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GastroGuide-User: Oparazzo
hat Yangda Restaurant in 76133 Karlsruhe bewertet.
vor 2 Monaten
"Das Yangda aus gastrischer und gastronomischer Sicht. Ein Erlebnisaufsatz."

Geschrieben am 26.11.2019 | Aktualisiert am 27.11.2019
Besucht am 28.08.2019 Besuchszeit: Mittagessen 2 Personen
Mit dem Yangda, genauer gesagt den drei Yangdas in Karlsruhe verbindet uns eine wechselvolle Geschichte. Ich hole einfach mal ein bisschen aus.

2015 (die blaue Wasserleitung ist zum Glück wieder weg)
Das Restaurant in der Kaiserstraße (das Original) wurde 2011 eröffnet. Es liegt ziemlich versteckt im Obergeschoss, und man muss erst mal durch einen engen Hausflur. So hatte es eine ganze Weile gedauert, bis wir das Restaurant überhaupt entdeckt hatten. Ende 2015 sind wir dann das erste Mal durchs Treppenhaus nach oben gestiegen, und waren in vielerlei Hinsicht überrascht. 
 
Innen sah es ziemlich rumpelig aus, mit Mobiliar aus den 50ern, toten Blumenpötten auf der Fensterbank und um die Theke herum gestapelten Bierkästen. Das Publikum bestand überwiegend chinesischen Studenten (oder nach Studenten aussehenden Nichtstudenten). Beides zusammen hatten wir als sicheres Zeichen interpretiert, dass uns hier ein Kurzausflug nach China bevorstand.
 
Und so kam es dann. Die Karte war sehr lang und enthielt auch etliche Mutproben, wie Schweineohren oder allerlei Bestandteile des schweinischen Verdauungstrakts. Wir stiegen aber ganz normal ein und verschoben die Mutproben auf einen späteren Besuch. Ich weiß noch, dass wir eine ganz vorzügliche Pekingsuppe hatten, nicht so einen Pudding, den man auf den Kopf stellen kann. An den Rest erinnere ich mich nicht mehr. Damals wussten wir auch noch nicht, dass die Karte nicht aus einer Riesenzahl verschiedener Gerichte besteht, die am Ende doch alle gleich schmecken, weil die gleiche Sauce über alles gekippt wird, also die sinogermanische Einheitsküche, sondern dass jedes Gericht seine eigene Provenienz und Note hat.
 
Beim einem der nächsten Besuche hatte ich mir Dim Sums bestellt, in der Hoffnung, dass die an das Niveau des bisher Erlebten heranreichten, und wurde bitter enttäuscht. Die auf einem Teller servierten Dinger waren gekauft und schmeckten auch so. Unten lief das Wasser raus, sodass die armen Teigtäschchen bald in einer unappetitlichen Pfütze standen. Auf meine Rückfrage wurde ich beschieden, dass Dim Sums zu viel Arbeit machen. Na dann.
 
Danach machten wir erst mal einen weiten Bogen um das Restaurant, bis es Ende 2017 für ein halbes Jahr geschlossen wurde. Inzwischen waren aber zwei Ableger gleichen Namens geöffnet worden (ich kann nicht sagen, in welcher Reihenfolge), die bei TripAdvisor zu einem heillosen Durcheinander führten. 
 
In der Filiale Passagehof fand dann die erwähnte Mutprobe statt, eine mächtig scharfe Suppe mit Schweinedarm und -magen, Garnelen und reichlich Tofu. Mit einem Bissen von Letzterem konnte ich mich zwischendurch immer wieder von den schlängeligen Magen-Darm-Zutaten erholen. Ich zeige das mal hier, auch wenn es streng genommen nicht zur Kaiserstraßen-Filiale gehört, aber dort dürfte es genauso ausgesehen haben.


