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GastroGuide-User: Gast im Haus
hat Spargelrestaurant Böser in 76694 Forst bewertet.
vor 6 Jahren
"Die Spargelsaison dauert noch bis zum 24. Juni 2015"
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Geschrieben am 29.05.2015
Es existiert eine neue Bewertung von diesem User zu Spargelrestaurant Böser
Besucht am 28.05.2015
Jahrelange Erfahrung hat mich gelehrt – dass man bei der Speisenwahl am besten dem Motto deren Entstehungsstätte folgt. Pizza beim Pizza-Italiener, Tapas beim Spanier, Haxe in Bayern, Curry-Wurst in Berlin oder im Ruhrpott usw.. Aber auch in Bezug auf die Stufe zwischen Imbiss und Sterneküche hatte sich dies Schema bewährt, nie das Luxusmenu des Imbiss und keine einfache Küche beim Sternekoch. Der eine verfügt nicht über die notwendige Übung oder die notwendigen ausgefallenen Zutaten, beim Anderen geht einfach „einfach“ nicht, und in beiden Fällen stimmt entweder die Kalkulation oder das PLV nicht. Doch manchmal – und so auch heute habe ich dazugelernt, dass Ausnahmen diese Regel bestätigen.

 
Die Spargelzeit nähert sich dem Höhepunkt, bald geht es ins letzte Drittel denn am 24. Juni ist Schlusstag für die Spargelsaison 2015 im Spargel-Zeltrestaurant Böser. So geht es voll Schwung in einem spontan unterwegs gefassten Beschluss, doch nichts zum Essen einzukaufen, sondern essen zu gehen, ab ins Spargelzelt. Trotz zwei großen Omnibussen und einem fast vollen Parkplatz bekommen wir einen wunderschönen Zweiertisch am etwas geöffneten Faltfenster der Cabrio-Terrasse zugewiesen.
 
Kaum sitzen wir, begrüßt uns die bekannte Bedienung freundlich mit Handschlag, freut sich sichtlich uns wieder zu sehen –und auch wir freuen uns, dass wir in all den Jahren als Spargelzeltgäste zum Großteil die seit Jahren gewohnten Gesichter in der Servicemannschaft sehen. Wir bestellen gleich und ohne in die Karte schauen zu müssen unsere Getränke.
 
Natürlich muss es jetzt Ende Mai die köstlich frische Erdbeerbowle sein (etwas größeres Wein-Glas mit viel geviertelten Früchten und geschätzt ca. 0,25l spritziges Nass zu 5,50) und ein Peterstaler medium (0,75l ). Zugegeben ist der Preis der Bowle auf den ersten Blick saftig, auf den zweiten Blick lohnt sich aber jeder Tropfen – (k)ein Genuss ohne Reue. Und wir bestellen schon mal die Spargelcremesuppe. Nachdem ich nun weiß, dass die hausgemacht ist, ein Muss vorab, sofern nichts anderes als Vorspeise in Frage kommt.
 
Und nun steht die Wahl des Hauptgerichts an – schwierig heute, denn eigentlich möchte ich diesen Tag so richtig krachen lassen auch wenn kein Grund ist, außer der, sich jeden Tag zum Tollsten des Lebens zu machen. Während meine bessere Hälfte (na gut es ist eher mein besseres Drittel wenn nicht gar Viertel) sich auf die Portion Stangenspargel mit Kartoffeln, Sauce Hollandaise und gemischtem Schinken (18,50) einschießt, hängt mein Blick drei Positionen in der Karte tiefer bei der Portion Stangenspargel mit Kalbshüftsteak an Morchelrahmsoße mit Pastinakenkrapfen und Sauce Hollandaise, wofür 27,- aufgerufen werden.
 
Soll ich – soll ich nicht – soll ich – schließlich ist es das teuerste Gericht auf der Karte, auch bei Spargel, Fluss und Meer liegen die Gerichte preislich niedriger, die im letzten Jahr damals als mein hi-light gewählte Kombi mit Jakobsmuscheln war ja wirklich gut gemacht – egal – ich wage den Schritt. Unsere Bedienung nimmt die Bestellung auf und bestätigt schon vorab, dass meine Wahl sehr gut sei (– aus Restaurantsicht eh klar…).
 
