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GastroGuide-User: ClausVonDerKueste
hat Alte Post in 67363 Lustadt bewertet.
vor 6 Jahren
"Fischspezialitäten inklusive Weingenuss in der Pfalz? Ein tolles Konzept und seine holprige Umsetzung."
Verifiziert

Geschrieben am 20.11.2014
Besucht am 22.08.2014
Allgemein

Fazit: Von den positiven RK-Kritiken und dem Inhalt der Webseite („Sommerlich leichte Fischküche im idyllischen alten Posthof“) angelockt, suchten wir den idyllischen Fisch- und Weingenuß. Dafür war uns auch kein Weg zuweit (135 km für die Hin- und Rückfahrt). Wir haben das Konzept und seine holperige Umsetzung kennengelernt: „Kennenlernen heißt bekanntlich Abschied nehmen“. So auch hier. Anfangsbegeisterung („Wir freuen uns bei Ihnen zu sein“) schlug peu a peu um in Enttäuschung, die wohl beiderseits war. Zuhause auf der Terrasse, haben wir erst mal das Erlebte bei einem guten Glas pfälzer Wein „verdauen“ müssen. Resüme: Die alte Post begeistert hauptsächlich „pällzer“ Lokalpatrioten; exquisiten Fisch- und Weingenuss, dazu noch stimmungsvolle Musik gibt’s bei mir auch zuhause, wenn ‚ma Fraa‘ Lust zum Zaubern hat.
Bedienung

Der junge Mann (Sohn des Wirts) wirkte bemüht und gehemmt zugleich. Er wollte nichts falsch machen. Locker ist anders.
Das Essen

Nach einigen Restaurantbesuchen im Odenwald stand uns der Sinn nach Abwechslung. Auf meiner ToDo-Liste stand das Fischlokal „Alte Post“ in Lustadt. Den Tipp hatte ich RK-Kritik eines befreundeten Kritikers entnommen. Damals hatte ich schon – wie jetzt feststeht – den weitsichtigen Kommentar geschrieben „Das macht neugierig. Da will ich auch mal vorbeischauen. Jetzt guck ich mal im Navi, wieweit dieses Lustadt von den letzten ‚Außenposten der Zivilisation‘ (HD, MA, LU, ...) entfernt ist.“

Wir saßen jetzt aber im Freien, die Speisekarte kam. Sie machte den besten Eindruck. Es gab noch eine grüne Seite mit Empfehlungen. Wir bestellten erst einmal die Weine, jeweils eine Karaffe Schwarzriesling (weiß gekeltert; € 4,30) und einen Gewürztraminer (€ 4,60). Beides ausgezeichnete Weine. Der Gewürztraminer war für’s Essen eigentlich zu sehr parfümiert; mein Fehler. Beim Essen hatte ich mich dann sehr schnell für die bretonische Fischsuppe (€ 4,50, Foto) und eine kleine Portion „Küstenteller“ (was sonst) entschieden (€ 13,90, Foto). Nach langem hin- und her bestellte ‚ma Fraa‘ die Fischvariation (zu € 17,80, Foto). Da sie auf mediterraner und portugiesischer Küche steht, hatte sie eigentlich nichts Passendes gefunden.

Der junge Mann kam dann mit der Fischsuppe (Foto). Ich probierte: salzig! Der Salzgeschmack übertönte alle anderen Nuancen. Beim Umrühren entdeckte ich noch einige verlorene Fischstückchen. Bei seiner Frage „Alles i.O.?“ wies ich auf den starken Salzgehalt hin „etwas zu salzig“. Ausdruckslos ging er weg und kam dann mit den Fischtellern, die er mit nüchternen Worten ("das ist ... und das ist ...") vor uns hinstellte (Fotos). Meine Frau gleich „Kommt noch was? Wo ist die Limone?“ Die Teller waren relativ nüchtern mit Fischstücken bestückt. Dann kamen noch die Saucieren und die Reisschüssel für beide. Jetzt konnten wir unsere Teller selber garnieren. Ein RK-Kritiker schrieb was von netten Bedienungen. Es war nur der wortkarge junge Mann (der Sohn des Wirts, wie sich herausstellte), der dann immerwieder etwas mechanisch „Alles i.O.?“ fragte. Mein Fisch war top zubereitet. Auf den Punkt gebraten und innen saftig. Am besten hat mir das zukleine Kabeljaustückchen geschmeckt. Aber auch Scholle und Seelachs waren ein löbliches Kontrastprogramm zum üblichen Fisch in Mensen und normalen fleischlastigen Gasthöfen. Meine Frau aß ein Stück und gab mir alle anderen, sodass ich nachher pappsatt war.

