Zurück zu Da Vinci - Im alten Kuhstall
GastroGuide-User: x2x
hat Da Vinci - Im alten Kuhstall in 42117 Wuppertal bewertet.
vor 3 Jahren
"Veränderungen dauern manchmal lange, manchmal zu lange."
Verifiziert

Geschrieben am 19.10.2016 | Aktualisiert am 20.10.2016
Besucht am 02.10.2016 Besuchszeit: Abendessen 4 Personen
* Der "Alte Kuhstall" wurde als gastronomischer Betrieb bereits 1882 eröffnet. Also ein Traditionsrestaurant das schon hunderte, vermutlich sogar tausende Geburtstagsfeiern, Hochzeiten und jede Menge andere Familienfeiern ausgerichtet hat. Die Lage ist günstig. Zum großen Wuppertaler Zoo sind es nur gute 100 Meter. Das bei Fußballfans bekannte Stadion am Zoo befindet sich vis a vis. Die weitläufige Umgebung besteht aus einer Villenkolonie aus der Kaiserzeit. Bis zum Umbau im Jahre 2005 konnte man hier noch die erzkonservative Gestaltung und Küche der 70er Jahre erleben. Das Restaurant war damals dunkel und seinerzeit kulinarisch bestimmt vom Toast Hawaii und Leipziger Allerlei mit Braten und Sauce. Das Restaurant ist groß und verfügt innen sicherlich über geschätzt 100 Plätze für die Restaurantgäste, dazu eine Außengastronomie mit weiteren gut 100 Plätzen und noch eine Eventlocation in ähnlicher Größenordnung. Nach mehreren Betreiberwechsel erhielt das Restaurant vor gut 2 Jahren die neu Bezeichnung "Da Vinci" mit der Unterzeile "Zum alten Kuhstall". Ob es ganz glücklich ist dem Restaurant einen neuen italienischen Namen zu verpassen und diesen dann mit der etwas seltsamen alten Bezeichnung "Zum alten Kuhlstall" zu verbinden sei mal dahingestellt.

