4Cani
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Flughafenstraße 120, 40474 Düsseldorf
Restaurant Bistro Cafe Pizzeria
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GastroGuide-User: Shaneymac
hat 4Cani in 40474 Düsseldorf bewertet.
vor 4 Jahren
"Spagbol calling"
Verifiziert

Geschrieben am 12.07.2015 | Aktualisiert am 13.07.2015
Besucht am 06.07.2014
Diese Kritik entstand fast exakt vor einem Jahr an einem denkwürdigen Sonntag:

Aufmerksamen Lesern meiner Kommentare wird in letzter Zeit womöglich meine vermehrte Reisetätigkeit aufgefallen sein. Dies gefällt mir außerordentlich gut, schade alleine ist nur, dass ich die vielen kulinarischen Eindrücke wohl auf Tripadvisor loswerden muss bzw. endlich man den eigenen Blog in Angriff nehmen sollte.

Da ich es bevorzuge, bei frühen Terminen am Vorabend einzutreffen, anstatt sich um 4 Uhr morgens auf dem Weg zum Flughafen zu machen und völlig gerädert den Tag über sich ergehen zu lassen, war an diesem frühen Sonntagabend der Flughafen des internationalen Dorfes an der Düssel mein Ort der Wahl für das Abendessen.

Ich erachtete diese Wahl als das kleinere Übel, denn es ging nach London Gatwick und wenn sich auch in England kulinarisch viel getan hat in den letzten Jahren, wer auf Reisen nicht in einem Café Costa enden möchte sorgt lieber vor.

Am Freitag hatten die Sommerferien begonnen und ich stellte mich innerlich auf das Schlimmste ein was die Terminals und die Parksituation anging, wurde aber mit gähnend leeren Parkdecks in P3 belohnt.

Aber der Eindruck täuschte, die komplett unbevölkerten Check-In-Counter meines Fluges lagen zwischen einem „kompromisslos service-orientiertem Vorabend-Check-In“ einer deutschen Charter Fluglinie (EIN Schalter für gefühlte 120 Leute) und der nicht minder zeitraubenden regulären Variante eines Mallorca-Bombers - auch hier lange Gesichter, sich routiniert ankeifende Ehepaare im stilsicheren, generischen Rhein-Ruhr Ferienoutfit und eine geschätzte Wartezeit von mindestens 60 Minuten, bei gleicher Länge der Schlange in Metern.

Die Blicke, die dem fröhlich pfeifenden Kritiker von links und rechts zuteilwurden, nachdem er in ca. 30 Sekunden seine Formalitäten erledigt hatte und von einer netten Dame mit einem jovialen „Have a nice flight my dear.“ o.ä. in den Abend verabschiedet wurde kann man mit Worten nicht beschreiben.

Ich konnte mir nur mit Mühe etwas wie „Tja, Augen auf beim Ticket-Kauf Damen und Herrn!“ verkneifen, mein Überlebensinstinkt verhinderte jedoch im letzten Moment meine Steinigung mit Rollkoffern und preiswerten Boardcases.
 
Gut gelaunt also in Richtung der öffentlichen Fressmeile getapst, hier bietet DUS leider keine schönen Optionen (ich lasse mich gerne beraten, falls jemand einen Geheimtipp hat!!) und da Kurzstrecke nie Business geflogen wird war auch keine Lounge mit womöglich erträglichem Buffet in Griffweite.

Das 4Cani hatte ich schon in der Vergangenheit aufgesucht, es ist eine kleine Kette die mit durchweg frischen Zutaten, italienisch-internationaler Küche und Verzicht auf Convenience wirbt.

Ich setzte mich an einen gerade frei gewordenen Tisch an der Fensterfront zum Rollfeld und wurde prompt von einer der jungen, permanent gehetzt rumhuschenden Kellnerinnen angeblafft, denn „hier sei schließlich reserviert“:

„Aha, das ist ja toll, so was geht hier?“ erwiderte ich. „Ja, dafür gibt es ja schließlich auch die Schilder hier, damit es auch jeder lesen kann!“ bekam ich im patzigen Tonfall von ihr zu hören und zeigte dabei auf einen winzigen Aufsteller auf dem Tisch, der abgewandt von mir positioniert war, so dass ich ihn gar nicht wahrnehmen konnte.

In einem normalen Restaurant wäre ich an diesem Punkt entweder sofort gegangen oder eine passende Antwort hätte ein Hausverbot und die zwangsläufige Wahl eines anderen Lokals zur Folge gehabt.

Nun aber saß ich schon, wenn auch nicht mehr am Wunschtisch, aber so viel Zeit war auch nicht mehr und ich hatte Hunger. Ich schaute mir also die Karte an und versuchte den Trubel der - dank der Ferien sehr gut besuchten - Lokalität weitgehend auszublenden.

