Zurück zu Restaurant St. Petersburg
GastroGuide-User: Hanseat1957
hat Restaurant St. Petersburg in 01097 Dresden bewertet.
vor 3 Jahren
"Russische Küche mit zwei Gesichtern in gediegener Atmosphäre"
Verifiziert

Geschrieben am 10.08.2016
Besucht am 06.08.2016 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 61 EUR
Allgemein:

Zum Abschluss in Dresden der letzte Akt im Zyklus, "Völkerfreundschaften" der DDR kulinarisch nachvollziehen. Nach Kuba (Varadero in Leipzig), der ĈSSR (Dresdner Wenzel) und Nordvietnam (Kinh Do in Dresden) nun der Schlussakt mit deutsch-sowjetischer Freundschaft im St. Petersburg in der inneren Dresdner Neustadt.
Auf der sehr ordentlichen Homepage (http://www.st-petersburg-dd.de/) wird russische und usbekische Küche angekündigt und die Karte zeigt ein reiches Repertoire, das uns Appetit machte.

Wir haben einen zwiespältigen Eindruck gewonnen. Wir Ihr lesen werdet, haben uns die Vorspeisen sehr überzeugt und die Hauptspeisen enttäuscht. Wer sich an den Bewertungen orientiert und z. B. sehr leckere Pelmeni essen möchte, ist im St. Petersburg gut aufgehoben, zumal das Preis-Leistungsverhältnis für Dresdner Verhältnisse recht moderat ist.

Am besuchten Samstagabend mit sommerlichen Wetter saßen die touristischen Gäste auf der Terrasse. Den "Salon" hatten wir erst einmal für uns.

Service:


In dem kleinen Restaurant waren es zwei Frauen aus der ehemaligen SU, die die Gäste bewirteten. Unsere blonde Bedienerin war gelassen und angenehm in ihrer Art und versorgte uns in kommoden  Zeitfolgen. Den Wodka, den es zu jeder Hauptspeise abends aufs Haus gibt, brachte sie vorab, weil wir dachten, dass Wodkatrinken im St. Petersburg wohl angebracht sei. Der(selbe) zweite Wodka erschien als Moskwa Cristall auf dem Bon (2,40 € für 2 cl); ein angenehm milder Wodka, den ich von der Bezeichnung her der Kristall Destillerie zuordne, der nicht nur tiefgekühlt genießbar ist.

Im St. Petersburg bekommt man den günstigsten, von uns ausgemachten Bierpreis geboten: 0,3 l Radeberger gibt es für 2,30 €, das "Hausbier" gar für 2,10 €, Krusovice hell oder dunkel liegen dazwischen mit 2,20 € und die Flaschenbiere 0,5 l (Weizen, Pilsener Urquell, Baltika/russisch) gibt es für 3,10 €. Verglichen mit dem Wenzel sind das Schnäppchenpreise!

Die Weinkarte überraschend lang und beginnend bei 3,50 € für das Viertel Hauswein. Wer ein echtes "Wässerchen" trinken will oder muss, bekommt für 5,50 € einen Liter Selters.

Essen:


Die auf der Homepage einsehbare Karte ist gut gegliedert und bietet Klassiker der russischen Küche, die man erwartet (Pelmeni, Borschtsch, Soljanka, Boeuf Stroganow), ergänzt um etliche Fleischgerichte vom Hähnchen, Schwein, Rind, Lamm und Wild.

