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GastroGuide-User: Carlo Attraversando
hat Primavera a Merano in 42103 Wuppertal bewertet.
vor 4 Jahren
"Primavera mit Anzeichen einer Herbstdepression"
Verifiziert

Geschrieben am 31.10.2016
Besucht am 28.10.2016 Besuchszeit: Abendessen 4 Personen
Primavera a Merano 28.10.2016

28. Oktober, ja so im bunten Herbst sollte es ein Treffen alter RK- und neuer GG-Kritiker werden. Lange im voraus schwirren durch die digitalen Netze Termine und Restaurantvorschläge hin und her, Kalender werden gewälzt, Telefonate geführt, First kombiniert, taktiert. Dann - eine Festlegung: Man einigt sich auf das Degustationsmenü von Jacques Weindepot am 28. Oktober um 19:30 Uhr, fünf Personen sollen es werden - danach langes Schweigen. Eine erste Irritation, Shaneymac gibt sich kopflos. Er weiß nicht, wie sein Auto nach der Weinprobe den häuslichen Herd wieder erreichen könnte. Da waren’s nur noch 4. 
Bis am 27. Oktober bei Carlo das Handy sechs Mal unerhört klingelt. Sechs Mal First! Carlo ruft zurück und trifft einen von Gefühlen überwältigten First an. Im letzten Schimmer der untergehenden Sonne hat der letzte noch beamtenrechtlich im Dienst des Landes NRW stehende reitende Bote Sir First am 26. Oktober die Einladung zur landesbedeutsamen und durch landesmütterliche Anwesenheit geadelten Eröffnung der neuen Tonhalle der Bochumer Symphoniker unter der Leitung von Herbert Grönemeyer für den Abend des 28. Oktober überbracht.
Da waren’s nur noch 3.
Aber welche drei? First aktiviert Bildarchive und sonstige Kontakte. Irgendwann wissen sie es: Es bleiben dark Jedi, Zerberuz und Carlo und ein von dark Jedi noch aktivierter Unbekannter oder eine Unbekannte.
Das Primavera a Merano befindet sich in der Friedrich Ebert-Straße 21, in der Nähe des Laurentius Platzes in Wuppertal, also an einer markanten Stelle. Der Gast kann zwischen dem unteren und dem oberen Bereich wählen, wobei man unten die schönere Aussicht hat. Die Einrichtung wirkt modern, frisch und weckt Erinnerungen an südliche Gefilde durch Bistrocharme. Zu dieser Wirkung trägt natürlich auch die Speisekarte bei.
Das Degustationsmenü von Jacques, Wuppertal, findet im oberen Bereich statt.
Und wie es sich manchmal so fügt, treffen Zerberuz und Carlo, obwohl sie sich überhaupt nicht kennen, dark Jedis Begleitung bereits an der Garderobe. Man kommt ins Gespräch, man fragt nach dem Tisch, ach ja, der junge Mann sitzt schon am Platz… der Auftakt ist gut, die Chemie stimmt.
Dank eines kompetenten Service perlt recht bald der Jahrgangsprosecco 2015 del Merlo von Bosco in den Gläsern, man prostet sich zu, prüft und genießt das prickelnde Nass, es mundet und verträgt sich gut mit „Zweierlei Paprikaschaumterrinen mit fritiertem Parmaschinken“, wobei aus Sicht des Verfassers der frittierte Parmaschinken wenig zum Geschmack beiträgt.
Auf den Prosecco folgt eine Probe vom „RUPPERTSBERGER Weißburgunder 2015, Pfalz Qualitätswein  und ein SARTORI Rosato 2015, Provincia di Verona IGT“.
Während der Weißburgunder Gaumenfreuden weckt, kommt beim Rosato an unserem Tisch keine Begeisterung auf. Das dazu gehörige „Carpaccio vom Limousin-Rinderfilet mit Spaghetti Aglio e Olio und gehobeltem Parmesan“ befremdet, denn die Spaghetti leiden etwas an Untertemperatur und vom Carpaccio ist ob der Dominanz an aglio und Schärfe nichts zu schmecken. Die Spaghetti für sich, das Carpaccio für sich, das hätte was werden können.   
Nun, nicht jede Neuerung ist auch eine kreative Meisterleistung und zum Glück tröstet der Wein und davon gibt es ja noch was. Auf zum Zwischengang! „MONCARO Le Vele Bianco 2015,
