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GastroGuide-User: kgsbus
hat maiBeck in 50667 Köln bewertet.
vor 2 Jahren
"Wenn Altstadt dann maiBeck"
Verifiziert

Geschrieben am 05.08.2017
Besucht am 04.08.2017 Besuchszeit: Mittagessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 161 EUR
Ein „alter“ Bekannter meldete sich bei mir: „Komm, lass uns doch wieder mal zusammen etwas essen gehen und uns dabei über die Erlebnisse der letzten Zeit austauschen!“ Ich sollte das passende Lokal dazu aussuchen.
 
2014 und 15 war ich bereits hier Lunch-Gast gewesen und auch recht angetan von der Leistung. Da war es an der Zeit wieder einmal dort zu speisen – und mein Kumpel kannte es auch noch nicht.
 
Ausblick vom Fenster zum Rhein

Die beiden Köche sind ihrem Konzept – das höchst erfolgreich in Köln angenommen wird – bis heute treu geblieben. Ich finde es zusätzlich großartig, dass die Preise seit der Eröffnung - auch nach Erringung eines Michelin-Sterns - nahezu unverändert geblieben sind und nur moderat der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung angepasst wurden. Aktuell  gibt es immer noch für günstige 46 Euro das Vier-Gang-Überraschungsmenü.
 
„Auch Köln hat jetzt ein Spitzenrestaurant, das so tut, als wäre es keines. Das "maiBeck" setzt auf schlichte Tische, Industriecharme und freundschaftlichen Service. Die Küche dazu ist fein und überzeugt durch subtile Raffinesse, beschreibt Stevan Paul“ von der Süddeutschen Zeitung im Jahr 2016 das maiBeck.
 
Nur Jürgen Dollase hat es 2015 dort wohl nicht so besonders gefallen; denn sein Bericht beginnt mit der Überschrift „Die Zutaten sind da, der gute Koch fehlt".
Aber damit steht er ziemlich alleine da.
 
Auch der GG-Kollege „tischnotizen“ nennt es sicher nicht zu Unrecht eines seiner Lieblingslokale in Köln.
 
Im Querschnitt der „Gastro-Führer“ Platz neun in Köln. Ich schaue mir gerne im Vorfeld die Einschätzung anderer Genießer an; schließlich möchte ich mein Geld ja vernünftig anlegen.
Doch in Abwandlung des Spruches von Alfred Preißler aus dem Fußball-Bereich: „Grau ist alle Theorie – entscheidend is auf’m Teller“, halte ich mich am Ende doch an meine eigenen Eindrücke, denn es muss mir schmecken.
 
Ambiente
 
Das ganze Rheinufer von der Deutzer-Brücke bis zur Hohenzollern-Brücke ist eine einzige Gaststättenkette – meist mit Außengastronomie. Vom Heumarkt aus bin ich an allen Einrichtungen vorbeigegangen um dann am Ende der Strecke vor dem eher unscheinbaren Eckhaus anzukommen. Auch innen gibt es keine spektakulären Blickfänge.
 
Platz

Das Lokal ist minimalistisch ausgestattet. Die Tische sind auf zwei Personen ausgerichtet, relativ klein und haben eine blanke Platte. Durch die sichtbaren silberfarbenen Lüftungsrohre an der Decke wird ein Industrie-Design erzeugt. Die Abstände zwischen den Plätzen sind nicht allzu groß. Der Lärmpegel kann schnell ansteigen, weil es wenig Dämmmaterial zum Geräuschschlucken gibt.
Aber es gibt ordentliche weiße Stoffservietten und feine Weingläser von Stölzle aus der Lausitz, die mir sehr zusagten.
 
Sauberkeit 
 
Alles wirkte auf mich gut gepflegt.
 
Sanitär
 
Der Bereich ist relativ klein und eng.
 
Service
 
Die Damen und Herren machen einen guten Job. Sie sind freundlich und beantworten gerne alle auftretenden Fragen. Zügig wird man an seinen Platz gebracht und erhält die Karte. Die Bestellungen werden zügig erledigt. Die Gerichte werden beim Servieren angesagt und die Weine werden vorgestellt. Es gibt einen Probeschluck aus der Originalflasche. Der ganze Service war überzeugend und sympathisch.  
 
