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GastroGuide-User: Nolux
hat Stiefel Bräu in 66111 Saarbrücken bewertet.
vor 4 Jahren
"Authentisch regionale Küche im Herzen Saarbrückens mit lecker Bier im gemütlichen Ambiente"
Verifiziert

Geschrieben am 10.04.2016
Besucht am 03.04.2016
Stiefelbräu
 
Ein musikalisches Großereignis (in meinen Augen) einer meiner allerliebsten Musikbands fand an diesem sonnigen, herrlichen Frühlingssonntag in der saarländischen Landeshauptstadt ein. Obwohl das Wetter und die strahlende Sonne so gar nicht zum abendlichen Musikprogramm passen sollten… Das nennt man wohl Ironie.
Nix desto trotz hatten wir schon bei Zeiten auf den Weg gemacht um über A63 und A6 und kleineren Umwegen in Richtung Saarbrücker Schloss gemacht um dort unterhalb nahe zur Saar kostenfrei zu parken. Ein paar Meter über die Brücke und vorbei am Staatstheater schon ist man auf dem St. Johanner Markt, dem Lebensmittelpunkt der Stadt. Bis unser ausgewähltes Speiseziel öffnen würde, blieb noch genügend Zeit nach der Konzert Location zu suchen und ein wenig durch die Stadt und an der Saar zu schlendern.
Pünktlich um 17:30 standen wir zwei vor dem Eingang des Stiefelbräu. Rechts und links davon standen kurze Biertischgarnituren. Wie wir drinnen mitbekamen wurde an diesem Sonntag dort aber nicht bedient. Bier holen und sich raussetzen war aber möglich…
Das Stiefelbräu gehört wie das Gasthaus zum Stiefel zu Der Stiefel Gastronomie GmbH. Das Gasthaus ist mehr ein Restaruant im eigentlichen Sinne, das Stiefelbräu ein typisches Brauhaus mit regional-bodenständig geprägter Küche. Genau das Richtige für den bevorstehenden Abend.
Wir betreten also das Wirtshaus über eine Stufe und stehen erst mal vor einem schweren schwarzen Vorhang. Den zur Seite bewegt, orientierten wir uns erst mal nach rechts zur Schanktheke. Niemand zu sehen. Nach rechts geguckt - auch niemand. Nur ein paar Gäste die kurz vor uns rein sind und ebenfalls nach einem freien Platz suchen. Also warten und umgucken. Hell ist es hier. Die Wände und Decken weiß gestrichen, im linken Teil, indem auch zwei Sudkessel stehen, tauchen an den Wänden auch ein paar Bruchsteine auf, was aber wohl nichts mit dem Namen des hier gebrauten und im Ausschank befindlichen Bier der Brauerei Bruch zu tun hat ;-)
Die Tische sind einfach gehalten, blanke, helle Holzplatten, je Tisch nicht mehr Platz wie für zwei Personen, an denen dennoch gerne mal vier Stühle gestellt werden.  Die sind ebenfalls sehr rustikal, aber aus dunklem Holz ohne Polster. Dennoch bequem. Im Sudhaus gibt es auch noch Hochtische mit Barhockern. Von hier hat man einen guten Blick in die offene Küche. Im oberen Teil, erreichbar über eine Treppe (wo es auch zu den Toiletten geht) finden auch noch etwa zwanzig Leute Platz. Dort war alles reserviert. Unten nur ein Paar, zu erkennen daran, dass bereits mit roten Papierservietten, Besteck und Gläsern eingedeckt ist.
Da kommt auch endlich eine Dame (wohl kurz vorm Rentenalter) zum Vorschein. Sie wünscht uns erst mal einen schönen Sonntag. Auf meine Frage hin ob wir uns hier setzen dürfen, musste eine Handbewegung als Erlaubnis genügen. Wir setzen uns also. Innerhalb kürzester Zeit füllt sich der Gastraum zusehends. Viele Gäste müssen wieder weggeschickt werden. Ebenso Pärchen wie große Touristengruppen die auf Englisch nach einem Platz für zehn suchen. Auch Franzosen verirrten sich herein. Mussten aber auch wieder gehen. Ganz dreist fand ich den Herren, der für den Abend einen Tisch reservieren wollte und abgewiesen wurde. Und ich glaube, eine halbe Stunde später stand derselbe Mann wieder an der Theke um bei der zweiten Bedienung nach einem Tisch zu fragen… Leute gibt’s…
Nun gut. Wir sitzen und schauen in die Karten, die bereits auf dem Tisch standen. Doch nur in einer (meiner) waren auch die Empfehlungen vorhanden. Ich hatte vorab im Internet schon mal nachgeguckt ob es die Karte so noch gibt, wie ich sie aus vorherigen Besuchen in Erinnerung hatte. Und zum größten Teil war dem auch so. Allein Fräulein vermisste den von ihr gerne gegessenen Brauhaussalat. Dieser ist wohl dem Vitalsalat gewichen?
Die Karte an sich ist pfiffig aufgemacht. Angeboten wird typische saarländische Küche, welche teils sehr deftig ist. Allein den Dibbelappes habe ich vermisst. Ansonsten alles was das Herz des „Saarfranzos“ begehrt. Diverse Salate (grüne, aber auch Schnitzelsalat und Wurstsalat, zwei Suppen, und natürlich die typischen Kartoffelgerichte wie Hoorische, Gefillde oder Brat- und Ofenkartoffeln. Unter typischer Brauhausküche finden sich dann auch Fleischgerichte wie Schnitzel, Rumpsteak, Sauerbratenroulade oder Haxe. Fehlen darf aber nicht des Saarländers liebste die Wurst, der Lyoner Ring. Angeboten als „Saarschleife“. Fisch gibt es nur in Form einer gegrillten Lachsscheibe mit Salat. Auch ein vegetarisches Chili sin Carne habe ich gesehen. Süßes gibt es zum Nachtisch natürlich auch.
Ein Wort zum Bier. Zwei Sorten sind ständig im Ausschank. Ein Helles, ein Dunkles. Dazu diverse Flaschenbiere wie Radler (auch alkoholfrei) und Weizenbier. Weine sind auch wenige zu kriegen, mir nicht näher bekannt, einige Elsässer Gewächse, von der Mosel und wohl auch aus der Pfalz. Dann bestellen wir mal Getränke. Für mich erst mal ein Helles (0,4/ 3,60€) und für Fräulein eine Cola light (0,2 / 2,10€). Beides kommt schnell an den Tisch, das Cola Fläschchen wird am Tisch geöffnet und zur Hälfte in das Glas geschenkt.
Zumindest zu Beginn ist unsere Kellnerin noch fix. Später, als es mehr wurde mit den Gästen, hatte sie doch einiges zu tun. Unterstützt wurde sie von einem großen, kräftigen Herren, der die Getränke nach oben servierte und einer jungen Dame, die dem Anschein nach nur Aushilfe oder Neu war. Es gab wohl auch eine größere Gesellschaft im oben befindlichen Stiefelsaal. Dort hatte vor etwas mehr als zehn Jahren mein Schwiegervater seinen 50sten gefeiert. Jedenfalls gingen einige Tabletts voll Bier nach oben.
Jedenfalls machte die Chefin im Service ihre Arbeit so gut es ging, blieb dabei immer freundlich, aber auch direkt, beherzt und schlagfertig. So kam sie dann auch um die Speisewünsche aufzunehmen. Es dauerte auch nicht lange, da stand das erste Essen vor mir.
 
