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GastroGuide-User: marcO74
hat Monkey King in 76133 Karlsruhe bewertet.
vor 4 Monaten
"Wer sich weder vom Namen noch vom Schnellimbiss-Interieur abschrecken lässt, den erwarten hier die derzeit besten Dumplings von ganz Karlsruhe"

Geschrieben am 23.08.2019 | Aktualisiert am 23.08.2019
Besucht am 26.06.2019 Besuchszeit: Mittagessen 2 Personen Rechnungsbetrag: 36 EUR
Es geschah am hellichten Tag. Genauer gesagt an einem heißen Mittwochnachmittag. Die hohen Temperaturen hatten aus unserer Wohnung einen Schwitzkasten werden lassen. Der einzige verfügbare Ventilator im Haus war defekt, also wurde ich tätig. Ein Spontanbesuch in einem großen Kaufhaus für Elektroartikel sollte Abhilfe schaffen.
 
Dieses befand sich in der Karlsruher City. Nach dem eher glücklichen Erstehen des vorletzten Exemplares – es war ein leicht überteuertes Standgerät – musste der „Erfolg“ in Sachen zukünftiger Luftzirkulation mit einer mindestens genauso spontanen Einkehr kulinarisch unterfüttert werden.
 
Das Monkey King war mir schon ein paar Wochen zuvor aufgefallen. Meinen Recherchen nach muss es Ende 2018 eröffnet worden sein. Das Lokal liegt direkt an der Kaiserstraße, einer lebhaften Fußgängerzone, die einem zwar den Glauben an den Einzelhandel zurückgibt, aber ansonsten wenig Anziehungskraft ausübt.
 
Die anfängliche Sorge, es handele sich um den neuesten Laden für Handmade Premium Burger, war unbegründet. Zwar befand sich neben dem etwas überdimensioniert anmutenden Namensschild der Hinweis auf Burger und Salate im Homestyle, aber bei genauerem Hinsehen entdeckte ich an der Glasfront am Eingang des Restaurants ein paar dilettantisch ausgedruckte Speisehinweise, die mein Interesse weckten. Teilweise in chinesischer Schrift, teilweise in deutscher Übersetzung wurden unter anderem chinesische Teigtaschen (Dim Sum) und gefüllte China-Dampfnudeln (Baozi) angepriesen.
 
Mein Blick scannte den etwas kitschig eingerichteten Gastraum ab. Ein paar Chinesen saßen an funktionalen Tischen mit heller Holzplatte und ließen sich Nudelsuppe und Dumplings schmecken. Dazwischen ein paar Plastikbäume, an denen sich ein paar weiße Kunststoff-Affen mit Glühbirne in der Hand zu schaffen machten. Ich gebe zu, eine abgefahrenere Beleuchtungsidee ist mir selten untergekommen. Die zylinderförmigen Hängeleuchten aus der Retro-Schmiede, die wie Lampions von der Decke baumelten, waren dagegen fast schon langweiliger Mainstream.
 
Ich setzte mich an einen freien Tisch unweit der Bestelltheke. Denn gleich auf der ersten Seite der in einem Klemmbrett steckenden Speisenkarte wurde unmissverständlich auf den hier vorherrschenden „Self Service“ hingewiesen. Also ja nicht zu weit weg vom Ort des Orderns. Ich blätterte mich durch das Angebot an Asia-Gerichten und wurde auf ein paar Schiefertafeln, die neben der Kasse an der Wand hingen, aufmerksam. Auch hier hätten mir ein paar Semester Gastrochinesisch sicher weitergeholfen. Gut, dass die Speisen auch in deutscher Sprache nachlesbar waren.
 
