Zurück zu New Orleans OLX Moments & Drinks
GastroGuide-User: Shaneymac
hat New Orleans OLX Moments & Drinks in 42697 Solingen bewertet.
vor 6 Monaten
"Lockdown Chronicles: das New Orleans in Solingen Ohligs - Mardi Gras on a plate!"
Verifiziert

Geschrieben am 24.01.2021 | Aktualisiert am 26.01.2021
Besucht am 22.01.2021 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 59 EUR
| Über das Restaurant und seine Küche |
 
Da schrieb ich doch kürzlich über mein geliebtes Charly’s Diner, dies sei einer der buntesten Farbtupfer in Solingens meist sehr mainstreamiger Gastro-Landschaft und dem ist sicherlich auch so.
 
Aber es gibt eben trotz aller hiesiger Gyros-Pizza-SchniPoSa Langeweile mitunter diese Tupfer, mit viel Herzblut, Mut und Leidenschaft betrieben von jungen Gastronomen, die sich selbst in der gefühlten Welthauptstadt des Gyrostellers etwas trauen und ich freue mich immer sehr, wenn dieser Mut auch belohnt wird, das Herzblut bei den Gästen ankommt und diese Neues für sich entdecken.
 
Das New Orleans in Ohligs gehört zu diesen seltenen Erfolgsgeschichten, seit 2017 bietet man für die Maßstäbe der Klingenstadt die doch eher exotisch anmutende kreolische Küche Louisianas, die vor allem in ihrer Hochburg New Orleans beheimatet ist.
 
Als ich seinerzeit von der Neueröffnung hörte freute ich mich sehr, gab dem mutigen Gastro-Start-Up allerdings nur wenige Monate getreu dem Motto „Wer seit 40 Jahren Schnitzel isst hat sicherlich nicht auf Red Jambalaya gewartet!“.
 
Dass die Solinger, bzw. die Ohligser das New Orleans dennoch sehr schnell in ihr Herz geschlossen haben liegt neben der guten Küche sicher auch am sympathischen, umtriebigen Betreiberpärchen, regelmäßig gibt es gut besuchte Konzerte und es fühlt sich für mich so an, als gäbe es das Restaurant hier schon seit wesentlich längerer Zeit.
 
Im Sommer 2018 - seinerzeit leistete ich harte Frondienste im Casa Luz und half Lord Rioja Thomas Dombrowsky dabei seine Fantastilliarden zu mehren – landete ich erstmalig an einem Wochentag mittags im New Orleans und hatte ein sehr schönes Brisket (Rinderbrust) Sandwich, das ich in einem kleinen Instagram Post würdigte: https://www.instagram.com/p/BpW0n2shhAP/
 
Und schon damals fiel mir die offene, sympathische Art des jungen Pächters sehr positiv auf, schnell kam man ins Gespräch und das Fachsimpeln nahm seinen Lauf.
 
Daran erinnerte ich mich, als ich in der bereits mehrfach erwähnten Facebook Gruppe zur Unterstützung Solinger Geschäfte und Gastronomie einen von der Gruppen-Administratorin geteilten Post des Restaurants las und entschied kurzentschlossen, die traditionelle Freitagabend Bestell-Aktion diesmal vom New Orleans befeuern zu lassen.
 
Noch ein Wort zur kreolischen Küche als solches, ich bin immer etwas traurig wenn die Begriffe „Cajun“ und „Creole“ synonym verwendet werden, es gibt da doch im Detail erhebliche Unterschiede, die ich vor vielen Jahren mehrfach vor Ort in New Orleans erleben durfte.
 
Um einen Schritt zurück zu gehen: Cajuns stammen von französischen Kolonisten ab, die sich ursprünglich im heutigen New Brunswick und Nova-Scotia (nördlich von Maine) niederließen.
 
Diese Menschen, Akadier genannt, wurden schließlich von den Briten vertrieben. Sie fanden ihren Weg in den Süden, in die Sümpfe von Süd-Louisiana. Dort lernten sie, von der Natur zu leben und wurden zu einem unglaublich einfallsreichen Volk.
 
