auf edlem Parkettboden standen.)

Mit dem üblichen Mix aus Existenzgründungen, Büros, etwas Gewerbe und demnächst Wohnen soll dem lange weitgehend ungenutzten Industriegebiet stadtplanerisch junges Leben eingehaucht werden. Da braucht es natürlich auch zeitgeistige Gastronomie und so finden sich auf der Karte einige urbane Klassiker wie Wok-Gemüse, Chicken-Curry oder Caesar-Salad (mit Karotten“fetzen“, man erinnert sich aus dem RIVA).
Aber als Pionier muss man eben von dem „leben“, was die Wildnis hergibt. Das ist hier auf dem noch voll in der Entwicklung befindlichen Gebiet eine Gästeschar, die neben den ersten jungen Büromenschen vornehmlich aus Bauarbeitern besteht. Und damit ist auch klar, dass die Foodbox derzeit eine - wenn auch hippe - Kantine ist (und sein will!). Burger und Bulette, Currywurst und Fritten nehmen prominenten Platz in der Karte ein, natürlich nicht schnöde auf Imbiss-Niveau. Die Fleischwaren vom heimischen Schlachter, statt ordinärem Curry-Ketchup wird eine selbstverständlich im Hause angerührte Curry-Tomaten-Cola(?)-Sauce kredenzt und die Pommes gibt es mit Pulled Pork, Guacamole oder als TexMex-Variante. Alles auch zum Mitnehmen.

Bestellt wird an der Theke, hinter der ein junger Koch und ein Servicemensch in der Mittagszeit ganz gut zu tun haben. Zumal noch schnell der Pasta-Teller des Tages für den Insta-Account abgelichtet werden muss (hier wird noch mit dem Handy auf dem Tisch geknipst; kein High-Tech-Studio wie im Südwesten der Republik...;-)). Trotz des Andrangs serviert der Koch (gerade ausgelernt oder sogar noch Azubi) am Tisch, auch draußen auf der Terrasse, die auf der Homepage gut ausgeleuchtet an einen High-End-Club erinnert. Damit soll sicher ein anderes Publikum, vermutlich die zukünftigen Bewohner für die abendliche Öffnung von Donnerstag bis Sonnabend gelockt werden.
Die Realität sieht noch geringfügig anders aus...
Auch eine...Aussicht (im Hintergr. die zukünftigen Wohnhäuser)
Aussicht von der Terrasse
Das Mobiliar draußen ist „authentisch“. Monoblocs aus Blech(!) und einfachste Holztische und -Stühle sind sicher noch original (und günstig) aus der Fabrik übernommen.
Liebevolle Deko
Bequem ist anders, aber die Industriekantine sollte ja nie ein Platz zum längeren Verweilen sein. Allein die Strandkörben nachempfundenen 2er-Holzboxen sind recht pfiffig.
Terrasse mit „Foodboxen für 2“
Drinnen hat man das Kantinenambiente mit modernen Mitteln nachgebaut, alles eine Spur hochwertiger und angenehmer.
Hip, hip
Besonderheit ist der große, schwarz lackierte Drahtkäfig, in den das ganze Lokal hineingebaut wurde.
Into the box
Ob er für den Namen „Foodbox“ verantwortlich ist oder umgekehrt diesen aufgreift, konnte nicht geklärt werden, denn es kamen die „verkosteten Speisen“. Die Wartezeit darauf war für den Mittag recht lang gewesen, was allerdings nicht nur der schmalen Mannschaft und den reichlichen Bestellungen geschuldet war, sondern erfreulicherweise auch daran lag, dass hier à la minute zubereitet wird.

Also, ran an den Currylümmel (ohne Kartoffelstäbchen) und das Wok-Gemüse mit Teriyaki-Reis, quasi ein „Best of both worlds“...

Die Wurst ein reelles Exemplar, mangels häufigem Vergleich kann ich das Gewicht nicht wirklich nicht schätzen.
Der Currylümmel
Jedenfalls größer als die mir von früher bekannte gemeine Imbiss-Variante. Fein gewolft, auf der einen Seite mehrfach eingeschnitten (aber seeeehr gleichmäßig), dadurch entstand eine leicht knusprige Haut, die aber nicht trocken oder gar hart geworden war. Der Geschmack indifferent „würzig“, ohne erkennbare Besonderheiten. Die Sauce war zunächst fruchtig und süß (sollte das die Cola sein?), später mit einer leichten (Chili-)Schärfe.
Currytomaten(Neuzüchtung?)-Cola(!)-Sauce
Das Currypulver dagegen eine milde Mischung. Gut gefielen mir Abschnitte von Frühlingszwiebel, die für eine zusätzliche Textur und etwas Frische sorgten. Für 3,99€ nicht zu teuer bezahlt.

Auch das schön heiß servierte Wokgericht meistenteils überzeugend:
Wokgemüse mit Teryiaki-Reis
Das gemischte Gemüse frisch und knackig gerührt und mit sortentypischem Geschmack, frische rote Zwiebel, der gedämpfte Reis noch mit angenehmer Festigkeit und die hellen Sesamkörner nicht nur Dekoration.
Zwei Kritikpunkte: Der Einsatz der Teriyakisauce brutal. Mag ich zwar sehr gerne, aber nicht, wenn dadurch alles andere „überschrieben“ wird. Man musste schon genau tarieren, gegen wieviel Reis sich ein Happen Gemüse geschmacklich noch behaupten konnte. Etwas lästig.
Und mit 8€ für Reis und Gemüse doch arg viel Deckungsbeitrag für den Wirt!

Fazit: Kann man machen. Muss man aber nicht. Erst recht nicht am Abend. Wenn ich mittags zufällig in der Nähe und hungrig bin und keine Lust auf die kurze Fahrt in die Innenstadt habe. Oder, um mal zu schauen, wie es voran geht in der alten Tabakfabrik.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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