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GastroGuide-User: Johnny-B
hat D. José in 20459 Hamburg bewertet.
vor 1 Monat
"Feste Größe im Hamburger Portugiesenviertel"

Geschrieben am 23.08.2019 | Aktualisiert am 26.08.2019
Besucht am 30.03.2019 Besuchszeit: Abendessen 3 Personen
Eine Fortbildungsveranstaltung meiner besseren Hälfte am Sonnabend in Hamburg – wir entschlossen uns, das zu nutzen, unsere Tochter (7) und ich kamen am späten Nachmittag des Sonnabend zum Ende der Fortbildung nachgereist, Übernachtung gebucht, kleiner Wochenend-Trip durch Hamburg Zentrum.

Die Frage „wo und was essen?“ ließ bei mir Erinnerungen ans „Portugiesenviertel“ wach werden. Dort war ich gefühlt schon ewig nicht mehr gewesen, Anfang bis Mitte der 2000er Jahre über einen damaligen beruflichen Kontext aber öfter mal in verschiedenen Restaurants des Quartiers – das D. José ist mir dabei als „Klassiker“ oder „Standard“ aus den vielen doch recht ähnlichen Restaurants in Erinnerung geblieben.

Per Anruf schnell reserviert – 18 Uhr geht nicht, später erst recht nicht, 17:45 Uhr passt aber. Nun gut, wer sonnabends im Portugiesenviertel essen gehen will, muss wissen, worauf er sich einlässt…

Das Quartier liegt nur einige 100 m nordwestlich der Elbphilharmonie, die wir ohnehin zu besuchen angedacht hatten, insofern ließ sich der Besuch im D. José gut in den Tagesplan einbauen und so kamen wir dort auch 17:45 Uhr an.

Pünktlich im D. José eingetroffen, mussten wir uns am Eingang selbst zu dieser frühen Uhrzeit schon an der „Schlange der Blau-Äugigen“ vorbeidrücken – gemeint sind die „Viertel-Nicht-Kenner“, die tatsächlich meinen, man käme Samstagabend im Portugiesenviertel spontan, ohne Reservierung, irgendwo rein.

Drin alles besetzt, viele Kellner im Einsatz, trotz derer Zahl alle voll beschäftigt – so dauerte es knapp zwei Minuten, bis jemand ansprechbar war, um die Reservierung abzufragen und den Tisch zuzuweisen. Ein Vierertisch für uns drei wurde es, im vom Eingang aus gesehen hinteren Bereich des Restaurants.

Der Innenraum, Gestaltung „mediterran-urig“, viel blanker grauer Stein, teilt sich in mehrere voneinander über offene Durchgänge abgetrennte Gewölbe auf. Die Gänge zwischen den Tischen maximal 1,20 m breit, hier und da auch mal deutlich enger. Auf dem Weg z. B. zur Toilette ist Rücksicht auf möglichen „Gegenverkehr“ und vor allem servierende oder abräumende Kellner ergo zwingend erforderlich.

Platz genommen, ein Kellner reicht uns sofort Speisekarten und fragt nach Getränkewünschen. Diese auch sofort geäußert, ein großes Pils (0,4 l, € 3,90) für mich, ein großes Alster (dito) für die große Dame, eine große Apfelschorle (weiß den Preis nicht mehr genau, aber auch im Bereich „normal bis sogar eher gemäßigt“ für diese Ecke, 0,4 l) für die kleine Dame. Ich bestelle Getränke grundsätzlich lieber nach einem Blick in die Karte, hier wusste ich aber aus den früheren Besuchen im Viertel: in spätestens 1,5 Stunden wollen die uns von dem Tisch wieder weg haben, daher Zeit nutzen! Sie sagen einem das nie sofort, haben aber nach spätestens gut einer Stunde eine unnachahmliche Art, dem Gast dies durch eine gewisse Drängerei näherzubringen, die Mädels und Jungs vom Service dort…

Nun, wir kamen ja bereits mit dem Wissen an, so isses da am Samstag-Abend. Ein knapp zehnminütiger Blick in die Karte, um Speisen auszuwählen, so viel Luxus durfte trotzdem sein. 

