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GastroGuide-User: marcO74
hat Kapeller Hopfestubb in 76889 Kapellen-Drusweiler bewertet.
vor 2 Monaten
"Kulinarische Topadressen der Südpfalz – Teil 3: Ambitioniert vorgetragene Regionalkost in trauter Familienatmosphäre"

Geschrieben am 31.05.2020
Besucht am 27.05.2020 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 59 EUR
Jede Krise geht einmal vorbei. Die Frage ist nur wann und wie…
 
Für mich ein guter Zeitpunkt, um auf dem Gastroportal meines Vertrauens ein mehrteiliges Update in Sachen gehobener Heimatküche zu liefern. Denn erstens können in unsicheren Zeiten wie diesen ein paar anregende Zeilen über die Top-Gastronomien vor der eigenen Haustür nicht schaden. Und zweitens können wir ja jetzt unsere kulinarischen Sehnsuchtsziele wieder besuchen – wenn auch unter hoffentlich bald (!) wegfallenden, die Gastronomen gängelnden und teilweise recht willkürlich erscheinenden Hygiene- bzw. Öffnungsvorschriften. 
 
Auch wenn ich über die besseren Häuser meiner Heimat schon genug Worte verloren habe, werde ich in der Folge eine Reihe mehr oder minder bekannter Pfälzer Genuss-Enklaven erneut ins Rezensionsvisier nehmen. Teil 3 widmet sich einem etwas abseits der touristischen Hauptwege befindlichen Familienbetrieb, dessen Küchenchef immer für die ein oder andere geschmackliche Überraschung gut ist.
 
Allein schon die Tatsache, dass es sich bei diesem Hopfestubb-Report bereits um den fünften in fünf Jahren handelt, unterstreicht den kulinarischen Stellenwert, den dieses Restaurant (inkl. Weingut und Gästehaus) aus dem kleinen Örtchen Kapellen-Drusweiler (bei Bad Bergzabern) bei meiner Frau und mir genießt. Neben dem Hubertushof in Ilbesheim, dem Sapori D’Italia in Landau und der Osteria Piccolo Paradiso (Landau-Mörzheim) zählt die Hopfestubb der Familie Wendel zweifellos zu unseren regelmäßig besuchten Stammadressen.
 
Da versteht es sich doch von selbst, dass wir nach der einkehrlosen Zeit möglichst zeitnah wieder dort aufschlagen wollten. Bei angenehmen 23°C Außentemperatur schwangen wir uns an einem sonnigen Mittwochabend auf unsere Fahrräder, um die knapp 11 Kilometer entfernte Hopfestubb nach dem Lockdown erstmalig wieder zu besuchen.
 
Der Servicechefin Manuela Wendel sah man die Wiedersehensfreude durch den Mundschutz hindurch an. Auf die mittlerweile dazugehörende, herzliche Umarmung zur Begrüßung mussten wir zwar coronabedingt verzichten, aber allein die Tatsache, dass wir mal wieder bei den sympathischen Wendels zu Gast sein durften, bereitete uns Vergnügen.
 
Einem kurzen „Hallo Marc!“ in Richtung Küche folgte eine kleine Plauderei mit dem Küchenchef über die letzten, gewiss nicht einfachen Monate. Er hatte an diesem Abend keine Küchenhilfe und musste alles alleine wuppen. Also hielt ich ihn mit meinem Gelaber mal besser nicht so lange auf.
 
Unser Tisch wartete auf der bereits gut gefüllten, nach Westen hin ausgerichteten Terrasse. Die Tische standen in vorbildlichem Abstand. Die direkte Abendsonne wurde von Schirmen entkräftet und der Säulenbrunnen plätscherte gemächlich vor sich hin. Nach dem Ablegen des Mundschutzes am Tisch kam sie dann angeschlichen, die so lange ersehnte Pfalz-Hygge.
 
Hier auf der sommerlichen Veranda der Hopfestubb wussten wir sofort, was uns in den letzten Wochen so sehr gefehlt hatte. Mit Blick auf das unweit von der Terrasse nistende Storchenpaar (samt Nachwuchs) sagten wir der Pandemie und der „neuen Normalität“ für ein paar Stunden Lebewohl und genossen diese kleine Auszeit in vollen Zügen und natürlich auch Gläsern.
 
