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GastroGuide-User: Nolux
hat Hermannshöhle Restaurant Weck in 55585 Niederhausen bewertet.
vor 7 Monaten
"Die Hermannshöhle deutete an was hier drin steckt. Ambitioniert bodenständig und regional."

Geschrieben am 07.11.2018 | Aktualisiert am 07.11.2018
Besucht am 27.10.2018 Besuchszeit: Abendessen 3 Personen Rechnungsbetrag: 250 EUR
Unserer lieben PetraIO haben wir es hier zu verdanken, dass ich mal wieder den Bleistift schwinge. Dazu in den Kommentaren mehr.

Es ist nur schwer zu erklären, wieso wir uns nicht öfter für solche Abende treffen, wohnen wir doch so nah beisammen. Jedenfalls war es Petras Hartnäckigkeit zu verdanken, uns endlich mal wieder zu treffen. (Nicht, dass es ich es nicht wollte!) Dazu in einem Restaurant welches wir beide noch nicht besucht hatten. Gekannt habe ich das Lokal schon, seit einem guten Jahr führen die Betreiber dort zusätzlich eine Vinothek, in der sich zwölf namhafte Nahe-Winzer präsentieren können und eine Auswahl ihrer Weine dort zu Weingutspreisen verkaufen. (außer Haus versteht sich.)
Die Speisekarte ist online einsehbar, ebenso wie bevorstehe Veranstaltungen rund um Wein. Petra kümmerte sich um die Reservierung.

Abgeholt wurde ich freundlicherweise auch von den beiden, wer diesmal gefahren ist überlasse ich eurer Fantasie, Wetten werden ab sofort angenommen. Reserviert war für 19 Uhr, auf Grund von großem Hunger trafen wir schon knapp zwanzig Minuten früher ein. Sollte kein Problem darstellen. Parkplätze gibt es reichlich links und rechts vom Lokal, welches direkt an der Nahe liegt. Es war recht dunkel am Eingang, den wird so wirklich erst mal suchen mussten. Eine Gesellschaft von ca. 10 Leuten stimmte sich draußen auf einen hoffentlich netten Abend ein, wir versuchten unser Glück in der Vinothek, dort schien Licht. Drinnen wurden wir gleich von Serviceleiterin Julia Fluhr empfangen, und ja wir waren richtig, momentan hat nur die Vinothek geöffnet da man auf Grund von Personalmangel nicht mehr Gäste bewirten kann. Konsequent und verständlich.

Der gedeckte Tisch

Der Tisch direkt am Eingang war für uns drei eingedeckt, wir Männer setzten uns Petra gegenüber. Die Karten und das dicke Weinbuch wurden uns gereicht und vorab nach einem Aperitif gefragt. Zunächst wollten wir uns einen Überblick verschaffen und bestellten erst einmal nur eine Flasche Wasser (Schwollener Gourmet 6€/0,75l). Petra musste dann feststellen dass sich das Menü in der Speisekarte mit dem im Internet nicht deckte. Was zur einer gewissen Enttäuschung führte. (stimmt heute immer noch nicht und die als Download zur Verfügung gestellte Speisekarte ist noch älter! Hier bedarf es Besserung!) Nachfrage bei der an diesem Abend einzigen Servicekraft (Frau Fluhr) führte auch nicht zum Erfolg. Nur der Hinweis, man könne sich ja sein Menü selbst zusammenstellen. Doch wir entschieden uns dann anders. Aus der übersichtlichen, erfreulich kleinen Karte fand dann ein jeder drei Gänge. Zu dem Zeitpunkt hatten wir schon den Aperitif genossen, einen Sekt Blanc de Blanc vom VDP Weingut Gut Hermannsberg aus Niederhausen. (6,50€ /0,1)

Als ersten Gruß aus der Küche wurde nach dem Bestellen ein recht cremiger Quark mit Schalotten und reichlich Schnittlauch serviert, der sich von den meisten im Land servierten deutlich absetzte. Das dazu gereichte Weißbrot war unspektakulär. Und mit acht Stück für drei Personen unbedacht serviert.

Erster Gruß

Nachdem wir uns also über Essen und Speisefolge einig waren, galt es einen Wein zu finden, der uns allen gerecht wurde. Wieso auch immer wurde mir die Ehre zu Teil, aus dem gut sortierten Angebot zu entscheiden. Meine Wahl fiel dann auf einen 2016er Niederhäuser Felsensteyer Riesling halbtrocken vom Weingut Jakob Schneider. Leider wurde die im großen, begehbaren Weinkühlschrank nicht gefunden. So wurde uns dann eine gleichwertige Alternative angeboten, sich aber als sehr passend zu Essen erwies. 2016er Niederhäuser Kertz Riesling feinherb, vom selben Weingut. (23€/0,75)

Doch erst servierte man uns einen zweiten Gruß aus der Küche. Drei Scheiben Wildschinken mit einem Blatt Feldsalat. Ja, da staunte ich erst einmal nicht schlecht. Der gute Wille zählt oder wie?

