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GastroGuide-User: marcO74
hat mogogo in 76133 Karlsruhe bewertet.
vor 2 Wochen
"Hello Africa, tell me how you’re eatin‘…"

Geschrieben am 12.06.2019
Besucht am 16.04.2019 Besuchszeit: Abendessen 4 Personen Rechnungsbetrag: 75 EUR
Diese leicht abgewandelte Textzeile aus der Feder eines schwedisch-nigerianischen Zahnarztes, der in den 90er Jahren zu den erfolgreichsten Interpreten des Dancefloors zählte, ging mir bei meiner ersten Einkehr in einem afrikanischen – genauer gesagt eritreischen – Restaurant durch die Birne, als mir mein Gegenüber anschaulich erklärte, wie man am geschicktesten die Hände samt Fladenbrot einsetzt, um den zuvor bestellten Couscous-Spezial-Teller zu verzehren.
 
Wir befanden uns an jenem Dienstagabend zusammen mit einem befreundeten Pärchen im Restaurant Mogogo in der Karlsruher Stephanienstraße. Die Betreiber des Lokals führten 20 (!) Jahre lang erfolgreich das Restaurant Afrika in der Kaiserpassage. 2008 wechselten sie den Standort und damit auch den Namen. Ihrer traditionellen eritreischen Küche tat dies natürlich keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil. Diese scheint bei Freunden der nord- und ostafrikanischen Küche einen guten Ruf zu genießen. Allein elf (!) 5-Sterne-Bewertungen (!!) bei Gastroguide ließen mich aufhorchen.
 
Stephanienstraße…da war doch was. Kaum saß ich in dem mit Bambusschirmen und Stühlen aus Korbgeflecht ausgestatteten, etwas folkloristisch wirkenden Gastraum, kamen alte Erinnerungen hoch. Klar, in den 80er bzw. 90er Jahren waren wir hier öfter chinesisch essen. Das damalige Tai-Hu war nämlich der Lieblingschinese meines Vaters und bei so mancher Geburtstagsfeier begegnete ich der damals noch ungeliebten, da fremden Asiaküche. Das Tai-Hu schloss im Jahre 2007 endgültig seine Pforten und ein Jahr später wurde in seinen Räumlichkeiten eritreisch gekocht. Soviel zur jüngeren Gatro-Historie des orangefarbenen Anwesens unweit des Botanischen Gartens.
 
Unsere Freunde verkehrten hier anscheinend öfter, denn sie scherzten bereits bei der Ankunft mit dem Inhaber des Mogogo, der in recht spitzbübischer Manier den Service leitete. Seine leicht schelmische Art, die auf einer guten Portion augenzwinkerndem Humor basierte, passte gut zu unserer Tischrunde. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass sie nicht bei allen Gästen so gut ankommt wie bei uns. Bis auf die Tatsache, dass der gute Servicemann bei zunehmender Gästezahl immer seltener an unserem Tisch erschien und dadurch das Nachbestellen von Getränken erschwert wurde, war jedoch alles im grünen Bereich.
 
Wie sagt ein altes afrikanisches Sprichwort: „Das Gras wächst nicht schneller, auch wenn man daran zieht.“ Also versuchten wir uns in subtropischer Gelassenheit und bestellten zuerst einmal ein paar Mongozos. Das waren verhältnismäßig leichte (nur 3,6 % Alkoholgehalt) afrikanische „Biere“, die in den Geschmacksrichtungen Banane, Palmnuss, Kokos und Mango erhältlich waren und hier stilecht aus einer Kalawas, einem Becher aus Kokosnussschale, getrunken wurden.
 
Die fruchtige, ursprünglich aus einem uralten Palmbier-Rezept hervorgegangene Kaltschale, deren afrikanischer Name sinnigerweise „Prost“ bedeutete, genoss ich als leckeren Aperitif in der Mango-Variante. Wenig Schaum, dafür aber eine dezente Fruchtsüße und ungemein süffig, so mein überraschend positiver Eindruck, der sich später beim Bananengebräu noch verfestigte. Gut, die 3,80 Euro für ein 0,33l-Fläschchen waren nicht gerade schüchtern kalkuliert, aber in der Karlsruher Innenstadt sicher auch kein unverschämter Preistreiber.
 
Als weitere Durstlöscher fungierten eine Flasche Mineralwasser (4,50 Euro) und ein Mango-Maracuja-Nektar (0,2l für 2,30 Euro). Soviel Zeit für Flüssigkeit musste sein.
 
Schön, dass man gleich auf der ersten Seite der Speisenkarte darauf hinwies, dass der Großteil der Gerichte eine leichte Schärfe innehatte. Man konnte sich zwischen vier Schärfegraden entscheiden. Mildwürzig, mittel, scharf und sehr scharf – so lautete die aufsteigende Scoville-Klimax im Mogogo. Bei der Würze ließen wir an jenem Abend Milde walten. Kein Fehler, wie sich später noch herausstellen sollte.
 
Kichererbsen mit Oliven, Gibna (ägyptischer Schafskäse), drei Salatvarianten und drei Suppen – mehr stand nicht auf dem Vorspeisenzettel. Vieles las ich hier zum allerersten Mal, wie zum Beispiel „Zigni“, eine Art äthiopisches Gulasch, bei dem gewürfeltes Rind- oder Lammfleisch bzw. Hähnchenschenkel in scharfer Sauce schwamm und von roten Linsen, Grünkohl, Okraschoten und dem obligatorischen Fladenbrot (Injera) eskortiert wurde. Für Anhänger pikanter Schmorgerichte sicherlich eine Bestellung wert. Mag man sein Fleisch stattdessen lieber gebraten, dürfte „Kilwa“ die bessere Wahl darstellen. Das gleiche Fleisch, die gleichen Beilagen, nur eben in der Pfanne gebrutzelt.
 
