Zurück zu Pizzeria Michelangelo
GastroGuide-User: Hanseat1957
hat Pizzeria Michelangelo in 26548 Norderney bewertet.
vor 1 Jahr
"Der Wirt – eine wahre Plaudertasche, die Küche kommt da leider nicht mit"

Geschrieben am 16.06.2020
Besucht am 09.06.2020 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 66 EUR
Allgemein

Nach mehreren Zechen über der 100-Euro-Grenze stand uns der Sinn nach einem „schlichten“ Italiener. Bis 2018 stand dafür das La Grotta mit guten Pizzen; 2019 schon nicht mehr geöffnet. Dort wird aktuell umgebaut; es wird eine „Friesenstuv“ mit deutschen und internationalen Spezialitäten eröffnen.

Unsere Wahl fiel auf das Michelangelo, nicht zuletzt, weil man durch die Fenster in das großzügige Restaurant blicken und eine gute Organisation in Coronazeiten erkennen konnte.

Begrüßt wurden wir am Empfang durch den Wirt Mirko Zane, der uns die freie Platzwahl ließ und dabei drauflosplauderte. Klar, einiges schon tausend Mal gesagt, aber wenn wir nachfragten (Italiener? Wie lange schon Wirt des Michelangelo?) kam viel Wissenswertes herüber. Also ein Wirt, der den Kontakt zu seinen Gästen sucht und fürchterlich während der Phase der Schließung in den letzten Wochen gelitten haben muss. Er stammt aus einer Wirtsfamilie mit langer Tradition auf Norderney und es besteht auch eine Verbindung zur Familie des Sergio vom Da Sergio. Er selbst führt das Michelangelo in zweiter Generation seit 24 Jahren.
Das Michelangelo füllte sich am frühen Dienstagabend schnell, darunter auch Stammgäste. Wir waren ohne Reservierung gegen 17:30 Uhr noch gut untergekommen, hatten aber zur Sicherheit eine halbe Stunde vorher telefonisch die Lage erfragt.

Das Preisniveau ist für Norderneyer Verhältnisse moderat und mir vier Sterne wert. Gourmetausschläge darf man nicht erwarten, eher die schlichte Grundversorgung einer Pizzeria. Mit der Erwartungshaltung kann man im Michelangelo einkehren.

Service

Der Wirt blieb auch nach dem ersten Austausch und sich füllendem Restaurant im Gespräch. Zur bestellten scharfen Pizza Mafiosa erwähnte er noch den wahren Schärfeturbo, ein von seiner Frau hergestelltes Chiliöl, dass er mir empfehle, wenn ich es richtig scharf haben möchte, was ich bejahte. Nur die Hartnäckigkeit meiner ständigen Begleiterin brachte dann das Öl aus dem „Privatbestand“ auf den Tisch. Die beiden Kellnerinnen bedienten uns flott und waren auch nicht auf den Mund gefallen.

Auf den Tischen waren rote und grüne Punkte geklebt, um den Gästen die Sitzposition zur Abstandswahrung vorzugeben; eine schlichte, aber gute Idee. Plexiglas zur Abschottung von Nischen sind eine weitere Maßnahme, trotz Corona noch eine ordentliche Auslastung zu erreichen. Am besten gefiel uns die Speisekarte. Speisekarten hatten wir bis dahin laminiert im DIN-A4-Format erlebt, um sie nach jedem Gebrauch desinfizieren zu können (Scheerer`s) oder im Oktopussy und im Al Dente als Wegwerfpapierausdruck auf den Tischen ausliegend. Mirko Zante hat nicht gespart und steife professionelle Kunststoffkarten im Format von bestimmt DIN A2, weiß auf grau bedruckt, fertigen lassen, die von Form und Funktion her zu überzeugen wussten.

Sie wurden für jeden von uns gebracht und erleichterten die Auswahl und die Order sehr (z. B. deutlich vorzugswürdig gegenüber der dritten Variante QR-Code und rumfrickeln auf dem Smartphone).
Alles in allem gebe ich gerne vier Sterne für die Betreuung und Sorge um den Gast im Michelangelo.
Die italienischen Standardweine stehen mit 7,00/0,25l auf der Karte, Wasser mit 5,50/0,75l und Pils oder Alt kommen auf glatte 3,00/0,3l.

