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GastroGuide-User: Ehemalige User
hat Anfora in 40215 Düsseldorf bewertet.
vor 6 Jahren
"Etwas anders begabter Service -oder: betreutes Arbeiten tut Not"

Geschrieben am 07.03.2015
Besucht am 17.12.2013
Der folgende Text wurde bereits bei Restaurant-Kritik.de veröffentlicht, dort jedoch, wie auch meine Profildaten, bereits gelöscht. Trotzdem können entsprechende Daten noch im Cache einiger Suchmaschinen auftauchen, dies sollte aber lediglich ein temporäres Phänomen sein…

 
Wohl um die Reihe der ethnischen Küchenerfahrungen fortzusetzen wurde, für die aktuell anstehende Wellness nach dem präzisionssportlichen Fight, das türkische Restaurant Anfora gewählt. Trotz geballter Firmenweihnachtsfeiernkonkurrenz gelang die relativ kurzfristige Reservierung problemlos. Beim Betreten des Restaurants zunächst freundlich ignoriert, konnte uns, nach umständlicher Rückversicherung im Reservierungsbuch, dann überraschender Weise der einzige freie Tisch zugewiesen werden….
 
Das Restaurant liegt recht zentral in relativer Nähe zum Ende der Königsallee (kleine Kö), Oststraße, Graf-Adolf-Straße und Berliner Allee sind ebenfalls unmittelbar zu erreichen. Das bedeutet natürlich auch, dass kostenfreier Parkraum bestenfalls in den Bereich der Fiktion gehört. Auf dem breiten Gehweg vor dem Laden existiert eine kleine, gegenwärtig als Raucherecke genutzte und mit einem aufblasbaren Weihnachtsmann abschreckend dekorierte Terrasse. Der große Innenbereich wird durch die, fast eine komplette Wandseite einnehmende, Theke beherrscht und von verschiedenen Säulen unterteilt. Die Wände sind mit Panelen in Holzoptik verkleidet. In die helle Decke sind Halogenspots eingelassen, zusätzlich sorgt ein umlaufender Absatz für indirekte und nach unserem Eindruck farblich variierbare Beleuchtung. Die Tischstellung kann flexibelst gehandhabt werden. Während unseres Besuches gab es mehrere längere Tafeln von denen eine, in nächster Nähe zu der Theke gelegen und anscheinend von Landsleuten besetzt, die besondere Aufmerksamkeit des ausschließlich männlichen Services genoss. Die Tische waren mit Läufern, Kerzen, Weihnachtsdeko, Menuebesteck und kleinen Tellern fast umfassend ausgestattet. Salz und Pfeffer (Mühle) gab ’s auf Anfrage.
 
Beim überreichen der Speisekarten wurde der Versuch einer direkten Getränkebestellung zunächst abgeblockt. Später erschien man zu zweit und wollte alles auf einmal notieren. Das gab natürlich etwas Chaos und dauerte seine Zeit. Ebenso wie die Lieferung der Getränke. Auch die Wartezeit auf die Vorspeisen konnte nur mit Mühe und dem vorab kredenzten Fladenbrot überbrückt werden. Dafür kam dann aber auch alles getrennt bzw. nach und nach.
 
 
| Die Vorspeisen |
 
Als erstes wurden die ’Börekzigarren’ mit einem Klecks Cacik serviert. Nach Auskunft des Kollegen schmackhaft, für 5,90 Euronen aber übersichtlich. Es folgten die gemischten kalten Vorspeisen die sich zwei KollegInnen teilten. Neun unterschiedliche Zubereitungen, die Salate und Crèmes (Kichererbsen, Tahin, Cacik, Auberginenkaviar usw.) sehr schmackhaft, etwas langweilig dagegen getrocknete Tomaten, Oliven und Artischocken aus der Konserve. Für 7,25 Euronen pro Person durchaus angemessen. Schließlich kam zumindest der kalte Teil der gemischten Vorspeisen für das Menue (drei Gänge für zwei Personen => 64,- Euronen), das ich zusammen mit einem Kollegen bestellt hatte. Hier waren es sechs Schälchen mit den bereits oben genannten Crèmes, leider auch mit den unsäglichen Artischocken. Aber es sollte ja noch warme Vorspeisen geben. Unsere vorsichtige Erinnerung nebst der Bitte um weiteres Brot wurde nur unwillig aufgenommen, immerhin gab ’s noch etwas Brot. Auf unsere, nach entsprechender Wartezeit und während des Abräumens der geleerten Teller der übrigen Vorspeisen vorgebrachte, zweite Erinnerung wurde etwas von: „Hat der Kollege wohl vergessen…“ gestammelt. Zumindest kam dann nach weiteren zehn Minuten ein übersichtlicher Teller mit jeweils zwei Stücken gebratener Auberginenscheiben, gebackenem Weichkäse, gebratener Zucchinischeiben, einer halbierte Börekzigarre, einem halbierten Champignonkopf, einem halbierten, vegetarischen Reibeküchlein, einem ganzen Convenience-Calamarisring (klar, halbieren wäre bei der Gummikonsistenz zu schwierig…) und dem obligatorischen Joghurtdip. Optik, Haptik und Mundgefühl legten nahe, dass der Teller schon eine ganze Weile am Pass gestanden haben musste, jedenfalls waren die Komponenten nicht mal mehr lauwarm. Dementsprechend war das Geschmackserlebnis eher von reziproker Natur.
 
