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GastroGuide-User: tischnotizen
hat Setzkasten · Gourmetrestaurant im Crown in 40212 Düsseldorf bewertet.
vor 2 Monaten
"Lockdown Stories: Wer mit Essen spielt..."

Geschrieben am 01.03.2021
Besucht am 18.02.2021 Besuchszeit: Abendessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 116 EUR
...hat im Zweifelsfall mehr Spaß!

Im vergangenen Jahr gehörte das Menü im „Setzkasten“ zu den ohne Frage originellsten Menüs, die wir genießen konnten. Was Anton Pahl und sein Team im Untergeschoss des riesigen Edeka Zurheide-Marktes in Düsseldorf auf die Teller bringt, strotzt vor kreativen und witzigen Ideen. Da man in diesem Feinkost-Paradies Zugriff auf die besten Produkte hat, besticht auch die Qualität und so ist es kein Wunder, dass es der Fleischgang mit einem denkwürdigen Katana-Beef und einer ebenso begeisternden Zwiebelvariation in meine persönliche Jahres-Best Of-Liste schaffte.
 
Für die Lockdown-Zeit hat man sich ein besonderes Angebot ausgedacht. Die „Setzkasten Genuss Box“ beinhaltet 16 Gänge und Kleinigkeiten zum Teilen, die bereits fertig zubereitet sind. In umweltfreundlichen, ordentlich numerierten Pappbechern mit kompostierbaren Deckeln sind die Gerichte bereits angerichtet. Was erwärmt werden muss, kommt einheitlich bei 160° für 5 Minuten in den Backofen. Sehr viel einfacher geht es wohl nicht.

Die Box 
 
Zum sehr guten Weißbrot gibt es zum einen aufgeschlagene Nussbutter, die mit zweierlei Öl kommt, das wir bereits im Restaurant klasse fanden und zum anderen eine Wasabicreme, die uns noch besser gefällt. Sie hat guten Wumms und bekommt mit Sesamöl eine feine nussige Note.
 
Brot & Aufstrich
Aufgeschlagene Nussbutter 
Wasabiblatt Creme 
 
Von fabelhafter Qualität ist der schottische Lachs, der optisch auffällig in einer schwarzen Creme auf Basis von Lauchasche kommt. Das klingt wilder als es ist, denn die Creme ist sehr aromatisch. Die Erbsencreme hat eine markante Note von Zitronenmelisse oder Zitronengras. Ein nicht nur visuell, sondern auch geschmacklich spannender Gang.

Schwarzer Schotte 
 
Hübsch präsentieren sich auch die Kimchi Bon Bons, bei denen würziger, leicht scharfer Kimchi in hauchdünne Scheiben von schwarzem Rettich gearbeitet ist.
 
Kimchi Bon Bon
 
Der Skrei ist auf den Punkt gegart, bleibt aber auch im Zusammenspiel mit der Safransauce recht mild. Obenauf eine Nocke, die wir nicht komplett identifizieren, aber für feinst geschnittenen und ebenfalls mit Safran gegarten Weißkohl halten. Wir mögen falsch liegen, aber schmecken tut es allemal.

Skrei & Safran 
 
Zur Box mitgeliefert wird eine Tüte mit „Knusper-Zirkus“. Hier handelt es sich um gepufften und gewürzten Reis, der auf drei Gerichte als Crunch gegeben werden kann. Bei der Jakobsmuschel auf cremigen Limonenlinsen ergibt sich hier das erste Mal Gelegenheit. Da es dazu ohnehin schon einen mit Kürbiscreme gefüllten Kürbisravioli gibt, hätte es das eigentlich gar nicht unbedingt gebraucht. Denn der Gang ist auch so ungemein süffig und abwechslungsreich. Aber mit dem Crunch eben auch um noch eine Nuance leckerer.
 
Jakobsmuschel & Limonenlinsen
 
Nicht weniger köstlich das Sashimi vom Thunfisch in einer würzigen Sauce. Der grüne Kaviar ist zwar nicht näher zu identifizieren, macht sich aber als Hingucker gut. Erneut besticht hier die Produktqualität und die fein austarierte asiatische Einfassung.
 
Sashimi vom Thunfisch mit pikanter Tigersauce und aromatisiertem Sesam
  
Sehr originell die gehobelte Garnele, die ich in dieser Form noch nicht gegessen habe. Dazu gibt es ein kleines Püree und eine intensive Krustentiersauce. Wir machen noch Macadamia unter der Garnele aus und sind erneut verblüfft und sehr angetan.
 