Die Karte(n) 
 
Die Karte ist saisonal ausgerichtet. Zu den à la carte Angeboten kommen noch aktuelle Tagesgerichte und das „Überraschungsmenü“: Die Küchencrew stellt, unter Berücksichtigung eventueller Unverträglichkeiten* oder besonderer Wünsche des Gastes, vier Gänge zusammen. Dazu wird auch eine glasweise korrespondierende Weinbegleitung angeboten.
 
Wir haben uns ganz in die Hände von Küche (46,00 €) und Sommelier (29,00 €) begeben. Für mich aber Gerichte* ohne Haselnuss und Mandeln.
 
Schon konnte es losgehen.

Brot
 
Die verkosteten Speisen 
 
Vorweg wird etwas Brot serviert. Es sind zwei Sorten in der Schachtel: ein weiches helles und ein dunkles knuspriges. Dazu etwas Butter, die anfangs noch eine Kühlschrankfestigkeit aufweist. Der „Korb“ wird auch bei Bedarf im weiteren Menüverlauf nachgefüllt.
 
Dann kam auch zügig der erste Gang: Lachs / Spitzkohlsauerkraut / Aprikose / Senf
 
Lachs

Farblich schon ansprechend, schmeckten auch die Komponenten einzeln und auch in Kombination recht gut. Der Lachs war mariniert und sanft gewürzt. Im Mund saftig und mürbe. Der fermentierte Kohl war sehr fein geschnitten und hatte eine angenehme Säure. Gedünstete Schalottenabschnitte passten gut dazu. Grobe körnige Krümel aus gerösteter Zwiebel ergänzen mit Brataromen. Senf und Aprikose ergeben ein weiteres Spiel mit unterschiedlichen Formen von Süße und Säure.
 
Tortellini

Als zweiter Teller wurde gereicht: Ricotta-Tortellini / Romana-Tomate
 
Der Teig war hauchdünn ausgerollt worden. Die Füllung schmeckte auch nach Frischkäse. Jeder Tortellino war formschön, aber für mich etwas eindimensional im Geschmack. Hier bevorzuge ich kräftigere Sorten wie Parmesan oder Pecorino.
Die Tomatenstücke waren von ausdrucksstarkem Geschmack, feine Süße und Säure gepaart. Sie waren leicht angetrocknet worden. Das Dressing aus kleinen grünen Ringen, Öl, Essig und einer leichten Bindung passte ausgezeichnet dazu.
 
Der Hauptgang bestand aus: Ochsenbacke / Blumenkohl³ / Pfifferlinge / Bulgur / Sonnenblumenkerne (es wären sonst Haselnüsse gewesen)

Ochsenbacke
 
Das Fleisch war saftig und zart und mit einer würzigen Sauce glaciert; sie glänzte auch ansprechend. Der Blumenkohl zeigte sich in drei Variationen: kross, gegart und als Nocke. Gebratene Röschen mag ich besonders gerne, wenn sie noch Biss haben. Aber auch die gegarten, gespritzten und gebackenen „Makrönchen“ waren nicht weich. Die Nocke bestand aus rohem Kohl. Die grüne Farbe entstand durch die zusätzliche Verwendung von etwas Blattwerk des Kopfes. Die kleinen Pilze waren leicht angebraten und brachten fruchtige und pfeffrige Noten ins Spiel.

Bulgur

Die Beilage Bulgur war gewürzt und locker. Eigentlich sollten Nüsse eine orientalische Richtung noch verstärken; aber auch die gerösteten Sonnenblumenkerne passten zur  Getreidegrütze.

Himmelkuchen
 
Himmelskuchen (hatte Nüsse als Zutat – dafür eine Variation als Ausgleich) / Rhabarber&Erdbeere / Himbeersorbet / Kerbel
 
Der Himmelskuchen war ein echter Hingucker. Optisch habe ich einen gebackenen braunen Teig mit mehreren flambierten Baiserhabkugeln ausgemacht.