Die Erdbeerbowle ist spritzig erfrischend, macht Laune. Das cremige Spargelcremesüppchen wieder reich mit kleinen Spargelabschnitten bestückt und lecker – immer noch für mich in der geschmacklichen Konstanz faszinierend – Respekt.
 
Und dann kommen die Hauptspeisen – Die Portion Stangenspargel mit kleinen Dampfkartoffeln, Sauce Hollandaise und auf einem extra Teller mit einem Blatt Salat garniert zwei drei Scheiben gekochter und ebenso Schwarzwälder Schinken. Meiner Frau ist die Portion mehr als genug, ich bekomme sogar noch ein paar Kartöffelchen von ihr ab.
 
Parallel dazu kommt neben einer Sauciere mit der Morchelrahmsoße mein Teller mit dem lecker hellen Kalbshüftsteak in einer bereits optisch ansprechenden leichten Bräune vom Braten und neben der guten Portion Stangenspargel aus ca. 8 oder 9 Stangen bester Qualität (auf dem Teller ca.13mm  super gut geschält), noch leicht knackig, aber nicht hart  und außer der Sauce Hollandaise auch ein guter Löffel von der Morchelrahmsoße.
 
Dazu sind die kleinen Pastinakenkrapfen drapiert – so groß bzw. klein wie mit zwei Suppenlöffeln abgestochene Griesklößchen in entsprechend dreieckig angekanteter länglicher  Form – da rundum braun vermutlich in der Friteuse abgebacken, aber ohne merkliches Fett auf dem Krapfen wie auf dem Teller. Der Geschmack ist sehr fein, cremig wie ein guter Kartoffelbrei aber doch eindeutig mit dem zarten Zungengefühl und Geschmack der Pastinake – schade, dass da nicht mehr auf dem Teller sind (auch wenn die Portion von der Größe her genau richtig ist) Diese Pastinakenkrapfen sind ein kleiner Traumgenuss und für mich das hi-light in dieser Kombi mit dem Fleisch und den beiden Soßen.
 
Das Kalbshüftssteak ist innen leicht rosig – (ich hatte nichts zum Gargrad gesagt und bei hellem Fleisch bin ich eher für minimal über medium hinaus, während bei rotem Fleisch mir ein rare-medium lieber ist. Warum das so ist, kann ich nicht sagen.) und sehr zart. Die, wie mir gesagt wird, hausgemachte Morchelrahmsoße enthält kleine Stückchen Morcheln – leider eine recht geschmacksneutrale Sorte, die aber spürbar im Biss ist, hat eine noch angenehm schmeckbare Säure, die einem allgemein akzeptierten Soßengeschmack der Region entspricht, mir aber minimal über meinem Geschmack ist, um die Soße wirklich interessant zu machen. Hier könnte eine minimale Änderung sowohl der Morchel als auch der Rezeptur den geschmacklichen Kick zu exzellent bringen.
 
Nach diesem Genuss hat sich meine Erfahrung, in einem Saisonbetrieb nicht zum preislichen Spitzenprodukt zu greifen, mal wieder nicht bewahrheitet – im Gegenteil. Das Gericht ist zwar nicht billig, aber seinen Preis wert.
 
Logisch, dass dann noch als I-Tüpferl (und natürlich nur für die GG-Leser) das Opfer eines Desserts dazu gebracht werden muss.  Das hat natürlich adäquat zum Hauptgericht zu sein  - daher wird es das preisliche Topangebot (7,90), das „Erdbeertrio“. Auf einem viereckigen Glasteller mit Vertiefungen stehen drei passende Porzellanschälchen jeweils mit einer Nocke Erdbeermousse, eine Kugel Erdbeersorbet (mit Minzblatt) und eine kleine Portion frischer Erdbeeren mit weißem Schokoschaum (Schlagsahnebasis) –hmmmm.
 
Damit hier keiner neidisch wird, hab ich diesmal keine Bilder gemacht, außerdem müsste ich dann wohl noch öfters die Tastatur und  den Bildschirm des Laptops putzen. Und bis zum 24. Juni kann ich nach Küchenreise nur die 5 Punkte für „unbedingt wieder“  vergeben 
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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