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GastroGuide-User: DerBorgfelder
hat Gebert's Weinstuben in 55118 Mainz bewertet.
vor 4 Wochen
"Was von Kollegen-Empfehlungen zu halten ist"
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Geschrieben am 31.01.2021 | Aktualisiert am 01.02.2021
Besucht am 07.10.2020 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 163 EUR
Nach dem wunderschönen Abend zu viert in Sven Niederbremers Altem Engel in Speyer, (MarcO berichtete so engagiert, dass er glatt vergaß, das wichtigste Detail-Foto zu veröffentlichen; ich warte, werter Herr!), sollte es am Folgetag in Mainz bodenständig, aber doch anspruchsvoll sein. Ein zum Gähnen langweiliger Stadtrundgang ließ Zeit, ein wenig nach GG-Empfehlungen zu suchen und förderte sehr schnell Gebert‘s Weinstuben zutage. (Zum Plural siehe in den Vor-Berichten.) In der mit hohem Lob von MarcO und besonders Nolux - Mr Wine himself - ausgestatteten Lokalität erreichte ich telefonisch einen freundlichen jungen Mann, der uns einen Zweiertisch in Aussicht stellte. Wie sich zeigte, war die Reservierung auch am Mittwochabend nötig, denn die Corona-Regeln hatten die Plätze in der zum Restaurant umfunktionierten Wohnung noch einmal deutlich reduziert. Uns haben die Abstände in der guten Stube sehr gefallen, deren absolut unveränderte Wohnzimmer-Atmosphäre (bewusst ohne „...“) von den beiden geschätzten Kollegen bereits hinreichend detailliert beschrieben ist. Der Stil ist sicher Geschmacksache, aber lieber eigenwillig und authentisch, als eine nur noch auf Touristen ausgerichtete Weinstuben-Romantik, die uns in der Altstadt auf Schritt und Tritt begegnete. Die Touris - also wir, Schock! - waren aber hier wenige Schritte von Vater Rhein entfernt eindeutig in der Unterzahl gegen das dem Dialekt nach einheimische Publikum. Im Service wurde die bestimmt, aber nicht unfreundlich auftretende Frau Widdin (oder ist das schon zu hessisch?) zum einen von einer weiteren lebenserfahrenen Dame unterstützt. Und zum anderen vom Inhaber der freundlichen Telefonstimme, der uns trotz gerade abgeschlossener oder gar noch anhaltender Ausbildungszeit mit soviel Begeisterung und Fachkunde bediente, dass hier mal die volle Punktzahl verdient ist. Auch das nervige Insistieren des Bremer Sturkopps auf Angebote aus der noch im Netz ausgestellten, aber offenbar im Post-Lockdown eingedampften Getränkekarte wurde nicht etwa genervt quittiert, sondern mit mehrfacher, letztlich erfolglose Suche im Keller.

Nun denn, also Riesling Winzersekt (4,7€) und eine Traubensaft-Schorle (3,8€) zur Einstimmung, während wir knusprige Baguettescheiben in eine wunderbare Forellen-Crème stippten, die neben Butter und einem kräftigen Olivenöl den ersten Hunger wirksam bekämpfte. Gefolgt von Gerolsteiner Wasser (6,8€/0,75) und einer ganz, ganz feinen Flasche, wie ja hier nicht anders zu erwarten.

Den dafür aufgerufenen Preis von 55€ mag, wer will, online vergleichen. Und damit auch gleich einen Grund für die Spitzenbewertung in der Kategorie PLV finden, trotz weniger Ausreißer.

Mangels eines Menüs hangelte sich unsere Bestellung durch die Speisekarte und die Tagesangebote, die beide eine deutliche französische Note aufwiesen.

Mit meinem Kalbskopf (11€) war ich mehr als zufrieden, denn die nur dezente Säure ließ dem Fleisch viel Raum. Den collagenreichen Genuss konterten ein frisches Salatbouquet und fein-knusprige Croûtons.

Auch meine Begleiterin hatte wider Erwarten auf fleischliche Genüsse gesetzt. Aber einer hausgemachten Schweine-Sülze (9,5€) mit einer ebensolchen Remoulade (und etwas Kürbis) ist dann und wann nur schwer zu widerstehen. Ich durfte probieren und konnte die schwelgerischen „Mmmmmhs“ völlig nachvollziehen, zartes Fleisch in würzigem Aspik - mir läuft schon wieder das Wasser im Munde zusammen.
Hausmacher-Sülze
Die Portionsgröße ließ jedoch bei meiner Gattin ein wenig Panik aufkommen, so dass ich bei der Suppe alleine blieb. Verständlich und doch schade, denn die Consommée (6,5€) überzeugte nicht nur mit ihrer ausgekochten Geschmackstiefe, sondern auch der reichlichen Einlage von Pilzen und Gemüsestreifen mit genügend Biss.

Beim Hauptgang dann gegenüber wieder bewährt Vegetarisches. Das Kürbis-Risotto, pochierte Eier und knackiges Gemüse (etwas überraschende 18,5€) ließen geschmacklich und auch handwerklich keine Wünsche offen.

Im Vertrauen auf die Kritikerkollegen und somit darauf, dass Patron Gebert sein Geschäft versteht, hatte ich Flugentenbrust  (24€) bestellt. „Und ich wurde nicht enttäuscht.“ Rosa gebraten und mit knuspriger Haut war das ein selten gutes Geflügelvergnügen, zu dem die kräftige Jus bestens beitrug. Auch die Beilagen alle 1a, wirklich sehr schön die auch von Nolux gelobten Mandel-Kartoffel-Krusteln.

Ob der Käsewagen verfügbar gewesen wäre, konnte ich im speziellen Gastro-Sommer 2020 nicht klären. Denn der Süße Fan an meiner Seite wollte unbedingt beide Desserts probieren aber natürlich nicht zwei ganze Portionen essen. Ein Ehemann tut, was ein Ehemann (gern) tun muss! Und besonders schwer fiel der Verzicht auf die abschließenden Milchprodukte nicht. Denn sowohl die Crème brûlée mit Mangosorbet und Karamell-Blatt (8€) als auch die beschwipsten Rheingau-Pflaumen mit cremigen Joghurteis (9€) waren ein blitzsauberer Abschluss.


Gebert‘s Weinstuben hat unsere Erwartungen an eine gehobene, im Kern bürgerliche Küche mit französischen Wurzeln vollständig erfüllt. Gemessen am Anspruch des Hauses kann es daher nur die Maximalbewertung geben. Ich schließe mich natürlich der wunderbaren Empfehlung unserer GG-Kollegen aus vollem Herzen und Magen an!  Aber war das wirklich fraglich?
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DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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