Gemischte Fischplatte vom Grill in der 2-Personen-Variante für die beiden großen (Sardine, Lachsfilet, Gamba, Tintenfisch und dem Tagesfisch – heute Wolfsbarsch) – € 37,50 und eine Portion Fischstäbchen mit Pommes Frites von der Kinderkarte für die kleine - € 7,--.

Kinderportion ausreichend (5 Stäbchen + mehr als genug Pommes) und qualitativ… na ja, was soll ich jetzt zu Fischstäbchen mit Pommes sagen, falsch gemacht haben sie nichts dabei, knusprig, durch, der Kleinen hat’s geschmeckt.

Unser Fisch auf einer großen tönernen Servierplatte, links und rechts am Plattenrand je die Fischfilets / Gamba pro Person, in der Mitte eine Mischgemüse-Beilage (Brokkoli, Blumenkohl, Karotte, grüne Bohnen, etwas wilder Fenchel). Ordentlich mediterran gewürzt, dezent mit Olivenöl beträufelt, für meinen Geschmack genau die richtige Menge frischer, leicht angegrillter Knoblauch (manch anderer würde wohl sagen, eine Nuance zu viel davon). Separat dazu wurden in Olivenöl leicht angebratene Kartoffelwürfel als Sättigungsbeilage gereicht.

Nun, die Möglichkeiten zur Raffinesse sind beim Fischgrillen begrenzt. Es handelte sich aber für den heutigen Abend um das von uns gewünschte: eine bodenständig und handwerklich gekonnt zubereitete Platte gegrillten Fisches, alle Garpunkte optimal getroffen, intensive Röstaromen auf den Oberflächen, gewürzt wie es sein soll. Angemessenes Portionsvolumen je Person.

An der Stelle zum Service: unser Kellner tat, was er den Umständen entsprechend konnte. Zu den Umständen muss erklärt werden. Unser Vierertisch stand in einer der Gewölbe-Ecken in dem Raum. Mit kaum 30 cm Abstand stand vor unserem Tisch, an der einzigen von einem Gang aus begehbaren Seite, noch ein Zweiertisch, diesen besetzte der Chef des Hauses nur Minuten nach unserer Ankunft mit einem Paar mittleren Alters. Jedes Mal, wenn an unserem Tisch etwas zu Servieren war, musste der arme Kerl quer über deren Tisch drüber greifen – wir waren so freundlich, ihm stets entgegen zu greifen… Das Paar nahm’s mit (etwas gequältem) Humor. Samstag Abend, Portugiesenviertel, eben.

Von „unseren 1,5 h“ waren nach Verzehr noch knappe 25 Minuten übrig – ausreichend Zeit, sich eine Portion Tiramisu von der Dessert-Karte auf drei Tellern einzuverleiben. Einhellig festgestellt, dies so auch richtig bestellt zu haben, da wirklich üppiges Portionsvolumen, das ich angesichts des Preises (€ 6,--) gar nicht erwartet hätte – qualitativ mittlere Güte, zu „hausgemacht oder nicht“ keine Aussage auf der Karte, wenn es hausgemacht war, ist’s eher Beiwerk als Spezialität der Küche.

Knapp 10 Minuten vor Ablauf „unserer 1,5 h“ waren Getränke und Tiramisu geleert / verspeist, unser Kellner hatte die ganzen letzten Minuten über im Blick, daß wir zum Ende kommen, er verzichtete freundlicherweise auf jegliches Drängel-Gebaren an unserem Tisch. Dafür den TIP entsprechend aufgerundet.
Pünktlich den Tisch verlassen, durch die engen Gänge wieder Richtung Ausgangstür, und beim erneuten Erreichen der „Schlange der Blauäugigen“ noch mitbekommen, dass offenbar eine Reservierung storniert worden war. Unmittelbar nach mir erschien ein Kellner im Türrahmen und rief in die wartende Menge: „Jetz ein Vierertisch frei, einigt’s Euch, wer rein darf.“

Weg war er wieder… auf welchem Weg die „Einigung“ erfolgte, haben wir nicht mehr verfolgt – Verdauungssparziergang durchs belebte und sehenswerte Viertel zum Parkhaus war angesagt, denn das fällt in der Lage spätestens ab der vierten Stunde auch ganz schön ins Budget.
Fazit: ich gern mal wieder, so alle ein bis zwei Jahre mal kann man sich das antun. Man muss halt wissen, worauf man sich einlässt.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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