Die Cajun-Küche ist daher stark von französischen Einflüssen geprägt, wurde aber an eine rustikalere Lebensweise angepasst. Die meisten Cajun-Gerichte beginnen mit einem Medley aus Zwiebeln, Sellerie und grüner Paprika (Im Gegensatz zu den Zwiebeln, dem Sellerie und den Karotten, die im traditionellen französischen Mirepoix enthalten sind), auch bekannt als die „Holy Trinity“, der heiligen Dreifaltigkeit dieser Küche.
 
Cajun-Gerichte werden meist mit einer Mehlschwitze aus Schmalz oder Öl und Mehl angedickt, da Butter (und alle Milchprodukte) ein Luxus war, den sich die meisten dieser einfachen Menschen nicht leisten konnten.
 
 
Die kreolische Küche hingegen hat ihren Ursprung in einer Mischung aus wohlhabenden spanischen und französischen Siedlern und einem afro-karibischen Flair. Aus diesem Grund ist die kreolische Küche weitaus mehr eine kulturelle Fusion als die traditionelle Cajun-Cuisine. 
 
Auch sind separate Saucen in der kreolischen Küche üblich und man findet eine größere Vielfalt an Zutaten. Da die Kreolen eher zur Oberschicht gehörten, hatten sie Zugang zu Märkten und Dienern, die den ganzen Tag mit dem Kochen verbringen konnten.
 
Die kreolische Küche zeichnet sich außerdem durch die Verwendung von Tomaten aus (die man in Cajun-Gerichten nicht findet). Außerdem wird mehr Wert auf Sahne und Butter gelegt, was bspw. zu reichhaltigen Saucen und Bisques führt.
 
Und „reichhaltig“ sollte auch der Untertitel des Freitagabends werden, viel Spaß also mit einer farbenfrohen Aromen-Achterbahn, die mich auf ihre Art und Weise sehr glücklich machen sollte…
 
 
 
| Bestellung & Lieferung |
 
Eines vorweg: Dies war der herzerwärmendste Austausch, den ich je mit einem Restaurant am Telefon erleben durfte.
 
Wie üblich rief ich am späten Freitagnachmittag an um für 21 Uhr vorzubestellen, hatte in diesem Fall allerdings noch einige Fragen, die ich gerne klären wollte.
 
Die – wie ich am nächsten Tag erfuhr die Verlobte des Betreibers – junge Dame am Telefon war mit derart viel unverstellter Freundlichkeit gesegnet, dass man mit Frösteln an so manches blutleere Plastiklächeln anderenorts im Service zurückdachte.
 
Sie erklärte die Vorspeisen – auf der Karte steht ein gemischter Teller ohne weitere Angaben – und das heutige Angebot für das „Beef of the day“, was aus irischen Dry-Aged-Filetspitzen oder aber US Prime Ribeye bestand.
 
Nicht ohne Stolz erklärte sie, dass man das Fleisch von Don Carne bezieht, der Neusser Fleischhandel hat sich auf hochklassige internationale Fleischwaren spezialisiert und ist mir seit seinen Anfängen gut bekannt, einige Jahre lang bestellte ich dort gerne und fuhr auch mal selbst nach Neuss, diese Information machte schon da einen guten Eindruck.
 
Als sie merkte, dass ich wohl an einem etwas umfassenderen Einblick in ihre Küche interessiert war, hatte sie die großartige Idee mir ein Special anzubieten, dass in der Form nicht auf der Karte steht aber auf Wunsch nur allzu gerne angeboten wird: die „Juicy Souls Platte“.
 
Und als sie dann begann mir deren Komponenten aufzulisten war ich schon nach der Hälfte komplett verloren; ja, jaaaa, JAAAAA!!! Einmal mit allem bitte, ja auch mit Shrimps und dem Ribeye, was eine beliebte Zusatzoption darstelle.
 
Ich wollte das noch kurz mit meiner Untermieterin (ich habe gehört ich solle nicht mehr Mitbewohnerin schreibe, hoffe das ist jetzt genehmer…) klären und rief nach einem beruflichen Termin wieder im Restaurant an, diesmal ging der – wie ich ebenfalls am Samstag erfuhr – ebenfalls sehr freundliche wie redselige Koch ans Telefon.
 
Der Herr war guter Dinge, wir kamen ins Gespräch und er berichtete von der Entstehung der Karte und den Herausforderungen der Küche, die fremden, mitunter sehr pikanten Gewürzwelten dem Bergischen Gaumen schmackhaft zu machen.
 