Wan Tan in scharfer Soße, in Bier gekochtes Entenfleisch mit Kartoffeln und Karotten, chinesische Crêpes mit unterschiedlichen Füllungen, geschmorter Schweinebauch und Hähnchenkeule mit Teriyaki-Sauce und Gemüse entzifferte ich bei genauerer Inspektion der Empfehlungstafeln. Ich war jedoch in freudiger Teigtaschen-Erwartung – „Dim-Sum-Laune“ wie der Sinologe meines Vertrauens zu sagen pflegt. Die gab es im Monkey King in drei verschiedenen Ausführungen. Ich entschied mich für 12 mit Schweinefleisch, Garnelen, Shitake Pilzen, Chinakohl, Lauchzwiebeln und Ingwer gefüllte Dumplings, die mit 8,50 Euro auf der Klemmbrett-Standardkarte standen.
 
Die sehr aufmerksame Dame an der Kasse bemerkte mein Interesse für die gefüllten Hefeklöße, die gerade im Hintergrund frisch zubereitet wurden. Sie ließ mir bei meiner Dim-Sum-Bestellung noch ein kleines Werbegeschenk in Form eines einzelnen Baozi zukommen. Eine wirklich nette Geste, die zwei Wochen später beim Folgebesuch mit meinem Vater zur Bestellung der fluffigen China-Dampfnudeln führte.
Ein großes Manko im Monkey ist die Getränkeversorgung. Die hat nämlich Schnellimbiss-Charakter. Für jeweils 3 Euro nimmt man sich aus einem Kühlschrank sein Mineralwasser bzw. seine Limo (Alkohol gibt es nicht!) und trinkt das dann aus der erworbenen Plastikflasche. Mit Gläsern hat man es hier nicht so. Das ist nicht besonders stilvoll und wäre meines Erachtens auch ein Punkt, den man ändern sollte.
 
Sowohl das mit leicht süßlich abgeschmeckter Fleisch-Gemüsefüllung ausgestattete Baozi, als auch meine gedämpften Teigtaschen übertrafen meine Erwartungen. „Ich summe, also dim ich!“ soll mal ein bekannter Teigtaschendieb aus Shanghai gesagt haben. Als ich das erste „Asia-Mauldäschle“ zwischen die Stäbchen geklemmt und es danach mit ein wenig würziger Soja-Tunke genossen hatte, wusste ich, was er damit meinte.
 
Ich habe vor zwei Jahren während eines Kanada-Trips in Toronto ähnlich delikate Dumplings vorgesetzt bekommen. Auch letztes Jahr im „Lecker Song“ in Berlin war ich begeistert. Dass ich aber ausgerechnet auf der Karlsruher Konsummeile ein kulinarisches Aha-Erlebnis mit diesen kleinen China-Snacks haben würde, hätte ich nicht für möglich gehalten. „Don’t judge a book by its cover“ oder „Lass dich ja nicht von Leuchtreklame abschrecken“ – hier passte das wie der Aufsatz auf den Bambusdämpfer!     
 
Ich schaute mir die Füllungen der Dämpflinge genau an. Jede fiel ein wenig anders. Da mal etwas mehr Shitake Pilze, da mal ein Garnelenstück. Das war definitiv keine aufgetaute TK-Ware. Zweifellos waren die kleinen Teigteilchen selbst gemacht, was sich bei meinem dritten Besuch (vor etwa einer Woche) mit der Aussage „Nr. 34 ist im Moment leider ausgegangen, wird aber gerade wieder frisch zubereitet und dauert deshalb ein bisschen…“ bestätigte.
 
Beim Folgebesuch musste mein Vater mit. Auch er ist ein Freund des gefüllten Asia-Täschchens und weiß ein gutes Baozi von einem durchschnittlichen Shaomai zu unterscheiden. Da wagten wir uns an die Wan Tan in scharfer Soße (9,90 Euro), die mit kurz gewoktem Pak Choi, Frühlingszwiebeln und reichlich frischem Koriander in einer Schüssel serviert wurden. Knackige Frische traf auf aromatische Schärfe. Keine sinnlose Brachialwürze für Sambalzombies, sondern eher eine die Geschmacksnerven stimulierende, mit der richtigen Chilidosis ausgestattete Tunke benetzte die gefüllten Miniaturen. Wir waren von diesem großzügig portionierten Hauptgang begeistert.
 