Himbeer-Sorbet

Bei mir gab es an dieser Stelle einige Baiserhörnchen als Ersatz; ohne den direkten Vergleich war das eine gelungene Lösung. Das Himbeersorbet war fruchtig und erfrischend. Die große Nocke genau im richtigen Zustand. Sie hatte Schmelz und Lockerheit. Erdbeere und Rhabarber bildeten eine Art stückiges Kompott. Die Konsistenz war gut gewählt bzw. getroffen. Die süßen und sauren Anteile waren ansprechend ausbalanciert. Die herzhafte Kerbelcreme mit leicht herzhafter Ausrichtung passte ebenfalls harmonisch zum Teller.
 
Petit fours (alle mit Hasel und/oder Nuss)
 
Plätzchen

Die kleinen Plätzchen konnte dann mein Begleiter alleine verkosten, weil darin Zutaten enthalten waren, die ich nicht vertrage. Das ist nicht neu für mich. Dieses Gebäck wird nicht frisch zubereitet, sondern ist fertig vorhanden. Manchmal habe ich Glück und das Haus hat Pralinen ohne diese Zutaten vorrätig. Aber wenn nicht, komme ich damit auch zurecht; es ist ja eine Zugabe aus der Küche.
 
Der Espresso war dann der Abschluss des Menüs. Ordentlich kräftig im Geschmack.
 
Getränke 
 
Weinbegleitung
 
2016 Riesling „Grauschiefer“ trocken Schmitges, Erden – Mosel



Der Riesling war gut gekühlt. Der junge Wein zeigte seine ganze Frische und feine Mineralik. Ein guter Einstieg ins Menü.
 
2016 Rolona Gavi di Gavi DOCG Castellari Bergaglio (Rebsorte: Cortese), Piemont



Für uns eine richtige Entdeckung: Er hatte ebenfalls fruchtige aber auch blumige Noten. Die Säure war präsent und zeigte noch etwas Cremigkeit. Es gab manche Ähnlichkeit zum Riesling aber auch diverse Unterschiede. Der Wein war irgendwie stärker auf der Zunge und beim Abgang – sicher durch die Zitrus-Aromen erzeugt. Der Alkoholgrad war jedoch mit 12,5 Prozent bei beiden gleich.
 
2014 Château Pesquié Terrasses Rouge - Côtes du Ventoux (Rebsorten 60% Grenache, 40% Syrah mit Spuren von Carignan und Cinsault)



Weine von der Rhone profitieren von der Sonne und brauchen daher nicht so viel Holzausbau, um Geschmack zu bekommen. Die ausgewogene Cuvée des Gutes vereint Frische und dezente Tannine mit Aromen von roten Früchten, Gewürzen und floralen Noten. Ich denke, dass der Anteil von Syrah dem Wein den letzten Schliff gibt.
Der Ausbau geschah zu einem Drittel in gebrauchten Barrique-Fässern. Zum Fleisch ein guter Begleiter. Aber auch pur gefiel er mir.
 
2016 Heiligenberg Riesling Faubel, Maikammer - Pfalz (halbtrocken)



Aus dem Gut Faubel werden im maiBeck seit Anfang an diverse Produkte eingesetzt. Auch dieser Riesling in seiner leicht-süßen Art passte harmonisch zum eingesetzten Nachtisch; denn er war nicht besonders süß, sondern hatte fruchtige und auch saure Noten.
Den Wein hatte ich beim letzten Besuch ebenfalls zum Dessert erhalten.
 
Zwei oder drei der Weine würde ich mir jederzeit auch für zu Hause anschaffen. Somit habe ich für mein Geld aus meiner Sicht eine angemessene Gegenleistung erhalten. Ich habe schon mehr für weniger schmackhafte Weine berappen dürfen.
 
0,7 Liter Mineralwasser (5,90 €)
 
Espresso (2,50 €)
 
Fazit
 
4 – gerne wieder. Besonders zum Lunch für mich eine gute Adresse.
 
(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder – nach „Kuechenreise“)
 
Datum des Besuchs: 04.08.2017 – zwei Personen - Lunch
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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