Die Reichsstadt
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Engelgasse 33, 77723 Gengenbach
Restaurant Hotel Catering Sternerestaurant
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GastroGuide-User: Carsten1972
hat Die Reichsstadt in 77723 Gengenbach bewertet.
vor 2 Monaten
"Hummlisch genießen!"

Geschrieben am 08.05.2019 | Aktualisiert am 08.05.2019
Besucht am 01.05.2019 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 215 EUR
Nein, kein Schreibfehler, so überschreibt das Hotel und Restaurant "die Reichsstadt" seine Menükarten. Eigentlich würde meine Frau und mich ein so martialischer Name abschrecken, aber der Reihe nach.

Wanderung meiner Frau und mir auf dem Ortenauer Weinpfad, nach einem wunderschönen nächtlichen Stop Over in Durbach führte uns unsere vierte Etappe nach Gengenbach. Am späten Nachmittag des 1. Mai 2019 kamen wir nach ca. 22 Kilometern in diesem sehr sehenswerten Fachwerkstädtchen an, das einen beim Anblick an Rothenburg ob der Tauber denken lässt. Proppevoll die Innenstadt, suchten wir unser Hotel auf. Auch hier hatte meine Frau ein Zimmer in einem Haus gebucht, was an unserem Ankunftsabend keine geöffnete Gastronomie hatte. Ist aber in Gengenbach wirklich kein Problem. Auf dem Weg zum Hotel erblickten wir den Eingang eben jenes Hauses über das ich nun hier schreibe.

Auf die Karten geschaut, gegenseitiges vergewissern und nicken, dass sieht gut und verheißungsvoll aus. Also hinein, mit dem großen Rucksack auf dem Rücken und Wanderschuhen an den Füßen. Ein sehr gehobenes Haus bot sich da. Ich habe ein paar Fotos in die allgemeine Galerie gestellt. Fast hinten im wunderschönen Terrassenbereich trafen wir auf einen jungen Herren aus der Servicetruppe. Ungerührt unseres noch recht derangierten Aussehens hieß er uns willkommen und fragte, wie er uns behilflich sein könnte (er hatte die Prüfung gut bestanden!). Die Frage nach einem Tisch für uns im Restaurant ließ ihn nicht erstaunen, sondern augenblicklich in sein großes Reservierungsbuch schauen und positiv für uns beantworten, um 18:30 war ein Tisch reserviert für uns. Mit freundlichen Worten verabschiedete er uns aus dem Haus.

Ab in unser Hotel (Gasthof Hirsch) und wieder "schön" machen war angesagt. Dies war unser letzter voller Wandertag, morgen wollten wir nach finalen 10 Kilometern an unserem Ziel in Diersburg sein. Da die Etappe mit etwas über 20 Kilometern recht kurz ausgefallen war, blieb nach dem erfrischen noch Zeit die wunderschöne Altstadt zu erkunden. Wer bei Offenburg Zeit verbringt, sollte Gengenbach auf jeden Fall mal besucht haben. Irgendwann hatten unsere Füße aber keine Lust auf Sightseeing mehr und wir Lust auf einen schönen Cocktail im Sonnenschein auf einer Terrasse. Wir erinnerten uns des Gartens der Reichsstadt und dachten, dann verbringen wir die Zeit bis zum essen eben dort! Gesagt, getan, ab in das Restaurant, hindurch, und in die schönen Garten, Bilder in der Galerie und auf der HP.

Hier hieß uns der junge Herr, der uns vorher empfangen hatte wieder herzlich willkommen. Freie Platzwahl auf der mäßig besetzten Terrasse. In der Stadt war alles gerammelt voll, hier war es wunderbar still. Der junge Herr ahnte unseren Begehr und fragte, ob wir den Aperitif draußen nehmen wollten. Wollten wir, und wir ließen ihm die Wahl, was er uns kredenzen wollte mit den Worten: prickelnd, nicht zu süß, eher herb! Er freute sich wirklich, uns überraschen zu dürfen und servierte im Anschluss das hier.

Auf Basis eines trockenen Sekts, und mit weiteren Zutaten war die Vorgabe perfekt umgesetzt. Weil wenig los war, kamen wir mit dem Herren in ein näheres Gespräch über seinen Arbeitgeber, seine Arbeit, seine Freude daran und was uns bewogen dort zu speisen. Da war viel Sympathie auf beiden Seiten, und, die Karten für Speis und Trank hatte er auch schon zu  uns gebracht, viel Fachsimpelei über Gastronomie und die Küchenphilosophie des Reichsstadt. Die Karte lässt sich auf der HP einsehen, und gewisse Änderungswünsche an den Menüs waren kein Problem. Wir genossen die sonnige Zeit auf der Terrasse und ließen uns Zeit mit dem hineingehen. Plötzlich kam der junge Mann hiermit zu uns.

