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GastroGuide-User: hbeermann
hat Beef and Reef in 30171 Hannover bewertet.
vor 3 Jahren
"Eine historische Großtat in Hannover"
Verifiziert

Geschrieben am 28.08.2016 | Aktualisiert am 28.08.2016
Besucht am 26.08.2016 Besuchszeit: Abendessen 4 Personen Rechnungsbetrag: 260 EUR
Nach mehr als 30 Jahren findet sich erstmals in einem richtigen Restaurant (kein Steakhaus, keine Kette) wieder ein  T-Bone-Steak auf der Routine-Karte. Das gab es zuletzt im Mamma Raffaele als Bistecca fiorentina, als das Ristorante noch am alten Standort in Hannover-Hainholz war, einem der ungeeignetsten Standorte unserer Stadt für solche Unterfangen.

Das Beef and Reef hat einen Standort mit submaximaler Parkplatznot, aber hinreichend zahlungskräftigen Einwohnern in fußläufiger Nähe.

Geld zum Umschaufeln muss man nicht haben, um im Beef and Reef angenehm gesättigt zu werden. Wie im Basil zeigt sich auch hier, dass es taktisch geschickt sein kann, die Weinpreise nicht zu überziehen. Unsere Flasche Primitivo Doppio Passo stand mit 22,50 auf der Rechnung.

Ausnahmsweise waren wir mit meinem kleinen luftgekühlten Lärmerzeuger statt per Taxi angereist.  Da das Glück dem Tüchtigen hold ist, fanden wir schnell einen Parkplatz in einer Seitenstraße und waren eine Viertelstunde vor der Reservierungszeit 19:00 Uhr (über Quandoo) im Restaurant.  Einer der Chefs, Conrad Heyder, bestätigte uns den Tisch für vier Personen und ließ uns freie Wahl. Wegen der Extremtemperaturen war klar, dass es drinnen leer bleiben werde. Da spielt sich das Leben auf den 40 Außenplätzen ab.  Ein prachtvoller grauer Schirm ohne Werbeaufdruck (der Umsatz an Champagner reichte wohl noch nicht für ein Sponsoring) spendete partiell Schatten. Wo der Schirm nicht hin reicht, übernimmt ein riesiger alter Ahorn (ein Baum wie aus dem Bilderbuch) diesen Job. Wir nahmen einen Tisch direkt an der komplett aufgeschobenen Fensterfront zum Außenbereich.

Der Außenbereich

Herr Heyder kümmerte sich - wie immer - sehr liebevoll um uns. Wegen der hohen Temperaturen war das Loona  feinperlig (6,50) im Kühler eine unbedingt notwendige Einleitung des Abends. Unsere Gäste aus Spanien trafen ein, und wir waren schnell einig, dass der nächste Schritt ein Champagner für alle sein sollte. Herr Heyder offenbarte, dass er gleich einen Taittinger kalt gelegt habe, als er meinen Namen gelesen habe.  Nett! Er kam in schönen eisgekühlten Flöten - sehr aufmerksam. Das Glas wurde mit 10,50 berechnet.

Zum Ambiente: ich finde Holzdielen viel schöner als das modische Laminat, die Resopal-Tische im Holzdesign sind zweckmäßig, pflegeleicht und erträglich, die genoppten Weichplastikplatzdecken fügen sich gut in den Gesamtstil ein. Die hochwertigen Vlies-Servietten liegen in wertig aussehenden silbernen Serviettenringen auf den Tischen. Ich saß diesmal mit der Nase Richtung Seitenwand, die aussieht, als sei sie aus sehr strukturiert gesetzten Schieferblöcken gemauert. Im Streiflicht dreier Industrielampen absolut toll aussehend. Die extrem dick gepolsterten Stühle gestatten sehr langes Sitzen ohne Schmerzen.

Die Mauer

Das Essen: das hausgebackene Weißbrot kam zuerst mit einer Creme auf den Tisch. Diese habe ich nicht probiert, weil ich schon Rotwein im Glas hatte. Diese Kombination macht mich glücklich. Ein zweiter gefüllter Brotkorb wurde später nachgereicht.

Als Vorspeise nahmen die Damen je einen kleinen Salat (6,50), wir Männer einen großen Caesar-Salad  (9,50) ohne Fleischeinlage. Das Dressing war Klasse. Zum kleinen Salat gab es wegen Parmesan-Abneigung eine Himbeer-Vinaigrette mit kandierten Nusskernen. Sehr gut.

Caesar Salad

Die Hauptgerichte, zweimal Filetsteak 250 g zu 28,50, zweimal T-Bone zu 32,50 (irisches Blonde Aquitaine) kamen
100 % nach Wunsch gegart und gleichzeitig. Eine zweite Flasche Loona feinperlig war fällig. Zum Steak gehört jeweils eine Sättigungsbeilage zum Aussuchen: Ofenkartoffel, Wedges, Pommes frites oder Bratkartoffeln. Die Mehrheit war für letzteres, auf besonderen Wunsch kurz vor schwarz gebräunt. Auch dies wurde perfekt umgesetzt.

500 g T-Bone-Steak

Der Durst forderte seinen Tribut in Form zweier halber Liter Franziskaner Hefeweizen ohne Alk.
Für Hartgesottene gibt es auch mehrere Sorten Craft-Beer.

Als Dessert gab es für eine ein Glas Champagner (so lag also der Champagner-Umsatz bei 52,50, und man muss kein schlechtes Gewissen wegen der Extrawurst haben), für zwei Desservariationen zu 8,50 aus Erdbeer-Pannacotta, einem traumhaften Himbeer-Sorbet und einem heißen Schokoküchlein mit sehr dezentem Chilli-Anteil.

Desservariationen

Zum Abschied bot Herr Heyder uns noch einen Digestif an (es gibt über 30 Gin-Sorten), den wir zur Vermeidung von Schlangenlinien beim Autofahren dankend ablehnten. Der Espresso, der stattdessen kam, war exzellent. 

Barrierefrei ist das Beef and Reef nicht. Die zwei Stufen zum Betreten des Gastraumes lassen sich vielleicht noch irgendwie bewältigen, die wohlriechenden und sehr sauberen Toiletten liegen aber im Keller.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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