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GastroGuide-User: Carsten1972
hat Ristorante Locoselli in 48565 Steinfurt bewertet.
vor 2 Wochen
"Neustart auch in Steinfurt"

Geschrieben am 18.05.2020 | Aktualisiert am 18.05.2020
Besucht am 17.05.2020 Besuchszeit: Mittagessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 117 EUR
So langsam kommt in NRW, dem Münsterland und auch im heimischen Kreis Steinfurt das gastronomische Leben wieder in Gang. Seit einer Woche dürfen die Restaurants im größten Bundesland wieder öffnen und Zug um Zug kehre ich wieder zurück in die Restaurants, die ich vor dem Lockdown auch regelmäßig besucht habe. Bisher ist kein Betrieb dem Virus zum Opfer gefallen, bei dem ich das wirklich bedauern würde. Wollen wir hoffen, dass es so bleibt!

Sonntag waren wir in Steinfurt, im Zuge einer ausgedehnten sonntäglichen Radtour. Und wenn es über Steinfurt geht, dann kehren wir gern in der gräflichen Mühle am Steinfurter Schloss ein. Die fürstliche Familie verpachtet das wunderschön renovierte Mühlengebäude seit knapp drei Jahren an Antonio Locoselli, der in dem Restaurant sehr erfolgreich gehobene italienische Küche etabliert hat. Und auch wir gehören seit dem Start zu den regelmäßigen Kunden bei Antonio Lococselli. Sehr schätzen wir dabei die durchgehende Küche am Sonntag von Mittag bis zum Abend. So kann man die Tour nach Steinfurt per Rad freier planen und so einkehren, wie es am besten passt.

Ganz frei einkehren geht ja zur Zeit nicht, so hatten wir uns per Reservierung für 15 Uhr angekündigt und waren ziemlich pünktlich zur angegebenen Zeit vor der Tür des Locoselli, wo wir die "Fietsen" parkten und in Gastraum eintraten. Vor der inneren Tür das Desinfektionsmittel, Maske auf, eintreten, Antonios Frau begrüßte uns und lies uns frei Platzwahl im eh schon sehr luftig aufgeteilten Gastraum, viel Kapazität hat das Locoselli nicht opfern müssen. Außer meiner Frau und mir noch eine etwas größere Familie an einem der beiden größeren Tische, dass war es. 

Maske wieder runter und die Karte wurde gereicht, sie passt zur Zeit auf eine DIN A4 Seite. Bitte das Bild anklicken, es ist im Hochformat fotografiert.

Meine Vermutung, dass die kompakter als früher gestaltete Karte dem ungewissen Neustart geschuldet sei, wurde von Antonio im persönlichen Gespräch korrigiert. Das alte Konzept einer recht großen festen Karte, ergänzt durch Tagesangebote hat er nun, nach langem überlegen während der Teilschließung eingestampft. Die Kühltruhe ist verkauft, er hat nur 4 Kühlschränke, Fleisch, Fisch, Gemüse und Rest, die Karte bleibt ab sofort klein und wird je nach Angebot in kurzen Abständen verändert. Dass er dafür die sofortige und uneingeschränkte Zustimmung meiner Frau und mir bekommen würde, ist klar! 

Eine Flasche Wasser und ein von Antonio empfohlener Wein aus der Basilikata wurden serviert. Leider weiß ich weder Rebsorte noch Winzer noch. 

Aber der Wein, für den 27 EUR aufgerufen wurden, gefiel und war ein guter Begleiter zu den von uns gewählten Speisen. Wie immer zum Wein hausgebackenes Brot mit einer Olivencreme.

Antonio hatte Rindfleisch empfohlen, aber uns Beiden stand der Sinn nach Fisch und so wurde auch bestellt. 

Die Küche begrüßte uns mit einem italienischen Klassiker, der zur Jahreszeit passte. Ein Spargelrisotto kam an den Tisch.

Zum Spargel war eine Mortadella mit verarbeitet worden. Die hatte ich noch nie in einem Risotto serviert bekommen, schmeckte aber gut. Auch die Konsistenz des Risotto war über jeden Zweifel erhaben, die Nachfrage ergab, dass Antonio sämtliche Risotti mit Vialone Nano kocht. 

Meine Frau begann mit einem Thunfisch Tatar. Auch hier bitte auf das Foto klicken für den vollen Durchblick, es ist auch im Hochformat.

