Zurück zu Taste India
GastroGuide-User: rr_blaubaer
hat Taste India in 45127 Essen bewertet.
vor 5 Jahren
"Netter Inder für europäischen Gaumen, mir jedoch zu mild"
Verifiziert

Geschrieben am 28.11.2014
Besucht am 15.10.2014
Allgemein
Wegen der Spielemesse musste ich mal wieder das Hotel wechseln und war anstatt in Rüttenscheid in der Innenstadt auf Nahrungssuche. Ich erinnerte mich an ein Indisches Lokal, das ich vor einiger Zeit im vorbei gehen gesehen hatte. Kurz nochmal im Internet geschaut und auf zum Taste India.

Das Taste India ist nur wenige Meter vom Limbecker Platz entfernt. Außen gibt es ein paar wenige Tische, die aber wetterbedingt unbenutzt blieben.
Im kleinen Gastraum gibt Platz für knapp 40 Personen. An der hinteren Seite befindet sich der Tresen. Die einzelnen Tische stehen zwar eng, aber man kann noch nicht am Nachbartisch mitessen. Es ist gemäßigt indisch dekoriert. Es gibt eine Shiva / Nataraja Statue, einen Elefanten und auch sonst noch ein paar typische Utensilien. Aber es ist nicht überladen.
Mir gefällt der zurückhaltende Stil.
Daher 4 Sterne fürs Ambiente.

Service:
Als ich das Lokal betrete sind die meisten Tische besetzt. Es gibt noch einen 4er Tischdirekt an der Türe und einen 2er Tisch der mir deutlich besser gefällt. Der Chef des Hauses ist gerade an einem Tisch in der Nähe der Türe beschäftigt, scheint mich aber nicht zu bemerken. Er geht, ohne mich zu beachten zurück Richtung Theke und ich folge ihm unauffällig. Irgendwann bemerkt er mich doch und ich frage, ob ich mich an den 2er Tisch setzen könne. Er nickt kurz und geht wieder seiner Wege.
Neben dem Chef ist noch eine junge Dame im Service beschäftigt. Ich werde in der Folge von beiden bedient. Beide sind sehr freundlich, aber auch etwas zurückhaltend in der Kommunikation. Die ersten, mir bewusst entgegengebrachten Worte sind die Warnung, dass der hellrote Dipp den es zum Papadam gab sehr scharf sei.
Ansonsten werden die Speisekarte, die Speisen und Getränke eher sehr wortkarg an den Tisch gebracht. Es wird zwar etwas gemurmelt, das wie "guten Appetit" klingt, aber eher automatisiert, denn gemeint.
Das alles fühlt sich an wie der Ausdruck einer sehr schüchternen Zurückhaltung. Erst, als ich dann, nachdem der Hauptgang serviert war gefragt wurde, ob alles in Ordnung sei, und nach Chili zum Nachwürzen gefragt habe, schien der Chef zumindest ein wenig aufzutauen.
Auch ansonsten scheint mir der Service mit "freundlich, schüchtern und leicht planlos" am besten beschrieben zu sein.
Ein von mir geschätzte Kritiker hat einmal geschrieben, dass er die 3 Sterne nur unterschreitet, wenn Grundfunktionen nicht mehr stimmen (z.B. unverschämte Reaktion oder Daumen in der Suppe etc.) So will ich das hier auch handhaben und vergebe für den Service wegen Freundlichkeit aufgerundet 3 Sterne.

Essen

Madras Shorba (Linsensuppe nach südindischer Art - 3,90 €)
Serviert wurde die Suppe in einer Suppentasse ohne weitere Dekoration.
Die Suppe selbst war einigermaßen heiß, hatte aber schon eine leichte Haut, als sie an den Tisch kam. Das kann der Stärke aus den Linsen geschuldet sein, war aber nicht so schön.
Geschmacklich war die Suppe eher sehr neutral gehalten. Wenn man sie mir als dünne deutsche Kartoffel-Rahm-Suppe verkauft hätte, dann hätte ich das wohl auch akzeptiert.
Als Geschmacksträger kam eine leichte Brühebasis und gegen Ende am Tassenboden Knoblauch durch, von weiteren Gewürzen habe ich wenig geschmeckt.
2 Sterne