Ähnliches Spiel bei den Hauptspeisen, nach einiger Wartezeit trudelten diese nach und nach ein. Zusätzlich begingen wir den Fehler, den bereits überfordert wirkenden Service mit Getränkenachbestellungen zu verwirren. Einige wurden anscheinend einfach vergessen, da sie nicht auf der anschließenden Rechnung auftauchten, erfolgte keine Reklamation.
 
 
| Die Hauptspeisen |
 
Zwei mal das Hähnchencurry mit Reis für jeweils 14,50 Euronen eine ordentliche Portion saftig gegartes, mageres Fleisch mit Gemüse und Nüssen, nach Aussage der KollegInnen sehr schmackhaft. Der Beyti-Spieß (Hackfleisch, Rind, Lamm mit dünnem Fladenbrot umwickelt und gegrillt) sah gut aus. Mit zwei unterschiedlichen Dips (Joghurt und Rotscharf), einer gegrillten Peperoni und einer halben, ebenfalls gegrillten Tomate für 14,90 Euronen auch eine reelle Portion. Nach Aussage des Kollegen saftig und wohlschmeckend. Der Hauptgang des Menues im Prinzip ein Mixed-Grill mit größtenteils saftig auf den Punkt gegartem und gut gewürztem Fleisch, al dente zubereitetem, frischem Gemüse, dem obligatorischen Reis und etwas Sauce. Von der Portion her mehr als ausreichend und im Vergleich das Highlight des Menues.
 
Insgesamt scheint die Küchencrew ihr Handwerk zu verstehen, man hat sich ja auch der modernen türkischen Küche verschrieben. Bleibt nur zu hoffen, dass die Servicedarsteller den Eindruck nicht weiter torpedieren. Leider handelte es sich hierbei tatsächlich nur um einen frommen Wunsch.
 
Schon die Herangehensweise eines der Servicebediensteten an das Abräumen der geleerten Hauptspeisenteller ließ nichts Gutes erwarten. Ein unterdrückter Fluch, gefolgt von gewaltigem Scheppern bestätigte den gewaltsamen Tod eines Großteils der Keramik. Leider war in einem Schälchen noch rotklebrige Sauce enthalten, die meinte sich bei der Aktion davonstehlen zu können, um sich großzügig auf dem Pullover des Kollegen zu verteilen. Von den unmittelbar beteiligten Servicedarstellern wurde zunächst versucht das Problem wegzulächeln. Dann gestammelte Klärungsversuche: „Wie hat das denn…, wie kann denn so was…?“ Schließlich kam jemand mit der Anschrift einer Reinigung und der Visitenkarte des Ladens, die der Kollege bei Abgabe des Pullovers dort vorzulegen habe. Na toll, soll er sich also selber drum kümmern. Eine Entschuldigung habe ich auch nicht mitbekommen. Aber ich glaube man hat sich später noch geeinigt.
 
 
| Die Nachspeisen |
 
Einmal wurde Baklava à 5,50 Euronen geordert außerdem kam noch der gemischte Dessertteller des Menues Anfora 3 zusätzlich drei mal Cay für jeweils 1,- Eurone. Schwarzen Tee, das können sie einfach, für mich das Beste am Dessert. Das Baklava bestand aus drei identischen Stücken mit gehackten Nüssen gefülltem Philoteig. Wie es sich gehört, derart in Sirup getränkt, dass jeder Zahnklempner sofort ein gieriges Glänzen in die Augen bekommt. Dazu noch ein paar Pistatienkrümel und ’ne einsame Physalis, traurig. Der Dessertteller enthielt zwei Stücke Baklava, zwei Streifen Milchpudding, zwei Honigmelonenspalten, zwei Physalis, etwas Zimtpulver und Convenience-schokoladensaucengeschmiere. Nun, die Früchte waren reif und das Zimtpulver aromatisch, das Baklava wie oben beschrieben und der Milchpudding schmeckte angenehm nach nichts.
 
 
Zusammenfassend ist die Küchenleistung recht ordentlich. Die Desserts und einige Komponenten der Vorspeisen sollte der Betreiber auf den Prüfstand stellen. Bei den Servicesurrogaten liegt der Verdacht nahe, dass es sich um ungelernte bzw. schlecht angelernte Kräfte handelt, hier hilf wohl nur ein Neustart. Als wir die Rechnung orderten fiel dem Schlepper doch noch ein, dass er uns einen Tee aufs Haus anbieten könne. Da drei von uns diesen bereits zum Dessert hatten, lehnten wir dankend ab. Damit war der Einfallsreichtum dann auch erschöpft und es ging ans Splitten der Rechnung. Müßig zu sagen, dass dies wieder eine schier unüberwindliche Hürde darstellte. Nach drei Anläufen und unter unserer Mithilfe gelang es schließlich. Beim Verlassen des Restaurants mussten wir aufpassen um nicht in die restlichen Scherben des Serviceunfalls zu treten, selbst deren Entfernung war wohl zu schwierig….
 
Auch wenn jede Rezension nur eine Momentaufnahme darstellt, insgesamt wirkt der Laden wie gewollt und nicht gekonnt. Anscheinend fehlende Sorgfalt trifft auf freundliche Ignoranz, das belegt auch ein Screenshot des Teils der (alten) Speisekarte die die vegetarischen Gerichte anbietet. Immerhin wird gegenwärtig die Karte überarbeitet, hoffentlich fällt ’s auf….
 
Update: ist aufgefallen, die komplette Karte wurde korrigiert und neu gestaltet.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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Huck und 11 andere finden diese Bewertung gut geschrieben.