Das ging fast 10 Minuten munter so weiter und ich hätte mich sicher noch wesentlich länger unterhalten können aber ich schaute auf die Uhr und entschuldigte mich dafür, so lange die Leitung zu blockieren (wobei er zugegeben den Hauptredeanteil hatte…) und hörte a) dass man noch eine zweite Leitung habe und b) dass es immer eine – leider seltene - Freude sei, sich mit interessierten Gästen in dieser Weise auszutauschen; fand ich sehr nett.
 
Was mich aber dann wirklich „berührt“ hat war, dass man am nächsten Abend anrief und die mir schon bekannte junge Dame sich ganz schüchtern und vorsichtig erkundigte, wie es mir gefallen habe, der Koch sei sehr an meiner Meinung interessiert und lasse nicht locker.
 
Nun, ob das daran lag, dass ich am Samstag keine Viertelstunde vor diesem Anruf in der Facebookgruppe in einem Kommentar zu einem Post erwähnte, heute etwas zum New Orleans schreiben zu wollen sei dahingestellt, aber die Haltung hinter dieser Nachfrage hat mich wie gesagt berührt.
 
Sie wollen immer besser werden daher sei Ihnen Feedback so wichtig und man nehme dies auch sehr ernst, leider aber trauen sich viele Gäste nicht ihre Meinung zu sagen und aus den üblichen, gelegentlichen Google oder Facebook-Troll Bewertungen der Sorte „Uns hat es nicht geschmeckt, daher ein Stern!“ kann man ja gemeinhin nicht unbedingt viel ableiten.
 
Das kam etwas überraschend, ich verwies daher darauf, dass am Sontag ein Pamphlet mit der ein oder anderen lieb gemeinten Anmerkung erscheinen würde und wollte es eigentlich dabei belassen, weil ich gerade beschäftigt war.
 
So erwähnte ich nur einige Details die mir auffielen und das ich zufrieden war, die Reaktion darauf hat mich abermals emotional angefasst. In ihrer liebenswürdigen, am Telefon mitunter auf eine unglaublich sympathische Weise beinahe schon kindlich-naiven Art bedankte sie sich in ungespielter Freude für jegliches Feedback und ich lies mich dann doch noch zu einer fast 10-minütigen Plauderei hinreißen; ein Gespräch dass mir irgendwie den Samstagabend versüßte.
 
Am Freitag sollte es aber zunächst reibungslos weitergehen, um Punkt 21 Uhr sollte es klingeln und eine junge Frau brachte noch erstaunlich warmes und wie erwartet himmlisch duftendes Essen; time for two souls to get juicy…
 
Alles wurde tadellos verpackt und appetitlich auf den Weg gebracht, besonders das ausdrücklich hausgemachte Tiramisu schaute uns sehr verlockend an:

Juicy Souls Platte für zwei Personen (inkl. Baba-Shrimps & US Prime Black Angus Ribeye)
Brot | Dips | Tiramisu
Tiramisu 
 
 
| Hauptgericht |
 
Juicy Souls Platte für zwei Personen  – 53,80€
(inkl. Baba-Shrimps & US Prime Black Angus Ribeye)
 
Sour Cream & Hot Sauce als Extra Dips: je 2€ (wurden nicht berechnet!)
 
Leider habe ich dieses halbe, speicheltreibend gut riechende kalt-warme „Buffet“ nicht gewogen aber ich war sehr beruhigt wie stabil die Catering-Alu-Platte auf der es kam doch war.
 
Es war derart viel, das man an vielen Stellen sogar in zwei Etagen anrichten musste, man entdeckte quasi immer wieder neue Schätze.
 
Dieses tonnenschwere Arrangement in Gänze in noch warmem Zustand ansprechend auf eigenem Geschirr anzurichten war ein Ding der absoluten Unmöglichkeit und da mir mein eigener Genuss wichtiger ist als durchweg Instagramm-taugliche Fotos gibt es heute nur halbwegs nette Tellerbilder im Rahmen der Möglichkeiten der „Buffet-Form“ des Servierten:
 
Juicy Souls Platte für zwei Personen (inkl. Baba-Shrimps & US Prime Black Angus Ribeye) 
 
In der oberen Etage sieht man:
 
·         einen großen, in vier Teile geteilten Strang Spareribs
·         das tranchierte Black Angus Ribeye mit einem Rohgewicht von sicher an die 300 Gramm
·         gebutterter Mais vom Grill
·         „Baba“-Shrimps - Forrest Gump approved! :-)
 
