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GastroGuide-User: Oparazzo
Oparazzo hat Toscana IV | Restaurant · Pizzeria in 76332 Bad Herrenalb bewertet.
vor 8 Monaten
"Ein Hole-in-one und zwei Bogeys"

Geschrieben am 06.10.2023 | Aktualisiert am 06.10.2023
Besucht am 30.09.2023 Besuchszeit: Mittagessen 3 Personen Rechnungsbetrag: 72 EUR
Unsere Region ist voller durchnummerierter Toscanas. In Gaggenau das Toscana, vermutlich das erste seiner Art, in Bad Wildbad direkt nebeneinander ein Restaurant und ein Eiscafé, Toscana due e tre, und im Bad Herrenalber Golfclub seit April dieses Jahres nun die Nummer 4 auf der nach oben offenen Toscana-Scala.
 
In den Jahren zuvor gab es im Golfclub einige schnelle Wechsel. Als wir um die vorletzte Jahrzehntwende herzogen, kochte man noch kroatisch. Später gaben sich Italiener den Pizzaschieber in die Hand: 2018 Da Luna, 2021 das von uns sehr geschätzte Bella Vista, nun also Toscana IV.
 


Es ist ja auch keine ganz einfache Location. Ein hübsch eingerichtetes Restaurant mit großem Außenbereich und traumhaftem Blick über die Anlage ins Bernbachtal, 
 

mit manch originellen Asservaten,
 

aber es ist zu abgelegen für Touristen und andere Laufkunden. Man muss also entweder Golf spielen oder sich aus anderen Gründen hungrig ins Auto setzen.
 
So wie zum Beispiel wir vier (Meine Frau, meine Schwester, Calvin und ich). Als wir vergangene Woche dort zu Mittag aßen, waren wir fast die einzigen Gäste. Dadurch hatten wir auf dem talwärts gelegen Balkon, von dem man die beste Aussicht hat, die freie Tischwahl. 
 

Wir wurden von drinnen sofort entdeckt und mit Speisekarten ausgerüstet. Nach angemessener Bedenkzeit wurden die Getränke abgefragt:
 

Für meine Schwester ein alkoholfreies Weizen aus dem Hause Sanwald (4,50 €), für mich ein alkoholhaltiges Pils vom Fass aus dem Hause Dinkelacker (4,20 €), und für meine Frau einen Spritz aus dem Hause Aperol (6,50 €). Calvin wurde nichts angeboten, aber darauf sind wir immer vorbereitet.
 

Meine Liebste freute sich ganz arg über das Angebot der Woche: Frische Dorade mit gegrilltem Gemüse und Rosmarinkartoffeln (oder Nudeln) für 27,50 €. 
 

Kein Schnäppchen, eher ein Häppchen, angesichts des dann ausgelieferten Dorädchens. Kleiner Scherz, musste sein. Die mittelkleine Dorade wurde über alle Maßen gelobt, ich lobe mit auf Basis eines mittelkleinen Probierhäppchens. Dass das Gemüse ebenfalls hervorragend gegrillt und gewürzt war, kann ich besser beurteilen, weil ich später wieder den Teller zur Endreinigung rübergeschoben bekam. So much about Häppchen ;-)
 
Die Dorade war das Highlight unseres Besuches; meine Schwester und ich waren weniger glücklich.
 

Sie hatte Tagliatelle Salmone – Bandnudeln in cremiger Sauce mit Lachs bestellt (15,50 €). Es war zwar reichlich Salmone drin, aber die Sahnesauce konnte nicht wirklich punkten. Heraus stachen allein die dicken Stücke roher Lauch, der in der Küche aus Gründen untergemischt worden war, über die meine Schwester nur rätselnd den Kopf schütteln konnte. Und die ist von Natur aus sehr zurückhaltend, wenn es um Kritik am Essen geht.
 
Apropos Sahne: In der Carbonara ist laut Karte auch welche drin.
 

Mein Auge war nach kurzem Umherschweifen bei der Pizza Toscana - Tomatensauce, Mozzarella, Carpaccio di Manzo, Rucola und Parmesan - ausgefallen lecker hängen geblieben (13,50 €). Ein Gericht, das den Namen des Hauses trägt, sollte etwas Besonderes sein, Carpaccio hatte ich auf einer Pizza noch nie gesehen, und für ausgefallen Leckeres ist wohl jeder zu haben.
 
Rucola esse ich gerne, jedenfalls in Maßen. Deshalb war ich von der Menge auf meiner Pizza anfänglich überwältigt, aber so schlimm war es dann doch nicht, denn der Rucola war eher von der milden Sorte und sorgte hauptsächlich für Knack. Weniger gefiel mir, dass die Pizza nicht geachtelt und zu groß für den Teller war, denn der Rand war nicht richtig aufgegangen und entsprechend hart zu schneiden. Das führte zu ständigem Hin-und Hergeschiebe, jedenfalls bis die Pizza zur Hälfte gegessen war.
 
Und dann hatte ich in meiner Naivität noch gedacht, dass das Carpaccio erst nach dem Backen aufgelegt werden würde, damit es seine Carpacciohaftigkeit nicht verliert. Aber das war mit im Ofen gewesen, und durchgegartes Carpaccio hat keine Chance, sich gegen die restlichen Aromaträger durchzusetzen. Da ist Prosciutto eindeutig die bessere Wahl, wenn man schieres Fleisch auf seiner Pizza möchte. 
 
Also, ausgefallen ja, und lecker insofern, als nichts dabei war, was unangenehm geschmeckt hätte. Für das Pizzaflaggschiff ist das ein bisschen wenig.
 
Während sich also die Dorade durchaus an dem Schild orientierte, das am Eingang zur Anlage steht, konnten Pizza und Pasta nicht mithalten. Inwieweit Tagesform und/oder unglückliche Wahl eine Rolle spielten, muss sich bei künftigen Besuchen zeigen. Die wird es mit Sicherheit geben, nicht nur weil man da so schön sitzt.

DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
keine Wertung
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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