Außerdem probierten wir die mit reichlich heißer Brühe vollgesogenen Mini-Dumplings (6 Stück für 7,90 Euro), die mit Schweinehack, Ingwer und Lauchzwiebeln gefüllt waren und bei denen wir mit Vorsicht zu Werke gehen mussten, da wir uns sonst den Gaumen verbrüht hätten.  
 
Klar kann man im Monkey King auch Burger mit Pommes essen. Und eigentlich setzte man anfänglich voll auf ein asiatisch angehauchtes Bulettenkonzept, wie mir ein aufgeschlossener Servicemitarbeiter im Gespräch verriet. Aber die angebotenen Dumplings und vor allem die Nudelsuppen liefen den asiatisch aufgemotzten Patties schnell den Rang ab.
 
Kein Wunder, kann sich doch die überwiegend chinesische Klientel an geschmorten Schweineohren, Hühnermägen oder Rinderpansen (auch als Toppings gegen einen geringen Aufpreis erhältlich) erfreuen. Asia-Läden, die eine solche Heimatküche bereithalten, sind in Karlsruhe und Umgebung rar gesät. Die Community aus dem fernen Osten dankt es dem „Affenkönig“ mit ihrer treuen Präsenz.
 
Die letzte Einkehr erfolgte vor gut einer Woche. Eine Radtour nach Karlsruhe endete im badischen Sommerregen. Anstatt den Lichtspielen im Schlosspark genossen wir Baozi, Teriyaki-Hähnchen mit fermentiertem Gemüse, Reis und Spiegelei (9,90 Euro) sowie gebratene Reisnudeln mit Rindfleischstreifen (10,90 Euro). Allein die selbstgemachte Teriyaki-Sauce, welche die saftige, in Stücke geschnittene Hähnchenkeule veredelte, machte das schlichte Schüsselgericht zu einem delikaten Umami-Erlebnis.
 
Bei meiner Nudelpfanne wurde auch nicht am Gemüse gespart. Frische Zwiebeln, Karotten und Sojasprossen tummelten sich neben Rindfleischstreifen, die auch ohne Weichmacher bestens auskamen. Nur gut, dass die inflationär verwendeten Peperoni-Stücke vom Schärfegrad her eher im unteren Scoville-Bereich angesiedelt waren. Vor dem auftretenden Rachenfeuer hatte mich nämlich schon die „Goreng-Göre“ beim Bestellvorgang gewarnt. Woraufhin ich um etwas mildere Würzung bat.
 
Klar naschten wir auch von den China-Crêpes, die mit verschiedenen Füllungen angeboten wurden. Den zusammengeklappten, im Omelette-Stil zubereiteten Pfannkuchen aus Reismehlteig, kleingehackten Frühlingszwiebeln und Ei (4,90 Euro in der Basis-Ausstattung) ließen wir uns mit geschmolzenem Käse (1 Euro extra) schmecken. Das süße Finale läuteten fünf frittierte, mit roter Bohnenpaste gefüllte Sesambällchen (3,90 Euro) ein. Diese hatte man auf einem Saucenspiegel aus gesüßter Kondensmilch platziert. Ein crunchig-mürber Abschluss, der von uns anstelle des leider ausgegangen Seidentofupuddings ruckzuck verputzt wurde.  
 
Insgesamt handelt es sich beim Monkey King um eine wohlgewokte bzw. -gedämpfte Chinaküche abseits des süß-sauren Pfuschpfades. Auch die Rechnung entpuppt sich hier nicht zum berappenden Preis-Leistungs-Verhängnis. Wenn schon Asia-Imbiss, dann bitteschön so. Das Suffsortiment aus Plastik, die Bestellung an der Theke und das kitschige Interieur nehme ich bei diesem neuen „Tischlein-entdeck-mich“ gerne in Kauf. Dr. Dumpling empfiehlt: hingehen und durchprobieren!
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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