Wer verschiedene Fleisch- und Gemüsesorten auf einmal probieren möchte, entscheidet sich für einen Kombiteller oder wählt zusammen mit gleichgesinnten Tischgenossen eine Mehrpersonenplatte. Diese werden für zwei bis acht Hungrige angeboten. Anscheinend gehört das gemeinsame Essen von einer großen Platte – auf Besteck wird dabei gerne verzichtet – zu den kulinarischen Gepflogenheiten Eritreas.
 
Unsere Freunde hatten im Mogogo schon die ein oder andere Platte geputzt. Sie einigten sich auf die Afrika-Variante für zwei (26,50 Euro), die mit geschmortem Rind bzw. Lamm sowie den üblichen, bereits erwähnten Beilagenverdächtigen bestückt war.
 
Meiner Verlobten gefiel das vegetarische Angebot, das auch mit Tofu oder Couscous serviert wurde. Sie entschied sich jedoch für weniger vertraut klingende „Vegetaritäten“. Alicha (äthiopischer Gemüseeintopf), Hamli (Grünkohl), Timtimo (rote Linsen) und Bamya (Okraschoteneintopf) waren keine Fantasiefiguren aus einem Tolkien-Roman, sondern die vegetabilen Protagonisten auf ihrem Teller, der mit 13,50 Euro zu Buche schlug.
 
Bei meinem eritreischen Erstversuch ging ich eher auf Nummer sicher. Das von mir georderte Couscous-Spezial (17,50 Euro) hatte neben gebratenem Rindfleisch noch geschmortes Lamm mit Okraschoten, einen aromatisch gewürzten Hähnchenschlegel, rote Linsen und Alicha auf dem gequollenen Hartweizen- bzw. Hirsegrießbett liegen.
 
Die dünnen, von ihrer Textur an Pfannkuchen erinnernde Sauerteigfladen wurden separat gereicht. Ich verteilte sie gerne an meine Tischgesellschaft und ließ mir Messer und Gabel kommen. Tradition hin oder her. Allein das süffige Linsen-Timtimo und die körnigen Couscous-Kügelchen hätten bei meinem ungeschickten Umgang mit dem feinporigen „Pfannkuchenbrot“ für ein kulinarisches „El Alamein“ (Waterloo erschien mir angesichts der verzehrten Speisen eher unpassend…) auf meinem Teller sorgen können.
 
Und so futterten wir uns durch diverse nordafrikanische bzw. eritreische Gerichte, die alle eins gemeinsam hatten: eine exotische Würze. Langer Pfeffer, Kreuzkümmel, Kurkuma, Koriander und Co. sorgten für einen vollmundigen „African Rub“. Der Duft von Berbere, einer sehr aromatischen, äthiopischen Gewürzmischung, der schon vorher latent den Gastraum erfüllte, stieg mir beim Essen in die Nase. Mein Couscous-Spezial bestach durch eine unerhört wohlschmeckende Komposition, die für Aha-Momente am Gaumen und reichlich Spannung auf dem Teller sorgte.
 
Als besonders fein entpuppte sich die Liaison aus dem geschmorten Lamm (mit noch leicht knackigen Okraschoten) und dem herrlich lockeren Couscousteppich. Als Freund der pikanten Sauce genoss ich auch das scharf angebratene, kleingewürfelte Rindfleisch, dessen glücklich machende Tunke die geschmacklichen Stärken von Peperoni, Knoblauch und Zwiebeln in sich vereinte.
 
Das Hamli, bei dem ja normalerweise Blattspinat Verwendung findet, war eigentlich ein Gomen, wie ich durch PetraIO’s fundierte Rezension zur Safari-Tour in Kaiserslautern in Erfahrung brachte. Und Gomen, sprich angebratener Grünkohl, der hier mit Knobi und Zwiebeln geschmacklich aufgepeppt wurde, ist eigentlich nicht so mein Ding. Wie gesagt eigentlich. Hier hat er sich gut mit dem Gemüse aus dem Dampfgarer (Kartoffeln, Karotten, Weißkohl) vertragen und zugleich die kräftige Würze der Fleischgerichte harmonisiert.
 
Und während das Pärchen gegenüber mit der Afrika-Platte zumindest noch eine Handvoll zu tun hatte und das Injera-Brot auf seine Aufsaugfähigkeit überprüfte, nahm ich einen Schluck vom Bananenbier, schaute in den gemütlich eingerichteten, nun nahezu vollbesetzten Gastraum und war froh, dass wir die kulinarische Reise nach Eritrea unternommen hatten. Ich gebe meiner GG-Kollegin Petra absolut Recht, dass sich die exotischen Speisen in netter Gesellschaft vortrefflich ausprobieren lassen. Meine Injera-Technik gilt es dabei noch deutlich zu verbessern, aber mit Messer und Gabel hat es ja auch funktioniert. Übrigens würde ich das Wort „Mogogo“ ins Pfälzische mit „ma soll halt nid dehääm bleiwe!“ übersetzen.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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