 
Grüner Löwenzahn (klein, 6,80€)
mit Crôutons und Ei garniert, im lauwarmen Kartoffel-Speck-Dressing
 
Den gab es so auf der Seite mit den Empfehlungen. Wollte ich immer schon mal essen. Hier auch liebevoll „Bettsaicher“ genannt. (Mal sehen, wer hier eine Assoziation findet ;-)) Traditionell ein typisches Frühlingsgericht in ebenso klassischer Anrichte. Der Salat war reichlich vorhanden, gut geputzt und mundgerecht zerteilt. Geschmacklich etwas intensiver wie Endiviensalat, aber noch nicht so stark wie Rauke. Das lauwarme Kartoffel-Speck-Dressing war hervorragend. Sehr lecker. Gut abgeschmeckt. Das gekochte Ei war nicht mehr und nicht weniger. Ist auch keine große Kunst. Nur die Croutons fanden nicht meine Zustimmung. Das waren keine in Fett ausgebratenen Brotwürfel. Mehr hatte ich den Verdacht, dass hier einfach altes, getrocknetes  Brot verwendet wurde. Ach ja, zwei halbe Kirschtomaten lagen da auch noch (was macht eigentlich Peter3?)
Ich gebe dem Gericht gerne 4*, war es eine leckere neue Erfahrung und bis auf die Croutons auch gut umgesetzt!
 
Fräulein musste mir zugucken, ebenso die Frau am Nachbartisch, die eh die ganze Zeit neidisch rüber blickte. Und erst als ich ein Foto von den Gerichten machte… Zum Glück bekam sie auch bald zu essen. Wir dann auch, zuvor bestellten wir noch Getränke nach. Diesmal ein kleines Dunkles (0,2/1,90€), Fräulein noch eine Cola light und einen  Elsässer Riesling trocken (0,2 / 2,90€). Der war gar nicht mal so schlecht, mir nur zu säurearm. Ansonsten Sortentypisch im Geschmack.
Die Biere naturgemäß völlig unterschiedlich. Das Helle süffig, spritzig, leicht herb, lief runter wie Öl. Das Dunkle etwas kräftiger, malzig und auch etwas schwerer. Mein Favorit hier das Helle. Doch nun zum Essen.
 
