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Lokale mit genuin schwäbischer Küche muss man erst mal finden. Wir folgen der Empfehlung von Bekannten und tun gut darin. Kurz nach der samstäglichen Öffnung um 17Uhr30 stehen wir schon auf der Matte, haben jedoch unsere liebe Mühe, ohne Reservierung noch einen freien Tisch zu ergattern. Der wird uns allerdings nur bis 19 Uhr gestattet. Das Essen runterzuschlingen, ist zwar nicht unsere Art – doch wir hoffen auf einen enthusiastischen Einsatz in der Küche.
Rein optisch wirkt das Rebstöckle genau so, wie man sich ein gepflegtes Landgasthaus vorstellt: gediegenes Mobiliar, viel Holz an Boden, Decke, Tisch und Bänken, ein bisschen Zierrat, ein paar Blümchen auf dem Tisch und in den Makramee-Blumenampeln. Dazu ein schöner, lauschiger Biergarten vor der Türe. Beim Eintreten wird man noch freundlich begrüsst und willkommen geheissen.
Wir sind noch früh dran, sind jedoch mit einem megamässigen Hunger gesegnet. Die Karte verspricht ein kulinarisches Eldorado: Flädlesuppe und Salat mit gratiniertem Ziegenkäse, Zwiebelrostbraten, Sauerbraten und Schwabenteller mit Maultaschen, Südtiroler Schlutzkrapfen und schwäbische Käsespätzle, gebackene Apfelringe und spanischer Manchego-Käse zum Ausklang. Schwäbisch-mediterrane Küche nennt sich das hier. Ganz nach unserem Geschmack. Dazu ein kleines, internationales Weinangebot und Biere aus der Region.
Schnell haben wir uns für den Sauerbraten (26,90 Euro) und die Käsespätzle (18,90 Euro) entschieden – und es nicht bereut. Der Sauerbraten vom Jungrind ist so butterzart, dass jeder Bissen fast schon auf der Zunge zergeht. Drei Scheiben schwimmen in einer tiefdunklen, sämigen, rotweinlastigen Sauce, die man am liebsten halbliterweise auslöffeln würde. Das vermeintliche Kartoffelpüree auf dem Teller schmeckt im ersten Moment überraschend würzig, entpuppt sich dann jedoch als vom Sellerie stammend. Gute Idee! Zum Auffassen der Sauce wird jedoch noch eine Schale Spätzle gereicht, die zwar sicherlich nicht handgeschabt sind, jedoch von geschmälzten Semmelbröseln gekrönt werden, ganz so, wie ich es aus meiner Jugend kenne. Ein wahres Sonntagsessen, obwohl wir doch erst Samstagabend haben…
Auch die Käsespätzle-Version (mit aromatischem Bergkäse) mundet sehr. Vor allem, weil man mit den herzhaft angebräunten Röstzwiebeln wirklich nicht gegeizt hat, man alles in allem für diese Speise jedoch schon einen robusten Magen braucht. Herrlich leicht gesellt sich dazu ein kleiner, extrem frischer Beilagensalat mit viel Essig. Die Portion ist so riesig, dass davon glattwegs zwei Esser satt würden. Getrunken werden muss auf jeden Fall auch einiges. Wir testen nacheinander einen mächtigen italienischen Primitivo (6,30 Euro), einen luftigen Rose aus dem Luberon (6,50 Euro) und ein kleines, helles Hefeweizen von der Baisinger Biermanufaktur (3,90 Euro), dazwischen viel spritziges Hauswasser (4,20 Euro für den halben Liter).
Letztendlich pokern wir noch um zeitliche Verlängerung unseres Tisches, was schliesslich gewährt wird. Wir danken dem engagierten, überaus freundlichen Service, der sich sichtlich über unser Lob freut. Und natürlich auch den Meistern in der Küche, die es schaffen, traditionellen Gerichten noch ein eigenes I-Tüpfelchen zu verleihen. So fühlt sich unser Besuch rundum gelungen an: beste Qualität, üppige Portionen, angemessene Preise, ein adrettes, picobello sauberes Ambiente (bis hin zu den gepflegten Toiletten) und eine gut erreichbare Lage mit zwei Bushaltestellen in allernächster Fusslaufnähe. Wer sich nun zu einem eigenen Besuch inspiriert fühlt, sollte jedoch unbedingt vorab einen Tisch reservieren. Es lohnt sich!