Zurück zu Restaurant Das Palais im Hotel Taschenbergpalais Kempinski
GastroGuide-User: DerBorgfelder
DerBorgfelder hat Restaurant Das Palais im Hotel Taschenbergpalais Kempinski in 01067 Dresden bewertet.
vor 1 Monat
"Deutlich verbessert mit Luft nach oben"
Verifiziert

Geschrieben am 09.05.2024 | Aktualisiert am 11.05.2024
Besucht am 14.04.2024 Besuchszeit: Abendessen 1 Personen Rechnungsbetrag: 94 EUR
War mein Erstbesuch am Dresdner Jüdenhof noch von vielen Kinderkrankheiten begleitet, zeigte die schnelle Wiederholung nach der Eröffnung des Grandhotels im Taschenbergpalais eine wieder  in die Spur gekommene Mannschaft. Für das, was das Palais sein soll - gehobenes Bistro für Hotelgäste und sonstige Kundschaft, die sich nicht an leicht erhöhten Preisen stört - wurden die Erwartungen erfüllt.

Ich wollte mal sehen, wie die renovierten Räumlichkeiten des Kempinski strahlten und wählte daher den Hoteleingang von der Straße Taschenbergpalais auf der Rückseite des Stadtschlosses. 

Und wurde prompt ausgebremst, denn noch immer sind nicht alle Bauarbeiten abgeschlossen. „Sie ist halt ein alte Dame, unser Palais, und hält so manche Überraschung bereit.“ Hübsch ausgedrückt. Der schnieke Herr an der Rezeption meinte zwar, dass es einen Weg gebe, aber der sei nicht offiziell und wollte mich wieder nach draußen und zurück zum Seiteneingang schicken. „Inoffizieller Weg“, das klang doch spannend und nach ein wenig Insistieren begleitete mich ein Portier freundlich durch zugegeben etwas verschlungene Pfade. Das war schon mal ein professioneller Service. 

Dabei blieb es auch den Abend über. Die weibliche Fachkraft hatte mit drei Auszubildenden das fast ausgebuchte Restaurant voll im Griff. Was kein wirkliches Kunststück war, denn außer mir gab es nur eine große holländische Gruppe, die ein einheitliches Menü bekamen. Von den noch freien Tischen hatte ich die Wahl und wurde noch gefragt, ob es mir wirklich nicht zu laut wäre. Wurde es nicht, es ging gesittet zu. Außerdem mag ich die Sprache.
Auch ansonsten klappte der Service sehr gut. Die jungen Damen punkteten mit Freundlichkeit; ihre Ausbilderin mit Übersicht und Professionalität. Bei einem Wein waren wir unterschiedlicher Meinung über die richtige Auszeichnung, aber das wurde gastorientiert gelöst. Ich bekam einen anderen und hätte auch noch auf einen weiteren wechseln dürfen, ohne Mehrkosten. Letztlich wurde es der Hauswein, eine Pfälzer Burgundercuvée, die halbe Flasche für 14,5€. Insgesamt hatte ich nie den Eindruck, vergessen worden zu sein. Und erst recht nicht, den Ablauf zu stören. Das natürlich nicht;)

Von der überraschend gut sortierten Aperitif-Karte sprach mich ein Bee's Knees an (11€). Der ist selten. Und war "gut" gemixt, soll heißen, man hatte nicht mit Gin gespart.


Das Speisenangebot enthält überwiegend Klassiker mit kreativem Anspruch auf französischer Basis. Es lockte eine frei auszuwählende Viergang-Offerte für 69€, was für Preisfüchse überaus lohnend ist, denn die Einzelpositionen summieren sich je nach Geschmack auf über 100€. Wenn es stimmt, dass selbst für das Rinderfilet kein Aufschlag fällig ist, sogar fast 120€. Ich könnte mir vorstellen, dass es sich hier noch um ein „Eröffnungsangebot“ handelte; inzwischen werden 75€ aufgerufen - immer noch sehr günstig. 
Mir stand der Sinn mal wieder(überwiegend) nach Fisch und Meeresfrüchten.

Die junge Service-Damen sagte derweil tatsächlich alle Bestandteile des Amuse auf dem Probierlöffel vollständig an: Aubergine-Madeira-Creme, grüner Spargel, Ingwer-Ru -Mousse. Hörte sich „weicher“ an als es war, denn das Frühlingsgemüse hatte einen schönen Biss. 
Eine gute Kombination aus säuerlichen, „grünen“ und pikanten Noten. Lecker. 