Welch heimeliger Rückzugsort, den wir da mit gutem Essen und netten Menschen um uns herum teilen durften. Frau Wendel brachte uns zwei gut gekühlte Gläser vom frisch abgefüllten roten Prosecco als Willkommensgruß.
 
Beim Studium des hinlänglich bekannten Speisezettels blieb ich gleich auf der ersten Seite hängen. Hier tummelten sich die kulinarischen Spezialangebote, mit denen sich das Speiseprogramm der Hopfestubb über den üblichen Hausmannskos(t)mos hinausbewegte und für saisonal geprägte Überraschungen sorgte.
 
Das nicht minder verlockend klingende Standardprogramm zeigt sich in erster Linie dem gutbürgerlichen Gaumen verpflichtet. Ich habe es in meinen vorherigen Rezensionen bereits ausführlich gewürdigt und konzentriere mich deshalb auf die aktuellen „Außer-der-Reihe-Gerichte“.
 
Diesmal stand mit einer Gazpacho (5,60 Euro) die andalusische Kaltsuppe schlechthin auf der Empfehlungsseite. Auch das Erdbeer-Cordon-Bleu (16,90 Euro), das schon Marc Wendels Großvater zu schätzen wusste, war als saisonale Abwandlung des Panadeklassikers vertreten. Das mit Käse und frischen Erdbeeren gefüllte Schweineschnitzel wurde ganz klassisch von Pommes frites und einem gemischten Salat begleitet. Ein echtes Prachtexemplar von einem Cordon Bleu, wie mich der Teller vom Nachbartisch lehren sollte.
 
Und dann waren da ja auch noch die hausgemachten Ravioli „Brasato“ (15,30 Euro als Hauptgericht), von denen schon die Schiefertafel an der Einfahrt zum Hof kündete. Die mit geschmortem Rindfleisch gefüllten Edel-Teigtaschen wurden lediglich von Trüffelschaum begleitet und waren in zwei Portionsgrößen erhältlich. Meine Entscheidung beim Hauptgang war damit schon getroffen. Auch meine Frau schloss sich dem verlockenden Pasta-Angebot an.
 
Vorweg sollten sich noch ein grüner Salat (für mich) und eine Gazpacho (für meine Frau) dazu gesellen. Da stand bereits ein veritabler Durstlöscher in Form einer spritzig-frischen Sommerschorle (halber Liter für 4,50 Euro) auf dem Tisch. So eine mit einem Schluck Bitter-Lemon versehene Riesling-Schorle sollte in der warmen Jahreszeit prinzipiell zum Suffstatut auf Pfälzer Terrassen avancieren. Für den gemeinen Volksdurst perlte ein heiter vor sich hin sprudelndes Mineralwasser der Marke Bellaris für 4,70 Euro aus der Dreiviertelliterflasche.
 
Die Lektüre des Wendel’schen Weinverzeichnisses wurde von einem kleinen Küchengruß unterbrochen. Ein kleines Stückchen Rotkrautquiche lag als quaderförmiger, noch leicht lauwarmer Gaumenkitzler auf dem weißen Porzellan. Ein herzhafter Auftakthappen, den wir uns gerne einverleibten.
 
Noch ein paar Worte zur Weinauswahl. Die Familie Wendel betreibt bereits seit vier Generationen Weinbau und bewirtschaftet eine Rebfläche von 2,5 Hektar. Die angebotenen Weine stammen ausschließlich aus der Lage Kapeller Rosengarten und einige von ihnen haben im vergangenen Herbst bei der AWC Vienna, einem der größten Weinwettbewerbe weltweit, diverse Medaillen abgeräumt.
 
Zusätzlich zum reichhaltigen Rebsaftsortiment wird manchmal auch ein Monatswein von einem befreundeten Winzer aus der Region oder von weiter her offeriert. Dass man hier auch einen sehr feinen, 18 Monate im Barrique gereiften Regent (Rotwein) ausschenkt, lässt mich als Holzfreund mit offenkundiger Affinität zur ausgeprägten Tanninstrukur besonders in der kälteren Jahreszeit genussvoll den Kelch kreisen.
 