Die gestresste junge Dame hatte ihr Service-Lächeln wiedergefunden und fragte mich nach meinen Getränkewünschen, ich orderte ein San Pellegrino (0,25l zu 2,90€) und ein Glas der offenen Rotweine, einen Montepulciano, die 0,2 Liter zu 5,60€.

Die Optionen der Karte recht pasta-lastig, einige gut klingende Salate, Saltimbocca alla Romana leider die einzige der Abteilung „Carne“, sowie einige Ausflüge in „mediterrasische“ Fusion-Regionen, die das Restaurant gerne mit dem sprachlichen Attribut „Pacifico“ schmückt.

So findet sich die klassische Lasagne neben der „Pasta Pacifico“ mit Ananas (!) und Kaiserschoten, die Bruschetta-Auswahl wird bereichert durch eine „Salmon-Wasabi“ Variante und die vertrauten Pizzen bekommen Konkurrenz durch einen Kollegen mit dem Namen „Speziale mit Chili-Shrimps“ und dessen Belag mit u.a. Ingwer- Crème-fraîche, Chinakohl und Sojasprossen.

Der Laden war an diesem Abend derart ungemütlich, laut und hektisch, ich wählte daher etwas vermeintlich Schnelles aus der Abteilung Soul-Food:

Bruschetta Varianten vorab und den ultimativen internationalen Kinderteller „Spaghetti Bolognese“, bzw. „Spagbol“ wie der Angelsachse mit klassischer humanistischer Bildung zu sagen pflegt - die Sauce sei hausgemacht, verriet man mir auf Nachfrage.

Das baute Erwartungshaltung auf und selbst das Besteck auf dem Tisch steht in einer umfunktionierten Konservendose deren Bedruckung im Restaurant-CD den Gast wissen lässt, dass dies hier das einzige aus der Dose sei.

Bruschetta Variatione – 6,90€
Montepulciano „de la casa“ – 5,60€

Nach ca. 10 Minuten rauschte meine Vorspeise heran, da ich den Pass die ganze Zeit im Blick hatte musste ich innerlich der kleinen Küchencrew meinen Respekt zollen, das war Fließbandarbeit total.

Selbiges kann man auch zum Service sagen, hier jedoch ohne Respekt meinerseits, der Teller wurde im Laufschritt auf dem Tisch platziert ohne das Tempo zu verlangsamen, beim begleitenden „einmal die Bruschetta Varation“ meine ich sogar einen leichten Doppler-Effekt wahrgenommen zu haben… hatte etwas von einer Transall beim Frachtwabwurf über unbefestigtem Terrain, vielleicht also auch eine programmatische Hommage an die Location…

Die Variationen konnte ich schon der Karte entnehmen: Klassisch, mit Landschinken oder Salami und eine Caprese Spielart, optisch sah das alles recht gut aus, die Tomaten waren gut verarbeitet und der grobe schwarze Pfeffer obenauf gefiel mir auch.

Daneben hatte man noch etwas Rucola gegeben, das Brot hatte man schon in der Karte fairerweise als „getoastetes Weißbrot“ deklariert, so dass ich keine zu großen Erwartungen an selbiges hatte.

Alles in allem eine recht leckere Sache, das Gemüse frisch und recht aromatisch, ein leichtes Olivenöl war zu vernehmen, das Brot noch warm und knusprig, Salami und Schinken etwas unspektakulär aber von guter Qualität.
Der Rucola wurde großzügig mit einer Vinaigrette angemacht, die mir persönlich gut schmeckte obwohl die Senflastigkeit hart an der Grenze war, hausgemacht war sie in der Tat und damit der Gesamteindruck ein guter.

Etwas schwach fand ich die Caprese Variante, das ganze unter den Salamander zu stellen fand ich überflüssig, der am Tisch schon leicht erkaltete Käse war wahrlich kein großer Genuss mehr.

Ein ausreichendes Mindestmaß an Genuss bot dafür der Wein, dessen Qualität mich positiv überraschte und den ich als offenen Vertreter seiner Art in so mancher einfacher Pizzeria dem dort gebotenen gerne den Vorzug gegeben hätte.
 
Alles in allem für 6,90€ an einem deutschen Großflughafen durchaus akzeptabel, das habe ich schon schlechter erhalten.
 
„Pasta mit Bolognese-Ragu“ – 8,60€

Bei Pasta kann man hier wählen zwischen Spaghetti, Penne, Capellini, Tagliatelle und Gnochi, wobei letztere mit einem Aufpreis von 1,50€ zu Buche schlagen.