Im Erdgeschoss fanden sich:
 
·         Pulled Pork
·         kreolische Kartoffeln
·         gebratene Egerlinge
·         gegrilltes Antipasti-Gemüse (rote und gelbe Paprika, Zucchini, angeschmolzene warme Kirschtomaten)
·         zwei Scheiben Melanzane mit Tomatensauce und Parmesan gratiniert
·         hausgemachter Krautsalat
·         gepickelte rote Zwiebeln
·        Feldsalat mit mariniertem Fetakäse
·        mit Paprikamark gefüllte grüne Oliven

Dazu reichte man dann Aioli, die extra bestellte Sour-Cream nebst scharfem Dip sowie mit Kräuterbutter gegrilltes Brot. Jenes lässt man in Kooperation mit einem örtlichen Bäcker nach eigenen Vorgaben backen, man nutzt es auch für die ikonischen Po‘ Boy Sandwiches, ein New Orleans Klassiker, der hier mit Pulled Pork oder in einer Seafood Variante angeboten wird.

gegrilltes Brot mit Kräuterbutter
Mit jenem begann ich und kostete etwas von der Aioli und war von dieser sogleich begeistert, auch wenn ein wenig mehr Knoblauch schön gewesen wäre, aber der mutige Einsatz von Pimentón de la Vera, dem spanischen geräucherten Paprika hievte sie auf ein sehr eigenständiges überraschendes Niveau.


Das Brot grundsätzlich auch ok, leider in der Kruste viel zu weich, das sogenannte New Orleans French Bread, dass man in der Stadt für Po‘ Boys verwendet, ist auch für seine schöne – wenn auch nicht steinharte natürlich - Kruste bekannt, da ist sicherlich noch Detail-Tuning vonnöten.



Die Spareribs sehr schön mit einem guten Rub trocken vormariniert, zart wenn auch bei den dünneren Enden etwas trocken geraten, aber das ist Jammern auf hohem Niveau, auch hier wieder Pimentón mit im Spiel. Da ich keine separate BBQ Sauce bestellt hatte half der heimische Kühlschrank mit Stockyard BBQ Sauce von KC Pitmaster aus, keine schlechte Wahl:



Das US Prime Black Angus von Don Carne hat seine Vorschusslorbeeren nicht umsonst erhalten, perfekt medium rare wie gewünscht mit schönen Röstaromen versehen, das Fleisch selbst dabei dramatisch zart und von wie erwartet köstlichem Eigengeschmack. Eines der besten Steaks seit langer Zeit, als unverbesserlicher Steak-Nerd, der seinen Beefer liebt hat man es schwer in Steakhäusern, siehe meinen Bericht zum Hildener „Meat & Mind“.

kleiner Vesper-Teller :-)
Beim Pulled Pork hatte man sich in Sachen Pimentón etwas zurückgehalten, in der BBQ Soße fanden sich eher die regionalen Klassiker wie Knoblauch, süßer und rosenscharfer Paprika sowie Thymian.
 
War es zart und saftig? Ich glaube diese Frage beantwortet dieses Detail-Foto sicher recht eindeutig:
 
Pulled Pork Detail
Die gegrillten Shrimps (einige hatten durch ihre exponierte Penthouse-Lage doch erheblich in der Temperatur eingebüßt aber ich konnte mir anhand der warmen Exemplare ein sehr gutes Bild machen und auch etwas kühl schmeckten sie immer noch köstlich) wurden auf den Punkt gegrillt und dezent mit einem Cajun-Spice-Blend versehen, ohne die Meeresfrüchte zu überwürzen. Gute, leicht süßlich schmeckende Ware in ansprechender Sortierung (Größe), die zusammen mit dem scharfen Dip und der Aioli viel Freude machte.
 
Eigentlich bin ich kein Maisfreund aber in meinem Forrest Gump-Modus von Freitag knabberte ich sogar begeistert an den gebutterten Stücken vom Maiskolben – unterschätze nie die Klassiker, wunderbar süß und sündig mit der Butter.
 

