Alaturka
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Luisenstr. 63, 42103 Wuppertal
Restaurant Biergarten Partyservice
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GastroGuide-User: x2x
hat Alaturka in 42103 Wuppertal bewertet.
vor 2 Monaten
"Türkischer Frisör, Türkisches Restaurant, Türkisches Essen - güzel."

Geschrieben am 11.05.2020 | Aktualisiert am 11.05.2020
Besucht am 14.09.2019 4 Personen
* Mein türkischer Frisör meinte, wir sollten mal zusammen essen gehen, natürlich inklusive der Ehefrauen. Welches Restaurant ? Er überließ mir die Auswahl des Restaurants. Also stellt ich mir die Frage, wo gehst Du mit einem schon fast eingedeutschten Türken hin ? Zum Italiener, zum Spanier, zum Griechen (politische Bedenken !), zum Inder oder zum Chinesen ? Da ich mir nicht sicher war und seine kulinarischen Neigungen nicht kannte, dachte ich eher an ein türkisches Restaurant. Hasimausi meinte das wäre einfalls-und fast schon geschmacklos. Ich fand es lustig.

* Als ich meinem Frisör via SMS meine Entscheidung mitteilte - das Restaurant Alaturka - simste er zurück "Super". Es war der 14. September 2019. Fast noch mit 24 Grad sommerliche Temperaturen, schlugen wir im Alaturka auf. Für meinen Frisör und seine Gattin war es der erste Besuch dort. Wir dagegen waren hier schon mehrmals. Ich machte den Vorschlag, bei den sehr angenehmen Temperaturen einen Tisch in der netten Außengastronomie im Innenhof zu belegen, was allerdings bei den Damen (bei 24 Grad) keine Zustimmung fand. Sie prophezeiten für den späteren Abend kühle Temperaturen. Bei Hasimausi kenne ich das. Sie befürchtet schon im September den kommenden Winter und friert bereits in der Sauna. Also ab ins türkische Restaurant. - Wie immer war es voll, wie immer war es wuselig, wie immer tobte hier das deutsch-türkische Leben, was nicht unbedingt mit "leise" zu bezeichnen ist. Wir hatten reserviert, ein emsiger türkischer Landsmann zeigt uns unseren Tisch. Frisör und Gattin fanden es atmosphärisch Super. Ich fand es wie schon seit Jahren eine Spur zu dunkel und eine Spur zu rustikal. Allerdings alles noch akzeptabel, sonst wären wir hier auch nicht schon häufiger gewesen. Es gibt das Restaurant bereits seit über 20 Jahren hier, vielleicht sollte man mal das ein oder andere vorsichtig verändern. 

* Die Karten wurden gebracht, ich hatte Durst auf ein EFES. Mein türkischer Frisör schmunzelte. Bier - ja Bier favorisierte er auch, allerdings ein rheinisches Alt aus dem Hause Frankenheim. Typischer Fall für "eingedeutscht".  Ob das Allah und Erdogan befürworten ? Natürlich stellte ich diese politische und religöse Frage nicht. Hasimausi hätte mich vermutlich deswegen auch mit Blicken abgestraft. - Bei der Getränkekarte fällt folgendes sehr positiv auf. Eine fast schon unübliche große Auswahl von etwa 12 offenen Weinen. Weinen aus Italien, Frankreich, Australien, Südafrika und selbstverständlich auch aus der Türkei. Fast mehr offene Weine als Flaschenweine werden hier angeboten. Gerade hatte ich den ersten Schluck EFES inhaliert und Hasimausi ihren türkischen Rotwein, wurde Raki serviert. Unbemerkt von mir hatte das mein Freund der Barbier geordert. Vor dem Essen schon einen Raki, der Abend könnte noch stimmungsvoll werden. Zu meinem Erstaunen schob Hasimausi ihren Raki nicht rüber zu mir, sondern konsumierten ihn höchst persönlich. Bereits vor dem Essen türkischen Rotwein plus Raki - mein lieber Erdogan.

* Da wir hier nicht erstmalig waren, kannte wir die Karte noch überschlägig. Nur bei den Vorspeisen tun wir uns hier immer schwer. Hier gibt es wie in meisten türkischen und arabischen Restaurants fast überall üblich, zahlreiche kleine Vorspeisen, Mezen oder Mezzen. Aber auch andere, attraktive Vorspeisen, die man so nicht überall bekommt. Unsere Wahl:

> Blätterteig-Röllchen mit Koblauchwurst und Käse gefüllt - für mich.

> Rinderrauchschinken aus der Türkei, mit Feta überbacken - für meine liebe Dame.

Bei den Hauptgerichten wählten wir:

> Lammfilet - für mich.

> Lammkoteletts - für meine liebe Dame.

Der Kellner brachte frisches EFES und frisches Frankenheimer. Inzwischen war das Restaurant zu gut 110% ausgelastet. Junge Türken, mit netten blonden Mädels. Deutsch-Türkische Familien mit wenig und mit vielen Kindern. Jung und alt im ausgewogenen Mix. Eingangs hatte ich die Atmosphäre als wuselig beschrieben, inzwischen war es super-wuselig. Der Service agierte im ICE Tempo, super-flott und immer ein Auge für leere Gläser und eventuellen Gästewünschen.