 
Saarbrücker Wurstsalat mit Bratkartoffeln (10,50€)
 
Ein Berg von fein geschnittener Lyonerwurst, angemacht mit roten Zwiebeln und einem Essig-Öl-Gemisch, ein paar Gürkchen. Etwas Salz und Pfeffer hätte es für meinen Geschmack mehr haben können. Ebenso bei den Bratkartoffeln. Rein optisch durchaus akzeptabel. Etwas ausgelassener Speck peppte die doch etwas faden Kartoffeln auf. Also noch Luft nach oben. 3*
 
 
Ein Gefillder (8,50€)
 
das saarländische Nationalgericht:
Kartoffelklöße mit einer würzigen Hackfleisch-Leberwurstfüllung,
dazu reichen wir Specksauce und Sauerkraut“

 
Zur Info, zwei hätten 10,80€ gekostet. Hab ich mich darauf gefreut. Und enttäuscht wurde ich nicht.  So einen fluffigen Klos hatte ich lange nicht mehr. Zubereitet werden die zum größten Teil aus rohen, geriebenen Kartoffeln, ein Teil besteht aus gekochten. Gefüllt mit diversen Leckereien, hier eben die Variante mit Hackfleisch-Leberwurstfüllung. Ganz kloßes Kino. Ich sag mal; einfache leckere Küche, obwohl es gar nicht einfach ist, so einen Klos so hinzubekommen. Richtig gut gegart, schön durch, saftig und kartoffelig! Die Specksauce auch sehr würzig, etwas zu dick abgebunden für meine Geschmack. Und zum Glück kein Maggie zu schmecken ;-) Und dann noch das Sauerkraut. Das wurde wohl lange gekocht, war sämig und äußerst wohlschmeckend. Immer wieder musste ich mich durch feindliche Gabelattacken meiner Gegenüber erwehren. Gelang mir nicht immer….
Gerne gebe ich hier 4,5* Das war Regionalküche wie man sie sich wünscht!
 
Danach war ich gut gesättigt. Musste ich meinem Fräulein noch den Teller leer essen, nach einem Schnaps war mir trotzdem nicht. Während sich aber mein Fräulein einen Espresso (2€) genehmigte.
Es dauerte dann eine gewisse Zeit, bis man uns die leeren Teller abräumte und wir die Rechnung ordern konnten. Das Bezahlen ging problemlos von Statten. Kurz bevor wir dann gingen stand noch ein Besuch auf den Örtlichkeiten auf dem Plan. Und die sind so das Einzige was ich kritisieren muss. In die Jahre gekommen, roch es nicht wirklich angenehm. Eher wie nach einem Abend mit tausend Gästen in einer Konzerthalle. Oder entfernt auch wie auf einem Bahnhofsklo. Ich hatte das hier etwas anders in Erinnerung. Aber Hauptsache der Gummiautomat hängt nach wie vor dort…
 
 
Fazit:
 
Wir gehen gerne in den Stiefel! Und gerne auch wieder öfter. Vor Jahren sind wir immer am ersten Adventsamstag dort eingekehrt, mittlerweile dürfen/müssen wir zum Italiener. Daher waren wir froh mal wieder hier zu sein.
Das Ambiente kann man als rustikal bezeichnen, typisch für ein Brauhaus möchte ich sagen. Sehr authentisch, an der Theke, an der man auch Platz nehmen kann, und die aus roten Ziegeln gemauert ist gibt es sogar noch je Stuhl einen Haken unter der Platte um den Schirm oder die Handtasche aufzuhängen. Witzige Idee. Runterherum selbst hängen viele Bilder die den Alltag im Brauereileben zeigen, zum Teil aus Vorkriegszeiten. Die Beleuchtung von den Wänden ist indirekt, die großen Fenster lassen genug Licht hinein.  4,5*
Der Service bei unserem Besuch hatte gut zu tun
. Aber hier macht man seinen Job mit Spaß an der Arbeit und das spürt man auch als Gast. Gern e mehr als 3,5*, nur waren die Wartezeiten hinten raus einfach zu lang. Da sollte man Sonntagsabends mehr Servicekräfte einstellen.
An der Sauberkeit gab es nicht viel zu bemängeln, abgesehen vom Zustand der Toiletten. Es war zwar nicht dreckig oder in irgendeiner Art klebrig, aber der Geruch war schon nicht besonders. Mit aller liebe nur 3*
Das Essen: Ich fand es durchweg sehr lecker und ansprechend. Hier und da etwas mehr Mut beim Würzen. Schön, dass hier den regionalen Wünschen entsprochen wird. Jederzeit so wieder! 4*
Das PLV ist daher auch mehr als ordentlich, dass die Bierpreise hier etwas über dem Durchschnitt liegen, ist wohl der Tatsache geschuldet, dass in kleinen Mengen für den Eigenbedarf produziert wird…4,5*
Wir kommen auf jeden Fall sehr gerne wieder. Klare Empfehlung!
 
 
4,5 – wenn es sich ergibt, unbedingt wieder
(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder - nach "Kuechenreise")
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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