Papadam mit 3 verschiedenen Dips
Vom Haus gab es mit etwas Verspätung (hätte wohl vor der Suppe kommen sollen, kam aber erst als ich bei der Suppe war) ein Körbchen mit Papadam sowie eine kleine Menage mit 3 verschiedenen Dips.
Optisch schön bunt (ich habe mich wieder ans Ostereierfärben erinnert gefühlt), kamen ein dunkelroter Dip (vermutlich Tamarinde), ein leuchtend grüner Dip mit Kräutern und insbesondere Minze, sowie ein hellroter / orangener Dip, vor dem mich die servierende junge Dame mit "hot and spicey" gewarnt hat.
Die Papadam waren von der sehr milden Sorte und hätten für meinen Geschmack auch noch eine weite länger im Ofen bleiben können.
Die grüne Soße war leicht geschärft, hatte aber vor allem einen kräuterigen, minzigen Geschmack. Die dunkelrote Soße hatte neben einer leichten fruchtigen Schärfe vor allem eine starkes muffiges Fehlaroma, sodass ich von weiteren Versuchen zur Identifizierung abließ.
Am besten, aber auch mit großem Abstand am schärfsten war die hellrote Soße. Die Warnung der Bedienung war durchaus berechtigt, da sind mir beim ersten Versuch schon einige Schweißperlen auf die Stirn gestiegen.
2 Sterne

Chicken Madrasi mit Basmatireis – (13,- €) / Naan (1,90 €)
Sowohl der Reis, als auch die Schale mit dem Hühnchen kamen ohne Stövchen an den Tisch. Der Teller, der noch dazu eingedeckt wurde, war zwar leicht gewärmt, das konnte dennoch nicht verhindern, dass das ganze relativ schnell abkühlte.
Das Chicken Madrasi ist in der Karte beschrieben mit "Hühnchenfilet mit Kokosraspeln nach köstlicher südindischer Art (scharf)".
Was ich dann bekam hätte ich nach dieser Beschreibung leider nicht wiedererkannt. Es handelte sich zwar um Hühnchen, das Fleisch war auch recht zart und ganz passabel zubereitet. Die Soße entsprach jedoch nicht wirklich meinen Erwartungen. Kokos, ja, Ingwer, reichlich, weitere Gewürze, die ich hier erwartet hätte wie Kreuzkümmel, Senfsaat, Zimt und Kardamom eher nur bedingt. Und für die erwartetet Schärfe musste ich mir durch nachbestelltes Chili selbst sorgen.
Technisch war das ganze gut umgesetzt, das Fleisch zart, die Soße hatte eine schöne Konsistenz, nur die Würzerwartung war eine völlig andere.
Da ich nicht weiß, ab ich mit dieser Erwartung falsch lag, gebe ich noch 3 Sterne

Das Naan war dagegen wunderbar. So würde ich es überall erwarten. Schön gebacken, leicht angebuttert, der Teig beim zerreißen leicht Fäden ziehend, geschmacklich super.
Für das Naan gute 4 Sterne.

Mango Lassi (3,50 €)
Nach dem Essen bestellte ich mir noch ein Glas Mango Lassi.
Optisch auf den ersten Blick mit einer schönen leicht orangen Farbe (ich dachte schon an vollreife Früchte). Bei näherer Betrachtung dann die Sirupspuren (die ja so gewollte waren, damit es hübsch aussieht) innen im Glas. Geschmacklich eben Mango Lassi der einfachen Kategorie. Außerdem leider viel zu warm.
2 Sterne
Zum Essen hatte ich übrigens noch ein alkoholfreies Weizen (0,5l => 3,90 €)
Insgesamt komme ich für das Essen auf 2,6 Sterne, die ich auf gutgemeinte 3 Sterne aufrunde.Ich glaube, man könnte hier Besseres, traut dem deutschen Gaumen aber nicht mehr zu.

Sauberkeit:
Es war soweit alles in Ordnung was ich gesehen habe.
Volle Punkte hätte es gegeben, wenn man beim Gästewechsel die Tischdecken nicht nur abgewischt hätte, sondern dieselben auch ausgetauscht hätte. So mussten Zweit- oder Drittbesetzungen (es war viel los) schon mal mit dem Fleck vom Vorgänger leben.
3 Sterne

Preis-Leistungs-Verhältnis:
Für das erhaltenen bin ich ganz zufrieden und vergebe 4 Sterne
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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gourmailer findet diese Bewertung gut geschrieben.