* Wir waren mit unseren Freunden aus Süddeutschland an einem Sonntag im Wuppertaler Zoo. Nach guten 5 Stunden Marathon durch Gehege mit Löwen, Tigern, Affen, Bären, Seelöwen und sonstigen Tieren - nur unterbrochen von einer 1/2 Stunde Kaffee/Kuchen Pause - war ich vollständig erschöpft. Hunger, Durst und Sehnsucht nach einem Sitzplatz. Gegen 16:00 Uhr verließen wir den Zoo und standen Minuten später vor dem "Da Vinci". Nun stehe ich nicht unbedingt auf solche "Ausflugs-Gaststätten", wo Sonntags Oma, Tante Elsbeth, Onkel Gustav und Opa ausgeführt werden. Aber in diesem Augenblick war das "Da Vinci" alternativlos, zudem verkündete der Aushang: "Durchgehend warme Küche". Also hinein ins Kaffee-Kuchen-Schnitzel Idyll. Zunächst war ich positiv überrascht. In Erinnerung hatte ich ein ältliches, dunkles Restaurant. Jetzt war es hell, freundlich, angenehme Brauntöne und eine ordentliche Ausstattung. Große Deckengehänge sorgten für das richtige Licht. Das Restaurant war gut besucht aber nicht voll. Wir warteten im Eingangsbereich um nach einem Tisch zu fragen. Etliche Damen und Herren vom Service rannten in alle Richtungen, allerdings alle an uns vorbei. Plötzlich erschien in klassischem schwarz-weiß ein Kellner und sprach uns an: "Tach - reserviert die Herrschaften ?" Ich verneinte diese kurze Ansprache verbunden mit dem Wunsch nach einem Tisch für 4 Personen. "Schlecht, aber ich geh mal gucken", lautete die Antwort. Nun gut ich ließ ihn "gucken" gehen. Er "guckte" gefühlt gute 5 Minuten. Er erschien dann wieder mit Höchstgeschwindigkeit und der Aussage, "da hinten am Fenster tut gleich einer frei werden, können sisch dann da hinsetzen". Der Tisch wurde dann auch schnell neu eingedeckt, wir hatten nun endlich einen Sitzplatz. Gerne hätten wir etwas zu trinken bestellt und gerne auch mal in eine Karte geschaut. Es dauert, aber dann erschien Mister Black&White mit folgendem Ausspruch: "Wollen die Herrschaften nur Kuchen oder tun se auch rischtisch essen ? Und watt zum trinken ?" Ich sprach den Wunsch nach den Karten aus. Wir bestellten ein Warsteiner, ein Gaffel (Kölsch), einen Riesling und ein Weizen vom guten König Ludwig. Er verschwand mit einem rustikalen "Alles klar die Herrschaften" auf den Lippen, um kurz danach 4 Speisekarten vorne auf dem Tisch abzulegen. Dazu die klare Ansage: "Essen kann aber dauern, iss alles voll". Wir wollten einen Blick in die Karten werfen, dabei wurde schnell deutlich das man dafür locker gefühlt 20 Minuten benötigen würde. Die Mega-Karte präsentierte rund 100 Vorspeisen, Suppen, Hauptgerichte, Salate und Tellergerichte. Pizzen, Pasta, Speckpfannekuchen, den Damentoast mit Putenfleisch und Ananas und Pfirsich, Spare ribs, Leber, Hähnchenbrust Bombay, Hacksteak mit Feta, Schwarze Bandnudeln aus Italien, ebenso wie Apfelpfannekuchen und 3 oder 4 Fischgerichte und noch vieles mehr. Verfolgte diese Küche irgendeine kulinarische Linie, fragte ich mich ? Zu erkennen war keine. Auffällig war das günstige Preisgefüge. - Mister Power-Service brachte die Getränke. Noch während er diese auf den Bierdeckeln abstellte posaunte er über den Tisch - hörbar bis zu den Nachbartischen: "Schon watt gefunden ?" Ich bat ihn noch um etwas Geduld und begründete das mit dem Umfang der Karte: "Alles klar Meister", so seine Rückmeldung.

* Wir hatten inzwischen gewählt und der schwarz-weiße Speetservice erschien erneut am Tisch, dieses mal mit der sehr spitzen Frage: "Und ? Watt gefunden ?"  Ich vermisste in dieser Fragestellung nur noch das kleine aber feine Wörtchen "endlich". - Da es noch Nachmittag war beschränkten wir uns auf 4 leichte Tellergerichte. Wir bestellten 2 x den Salat Beatrice mit Gambas (11,90 Euro), die Pizza Bartholomäus mit Parmaschinken (10,40 Euro) und Tagliatelle mit Lachs (10,90Euro). Mit einem fröhlichen "datt kriegen wir schon hin" verschwand er wieder. Gerne hätte ich ihm noch frei nach Tom Gerhardt (Hausmeister Krause) zugerufen "Sischer, Sischer", aber er hatte sich bereits wieder mit Vollgas entfernt. Unsere Freunde aus Süddeutschland schrieben sein Verhalten und vor allem seine sehr spezielle Ausdrucksform amüsiert dem rheinisch-westfälischen Humor zu, wie sie es nannten. Dieser Humor war mir allerdings etwas zu platt, zumal mir nur der rheinische Humor bekannt ist, weniger der westfälische. Während wir auf die nächste Getränkerunde und auf das Essen warteten, schauten wir dem Service zu. Das war spannend und unterhaltsam. Alle Damen und der Herren des Service liefen mit Hochdruck durch das Restaurant. Eine erkennbare Koordination konnte man nicht wahrnehmen, eher eine kaum vorhandene Organisation. Die Kommunikation des Servicepersonals untereinander fand teilweise hörbar tischübergreifend statt. Offensichtlich gab es auch "Falschlieferungen". Zusammenfassend könnte man es als sichtbare und hörbare Hektik bezeichnen.