Die gepickelten roten Zwiebeln wurden am Telefon ein wenig irreführend als „Zwiebel-Marmelade“ angekündigt, das tat der Sache aber nur wenig Abbruch, ein schöner, leicht säuerlicher Kontrast zum leicht süßlichen Pulled Pork bspw:


Der Krautsalat eher unspektakulär aber hausgemacht, willkommener Ausgleich zum selbstredend zum Teil nicht unbedingt mageren Fleisch.
 
Nicht verstanden habe ich den Feldsalat mit dem marinierten Feta, für sich genommen natürlich lecker aber die Kombination mit den restlichen Aromen doch etwas fragwürdig, manchmal ist weniger mehr:
Quo vadis saftige Seelen?
 
Die Antipasti-Gemüse sowie die Melanzane für sich genommen sehr schön, aber hier hatte ich das gleiche Problem, eben noch zaubert einen ein Happen Pulled Pork aromentechnisch ins French Quarter, zwei Gabeln weiter wähnt man sich in Kalabrien; Melanzane und Lousiana Style Spareribs auf einem Teller, Weltpremiere für mich! :-)
 
Der gebratenen Pilze hatten durch eine leichte Sherry Note leichte spanische Anleihen, zusammen mit den Dips ein kleiner Tapas-Traum, besonders die leicht rauchige Sour-Cream war ein kleiner Hochgenuss in Kombination.
 
Die reichlich vorhandenen „kreolischen Kartoffeln“ hatte man mir vorab als Drillinge angekündigt, diese entpuppten sich allerdings als kräftig gewürzte Kartoffelspalten, die nicht frittiert sondern gebacken wurden und sich teilweise auf wunderbare Art und Weise mit den Fleischsäften vollsogen: abermals großes Geschmacks-Kino.
 
Ganz besonders lobend sei noch der „scharfe Dip“ (steht so auf der Karte….) erwähnt, auch wenn man es hier mit dem Pimentón de la Vera auf die Spitze trieb war er auf seine Art ein Paradebeispiel von nicht nur handwerklich motiviert arbeitender Küche, seine intensive Schärfe und geschmacklich Tiefe waren eine Freude, definitiv auf einem Niveau mit Charly’s Diner und mehr Lob geht in dieser Hinsicht nicht!
 
Unnötig zu erwähnen, dass hiervon noch einiges übrig blieb und auch am nächsten Abend noch sehr gut schmeckte, ich habe nur drei Anmerkungen zu diesem Teller, die man bitte als wohlwollende Verbesserungsvorschläge und kein „Fishing for criticism“ verstehen kann:
 
1.       Bei längeren Lieferstrecken bitte überlegen die warmen Speisen zu separieren, auch wenn natürlich dann der optische „Wow-Effekt“ einer überladenen Soul-Food Platte etwas verloren geht, aber diese alleine schon machen doch auch viel her! Wen interessiert bei der Opulenz schon ob der Krautsalat separat kommt aber dabei schön kühl bleibt?

2.        Ich persönlich halte die Kombinationen teilweise sehr gewagt, statt italienische Elemente zu verwenden bitte aus der reichhaltigen Creole / Cajon Cuisine bedienen bei den Vorspeisen.
Hier gibt es so viele schöne Dinge, wie bspw. Cajun Blooming Onion, Cajun Fish Balls, Cajun Crab Cakes, Crawfisch Corn Fritters etc. etc. etc. 

3.        Vielleicht erwägen neben der geräucherten Paprika, die fast bei jedem Element mit im Spiel war, anderen Aromen etwas mehr Platz zu lassen. Wobei das zweischneidig ist, für sich alleine betrachtet waren die Dinge ausnahmslos köstlich, d.h. ein Gast der sich nur Ribs mit zwei Saucen bestellt wird begeistert sein. Aber im Rahmen so einer „Mini-Degustation“ wie in diesem Fall fällt die Dominanz natürlich auf, aber man isst so eine Platte ja auch nicht bei jedem Besuch.
.        
Für mich jedenfalls ein lohnender, umfangreicher Einblick in die Küche des Restaurants, ich wüsste nun, was ich hier zukünftig gerne vor Ort essen würde und freue mich auf weitere solche.
 
Nicht nur zu der Platte schmeckte mir übrigens abermals der Gutsriesling von Battenfeld, ein wenig Redundanztrinken sei mir mit zunehmendem Alter bitte gestattet.
Nicht neu, aber immer wieder ein kleines Fest.
 
Aber es sollte ja noch einen süßen Abschluss geben…..
 