Gehobelte Garnele
 
In der Reihenfolge der Menükarte folgen jetzt gerollte Steine mit der ominösen Anleitung, dass man den QR-Code scannen möge. Macht man das und öffnet die sich dahinter befindliche Internetseite, kann man sich ein Grinsen nicht verkneifen. Wer mag, kann es selbst ausprobieren, aber das ist genau die Art Humor, die sich hier häufig durch die Gänge und Bezeichnungen der Gerichte zieht.
Wir probieren einen der gerollten Steine, stellen fest, dass sie ziemlich süß sind und besser ans Ende des Menüs passen.
 
Gerollte Steine
 
Weiter geht es mit den zwei Fleischgängen. Die Nocke aus Kalbfleisch mit Spinat ist fein abgeschmeckt und hier macht der Crunch aus dem Knusper-Zirkus tatsächlich auch Sinn.
 
Kalbsnocke & Spinat

Sehr schön auch die zart gegrillten Scheiben vom Short Rib mit Süßkartoffelpüree und einer auf aromatischen Tomaten basierten Sauce. Keine Überraschung, dass uns auch hier das ausgezeichnete Fleisch besonders gut gefällt.
 
BBQ Short Rib & Süßkartoffel
 
Obwohl die Portionen relativ klein wirken, sind wir zu diesem Zeitpunkt bereits gut gesättigt. Und man darf sich nicht täuschen, wie viel das Aufwischen der leckeren Saucen mit dem ebenso leckeren Brot ausmachen kann. Mit den Mengen verschätzt man sich ohnehin.
Aber wir sind noch nicht am Ende, denn Anton Pahl und sein Team bauen auch einen Käsegang in das Menü.
Im Backofen erwärmt wird die Creme vom Époisse und dazu das als „Chauvinist“ benannte Brandteiggebäck. Der Chili in der Käsecreme ist zwar nur dezent wahrnehmbar. Dafür unterstützen kleine Schinkenwürfel den würzigen Charakter. Ein echtes Vergnügen.
 
Époisses Chili Cheese & Chauvinist
 
Bei den Süßspeisen wird es, ganz in „Setzkasten“-Art, noch mal verspielt. Die Cornflakes Milch kommt in leichter Panna Cotta Art. Das Lego-Männchen, das wir von unserem letzten Besuch bereits in der herzhaften Ausführung als Beilage zum Fisch kennen, ist diesmal eine Art Schokoladenpudding. Unkompliziert und einfach lecker.
 
Cornflakes Milch
 
Den optisch witzigen Schlusspunkt setzt der Buddha aus Creme von Galgant. Das ist angenehm süßlich, aber mit einer ungewohnten Note, ebenso wie auch die Himbeersauce zusätzlich aromatisiert ist und zum Nachschmecken einlädt. Ein tolles Dessert, das einfach viel Spaß macht.
 
Galgant Buddha & Himbeere
 
Aber ganz zu Ende ist das Vergnügen doch noch nicht, denn die mit leichter Olivenölmousse gefüllte falsche Olive ist als kühles Petit Four ja auch noch da.
 
Falsche Olive by Jordan Olivenöl
 
Wow! Was für ein Kreativritt! Anton Pahl hat mit der Genuss Box ein Format kreiert, in dem er seinen überbordenden Ideen freien Lauf lassen kann und mit originellen Gerichten, besten Produkten und feinstem Handwerk eine echte Wundertüte auf den heimischen Tisch zaubert.
 
Wir haben ja über die vergangenen Monate und auch bereits im ersten Lockdown zahlreiche Take Away-Menüs wahrgenommen und nicht einmal einen Durchhänger erlebt. So faszinierend es ist, wie unterschiedlich die Angebote konzipiert sind, so spannend ist es jedes Mal auch, was einen letztlich auf dem Teller erwartet. Anton Pahl ist mit seinem Menü ganz weit vorne dabei. So viel Abwechslung bei gleichzeitig hohem Genuss- und Spaßfaktor haben wir selten erlebt. Der Preis von 116 Euro für 2 Personen nimmt sich da nahezu bescheiden aus.
 
Ich wünsche mir so sehr, dass die Restaurants endlich wieder öffnen dürfen. Aber sollte dies auch im März noch nicht möglich sein, werden wir gerne auch dann für das monatlich wechselnde Menü wieder nach Düsseldorf fahren.
 

#supportyourlocalrestaurants

Bericht wie immer auch auf meinem Blog: http://tischnotizen.de/setzkasten-duesseldorf-2/
DETAILBEWERTUNG
Service
keine Wertung
Sauberkeit
keine Wertung
Essen
Ambiente
keine Wertung
Preis/Leistung


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