Für diesen edlen Tropfen war es jedoch nicht kühl genug. Die weibliche Weinfraktion am Tisch hatte eh die trocken ausgebaute 2018er Chardonnay Spätlese (0,25l für 5,50 Euro) ins Visier genommen und so ließen wir uns nach dem zitrischen Dämmerschoppen von der Hausherrin endlich reinen Wein einschenken.
 
Der kleine Beilagensalat (4,20 Euro) wurde, wie gewünscht, mit ausschließlich grünem Blattwerk serviert. Rohkostverzichtend machte ich mich über das mit feinem Balsamico-Dressing angemachte Grünzeug her, während sich meine Frau die Mutter aller Sommersuppen gönnte.
 
Ein Probierlöffel später ärgerte ich mich, dass ich jene nicht selbst geordert hatte. Dezente Gurkenfrische traf auf knackige Paprikasäure und wurde von aromatischem Tomatenpüree perfekt eingebunden. Die daraus resultierende, apricotfarbene Tönung machte allein schon richtig Appetit. Neben dem doppelwandigen Suppenglas lag noch eine Crostini-Stange zum Dippen auf der Schieferplatte.
 
Marc Wendels Händchen beim Abschmecken von Terrinen ist uns wohl bekannt. Auch bei seiner Gazpacho hatte er Knoblauch, Olivenöl und – ich schätze mal – Sherry-Essig in der optimalen Dosierung verwendet und so seiner iberischen Kaltschale geschmacklich auf die Sprünge geholfen. Meine Frau war begeistert und löffelte genussvoll aus dem sich schnell leerenden Suppenglas.
 
Bei den nach angenehmer Wartezeit servierten Ravioli „Brasato“ lagen die gefüllten Nudelteigtäschchen unter einem wohlig duftenden Trüffelschaumbad. Die mit deftiger Schmor-Rind-Füllung versehenen Pasta-Träume waren keine Schäume, aber harmonierten hervorragend mit eben jenen auf dem Teller. Das wohl stundenlang eingeköchelte, mit ordentlich Rotwein marinierte Rindfleisch erinnerte aufgrund seiner mürben Konsistenz an Pulled Beef. Aber eines, das eine halbe Ewigkeit in seiner eigenen Bratensoße vor sich hin geschmort hatte.
 
Ich habe dieses Gericht schon öfters in guten italienischen Restaurants genossen, aber so delikat wie bei Marc Wendel hatte ich es tatsächlich noch nie auf dem Porzellan. Ganz große Klasse, was der Herdmeister da ablieferte. Chapeau!
 
Ähnlich euphorisch ließ sich auch meine Gattin über das formidable Innenleben ihrer Pasta-Taschen aus. Sie wunderte sich ein wenig darüber, dass mir die Trüffelschaumsauce so gut mundete, habe ich doch sonst mit den unterirdisch wachsenden Knollenpilzen wenig am Hut.
 
Eine kleine Sorbet-Reise wurde kurz vor dem Rückweg noch eingestreut. Kokos, Litschi und Mirabelle (je 1,50 Euro) hießen die kugelförmigen Protagonisten, die dem Wendel’schen Pacojet entsprungen waren. Die drei herrlich cremigen, nebeneinander im Glasteller liegenden Glücksbällchen wurden selbstverständlich geteilt.
 
Nach dem üblichen kurzen Plausch mit der Gastgeberin und einem dicken Dankeschön in Richtung Küche ging es über die Orte Oberhausen, Barbelroth und Hergersweiler wieder zurück in heimische Gefilde. Für meine Frau und mich war dieser erste Besuch bei den Wendels nach so langer Zeit ein ganz besonderes Erlebnis, das sich ein stückweit nach Normalität anfühlte. Denn die Kapeller Hopfestubb ist für uns eine liebgewonnene Adresse in Sachen gepflegter Heimatkost, die wir nicht mehr missen möchten.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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