 
 
| Dessert |
 
Hausgemachtes Tiramisu – 4,90€

Tiramisu
Dieses Dessert sollte den letzten Freitag mehr als nur wieder wettmachen. Alleine schon, dass es als Tellerdessert ausgeführt war und kein auf dem Blech abgetrennter Quader ließ mich erstaunt die Augenbrauen heben beim Öffnen der Schachtel.
 
Ich finde das trug schon optisch die Handschrift wenn auch rustikaler Patisserie, die Sahne-Creme gehört mit zum Besten, das ich in dieser Hinsicht abseits von Ausnahme-Italienern je kosten durfte.
 
Es hätte das perfekte Dessert sein können, es hatte leider nur zwei Probleme:
 
1.       Mir leider viel zu süß und weil
2.       die Löffelbiscuits nur kaum in bitteren Espresso getunkt wurden, fehlte daher die Balance von süß und bitter, die das Gericht ja ausmacht leider in großen Teilen, auch war kein Amaretto o.ä. zu vernehmen
 
Aber das ist ja sicher immer auch subjektiv, ich kenne die ein oder andere süßzahnige Dame, die für dieses Dessert – wenn der kleine Hunger am späten Abend kommt – ohne jegliches Zögern einen eigenhändigen, grausamen Axtmord am Gatten in Erwägung ziehen würde.
 
Und so wurde es von „meiner“ Dame auch in höchsten Tönen gelobt, frau gab mir aber großzügig Recht in Sachen Espresso.
 
An die sicher verlässlich empörte Fraktion der „In-Season-Ultras: Ja, Erdbeeren haben keine Saison, messerscharf beobachtet! Aber ich freute mich trotzdem darüber und sie sollten sogar recht gut schmecken, da schau her.
 
 
 
Nach dem Essen erwog ich kurz in Zukunft an den Dachbalken im Wohnzimmer eine Laufkatze zu installieren, mit deren Hilfe ich mich zukünftig vom Esstisch hieven könnte, schaffte es aber mit letzter Kraft aufs Sofa – a now juicy soul met an almost bursting tummy… :-)
 
 
 
Fazit
 
Viel habe ich schon geschrieben, die angesprochene Kritik ist in diesem Falle eher als Verbesserungsvorschlag bzw. ehrliche Schilderung meiner Eindrücke gemeint und nicht als immens abzuwertende Kritik an den Speisen. 4,5 Sterne für gutes Handwerk, schöne Produkte, viel Motivation und Herzblut. Wer angesichts meiner Eindrücke einen halben Sympathiepunkt findet darf ihn gerne behalten und mir sagen, wo ich in der Gegend diese Küche in besser erhalte.
 
Den Service so wie erlebt, sei es am Telefon oder die unfassbar pünktliche Lieferung kann man nicht besser absolvieren, vielleicht in Zukunft das Thema „kalt und warm“ bei der Platte mal besprechen, führt heute aber zu keinem Abzug: 5 Sterne
 
Beim Preisleistungsverhältnis bin ich ebenfalls bei 5 Sternen. Warum? Ganz einfach weil ein 300 Gramm Ribeye dieser Qualität in einem seriösen Steakhaus alleine schon um die 30 Euro kostet, den Rest kann man sich ausrechnen.
 
Daher auch in Summe haarscharfe 5 Sterne, ich freue mich auf viele zukünftige Essen dort vor Ort wenn es sich endlich wieder einrichten lässt!
 
 
 
P.S.
Ein letzter kleiner Tipp an das Restaurant: Im Sommer vielleicht man an ein Cajun style Seafood Boil als Event denken, das wäre sicher für viele ein Erlebnis. Russ Jones hat mit seinem YT Kanal Smoky Ribs BBQ hier ein paar schöne Videos auf Lager: https://youtu.be/ckCHYl0mt1Q

P.P.S.
Heute hat sich einer der Musiker von "The Juicy Souls" bei mir gemeldet, nach der hiesigen Soul Band, die sich dem Motown Sound verschrieben hat, wurde die Juicy Souls Platte benannt und er meinte, ein kleiner Verweis darauf wäre eine schöne Ergänzung: https://www.facebook.com/The-Juicy-Souls-130110683709231


 

 
 
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
keine Wertung
Essen
Ambiente
keine Wertung
Preis/Leistung


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