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GastroGuide-User: hbeermann
hat Ristorante Gallo Nero in 30655 Hannover bewertet.
vor 6 Jahren
"Schön dicht an  meinem Zuhause. V..."

Geschrieben am 14.12.2014
Besucht am 13.12.2014
Schön dicht an  meinem Zuhause. Von der Geografie hätte das Gallo Nero das Zeug zu einem Leib- und Magen-Restaurant für uns, gäbe es da nicht gewisse Unzulänglichkeiten. Ich denke, Signore Cibolla sieht sich ziemlich weit oben. Dies kommt auch in den Preisen zum Ausdruck. Dafür müsste sich aber im Service Grundlegendes tun.Beim Vorbesuch bediente uns der Chef weitgehend selbst. da war alles in Ordnung. Diesmal wirkte es planlos und unorganisiert, was die vier bei uns beteiligten Servicemitarbeiter uns boten.Nach Betreten des Restaurants blieben wir kurz hinter dem Eingang am Beginn einer großen mittig im Raum platzierten dekorierten Tafel stehen und harrten der Dinge. Mit ausladenenden Bewegungen wurden wir von einem Servicemitarbeiter ans Ende der Tafel gewinkt. Er sprach besser Deutsch als die meisten anderen hier. Nachdem er uns im Reservierungsbuch gefunden hatte, erfolgte die Weisung an eine Unterkraft, uns zum Tisch zu bringen. Unsere Garderobe fand keinerlei Beachtung. Da ein Stuhl und eine Wandbank zum Sitzen da waren, war Platz genug da, um die Jacken dort zusammen zu prummeln. Nun folgte eine zu lange Phase der Nichtbeachtung.Schließlich kam eine junge Dame mit den Speisekarten (ein Blatt Din A4 quer, einmal gefaltet) und der recht dicken Weinkarte. Sie schleppte auch noch eine recht große Schiefertafel mit, auf der die Tagesangebote standen (fünf). Zum Vergleich: unser Kellner im Tesoro hatte acht auswendig gelernt und erläuterte liebevoll. Hier wurde nur vorgelesen. Wegen des geringen Abstands zum Nachbartisch war das Handling der großen Tafel eher problematisch. Ob wir schon etwas trinken wollten, wurde auch gefragt. Wir beließen es bei einem San Pellegrino, weil wir wussten, dass es nichts Blubberndes aus der Champagne hier gibt. Es gibt so schöne und recht preisgünstige Nicht-Prosecco-Brut Spumantes aus Italien, aber die werden nirgends serviert.Die Weinkarte ist unsystematisch mit eingeklebten Etiketten eher lieblos aufbereitet. Ich wurde aber doch recht schnell fündig. Einen Appenheimer Riesling Terra Fusca von Bischel kann man getrost als sensationelles Sonderangebot bezeichnen: 12.- im Einkauf, hier mit 26.- auf der Karte. Für den Anfang noch 2 X 0,2 Cabernet Sauvignon (10,20), also effektiv 0,1 für meine Frau 0,3 für mich versoffenes Element.Zum Essen wählten wir zweimal die Gallo-Nero-Antipasti, als Hauptgerichte die Nordsee-Seezunge mit Butter Salbei für meine Frau, das Iberico-Carrée für mich.Die gesamte Küchenleistung ist über jeden Zweifel erhaben und einfach hervorragend. Es begann mit dem ausgezeichneten hausgebackenen Brotsorten. Schönes Olivenöl, Balsamico, Mühlen mit Pfeffer und Himalayasalz standen schon auf dem Tisch.Unser Weißwein wurde in einem Stehkühler neben unserem Tisch platziert. Dreimal wurden wir, während wir an unserem Rotwein nippten bzw. sogen, gefragt, ob der Wein nun eingeschenkt werden solle. Wir lehnten beständig ab, weil er das Hauptgericht begleiten sollte. Glück für den Service. So war Zeit genug, schließlich noch zu bemerken, dass wir keine Gläser hatten. Es gibt hier ein Standard Weinglas für Rot- und Weißwein in der momentan modischen abgeeckten Form.Ein winziges Amuse gueule (eine halbe Flaschen-Mini-Tomate mit Zutaten ist nicht weiter der Rede wert.Sehr zügig kamen unsere Vorspeisenplatten, die opulent und schmackhaft gefüllt waren. Ich zähle einmal auf: Carpaccio di Manzo mit Rucola und Parmesan-Hobelscheiben, Vitello Tonnato (super), Sun-Dried Tomato, Artischockenviertel, Dan Daniele (Kühlschrankaroma), Peperroncini eingelegt und gefüllt (exzellent), eingelegte Grillzwiebel, Grill-Champignons, Grill-Zucchini. Insgesamt Klasse und mit 14,50 nicht überzahlt.Nach angenehmer Wartezeit kamen die Hauptgerichte nacheinander. Meine Frau wurde bis dahin viermal gefragt, ob der Fisch im ganzen oder filetiert serviert werden solle. Ich hätte meine Seemannsmütze aufsetzen sollen. So sieht man uns unsere Sylt-Erfahrung natürlich nicht an.Die Seezunge war knapp neben en point (bei Gosch sind sie saftiger - kein Wunder nach 30 Seezungen pro Tag und 10 Jahren Bratpfannenerfahrung beim Chefbräter). Die zitronisierte Salbeibutter kam reichlich bemessen in einer Sauciere und machte Einiges wett.Mein Iberico-Carrée kam perfekt auf dem Hochtemperatur-Grill zubereitet und hatte wunderschöne Röstaromen, war mit gewürzter Butter bepinselt worden, innen zartrosa und saftig. Es war ein veritabler Brocken Fleisch. Es schmeckte traumhaft gut.Inzwischen war es rappelvoll und sehr laut geworden. Auf die angebotenen Leckereien, Kaffe oder Digestif verzichteten wir deshalb und baten um die Rechnung. Das dauerte nun wieder eine  Weile. Der EC Kartenleser wollte unsere Commerzbank-Karten nicht, so dass wir die 137,50 mit der Mastercard bezahlten und 15 Euro Trinkgeld bar dazu legten. Wir entprummelten unsere Jacken und brachen auf. Der Abschied fiel herzlicher aus als der Empfang. Unser Taxi wartete schon und brachte uns für weniger als sechs Euro nach Hause (da ich selbst einmal Droschkenkutscher war, gab es natürlich einen Zehner).Foodlover hätte wegen der bildhübschen Italienerin mit dem zauberhaften Augenaufschlag möglicherweise nicht alles so kritisch gesehen wie ich.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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