* Unser Essen wurde serviert, schneller als erwartet. Alles machte auf den ersten Blick und optisch einen guten Eindruck. Leider änderte sich das bei genauer Betrachtung. Die Karte hatte beim Salat Beatrice Gambas, Muscheln und Babycalamari offeriert. Unsere Damen fanden ein paar Einzelstücke dieser Meeresbewohner unter dem Salat. Die restlichen Bestandteile - Oliven, Tomaten und das Dressing - bewerteten die Damen als gerade mal durchschnittlich. Hasimausi drückte es diplomatisch aus: "Gut das wir vorher im Zoo leckeren Kuchen gegessen haben". Richtig zufrieden war mein Freund mit seiner Pizza auch nicht. Er lobte zwar den dünnen, leichten und krossen Boden, aber auch er beurteilte die wenigen Stückchen Parmaschinken als sehr überschaubare Menge. Dazu kam noch, dass der Schinken trocken war. Damit hätte sich in Parma niemand profilieren können. Einzig die Übermenge Rucola auf der Pizza verwandelte dieses Stück der italienischen Backkunst optisch in ein Salatbeet. - Tja und dann noch die Tagliatelle mit Lachs, die ich verzehren durfte. Ich war zwar mit den Stückchen Lachsstreifen zufrieden, aber die viel zu vielen Zwiebeln hatten leider die Geschmacks-Hoheit über das Gericht übernommen und beherrschten es. Die schwarzen Nudeln waren zwar al dente, dafür aber die Tomaten-Sahne-Sauce entweder fast geschmacklos, oder der Sauce wurde mit der Übermenge Zwiebeln jeder Wohlgeschmack entzogen. Ach ja und dann war da noch der "frische Parmesan". Ob der frisch oder älter war konnte nicht beurteilt werden. Die Küche hatte ihn wohl vergessen. Nun denn, wir verzichteten auf ein Dessert, auf einen Absacker und ebenso auf weitere Getränke. Wir wollten eigentlich möglichst schnell diesen Ort der hektischen Gastronomie verlassen. Der Service war erkennbar überlastet. Wenn die Situation in der Küche ähnlich war, darf man sich über solche Defizite nicht wundern. Wir bestellten die Rechnung, ohne die Qualität des Essens anzusprechen. Ich hatte nicht den Ansatz von Lust mit unserem hoffnungslos überfordertem "Mister Service" über die Gambas im Salat, die Qualität des Parmaschinken oder die Anzahl der Zwiebeln in meinen schwarzen Nudeln zu diskutieren. Beim nächsten Besuch im Zoo werden wir im dortigen Zoo Restaurant Okavango z.B. eine Bergische Brotzeit essen, das bekommen die bestimmt besser hin. Aber im "Da Vinci - Zum alten Kuhstall", werden wir sicherlich nicht mehr aufschlagen

Fazit. Für das Essen 2,0 Sterne und ebenso 2,0 Sterne für den Service. Das Ambiente hätte zwar grundsätzlich 3,5 Sterne verdient, aber zu einem Ambiente gehört auch eine (Wohlfühl) Atmosphäre. Die aber war wegen des hektischen Ablaufs nicht vorhanden. Daher für das Ambiente 2,5 Sterne. Als Gesamteindruck bleiben auch nur 2 Sterne übrig. Beim Blick auf die Karte fällt zunächst das gute Preis-Leistungsverhältnis auf, das somit 4 Sterne verdient hätte. Schauen wir uns allerdings an, was serviert wurde, bleiben auch dafür nur 2 Sterne.

Leonardo da Vinci war ein Visionär und in zahlreichen Wissenschaften sehr bewandert. Einen solchen Visionär braucht das Restaurant.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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