Restaurant Vogelkoje
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Lister Straße 100, 25999 Kampen
Restaurant Weinstube Ausflugsziel
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GastroGuide-User: hbeermann
hat Restaurant Vogelkoje in 25999 Kampen bewertet.
vor 3 Wochen
"Das sieht nach flachen Hierarchien aus"
Verifiziert

Geschrieben am 25.07.2019 | Aktualisiert am 25.07.2019
Besucht am 24.07.2019 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 177 EUR
 
Die Vogelkoje ist zwar einige Kilometer vom Kernkampen entfernt, gehört aber zum Ort.

Die Parksituation ist prima, weil der große unbefestigte Parkplatz eben nicht nur für Restaurantbesucher, sondern auch für die Teilnehmer vogelkundlicher Führungen ausgelegt ist.

Der Weg vom Parkplatz zum Restaurant ist auch für Rollstuhlfahrer gut zu bewältigen. Es geht sanft aufwärts, zum Teil allerdings über Kies. Die selbst schließende halbhohe Zauntür ist breit genug, der eigentliche Eingang ist ebenerdig angelegt.

Der Außenbereich ist groß und überwiegend weiß. Am Rand gibt es gut gepflegte Strandkörbe und einen verglasten Pavillon für eine Gruppe. Wie uns später auffiel, rufen auch noch gegen 19:00 Uhr etliche Menschen an, die für 20:00 Uhr eine größere Gruppe ankündigen. Der Chef, Gerhard Diehm, war so reichlich beschäftigt mit  dem Schleppen von Tischen und Stühlen, um passende Formationen zu erzeugen.

Die Begrüßung bei unserer Ankunft um 18:00 Uhr erfolgte durch Herrn Diehm an einem Stehpult vor dem Restauranteingang mit den netten Worten: „ Na, seid Ihr auch mal wieder da?“. Er gab uns drei Tische zur Auswahl, und wir entschieden uns für einen Strandkorb gleich neben dem Eingang mit Tisch und Stuhl davor. Wie sich zeigte, wurde im Korb meiner Frau dann doch reichlich warm.

Da meine Frau den Fahrdienst übernommen hatte, verzichteten wir (auch wegen des etwas überzogenen Champagnerpreises) auf einen Aperitif. Eine große Flasche Vio kam zuerst beschlagen, aber ohne Kühler an unseren Tisch (8,50). Als angemessene Amuse-Begleitung orderte ich einen halben Liter Waßmer Spätburgunder, der in einer Karaffe mit ca. 15 Grad kam (29.-).
Brot für das Amuse
Das Amuse ist hier immer recht umfangreich und bestand aus einem weißen Kräuterquark, einer orangefarbenen Gemüsecreme, einem Berg sehr milder schwarzer und grüner Oliven, eingelegter sun dried tomatoes und 3 X 2 Brotscheiben, zwei Nußbrot, zwei tiefschwarze Knusperscheiben (ich denke, mit Tintenfischtinte gefärbt) und zwei Scheiben Baguette. Mit dem Rotwein war das natürlich prima.

Aufgenommen hatte unsere Bestellung eine der sehr netten jungen weiblichen Servicekräfte, die teils mehr (also mit Inkassoberechtigung), teils weniger erfahren waren. Aufgrund unserer strategisch günstigen Position wuselten ständig junge Damen in oder aus dem Restaurant, Somit waren die Zwischenanfragen, ob alles gut sei und weiterer Bedarf bestehe, sicher öfter erfolgten als bei allen anderen Gästen („seid Ihr zufrieden, schmeckts Euch?).
Wir begannen mit einem Wildkräutersalat (14.-), der diesen Namen wirklich verdient hatte. Er wirkte wie alles vom Waldesrand, was einem bei so einer vogelkundlichen Führung begegnet. Das war alles sehr geschmacksintensiv, teils gut, teils weniger gut. Das Himbeerdressing war sehr wohlschmeckend, aber sehr sparsam eingesetzt worden. Gut waren die süß kandierten Macadamias, die dunkel gerösteten Pistazien, die kandierten Walnüsse, die Johannis- und Brombeeren und die Hornveilchenblüten. Meine Frau bestellte weitere Weißbrotscheiben, die schnell kamen und nicht gesondert berechnet wurden.
Wagyu-Messer

Als Hauptgericht hatte meine Frau Wagyu-Filet (49,50) gewählt, ich Allerlei vom Kalb (Bries, Bäckchen, Filet, Pilze – 39.-). Alles  war ein wenig länger der Hitze ausgesetzt, als es ideal gewesen wäre. Die ca. 250 g Wagyu und mein Stück Kalbsfilet kamen medium well done. Auf dem Teller meiner Frau war noch Bratensoße und ein sehr kunstvoll arrangiertes Gemüsebouquet. Das Gemüse war nicht nur blanchiert, sondern gut bissfest gegart.Beim ausgezeichneten knusprig ausgebackenen Kalbsbries und den ebenso guten sanft geschmorten Bäckchen störte das natürlich nicht. Ein Schälchen recht guter handgeschnittener  Pommes frites wurde noch mittig auf unseren Tisch gestellt. Zwei Minuten später kam die vergessene frisch aufgeschlagen Sauce bearnaise zum Wagyu, weitere Minuten später mein knusprig überbackener Kartoffelbrei. Da mein Kalbsfilet auf einer Menge kleiner Pilze mit Soße gebettet war, konnte ich ihn gut gebrauchen. Meine Frau trank zum Essen ein alkoholfreies KöPi (3,80/0,3).


Allerlei vom Kalb
Kalb im Anschnitt

Es war noch Platz für ein Dessert. Nach einer Weile kam die Karte. Meine Frau nahm zwei Kugeln Cassis-Sorbet (nicht Paco-Jet pur, sondern angereichert mit Fruchtstücken, aber völlig kristallfrei). Es schmeckte nicht wie klassisches Sorbet, sondern eher wie Fruchteis. Ich bekam die Fontaine rouge von der Erdbeere. Die bestand aus einer Kugel Zitroneneis, über den Glasrand  laufenden Sahneschaum und ordentlich frischen Erdbeeren am Grund. Beide Desserts waren sehr gut.

Fontaine rouge
Fazit: im Vergleich zum Fährhaus ist das Ambiente eine halbe Stufe niedriger anzusetzen, das Essen pfiffiger und hochpreisiger, also eine halbe Stufe höher, der Service  ein wenig entfernt von der Perfektion des Hotels,  dafür lockerer , also ein Stufe darunter. Herr Diehm nahm noch unsere Reservierung für den kommenden Montag aus und vermerkte dabei Ochsenkotelett, nach dem ich vergeblich gefragt hatte.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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