Zurück zu Restaurant im Hotel Hinterding
GastroGuide-User: Carsten1972
hat Restaurant im Hotel Hinterding in 49525 Lengerich bewertet.
vor 4 Jahren
"Ein Empfehlung für stilvolles Essen......"
Verifiziert

Geschrieben am 31.08.2015 | Aktualisiert am 31.08.2015
Besucht am 30.08.2015
Das war ein Wochenende! Der Sommer hatte noch mal einen letzten Anlauf genommen und das Münsterland aalte sich im Sonnenschein und schweißtreibenden Temperaturen. Wir nutzten das WE mit den letzten lauen Sommerabenden draußen und kehrten spontan am Samstagabend noch ins Keiling ein, um auf der Terrasse zu speisen. Wie immer ein kulinarisch höchst befriedigender Abend in schönem Ambiente. Nicht ganz so spontan hatten wir angesichts des guten Wetters ein paar Tage zuvor Sonntagmittag einen Tisch im Hinterding in Lengerich reserviert. 

Wir konnten also gut vergleichen, hier die "jungen Wilden" Gina Duesmann und Lars Keiling, dort die seid fast 20 Jahren in Lengerich tätigen Elke Zeitner und Klaus Weingartz. Das Hinterding wird in eigentlich jedem Restaurantführer als eine der ersten Adresse im nördlichen Münsterland aufgeführt und stand somit schon lange auf unsere To-Go Liste. Leider ist es relativ weit von Rheine nach Lengerich, so dass sich jemand als Fahrer finden lassen muss oder man macht es wie wir, fährt mit dem Zug nach Osnabrück, nimmt relativ erträgliche 18 km in Kauf und kann dann entspannt über den Nachmittag nach zurück nach Rheine fahren.

Fast hätte ein heftiges Sommergewitter Sonntagmorgen unseren Plänen ein abruptes Ende gesetzt, aber rechtzeitig mit unserer Ankunft kam in Osnabrück am Altstadtbahnhof die Sonne wieder hervor und verwandelte das Tecklenburger Land in eine Dampfküche. Im wahren Schweiße unseres Angesichts strampelten wir bei fast 30° und gefühlten 100% Luftfeuchtigkeit nach Lengerich und hatten mit Ankunft an der alten Villa an der Bahnhofstraße eine schöne Einkehr wahrlich verdient.

Angesichts des Sturzregens eine paar Stunden vorher hatten wir die Hoffnung begraben, draußen speisen zu können, alles war immer noch nass. Schade, angesichts des wunderschönen Sonnenscheins, der sich inzwischen draußen durchgesetzt hatte. Wir gingen die Treppe hoch zur Tür und links auf der Terrasse saß Herr Weingartz und "döppte" Bohnen. Wir wurden sofort von ihm und Frau Bertz begrüßt. Herr Weingartz fragte umgehend, ob wir draußen speisen möchten, was wir bejahten und bot uns einen Platz am Tisch auf der überdachten Terrasse links vom Eingang ab, die Sitzplätze dort waren trocken. Flugs deckte Frau Bertz den Tisch auf hohem Niveau ein. Froh und etwas erleichtert, angesichts unseres etwas erhitzten Zustandes doch draußen speisen zu können, erkannte Frau Bertz unser wichtigstes Bedürfnis sofort und servierte mit den Karten ein frisch gezapftes Pils. Das tat gut! Und wir konnten entspannt in die Karten blicken.