Was auch für den „molligen“ Walnuss-Frischkäse-Dip galt, der zu zweierlei, leider weichem Baguette gereicht wurde. 


Als Vorspeise eine schöne kleine Flußkrebs-Galantine. Ich erwartete zwar etwas gefülltes, aber die recht unauffällige Krustentiermousse auf lockerem Biskuit war fein gearbeitet und die Schwänze in einem angenehm säuerlichen Gelee machten sich geschmacklich durchaus bemerkbar. Die gemischten Gemüse-Brunoise waren genau richtig für etwas Textur. Dazu eine angenehm leichte, scharfe Limetten-Ingwer-Mayo, und die Garnitur aus Spitzen von Rucola und Frisee sowie Sprossen ergab einen schönen, würzig-pikanten Gegenspieler. Tellermalerei und Korallenchip sind vielleicht etwas aus der Zeit gefallen, aber das tat dem Genuss ja keinen Abbruch.




Als zweiter Gang Bouillabaisse nach „Marseiller Art“. Eine unglücklich gewählte Bezeichnung: Fischsuppe nach Art einer Bouillabaisse hätte es zwar auch nicht richtig, aber immerhin besser beschrieben.
Was es nicht gab: 
Fisch und Suppe in zwei Gängen. Typische Mittelmeerfische. Sauce Rouille.
Was es stattdessen gab:
Ein Fonds von u.a. Steinbutt-Karkassen mit Streifen von Karotte und Sellerie, der leider mehr nach Salz und Tomate schmeckte als nach Fisch. Fenchel und Noilly Prat für meinen Geschmacksinn nicht erkennbar. Begeisternd geht anders.
Als Einlage: Garnelen. Lachs in mittelgroßen Würfeln, etwas trocken geraten. Schließlich Seelachs, sogar saftiger. Reichhaltig war‘s.
Zur Begleitung eben keine Rouille, (Bin da übrigens Team Kartoffel. Das ist zwar kein Muss, aber halt eine andere Konsistenz.) sondern schlicht eine angenehm frische Aioli, der es neben der namensgebenden Farbe sogar an Knoblauch fehlte.
Schließlich eine Scheibe Röstbrot aus der Pfanne, in neutralem Fett gebacken. Knusprig, aber trotz Kräutern geschmacklos.




Was unter dem Strich bleibt:
Ein höchstens mittelmäßiger Gang. Gewollt, aber nicht gekonnt. 

Der Zwischengang besänftigte mich:
Eine wirklich mal heiß servierte Geflügel-Cranberry-Praline: Gezupftes dunkles (oder in Cranberrysaft eingelegtes?) Fleisch mit Karotten in einer dünnen, leider weich gewordenen Teighülle. Aber nicht zu trocken. Die Beeren-Säure deutlicher als der Geflügelgeschmack, was auch für Brust statt Keule spricht. Mit der intensiven Geflügeljus war das Geschmacksbild besser, weil ausgewogener.
Toll als Beilage sahniger, mit Majoran abgeschmeckter Apfel-Spitzkohl, der noch einen schönen Biss hatte. Vermutlich für einen frischen Kick als Topping saure Sahne.



Als letzter Gang eine Tranche Lachsfilet, die ich mir noch glasig gewünscht hatte. Das wurde nicht ganz eingehalten, aber auch nicht viel drüber und vor allem saftig. Auch die Haut teilweise leicht knusprig. Ob die Transchicht stört, ist ja Geschmacksache. Die begleitenden Garnelen wie in der Suppe ohne Fehler. Schön das geschmacklich starke, gar nicht pampige Erbspüree und das nicht übergarte Schalotten-Gemüse. Und auch die Beurre Blanc gut ausbalanciert.
Ein rundum gelungener, konventioneller Fischgang.



Fazit: Schmackhafte, handwerklich weitgehend gelungene  Bistro-Küche. Mehr aber auch nicht. 
Ich ließ den Abend in der Karl-May-Bar ausklingen, die ihren klassischen Charme nicht verloren hat. Ein etwas in die Jahre gekommener Jugendfreund verabschiedete mich schließlich in die Nacht.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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