Ein spontaner erster Küchengruß der Küche des Reichsstadt. Erdbeeren, in ganz vielen Variationen. Sorbet, kalte Suppe und Creme, einfach genial, dass auf der Terrasse zu genießen mit den Resten des Cocktails. Langsam versank die Sonne hinter der Gartenmauer, es wurde kühler und wir bekamen Hunger. Also hinein in die Gaststube, wo wir einen großen Tisch für uns alleine bekamen. Wir hatten schon draußen zwei Menüs bestellt, eines mit Fisch und Meeresfrüchten für meine Frau und ein vegetarisches Menü für mich. Nach einer Woche badischer Landküche hatte ich einfach Lust auf leichtere Küche. Einen zweiten Küchengruß servierte die Küche dann im Gastraum.

Lamm, butterzart geschmort. Man hatte vorher bei mir sichergestellt, dass das auch für mich in Ordnung wäre. War es, und es war lecker. Es würde aber für mich nicht das letzte tierische Eiweiß an dem Abend sein. Zum Küchengruß noch Brot, Butter, Salz und Öl.

dann ging es in die beiden Menüs. Ich nehme die Menüfolge meiner Frau vorweg. Zuerst eine Suppe, kunstvoll erst am Tisch zu den weiteren Zutaten auf dem Teller angegossen.

Süßkartoffel / Kokos / Gamba war das Motto. Süßkartoffelsuppe, begleitet von Gambas und einem Kokoseis, ich sah Freude in den Augen meiner Frau. Die bleib auch bei

Spargelsalat / Vinaigrette / Jakobsmuschel erhalten. Eigentlich hatte sie den umbestellt, weil sie gerne den Oktopus aus der festen Karte probieren wollte. Da war was schiefgegangen in der Service-Küchen-Abstimmung. Aber auch der Spargel machte Freude und der Service war so untröstlich über dieses Missgeschick, dass er den Oktopus als Extragang nach dem Spargel noch für uns beide einschob.

Oktopusarm gegrillt. Mit rote Beete und Rucola, was die Creme war, weiß ich leider nicht mehr. Schwupps, aus 4 mach 5 für meine Frau. Lecker. Beim Hauptgang hatte sich Frau für den Fisch entschieden.

Seeteufel / Mais / Spargel war das Thema dieses Gangs. Klang erst einmal nicht so spannend. Wurde es aber dann doch, weil das ganze mit einer wunderbaren Hummerbisque verdelt wurde. Das, was meine Frau nicht im Teller verzehrte, löffelte ich dann noch aus (böser Vegi!). Dessert fehlt noch bei meiner Frau

Basilikum / Ananas / Schokolade hatte die Küche das benannt. Auch hier ein spannendes herbes Säurespiel. Feines Menü für meine Frau, also zu meinen speisen. Ich begann mit

Spargel / Wachtelei / Schnittlauchöl, dass wurde dann als Suppe serviert und sah vor dem angießen der Spargelcreme eigentlich spannender aus als nach dem angießen. Schmeckte aber perfekt. Weiter mit Superfood

Salat von Quinoa / Tofu / Baby Fenchel war Gang zwei. In Erinnerung blieb hier tatsächlich der geräucherte Tofu, eine tolle Kombination mit Fenchel und verschiedenen Cremes. Dann bekam auch ich den oben erwähnten Pulpo und es ging weiter mit

weißer Rettich / Bärlauch / Pinienkerne war einfach lecker! Ich mag Rettich, den gibt es bei uns im Norden viel zu selten. Eigentlich hatte im Menü ein "oder" zwischen dem Rettich und dem folgenden Gang gestanden, ich machte daraus ein "und" und bekam nach dem Rettich

Ravioli von Erbsen / Spargel / Zitrone, das Gericht wurde durch eine Zitronencreme verbunden. Pasta, Erbsen und Zitrone, genauso lecker wie vorher, warum also eines weglassen? Auch bei mir noch ein Dessert

Ananas-Basilikum-Sorbet. Klang ähnlich wie bei meiner Frau, was aber ein eigenständiges Gericht. Ein deutlich nach Basilikum schmeckendes Sorbet wurde allerliebst begleitet von Ananas in Form von geliertem Saft und Kompott. Auch lecker.

Fazit Küche: hervorragend, eine allerfeinste Überraschung an unserem letzten Abend in der Ortenau

Kurz zum Wein, ich hatte es ja schon angekündigt, dass Weingut Kopp aus Sinzheim würde uns noch einmal Freude bereiten. Das tat es an diesem Abend mit einem im Barrique ausgebauten Weißburgunder.

Front

Rückseite
Perfekter Wein über das Menü für Beide. Zum Dessert noch eine lokale Gewürztraminer Spätlese.

Kann ich zum Service kommen und zu einem weiteren Höhepunkt dieses äußerst erfreulichen Abends in der Reichsstadt. Beide Herren im Service taten ihren Job mit einer unvorstellbaren Begeisterung in Kombination mit einer tadellosen Ausbildung. Großartig! Und auch bei manchen Küchenproblemen im Ablauf des Abends (nicht qualitativ, sondern organisatorisch) blieben sie souverän und sicher!

Also zum abschließendem Gesamtfazit. Ist man in Gengenbach, sollte man im Hotel und Restaurant Reichsstadt seine Mahlzeiten und Nächte verbringen. Absolute Empfehlung, auch wenn ich den Namen immer noch doof finde!

PS hummlisch gut ist es also dort! Hummel ist die Besitzerfamilie!
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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