Obwohl die Tagliatelle mit Blick auf die Sauce selbstredend die bessere Wahl sind, mussten es für mich die Spaghetti sein, da siegt das Kind im Manne regelmäßig über die Vernunft.

Bei Bolognese bin ich sehr schwierig zufriedenzustellen, seit vielen Jahren kochen wir zu Hause nach diesem so liebevoll verewigten Rezept eines sympathischen bloggenden Theaterschaffenden: http://www.chris-kurbjuhn.de/?p=685

Aber auch wenn in diesem Ragu guter Wein, Steinpilze, Salsicce, Panchetta und eine liebevolle Zubereitung einzeln oder in Kombination in Restaurants eher selten zu finden sind, wenn es als hausgemacht deklariert wird bestelle ich es zu gewissen Gelegenheiten trotzdem gerne.

Vor dem Servieren musste ich leider etwas gestresst die Zeit im Auge behalten, die Küche hatte wohl den Bon übersehen und so dauerte es fast weitere 25 Minuten bis das Gericht wieder in der Manier eines taktischen Kampfzonentransportflugzeuges auf meinen Tisch verfrachtet wurde.

Der dabei von mir erbetene Parmesan überraschte mich: appetitlich, frisch und fein gerieben in einem Edelstahl-Behältnis, dazu servierte man gleich noch etwas Brot.

Die Sauce verströmte einen appetitlichen Geruch, einen Hauch Wein konnte man erahnen, optisch jedoch etwas zu flüssig und tomatenlastig für meinen Geschmack.

Eine erste Gabel ergab: Die Pasta nicht mehr ganz al dente aber auch nicht verkocht, dem deutschen Gaumen angepasst ohne an Babynahrung zu erinnern.

Optik und Geruch der Sauce täuschten nicht, eine leichte Wein-Note war zu vernehmen, hausgemacht war definitiv nicht gelogen dies war kein Convenience Produkt und es wurde auch bei der Zubereitung nicht mit Helferlein hantiert.

Nur, der typische, köstliche Bolognese-Geschmack der sich u.a. durch langsames, stundenlanges Köcheln ergibt, war leider nicht zugegen, was schon die leicht wässerige Konsistenz erahnen ließ.

Es war eher eine schnelle Variante, aber mit guten, aromatischen Zutaten, auch dieses Gericht habe ich schon wesentlich schlechter erhalten, trotzdem angesichts der Selbstdarstellung des Hauses eine glatte, zufriedene drei als Fazit.

Der Käse und das Brot ergänzten zu einem guten Teller Pasta, der Wein verhalf zu einem allgemeinen Wohlbefinden und ich war froh, das Abendessen zeitig vor dem Flug abgehakt zu haben ohne in England in Zugzwang zu geraten und im Hotel gnadenlos überteuertem Nepp zusprechen zu müssen.

Die Bezahlung per Kreditkarte konnte problemlos am Tisch erledigt werden, die Verabschiedung unpersönlich und kalt ohne mir in die Augen zu schauen, passte zum Rest der Vorstellung.
 
Fazit

Sicher stand dieser Besuch auch unter dem Eindruck des Ferien-Trubels, an einem ruhigen Abend hätten der Service und das Ambiente sicher einen besseren Eindruck hinterlassen.

Trotzdem bewerte ich beides in dieser Momentaufnahme (das RK Wort des Jahres wie ich meine) mit zwei Sternen, Begründung siehe oben.

Das Essen und das PLV sehe ich bei drei Sternen, keine wirklichen Großtaten auf dem Teller, allerdings weit entfernt von trashigem Flughafen-Nepp, auch preislich wie ich meine.

Die Sauberkeit durch die starke Frequentierung bei drei Sternen, vergleiche ich diese jedoch mit dem Pflegezustand der Toiletten des Flughafens im Bereich der Gepäckbänder von Terminal C, würde ich gerne 5 Sterne vergeben, man muss sich fragen ob die Verantwortlichen des Flughafens diese jemals selber aufsuchen, einfach unbeschreiblich und peinlich für den Standort… „Choke – you are in DUS“…(um mal den aktuellen Claim etwas zu missbrauchen…)


Kann man durchaus empfehlen, bevor ich mir hier tierschutzächtendes Junkfood bei einer Burgerkette oder Backfisch zu Apothekenpreisen von der deutschen Fischkette #1 gebe, würde ich hier bei Gelegenheit sicher noch einmal aufschlagen.

P.S.
Es ist der Nachmittag des 13. Juli 2014, ich wünsche uns allen einen legendären Fußballabend mit hoffentlich entsprechendem Ausgang!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
 
 
 
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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