Zum Schluss wurde uns ein guter Marsala ausgegeben.

Essen

Die Karte ist vielfältig und bietet eine reiche Auswahl an Pizza, Pasta und Carne. Bei den Vorspeisen wird es schon etwas dünner. Wir wählten die Schnecken in Gorgonzolasoße (6,50 Euro) und die Antipasto (12,00 Euro). Dazu gab es fünf warme Pizzabrötchen mit einer leicht bröseligen Krume, was ich nicht so schätze (es muss sich „ziehen“, wenn man ein Pizzabrötchen „aufbricht“).

Meine Schnecken mit reichlich und eindeutiger Käsesoße konnten mit den Zubereitungen in unseren Stammrestaurants mithalten. Die Antipasto auf dem optisch prima vista beeindruckenden Teller waren sehr schlicht. Es war eigentlich eine gemischte Aufschnittplatte, ergänzt um ein paar Sardellen und zwei Scheiben Bruschetta. Ansonsten zwei Sorten Salami, Koch- und luftgetrockneter Schinken, Schimmelkäse und Schafskäse und etwas Kräuterbutter, garniert mit Oliven und Rucola. Also keinerlei Küchenleistung, wie sie marinierte Pilze, gegrilltes Gemüse, Oktopus, Muscheln usw. erfordern. Die Portionsgröße aber mit den Brötchen beachtlich.
Dann Fettucine mit Gambas und Sahnesoße (11,50 Euro) und die Pizza Mafiosa in der scharfen Ausfertigung (10,00 Euro).

Die grünen und weißen Fettucine in einer dicklichen Sahnesoße mit guter Hafteigenschaft und einigen Gambas wurden von meiner ständigen Begleiterin als gut essbar bewertet. Befremdlich das Stück Wassermelone als Deko auf dem breiten Tellerrand.

Meine Pizza mit Salami, Zwiebeln, Paprika und einigen Pepperonistücken. Eher klein im Durchmesser und etwas blass an den Rändern.

Der Wirt verriet schon im Vorfeld, wie die Schärfe auf die Pizza kommt. Ich kannte bis dahin die Varianten scharfe Salami, kalabrisch mit Nduja, Chilischoten oder Chilipulver. Im Michelangelo verwendet man asiatische Chilisoße in zwei Schärfegraden nach Wahl des Gastes. Sie wird dann kreisförmig aufgebracht, was man auf dem Foto gut sehen kann. Sicherlich eine wenig aufwändige Form des Würzens, aber für mich doch befremdlich. Besser wäre das dann spät ergatterte Chiliöl am Platz für jeden Gast, der gerne scharf essen möchte. Auf mein Restviertel konnte ich dann etliche Tropfen aufbringen, die die Pizza aufwerteten und Schweißperlen erzeugten. Eine gute Komposition hat Frau Zane da hinbekommen!

Für mich ist die Küchenleistung mit drei Sternen gut bedient.

Ambiente

Wir waren uns sicher, vor etlichen Jahren einmal im Michelangelo mittags eingekehrt zu sein und hatten eine altdeutsche, rustikale Einrichtung in Erinnerung. In jüngerer Vergangenheit wurde gründlich renoviert. Herausgekommen sind häufig anzutreffende Interieurstandards wie quadratische Tische mit Mittelfuß, hell gepolsterte Sitzbänke oder die Dielenbodenoptik. Verspielt die Deckenleuchten, ansonsten helle Wände. Von früher stammt wohl die Kassettendecke.

Wir hatten ausreichend Platz auf unserem Tisch. Gute Salz- und Pfeffermühlen stehen bereit.
Ein Lautsprecher auf der Fensterbank an unserem Tisch spendete unaufdringlich Popklassiker.

Sauberkeit

Nichts zu bemäkeln; die Herrentoilette frisch und modern.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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