Verdicchio dei Castelli di Jesi Classico DOC VAL DE BRUN Prosecco Spumante Brut, Treviso DOC“ Ein Weißwein und ein Prosecco sollen den Gaumen schon mal für die nächste Tat aus der Küche vorbereiten. Die Frucht des Weißweins nimmt durchaus für sich ein, aber auch der Prosecco mundet. „Gebratener Riesen-Scampi auf Chili-Mangosoße mit Prosecco-Risotto“  Die Geschmecker äußern sich bei diesem Gang bezogen auf den Riesenscampi dissonant, im Hinblick auf das Risotto einhellig. Sowohl dark Jedi und seine Begleiterin als auch Zerberuz und Carlo können dem Risotto gar nichts abgewinnen. Es fallen Begriffe wie Pampe und zäher Brei. Eine Dame zur Rechten von Carlo glaubt entdeckt zu haben, dass man dem Risotto guten Geschmack und auch eine gewisse Körnigkeit entlocken könne, wenn man dazu einen Schluck des Proseccos trinke. Carlos Selbstversuch ergibt in dieser Hinsicht keine Bestätigung dieser Erfahrung. Dark Jedi und Zerberuz hadern auch mit der Riesengarnele. Zerberuz meint, sie schmecke eher wie gekocht als wie gebraten. Carlos ist mit dem Zustand der Garnele auf der Zunge zufrieden.
Während all diese Probanden von der Speisekarte die Prüfung durch Zunge und Gaumen absolvieren, entspinnt sich ein munteres Gespräch am Tisch. Unter anderem spielt man mit der Idee statt einer trockenen Ablaufkritik, in der möglichst noch ausgiebig darüber berichtet wird, ob man eingangs freundlich begrüßt, der Mantel abgenommen und zur Garderobe gebracht wurde, mal eine Kritik als historischen Rollenroman schreiben sollte. Dann säßen z.B. Goethe, Günter Grass und der Alte Fritz mit am Tisch und gäben ihre Meinung zum besten. Und während man mit diesem Gedanken herumspielt, ihn hier und da auch konkretisiert, schließt sich die Zeitlücke zum Hauptgang und in den Gläsern leuchten „CARPINETO Dogajolo Rosso 2013 Toscano IGT und FARINA Silenzio Terre di San Quirico 2012,Barbera d’Alba DOC.“ Man schnuppert, schaut, schnuppert noch mal. Nach Geruchs- und Augenfreuden möchte die Zunge nicht nachstehen. Man nippt, recht kraftvoll und reich an Aromen die Cuvée aus Sangiovese und Cabernet Sauvignon, rund, samtig und kraftvoll der Barbera. Wenn jetzt das Ossobuco hält, was es verspricht, dann hat der Abend eine gelungene Abrundung. „Ossobuco à la Milanese (Kalbshaxe Mailänder Art) mit mediterranem ­Gemüse und Thymian-Polenta“
Was verspricht ein Ossobuco? Wenn man kurz die Augen schließt und von Ossobuco träumt, ja, dann spürt man Röstaromen, schmeckt eine herrliche kräftige Sauce und dann, ja dann hat man ein Fleisch im Mund, das wie Butter auf der Zunge zergeht.
Und ein solches Ossobuco kam bei mir nicht nur im Traum vor, sondern ich habe es auch schon gegessen. Leider nicht am 28. Oktober 2016 im Primavera. Für das Fleisch benötigen alle am Tisch ein Messer und gute Kauwerkzeuge. Es schmeckt dennoch nicht schlecht, gelangt aber im Endergebnis nicht über zufallsorientierte Hausmanns- oder Hausfrauenkost hinaus. Und das andere Meisterstück italienischer Küche, die Polenta? Trocken, wenig präsent, keine Bereicherung.
Bleibt zum Schluss ganz allein der Wein! Und der Service war so freundlich schnell nachzuschenken.
„Hausgemachte Zimt-Pannacotta mit Rumäpfeln“, das Dessert, es ist gut gemacht, kann aber nicht mehr wirklich versöhnen, selbst nicht in Verbindung mit „GÉRARD BERTRAND Rivesaltes tuilé 2002, Appellation Rivesaltes tuilé protégée“, einem charaktervollen Süßwein. Für dark Jedi und seine Begleiterin ist er ein Nonplusultra, für Carlo ein sehr guter Wein und Zerberuz zieht ihm eindeutig einen Barbera vor.
Und dazu wird auch noch ein Espresso auf Wunsch gereicht.

Kehraus! Teller und Gläser sind leer. Man verabschiedet sich. Die Taxen fahren vor. Hände schütteln, Grüße hin und her. Vielleicht sollte man wirklich mal so eine Kritik mit historischen Gestalten schreiben. Mal sehen, was uns noch so einfällt. Lächeln. Winken. Gang zur Garderobe. 
Ein Fazit ziehen.
Die Weinprobe war vielfältig und qualitativ gut aufgebaut, die Speisen überzeugten in der Optik, aber nicht in Ausführung und Geschmack. Der Service war gut, das Ambiente ebenfalls.
Bei 59,00 € pro Person einschließlich aller Getränke bleibt das Preisleistungsverhältnis erträglich, da wirklich gute Gewächse ins Glas kamen. 










  
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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Huck und 20 andere finden diese Bewertung gut geschrieben.