* Mein Barbier und seine Ehefrau hatten diverse Mezzen bestellt. Gute 10 Teller positionierte der Kellner auf den Tisch. Dazu noch unsere Vorspeisen. Der Tisch war völlig überfüllt. Mein Frisör meinte schelmisch, dass früher die Osmanen immer so ausgiebig und umfangreich getafelt haben. Hasimausi regte an, dass wir uns unsere beiden unterschiedlichen Vorspeisen jeweils zur Hälfte teilen sollten. Mit Blick auf ihren Teller mit Rauchschinken, stimmte ich gerne zu. Und da kam er wieder - unsere emsiger Kellner mit neuem Raki ! Ich stellte mir die Frage ob mein Frisör eine Raki-Dauer-Order in Auftrag gegeben hatte. Er prostete mir zu, Hasimausi lehnt höflich ab.  -  Meine warmen Blätterteig-Röllchen waren gefüllt mit einer würzigen Wurst und wunderbarem Feta-Käse. Die türkische Wurstfüllung erinnerte geschmacklich etwas an eine ungarische Cabanossi. Der recht salzige Käse - keine Ahnung ob vom Schaf oder von der Ziege - hatte eine angenehme warme Temperatur - Klasse. Es gab allerdings noch eine Steigerung, nämlich den Rauchschinken vom Rind, mit Feta-Käse überbacken, für Hasimausi. Dieser Schinken hatte ein vorzügliche Qualität, so wie wir ihn in Mitteleuropa eher weniger vorfinden, denn der kommt hier mehrheitlich ja bekanntlich von der Sau und eben nicht vom Rind. Käme er hier von der Sau, Allah würde uns strafen. Kleiner Magel. Meine liebe Dame hat die Vorspeise extra ohne Zwiebeln bestellt, trotzdem lagen sie erkennbar auf dem Teller. War natürlich kein Problem. Die Zwiebeln ignoriert und diesen kleinen Mangel natürlich nicht reklamiert. Vorspeisen-Fazit: Sehr gut, inklusive des warmen, frischen Fladenbrot.

* Wir gönnten uns ein Päuschen und ich betete still und heimlich, Allah möge uns vor der nächsten Runde Raki doch bitte verschonen. Allah erhörte meine Bitte, jedenfalls zunächst.

* Als dann - die Hauptgerichte. Ich bringe es es kurz und prägnant auf den Punkt. Ein Filet vom Lamm, ordentlich zubereitet. Die Qualität des Fleisch war untadelig. Das alles schmorte in einem Tontopf, der wohl im Lehmofen erhitzt wurde. Dazu Tomaten, Paprika, Auberginen, alles geschmort. Wer mich kennt weiß, dass mein Gaumen nicht gerade nach Gemüse lechzt. Was mir an dem Gericht fehlte, war noch etwas anderes als Beilage, außer Gemüse. Was genau ? Ich kann es nicht sagen. Aber nur das Gemüse war mir etwa zu einseitig. - Ein Blick in Richtung Hasimausi löste bei mir ein Schmunzeln aus. Hasimausi nagt gerne an Ribbchen. Hier jetzt beim Türken konnte sie ihre Lust zum Nagen auch wider ausleben. Nämlich nagen an Lammkoteletts. Erinnert mich immer an Urzeit-Menschen, also zu der Zeit bevor Messer und Gabel erfunden wurden. Einen Knochen in der Hand und das daran befindliche Fleisch abnagen - für mich unvorstellbar. Nun gut, wir waren zufrieden. Wobei die Vorspeisen die Hauptspeisen geschlagen haben. Mein Frisör plus Gattin war auch voll des Lobes, hatte allerdings ein ähnliches Empfinden wie wir. Top die Vorspeisen, ordentlich die Hauptgerichte. Was fehlte noch ? Eigentlich etwas Dessert, aber vorher noch einen kleinen Raki. Warum hatte Allah wieder weggehört ?

* Dessert, ja was wohl beim Türken ? Natürlich Baklave. Wer es nicht kennt: Blätterteig geschichtet, Pistazien, Mandeln, Honigsirup und das alles in Rosenwasser gebadet. Extrem süß, klebt beim Verzehr fast im Gaumen fest. Obwohl ich ein bekennender Verweigerer von süßem Dessert bin, muss Baklava beim Türken oder Araber einfach sein. Wobei Baklava aus arabischen Ländern im Regelfall nicht eine solche extreme Süße hat, als das Baklave der türkischen Konditoren. Mein mich betreuender Barbier meinte nur, dass ein Raki zum Baklava noch mehr Spaß im Mund bereitet. Seine Meinung teilte ich nicht vollständig. 

Fazit: An die etwas dunkle Ziegelstein-Atmosphäre im Alaturka, werde ich mich wohl nie gewöhnen. Zudem stellt sich die Frage, ob nach jetzt gut 20 Jahren, nicht das ein oder andere im Restaurant mal zeitgemäß auf-oder nachgerüstet werden sollte ? Mit dem Essen waren wir zufrieden, mehr mit den Vorspeisen als mit den Hauptgerichten. Bei den Hauptgerichten fehlt vielleicht etwas die Kreativität oder auch die Sorgfalt bei der Präsentation. Der Service war und ist hier immer untadelig. Wenn wir wieder Lust auf türkisches Essen haben, werden wir trotz der kleinen Mängel wieder hier aufschlagen. Ganz besonders draußen im luftigen Innenhof. 

Anmerkung: Diese Zeilen habe ich verfasst mitten in der Corona-Krise, 8 Monate nach dem Besuch im Alaturka. Heute am 11.05.2020 dürfen die Restaurants wieder mit Ein-und Beschränkungen öffnen. Wenn es das Wetter zulässt, werden wir demnächst wieder im Alaturka sitzen, aber dann draußen im Innenhof. Ob mit ebenso reichlich Raki oder besser etwas weniger, ist mir ehrlich gesagt egal. Hauptsache die Gastronomie hat wieder geöffnet und die Zeiten zu Hause auf der Terrasse und dem Grill finden wieder etwas weniger statt.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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