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GastroGuide-User: x2x
hat Primavera a Merano in 42103 Wuppertal bewertet.
vor 5 Jahren
"Was passiert wenn man eine deutsche Küche mit einer italienischen Küche und der Küche Südtirols kreuzt = Primavera"

Geschrieben am 20.02.2015 | Aktualisiert am 22.02.2015
Besucht am 19.12.2014
* Ein wechselhafte Geschichte liegt hinter dieser Lokalität. Vor gut 25 Jahren als "Köpi-City" (König Pilsener) eröffnet, war es damals der abendliche Szenetreff in der City. Hier hat so mancher "Junge aus dem (Wupper) Tal" so manches Mädel abgeschleppt. Damals immer voll, am Wochenende Schlangen vor dem Eingang. Irgendwann war es vorbei. Verschiedene Nachfolger konnten mit Abstand nicht an die damaligen Erfolge anknüpfen. Bis Anfang 2014 versuchte sich noch eine griechische Familie mit Schnitzel, Pommes & Co, aber auch die musste schließen. Dann plötzlich erkennbar aufwendige Umbauarbeiten. Wolfgang Schmitz und sein Sohn Andreas hatten die Immobilie für sich entdeckt, in bester Citylage am Laurentiusplatz. Beide in der Wuppertaler Gastronomie bekannt - man durfte gespannt sein. Im Sommer 2014 wurde eröffnet. Ein Restaurant, dazu ein Delikatessengeschäft (früher sagte man Feinkost), eine Vinothek, alles unter einem Dach.

* Tja die Lage. Mitten im Herzen der Stadt an der Wupper, vis a vis der Laurentiuskirche. Sorry, inzwischen nicht mehr einfach nur "Kirche", seit der Vatikan in 2014 diese Kirche zur Basilika ernannt hat. Erkennbar am vatikanischen Wappen, dass neuerdings über dem Eingang hängt. Schräg gegenüber das Primavera, mit Blick auf die Basilika. Nicht ganz so wie der Blick der Kölner auf den Dom. Das Restaurant bietet verschiedene Räumlichkeiten. Stimmt das Wetter, bietet sich die Außenterrasse an. Angenehm der Blick, gesehen und gesehen werden. Direkt daneben der vollverglaste Wintergarten. Optisch nett, aber viel zu eng bestuhlt. Nicht nur das Gespräch am Nachbartisch erlebt der Gast live, auch die Konversation zwei Tische weiter. Für ein schnelles Mittagessen in Ordnung, aber für ein Essen am Abend zu zweit - never ! Trotzdem muss man deswegen auf das Primavera nicht verzichten. Auf geht's in die erste Etage. Hell, schick gestaltet, bodentiefe Fenster, freundlich, hier fühlen wir uns wohl. Dazu unten direkt am Eingang das Delikatessen-Geschäft und die Vinothek. Alles nett gestaltet, man begegnet netten und kompetenten Mitarbeitern.

* Der erste Blick in die Karte verrät, dass hier die Küche versucht die Quadratur des Kreises zu konstruieren. Die Küche kredenzt Gerichte die unverkennbar "typisch Deutsch" sind. Dazu aber ebenso die typische Küche aus Italien und diverses aus der Küche Südtirols, dass ja bekanntlich nur politisch zu Italien gehört, aber eigentlich gerne die Freie Republik Südtirol sein möchte. Insofern findet man in der Karte einerseits die Nordsee-Seezunge, aber eben auch das Kalbschnitzel Milanese und Vitello Tonnato. Ich denke der deutsche Padrone (Schmitz) agiert hier geschickt.  - Bei unserm ersten Besuch war das Restaurant an einem Freitagabend gut besetzt, inklusive einer großen Runde (Tafel) älterer Damen. Offensichtlich alle gerade in exquisiten Modehäusern frisch eingekleidet. Also den Versuch unternommen, sich von 65+ über ein (z.T. grelles) Fashion Outfit um optisch 15 Jahre zu verbessern. War aber erkennbar nicht allen Damen gelungen. Ja ich weiß es, dass war jetzt nicht sehr charmant, aber ehrlich.

* Unsere Auswahl sah wie folgt aus: Vorspeisen: 2 x das Duo von gebratenen Scampis und gratinierten Jakobsmuscheln (a 13,50 Euro). Als Hauptgerichte ein gebratenes Steinbuttfilet (24,- Euro)  und das Kalbschnitzel Milanese (19,50 Euro). Dazu einen offenen Weißwein aus Rheinhessen und Pils. - Kurz danach wurde ein nettes Amuse Bouche serviert. Sehr frisches helles Weißbrot, ganz leicht angeröstet. Dazu zwei unterschiedliche Creme's und ein Schälchen das sehr an die Deutsche Markenbutter erinnert. Alles ganz nett, aber nicht besonders kreativ. - Wir schauten uns etwas um. Positiv viel der Service auf. Herren in der Altersklasse 30 + offensichtlich alles erfahrene Gastro-Dienstleister, schick gewandet. Ganz weit weg von den immer häufiger erlebbaren studentischen Aushilfen. Die Herren brillierten mit Kompetenz und Aufmerksamkeit. Einige der älteren (Modell) Damen am Nebentisch hatten mehr Augen für die Service-Herren, als für die (See) Zunge auf dem Teller. Der offensichtlich reichlich konsumierte "Rosso + Bianco" stütze das Interesse und die Fröhlichkeit - hörbar.