Die Karte besteht aus drei DIN A4 Seiten, die sich auf der HP einsehen lassen. Regionale Lieferanten werden genannt, die Küche kann man deutsch-französisch inspiriert nennen, verwirklicht mit einem hohen Anspruch an Zutaten und Zubereitung. Das Preisniveau liegt auf oberen Münsterländer Level. Aus den Einzelgerichten gibt es zwei Menüvorschläge, davon auch ein veganes Menü. Herr Lindpere, der Sommerlier, schlug uns dann noch ein individuell ausgestaltetes Sonntagsmenü vor. Wir hatten uns aber relativ schnell auf das Menü Chefding geeinigt. Das bestand aus folgenden Gängen:

Unser ChefDing ab zwei Personen
(Viergangmenü: 69,00 € (p. P.) / Dreigangmenü (ohne Zwischengang): 59,00 € (p. P.))
Gegrillte Gambas auf Kürbis und Linsen (meine Frau) oder Imperial Wachtelbrüstchen auf lauwarmen Tomaten-Wachsbohnensalat (für mich)
Vor dem ersten Gang gab es noch Brot mit einer Quark-Kräuter-Zubereitung, sowie als Gruß aus der Küche eine sehr schöne Gazpacho, die sich durch eine extreme Fruchtigkeit auszeichnete, und fast süß daherkam, ergänzt durch dezenten Einsatz von Chili war das ein perfekter Starter für ein Sommermenü. Die beiden ersten  Gänge kamen ohne jede Schwäche auf den Tisch. Besonders die Wachtelbrütchen waren perfekt zubereitet.

Vor dem eigentlichen zweiten Gang überraschte uns die Küche mit einer Sonntagssuppe, eine Rinderbouillion mit Marklößchen auf allerhöchstem Niveau. Klar, rein im Geschmack, dezent nur gesalzt, einfach lecker.

Zander vom Hof Lintker aus Hagen a.T.W. auf Kartoffel-Steinpilz-Ragout
Gang zwei war Zander, perfekte gebratene Filets mit knuspriger Haut serviert auf einem extrem leckeren Ragout aus Steinpilzen und Kartoffeln.

Steinbutt in Trüffelbuttersauce auf Petersilienwurzelpüree 
Gang drei, wir hatten uns wieder für den Fisch entschieden, gegen die Alternative Tournedos vom Weser Marschlandrind mit gebratenen Pfifferlingen, und wir bereuten die Entscheidung nicht. Die Buttersauce mit Trüffeln war ein Highlight in der Kombination mit dem Püree und der zusätzlich servierten Pasta, wiederum mit Steinbutt in perfekt gegarten Zustand.

Zwetschgentarte frisch aus dem Ofen mit Vanilleeis.
Der alternative Käse (Brie de Meaux »a la Chesery« mit Trüffelcreme gefüllt) war uns nach dem Menü zu mächtig und wir beide wählten die angebotene Tarte. Die Tarte war aus Blätterteig hergestellt, mit recht sauren Zwetschgen, die aber zusammen mit einer sehr guten Vanillesauce und Vanilleeis eine gute Wahl waren.

Zusammenfassend hatten wir ein, letztendlich, 5 Gang Menü auf einem sehr hohem Niveau. Keines der Gerichte gab sich eine offensichtliche Schwäche, und auch unter sehr kritischem Blickwinkel konnte ich an keinem der Gänge viel kritisieren. Herr Weingartz beherrscht sein Handwerk!

Durch das Menü begleitete uns ein Silvaner 2012 aus Franken, vom Weingut Max Müller aus Volkach. Zu zwei Dritteln im Holzfass ausgebaut passte dieser Wein mit seinen Holznoten hervorragend zu den beiden recht würzigen Fischgängen. Dieses Weingut ist meiner persönlichen ToGo Liste und wird schnellstmöglich besucht.

Frau Bertz und Herr Lindpere manövrierten uns sicher durch das Menü, und gaben sich beim eindecken für die Gänge oder vorstellen der Gerichte keine Blöße.

Peter hat ja mit seinen Fotos das wunderschöne Ambiente in und um die Villa schon beschrieben, dem brauche ich nicht viel hinzufügen.

Zum Abschluss hatten wir noch ein anregendes Gespräch mit Herrn Weingartz auf der Terrasse, und verließen nach 2 Stunden das Restaurant Hinterding mit dem festen Vorsatz, dass wir wiederkommen. Das Hinterding kann im Vergleich der Generationen mithalten! Wir waren sehr zufrieden.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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