Dann kam der Wirt. Ich lobte die Zubereitung des Fisches auf meinem Teller. Ich fragte noch, wie er zum Fisch gekommen wäre. Ich tippte auf ehemaligen Seemann; jedenfalls hatte ich vom Bisherigen nicht den Eindruck, hier wären gelernte Hotelfachkräfte am Werk. Richtig, so war es. ‚Ma Fraa‘ fing dann noch überflüssigerweise eine Richtungsdiskussion über die geschmackvolle Fischkuisine an. Das hätte sie besser sein gelassen. Denn plötzlich kam dann der junge Mann „Fertig? Kann ich abräumen?“ Schwupp, di wupp, waren die Teller und mein Glas fort. Meine Frau protestierte „Darf ich mein Glas zuende austrinken?“. Bei mir merkte er „Oh, da ist ja noch etwas im Glas. Möchten sie es wieder haben?“. Ich war platt. Waren wir hier in einem Vereinsheim der Post gelandet? Ich habe dankend abgelehnt. Ich musste ja noch 65 km zurückfahren. Dann rauchte meine Frau noch eine Zigarette zum Abschied. Sie fragt „Musst Du nochmal vorher klein?“. Ja Donnerwetter! Der rückwärtige Ausgang des Lokals in den Garten war durch einen runtergelassenen Rollladen versperrt! Um 21:00! Wir sind dann aussen ums Haus aus den Garten zum Auto. Zur Toilette hätten wir vorne wieder durch die Eingangstür hinein! Absurd. Das war ein verkappter Rausschmiss: Die Quittung für unsere Mäkelei an der Suppe und die mediterrane Richtungsdiskussion. Dabei hatte ich noch 10% Trinkgeld gegeben.

Bewertung: Wein (5 Sterne), Fischsuppe (salzig; 1 Stern), Küstenteller (4 Sterne, 1 Abzug für Sauce), Fischvariation (3 Sterne), Salate (frisch, normal; 3 Sterne); insgesamt 16/5 = 3,2.

Fazit: s.o. unter Fazit. Zu allem Übel bemerkte ich zuhause, als ich die Rechnung zur Verifizierung für RK fotografierte, dass die Rechnung weder Datum noch Unterschrift trug. Merkwürdig …
Das Ambiente

Das Ganze wirkte von aussen, besonders mit der geschlossenen dunklen Holztür nicht sehr einladend. Nun gut, ich stemmte mich gegen die Tür und wir bogen rechts in den Gastraum (eine umgebaute L-förmige Schalterhalle). An sich spricht nichts gegen gelungene Umbauten, aber hier … links der Thekentresen und rechts eine Reihe quer gestellter Bänke mit Tischen wie in einem Warteraum Klasse III der alten Reichsbahn. Und dann erst einmal der Fußboden; mit Resopal (o.ä.) ausgelegt, darauf zur Kaschierung des Kunststoffbelags Teppichläufer, wie man sie aus den Schließungsverkäufen von Orientteppichhäusern kennt. Ein RK-Kritiker hatte geschrieben, das Innere wäre „bieder“. „Bieder“ trifft es nicht ganz. Die Atmosphäre war „beklemmend“. Ich hätte hier drinnen keinen entspannten Genuß gehabt. Kein Gast saß diesen Donnerstag um 19:00 hier drinnen. Ich kam mir mit meiner telefonischen Reservierung richtig albern vor.

Der junge Mann hinter der Theke fragte „Drinnen oder draussen“. Wir sind gleich raussgestürmt ins Freie. Da stand schon der Wirt und wies uns „den schönsten Platz“ zu. Er war wirklich schön unter einer Bananenpflanze, zur Seite von kleinen Zitronenbäumchen mit Früchten, hinter mir Pepperonisträucher mit roten Früchten. Allerdings saßen wir unter einem gewellten Eternitdach und meine Frau mit dem Rücken zu einem Hofportal zum Kücheneingang. Ich schaute auf das Klingelbrett mit Gegensprech; sehr romantisch.

Wir wurden von einem Paar am Nebentisch beäugt. Diese stellten sich als zufriedene Stammgäste aus der Gegend heraus. Weitere Gäste gabs nicht im Garten. Um uns herum standen ca 10 Tische leer. Als ich dann auf die Toilette wieder zurück durch die Schalterhalle ging bemerkte ich im Inneren noch ein Gästepaar. Auf der Toilette war der Seifenspender leer (deutsche Gründlichkeit?). Beim Rausgehen bemerkte ich etwas, was symptomatisch für das ganze Lokal war. Wenn gleichzeitig sowohl aus der Damen- wie aus der Herrentoilette jemand heraus will, knallen die Türen gegeneinander. So eine bauliche Merkwürdigkeit habe ich noch nie gesehen.
Sauberkeit

Sauberkeit war ok. Allerdings war nach den Ruhetage Mo, Di, Mi am ersten Öffnungstag schon gleich um 19:00 der Seifenspender leer. Hallo, was ist das denn?
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


Keeshond findet diese Bewertung hilfreich.

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