* Die Vorspeisen wurden serviert. Erster Eindruck - Klasse. Zweiter Eindruck nach dem ersten Biss - Superklasse. Auf den Tellern befanden sich je 2 vorzügliche (lauwarme) Scampis und 2 gratinierte Jakobsmuscheln. Dazu ein wunderschönes Sößchen, etwas (grüne) Gemüse-Deko, Brot - fertig. Alles ohne Schnick-Schnack, einfach Spitze. Meine Dame folgte meiner Lobeshymne uneingeschränkt. Klein und fein, eine sehr gute Produktqualität mit Sorgfalt zubereitet. - Der Service fragt nach dem abservieren der leeren Vorspeisenteller, ob es mit der Hauptspeise noch etwas Zeit hat, oder man man schneller servieren solle. Gelebte Aufmerksamkeit. Mit dem richten Abstand wurden dann die Hauptgerichte serviert. Ein wunderbares Kalbschnitzel, dazu sehr knoblauchlastige Spaghetti, abgerundet mit eine Tomatensauce. Ja, dass Kalbschnitzel war ohne Tadel gut. Und nein, weder die Sauce noch die Spaghetti konnten wirklich überzeugen. Gut aber nicht gut genug. Wobei ich trotzdem damit leben konnte. Gemüsebeilagen waren noch nie meine Favoriten. Gemüse soll da bleiben wo es seinen Ursprung hat - auf dem Feld. Insofern alles easy. - Mit Interesse schaute ich auf den Teller meiner geliebten Begleiterin. Dort hatte der tote Steinbutt auf dem Teller seinen Platz erobert, respektive ein Teil davon, nämlich das Filet. Erster Biss - offensichtlich ein Genuss. Hasimausi artikulierte ein langes "mmmhhhh". Sie konnte sich auch für die Beilagen begeistern, Kapern (schrecklich), Oliven (na ja) etwas mediterranes Gemüse (bunt) und kleinen Kartöffelchen, die der von der EU geförderte Deutsche Bauer gerne als Drillinge bezeichnet. Meine Dame war vollständig zufrieden, zumindest mit dem Essen. Die älteren Damen am Nebentisch hatten inzwischen mehrfache Rot-und Weißweinrunden genossen und läuteten gerade den Grappa Test ("de iss abber lekker") ein. - Noch ein Dessert ? Gerne, aber nicht aus der süßen Abteilung. Reizvoll erschien uns die Käseauswahl. Die Zusammenstellung bestimmt nämlich nicht die Küche, sondern der Gast kann an der Delikatessen-Theke selber auswählen. Schöne Idee, praktisch. Inkludiert Trüffelhonig und Senfsauce für a 9,50 Euro ein Erlebniss, wenn man Formaggi Fan ist. Zur Abrundung noch "due Grappa" und Kaffee. Dieser wird mit einer Etagere serviert, die mit diversen Mini-Kuchenstückchen bestückt war. Nett, aufmerksam, Ausdruck von Inidividualität.

Fazit: Primavera hat täglich von Vormittag bis fast Mitternacht geöffnet. Egal ob zum Mittagsteller mit Süppchen, am Nachmittag zur Torta oder eben am Abend - mit was auch immer. Es gibt wie beschrieben verschiedene Räumlichkeiten, dazu Wein und Delikatessen zum mitnehmen. Das Konzept überzeugt. Unsere Wertung. Gute 4,5 Sterne für die Vorspeisen, ebenso für den Steinbutt. Für das Kalb 4 Sterne und gerne auch 4,5 Sterne für das Dessert. Beim Ambiente tun wir uns schwer. Für die Terrasse 4 Sterne, für den Wintergarten 2 Sterne, für die 1. Etage gute 4 Sterne. Macht mathematisch für das Ambiente 3,333. Da allerdings der Gesamteindruck und der exellente Service überzeugte, zack auf 4 Sterne aufgestockt.

Was bleibt ? Wünschen wir Wolfgang Schmitz und seinem Team ganz viel Erfolg, die ersten knapp 7 Monate seit der Eröffnung scheinen erfolgreich gewesen zu sein. - Tja und dann war da noch die Tafelrunde der Modells 65 +. Als wir gingen, waren Sie immer noch anwesend. Fröhlich, beschwingt, allerbester Laune. So kann der demografische Wandel auch aussehen - schön !
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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