Meine Frau hatte mir die ganze Zeit nur kopfschüttelnd zugesehen; die kann man mit Innereien nämlich jagen. Ich kann auch verstehen, dass nicht jedermann und jedefrau es wertschätzt, wenn das, was in der Suppe schwimmt, nach pathologischen Schnitten aussieht. Das war dann die erste und gleichzeitig letzte Mutprobe, und im Passagehof waren wir danach auch nicht mehr.
 
Das lag aber daran, dass wir dann auch die Filiale in der Ettlinger Allee für uns entdeckten, die wir seitdem aus vielerlei Gründen etwa einmal im Monat aufsuchen. Der Hauptgrund ist das Kreuzkümmel-Lammfleisch, das ich etwa jedes zweite Mal bestelle.
 
Zurück zum Original. Im Sommer 2018 war nach einem gelungen Umbau Wiedereröffnung. Die Theke war gewandert, und die Bierkästen waren verschwunden. Die wesentliche Änderung war allerdings, dass die Küche radikal geändert worden war: Anstatt eines panchinesischen Angebots gab es nun ausschließlich uigurische Küche, entsprechend war auch die Dekoration gestaltet. Wir sind natürlich gleich frohgemut hin, schon vor dem Hintergrund, dass die uigurische Kultur jede Form der Unterstützung verdient. 
 
Dass wir, etwa drei Wochen nach der Eröffnung, die einzigen Gäste waren, hatte uns schon erschreckt. Nach uns kam noch ein Pärchen; Chinesen tauchten keine mehr auf. Das mag politische Gründe gehabt haben, könnte aber auch an der Küche gelegen haben. Mir hatte mein Rinder-Laghman (Nudeln) ja noch ganz gut geschmeckt, während meine Frau ihre völlig ausgetrockneten Hähnchen-Kebabs nicht runtergebracht hat. Da musste ich leider tauschen.
 
Das dürfte etwa ein halbes Jahr lang gut bzw. nicht gut gegangen sein, jedenfalls wurde Anfang 2019 die Küche wieder auf das normale Yangda-Angebot umgestellt, erweitert um ein paar Spezialitäten, die es nur in dieser Filiale gibt.


Seitdem waren wir zweimal dort; beide Male waren wir überrascht, wie leer es zur besten Mittagszeit immer noch war. (Inzwischen wissen wir, dass praktisch zur gleichen Zeit und nicht allzu weit entfernt das (der?) Monkey King aufgemacht hat. Da sitzen jetzt die ganzen Chinesen.)


hier war es früher voller 
Eine der Spezialitäten war gedämpftes Ei mit Muscheln. Wie immer aufgeschlossen für ungewöhnliche Kombinationen, musste ich mir die bestellen.


Sie stellte sich als ein ziemlich glibberiger Flan heraus, aus dem große Venusmuscheln in ihren Schalen herausschauten, der aber weder ausreichend gestockt war noch irgendwie gewürzt - das Spannendste waren noch die drübergestreuten Frühlingszwiebeln. An dem Rezept muss unserer Ansicht nach noch gearbeitet werden. 
 
Der gedämpfte Wolfsbarsch war gut, aber auch hier muss man sagen, dass der Koch an der Ettlinger Straße die Tunke origineller hinbekommt.


Die Wartezeit war dafür, dass wir zeitweise tatsächlich alleine im Restaurant saßen, ziemlich lang.
 
Epilog: Fünf Minuten, nachdem wir das Restaurant verlassen hatten, fing es in meinem Gedärm derart an zu rumoren, dass ich es in höchster Not gerade noch auf die nächste öffentliche Toilette geschafft habe. Das muss sehr komisch ausgesehen haben, war es aber nicht. Wenn das ein Zufall war, dann aber ein sehr ungewöhnlicher, denn sowas habe ich noch nie erlebt. Wahrscheinlich war es doch das viele halbgare Ei.
 
"Jetzt wisst ihr Bescheid. Macht was draus, was, ist eure Sache, ich kann mich nicht um alles kümmern. Euer Olaf.“
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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