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GastroGuide-User: Carsten1972
einen Beitrag zum Restaurant Beesten in 48431 Rheine geschrieben.
vor 4 Wochen
"Der Lockdown scheidet die Spreu vom Weizen (in sachen take away,...)"

Geschrieben am 21.12.2020 | Aktualisiert am 21.12.2020
Jetzt sind es schon wieder fast 2 Monate, dass die Restaurants unter dem Corona Virus und dem dadurch bedingten neuen Lockdown leiden. Anfang November wurde die Gastronomie mit dem Kulturleben in Haftung genommen für die steigenden Infektionszahlen. Schon damals schien es mir persönlich eher so, dass die Politik und die in ihr handelnden Menschen mit dieser Teil-Maßnahme eher den Weg des geringsten Wiederstandes gewählt hatte. Anstatt sofort in einen vollen Lockdown zu gehen, hat man sich wieder einmal durchgewurschtelt und gehofft, dass es schon nicht so schlimm werden würde. Jetzt haben wir den Salat, und kurz vor Weihnachten muss man sich eingestehen, wenn Lockdown, dann funktioniert es nur total. Hilft der Gastro auch nur bedingt, dass jetzt nachgewiesen ist, dass man kein Hot Spot im Corona Geschehen ist. Ich bin gespannt (und nicht besonders optimistisch), wie es nach den Feiertagen aussieht mit den Infizierten-Zahlen, momentan kennen die, obwohl jetzt auch schon eine Woche im vollen Lockdown auch in meiner Heimatregion nur eine Richtung, nämlich stetig noch oben.......

In großen Städten und Ballungsräumen mag es für den Genießer, siehe der glückliche Tischnotizen in Hannover und Köln, erfreuliche Alternativen zum selber kochen geben, lebt man aber ländlicher, dann wird es dünn. In Rheine mit seinen fast 90.000 Einwohnern gibt es das übliche Angebot an Speisen, die schon vor Corona (kann man sich das noch vorstellen?) außer Haus angeboten und geliefert haben. Pizza, Pasta, Döner und Co. sind natürlich dann auch die Platzhirsche im momentanen Lockdown beim Angebot für take away und Lieferung hier bei uns. 

Viele dieser Speisen sind für mich nicht wirklich gut geeignet zur Lieferung oder Abholung. Eine Pizza, die nicht sofort vom Ofen auf den Teller an den Tisch geht, ist 100% nach 10 Minuten kein Genuss mehr. Pasta ist genauso schwierig, meist bekommt man nur noch Matsch auf den Teller, wenn das Georderte endlich am heimischen Tisch ist. Und so habe ich seit meinem letzten Bericht zum Gänsemenü des Restaurants Beesten ein paar Versuche gewagt bei Restaurants in Rheine, die take away anbieten. Liefern lasse ich nicht, dann ist man noch weniger Herr über den Weg von der Küche auf den Tisch. Über sämtliche dieser Versuche breite ich den Mantel des Schweigens, ich will in der derzeitigen Situation nicht auch noch einen dann nötigen Verriss schreiben. Ein paar Restaurants, denen ich noch ein akzeptables take away zutrauen würde, haben geschlossen, was mit der momentanen Regelung für die Gastronomie ökonomisch gesehen verständlich ist. Konsequenterweise wurden meine Frau und ich zu Köchen in der eigenen Küche, wir versorgten uns umfassend mit einem großen 10-pfündigen selbst gefangenen Zander, dessen Filets in der Truhe liegen für Weihnachten, einem unglücklich vor die Flinte meines Neffen gelaufenen Überlaufers, dessen eine Hälfte zum Teil bereits verarbeite wurde, sowie einem unbeschränkten Budget für Leckereien von unserem wohlsortierten Wochenmarkt in Rheine. 

Währenddessen hielt ich die Augen auf nach doch noch zum bestellen animierenden Angeboten der für uns erreichbaren Restaurants in für uns akzeptabler Entfernung. Sonntag hatten wir uns mal wieder was bestellt. Wieder einmal hatte Familie Beesten sich was verlockendes ausgedacht, eine Fischplatte zum abholen (geliefert wird auch). Gelesen, Frau gefragt, nicken von ihrer Seite und schon war das hier bestellt:

Weil alles kalt war, sollte dass abholen der Qualität keinen nennenswerten Schaden zufügen können. Von Familie Beesten schon ansehnlich angerichtet, musste nur die bedeckende Alufolie entfernt werden, dann bot sich ein ansehnlicher Tisch dar, an dem man gerne Platz nimmt. 

Obiges wurde in drei Portionen angerichtet. Zum einen ein Brot mit einer ordentlichen Kräuterbutter, die durch die sehr viel bessere bretonische Rohmilch-Butter mit Meersalz ergänzt wurde, die wir aus dem heimischen Kühlschrank dazu stellten. 

Ebenso von uns der begleitende Wein, eine Bacharacher Orts-Riesling trocken 2018 von unserer Septemberentdeckung in Sachen Weingüter, dem Weingut Jost in Bacharach. Auf den beiden großen silbernen Platten von Familie Beesten zum einen 

gebeizter Lachs, sehr natur gebeizter Seeteufel, dass war eher Sashimi, sowie eine geräucherte Forelle, ergänzt durch Sahne-Meerrettich mit leider zu wenig Schärfe Bumms und einer viel besseren Senf-Dill-Sauce. Auf dem anderen Teller ging es weiter mit 

einem Hummer-Mango-Salat sowie einem mit Garnelen (die angekündigten Krabben waren wohl aus). Dazu Thunfisch mit Räucheraal und weiterhin mit Anchovis oben auf. Noch ein paar Garnelen und Kabeljau Frikas dazu, war das ein sehr feines Abendessen für 60 EUR pro Person. Endlich mal wieder ein nicht selber zubereitetes Essen, bei dem ich nicht das Gefühl hatte, dass Geld hätte ich besser in Zutaten für eigenes kochen investiert. 

Es bleibt dabei, bisher kann ich nur Familie Beesten empfehlen, was Essen zur Lieferung oder zum abholen angeht. Das Angebot ist und bleibt konstant gut. 

Weihnachten gehen wir kein Risiko ein (in Sachen Essen und Corona), wir treffen ausschließlich meine Eltern am Heiligabend, für 2 Personen ist die traditionelle Gans an dem Abend einfach zu groß, dann gehen wir in selbstgewählte Isolation und kochen für uns selber mit den vorher beschafften guten Zutaten. 

An Silvester werden wir auch in Isolation bleiben, und hoffen, dass wir helfen, dass die Corona-Zahlen endlich sinken, aber dann machen wir einen erneuten Versuch in Sachen take away und haben uns dass Silvester Menü vom Restaurant Coeur d'artichaud in Münster bestellt. Dort erhoffen wir uns auch einmal ein solch erfreuliches @home fine dining, wie es uns TiNo vorzelebriert! Bericht folgt!

PS, und das wichtigste! Das war ein verrücktes und ungewöhnliches Jahr! Aber doch auch mit kulinarisch wunderschönen Abenden im Kai 3 in Hörnum, im Florian Maison in Bergamo, im Ratshotel Haltern, und ganz besonders einem Abend im Oktober im Freundeskreis in Münster im Coeur d'artichaud, der unvergessen bleibt! Ich wünsche allen lieben Freunden und allen weiteren Lesern hier ein trotz allem Corona Ärger schönes und besinnliches Weihnachtsfest! 


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