Als Suppenkasper wählte ich Tschi (4,80 €), laut Karte eine pikante Weißkrautsuppe. Meine ständige Begleiterin ließ sich erweichen, die Pelmeni mit Hähnchenleber (9,30 €) als zweite, zu teilende Vorspeise zu wählen.
In meiner Suppe ordentlich Weißkohl, Möhre und Rindfleisch und obenauf ein Klacks saure Sahne. Schön heiß und auf guter Basis gekocht. Das gefiel mir. Noch ein Tick besser die bissfesten und gut gefüllten Pelmeni. Meiner ständigen Begleiterin, in deren Familie es eine Kolduny-Tradition gibt (mit Schweinefleisch gefüllte Teigtaschen) fehlte eine kräftige Majorannote, die für die Familienkolduny typisch ist. Die Hähnchenleber mit Zwiebeln zu einer dicklichen Soße verkocht, was hier aber kein Malheur darstellte und gut zu den Pelmeni passte.
Wie oben schon angemerkt, kommen Suppen- und Pelmenifreunde im St. Petersburg auf ihre Kosten.

Dann das kaukasische Schaschlik aus Lammhack (16,90 €) und für mich Plow (14,90 €).

Die beiden Lammhackspieße ließen leider alles vermissen, worauf man gespannt ist, wenn eine "kaukasische" Zubereitung auf der Karte steht. Weiß ich doch aus meinem Russenladen, dass kaukasische Würzmischungen viele Aromaten in sich vereinen. Hier war nichts davon zu schmecken - langweilig. Die Pommes knusprig und der weißkohlige Beilagensalat erfrischend. Die rote Soße ketchupartig.

Plow ist das usbekische Nationalgericht mit den Grundzutaten Reis, Rindfleisch, Möhren und Zwiebeln. Ich hatte die Zubereitung einmal in einer Fernsehreportage über Usbekistan gesehen und war gespannt, was mich erwartet. Es war erst einmal ein "trockenes", körniges Reisgericht, was aber der klassischen Rezeptur entspricht (der ungekochte Reis wird im großen Topf mitgegart und nimmt die Flüssigkeit auf). Das angebratene Rindfleisch war zart. Was mir auch hier fehlte, war die Aromaüberraschung. Kümmel und Koriander waren hier verhalten beigegeben worden. So war der Plow zwar gut essbar, aber kein Ahaerlebnis für den Gaumen.

Die Vorspeisen waren vier Sterne wert, die beiden Hauptgerichte sehe ich nur in der Dreierkategorie. Da die Vorspeisen sehr typische Gerichte darstellten sollen sie gleichwertig in das damit arithmetische Mittel einfließen: 3,5 Sterne in toto.

Ambiente:


Das St. Petersburg ist ein kleines Restaurant in einem Altbau in der breit und als Platanenallee angelegten Hauptstraße, die beim Goldenen Reiter als Fußgängerzone beginnt. Vor dem Restaurant zwei Reihen mit Biergartenmobiliar. Im Restaurant geht es stimmig-plüschig zu. Blickfang sind die schnörkeligen Stühle mit ihren weinroten Polstern. Ein zartes Altrosa und Beige bestimmen den hohen Raum farblich an Wänden und Decken. Dazu passende Lüster unter der Decke und an den Wänden. Zum Namen des Restaurants passende Motive in barocken Bilderrahmen bilden die Wanddeko. Im Raum zwei schwarze Metallsäulen, die bestimmt auch eine statische Funktion haben.

Die Tische sind ausreichend groß und die Abstände lassen keine Enge aufkommen.

Die Musik mit erwartbarer russischer Färbung.

Gewöhnungsbedürftig ist, dass die Toilette im Keller nur über den offenen Hausflur zu erreichen und verschlossen ist. Man muss also bei der Bedienung einen Schlüssel erbitten oder - wenn man sich auskennt - diesen vom Tresen nehmen. Die Order ist eindeutig: Beim Verlassen der Toilette Licht aus und abschließen - Jawohl Towaritsch! So befehlshaft kam es nicht rüber. Die erfragte Erklärung: Ohne Schlüssel würde die ganze Hauptstraße ihre Toilette benutzen.

Die Toilette selbst funktional und sauber, leider auch Aufenthaltsort für ein Regiment gefalteter Umzugskartons.

Sauberkeit:


Im Restaurant alles adrett.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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