Zwiebel, Honig, Apfel Sphäre, schwarze Oliven Crumble hatte die Karte verkündet. Sphäre und Crumble haben ihren Hintergrund in den Jahren, als Antonio sich sehr der Molekularküche zugewandt hatte. Das waren dann manchmal sehr abgefahrene Farb- und Konsistenzempfindungen. Aber in der letzten Zeit ist das etwas zurück gegangen und mit der Hinwendung auf ein sehr zeitlich begrenztes Angebot geht das noch ein bisschen weiter zurück. Mit Zustimmung meiner Frau wurde das Gericht etwas abgewandelt. Gurke, Avocado und schwarze, fermentierte Oliven waren jetzt Bestandteile des Tatar neben dem Fisch. Wenn man sich immer noch fragt, was man in der Restaurantfreien Zeit vermisst hat, dann sieht man es in jedem Bild, dass die Gerichte von Antonio zeigt.  Kreative Gerichte, die mit Liebe zubereitet und serviert werden (so gut ich koche, dass bekomme ich nicht hin). Für mich gab es vorab Ziegenkäse.

gratiniert, serviert auf einem Mandel Pancake. Kaviar, aber kein herkömmlicher, sondern das war was Molekulares, Avocado und grüner Spargel spannten die Aromen von süß-nussig beim Pancake, über salzig beim Kaviar, Röstaromen durch das gratinieren hin zu fettig-schlotzig bei der Avocado. Diese Vorspeise wäre auch sehr schönes Dessert gewesen, lecker und sehr ungewöhnlich.

Beim Hauptgang gab es für Beide Fisch, wie verkündet. Antonio hatte Steinbutt bekommen und natürlich empfohlen, der war die Wahl meiner Frau. 

Die Filets waren als Involtini zubereitet, serviert auf einem Auberginenmus, und begleitet von einer Hummer-Orangen-Sauce. Diese äußerst schmackhafte Kombination, ich durfte probieren, wurde vollendet von Cime di Rapa, also der Wildform von Broccoli. Toller Teller, Hut ab! Frau säuberte den Teller mit nachgelieferten Brot, es wäre keine Sauce für den Saucenhelden aus HB geblieben. Ich hatte mich im Hauptgang für Thunfisch entschieden und das Glück, dass die letzte Portion an mich ging, ein draußen speisender Gast, der nach mir bestellte, musste sich um entscheiden. Das ist die Gefahr der kleinen, ausschließlich frisch gekochten Karte........egal, wäre es mir so ergangen, ich hätte viele Alternativen auf der Karte gefunden.

Unten auf dem Teller ein Bottarga-Risotto zum niederknien, wäre der Thun aus gewesen, nur diese Risotto hätte mich glücklich gemacht. Der gesalzene und getrocknete Rogen der Meeräsche ist ein unglaubliches Gewürz für alle Reis und Pasta Gerichte. Dazu noch ein bisschen bissfest gebratener Spargel, weiß und grün, und der in Sesam gehüllte Thun, nur minimal (äußerst englisch) angebraten. Frau und Herr Carsten1972 waren äußerst glücklich mit den beiden Gängen und dem Küchengruß. Satt waren wir auch, und ein Espresso sollte das Mahl abschließen. 

Antonio ließ uns aber nicht vom Haken und spendierte uns soeben in der Küche frisch zubereitete Windbeutel dazu.

Gefüllt mit einer Vanillecreme waren die und überzogen mit einem Butterkaramell, dass gut dazu passte. Zum "Perfekt" fehlte mir persönlich eine Salznote im Karamell, aber das ist eine sehr persönliche Vorliebe. Nachdem wir uns das geteilt hatten, berichtete Antonio noch aus den vergangenen Wochen. Zu seinem Glück hat sich die fürstliche Familie gegenüber ausführlich von ihm beliefern lassen, und auch ein Pizza und Pasta take away hat sehr geholfen, die Schließung zu überstehen. Zitat Antonio "ich mache die nächsten 10 Jahre keine Pizza mehr!".

Somit bleibt es dabei, eine der besten italienischen Küchen im Münsterland gibt es in Steinfurt und weiterhin fahren Frau und Herr Carsten1972 mit dem Fahrrad in den Ort, erst den Kreislehrgarten besuchen und dann in die Mühle für ein gutes Essen!
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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