Zweiter Gruß

Eigentlich ein guter Schinken der aber durchaus an Charakter und Geschmack gewonnen hätte, wäre er wesentlich dünner als diese 1 mm geschnitten gewesen wäre. Immerhin war der Feldsalat mit Olivenöl mariniert worden. Doch insgesamt wirkte dieser Gruß eher nach dem Motto "gewollt aber nicht gekonnt". Schade.
Doch mit dem ersten Gang sollt das bald vergessen sein.


Gebratene Blutwurst auf Kartoffelpüree mit glasierten Apfelspalten (9,90€)

Gebratene Blutwurst, Kartoffelpüree und Apfelspalten

Ein Gericht, welches ich gerne nehme wenn es angeboten wird. Ich liebe diese Kombi schon seit meiner Kindheit. Ein gutes Beispiel dafür, dass einfaches so gut sein kann. Der Hauptdarsteller war eine sehr leckere Blutwurst die als dicke Scheibe von beiden Seiten leicht kross angebraten wurde, so dass sie gerade noch die Konsistenz wahrte. Das Püree, welches als Unterlage für die Blutwurst diente war lecker, wenn auch unspektakulär und etwas wenig. Ich hätte es mir cremiger und mit mehr Muskataroma gewünscht. In Kombination mit der sehr guten Wurst und den leicht gedünsteten Apfelspalten aber mehr als ordentlich und zufriedenstellend. Gute 3,5*

Mit dem guten Wein musste ich mich etwas zurückhalten, was mir schwer fiel. Immerhin sollte er auch für den zweiten Gang reichen. Nachdem die Teller der Vorspeisen abgeräumt waren, dauerte es nicht lange bis der der nächste Gang serviert wurde. Die Zeit zwischen den Gängen war angenehm und nicht zu lange. Was aber auch der netten Gesellschaft lag, hatten wir uns doch viel zu erzählen. Gleichzeitig kamen dann die nächsten Teller.


Cremesuppe vom Muskatkürbis (7,90€)

Cremesuppe vom Muskatkürbis

Diese sah verführerisch aus, leuchtete gelb und roch deutlich nach dem wofür sie genannt war. Leider konnte sich das am Gaumen nicht bestätigen. Die Suppe wirkte recht dünn, jegliche Grundwürze lies sie vermissen. Auch etwas mehr Säure hätte dem ganzen gut getan. Okay, Wein wollte ich jetzt nicht in den Teller gießen (dafür hatte ich auch nicht mehr viel), aber nach Salz und Pfeffer hatte ich gebeten. Meinem Wunsch wurde entsprochen und ich konnte den Rest der Suppe einigermaßen schmackhaft gestalten. Die Portion war großzügig bemessen, mehr als 2,5* kann ich dennoch nicht vergeben.

Wein war nun auch alle, doch erst mal die Örtlichkeiten inspizieren, und dort gab es jedenfalls keinerlei Anlass zur Kritik. Was das Ambiente angeht stritten sich die Geister. Etwas kühl und steril wirkte der Raum, modern könnte man auch dazu sagen. Der Tisch jedenfalls war ansprechend, praktisch und nicht zu überladen eingedeckt. Für mich gerade recht. Und wenn es auch draußen schon dunkel war, konnte man doch die äußeren, wesentlich älteren Fenster sehen, die gerne mal geputzt würden. (Es wurden von innen gesehen neue Fenster vor die alten gesetzte) Aber, das soll es auch gewesen sein. Viel mehr begeisterte mich der große begehbare Weinkühlschrank, der bis unter die Decke mit Weinkisten gestapelt war. (Eine Nacht alleine...)

Der Hauptgastraum war aus oben genannten Gründen momentan nicht geöffnet, dieser präsentiert sich um einiges rustikaler. Das Restaurant bietet momentan dann nur in der Vinothek Platz für nur ca. 25 Gäste.
Ach ja, der Wein war ja immer noch alle. Da keiner mehr Nachschlag wollte, bzw. noch Wein hatte (kann ich nicht verstehen) suchte ich mir passend zum Hauptgang einen Wein aus, wollte aber noch die Meinung von Frau Fluhr, die im Laufe des Abends im mehr auftaute und souverän durch den Abend führte. Mit Ansagen und allem was dazu gehört. Nach kurzer Überlegung ihrerseits kamen wir schlussendlich zum gleichen Wein und sie brachte mir ein Glas 2016er Schlossböckelheimer Riesling Vulkangestein vom Weingut K.H. Schneider aus Bad Sobernheim. (3,70€/0,1) Den Wein kenne ich gut, liegt er auch bei mir im Keller.

Und Essen sollte es auch noch geben. Für mich dann bitte sehr:


Kross gebratenes Zanderfilet auf Rieslingkraut, Kartoffelpüree und Schnittlauchsoße (25,90€)

Kross gebratener Zander mit Kartoffelpüree und Rieslingkraut

Ein recht üppiges Portiönchen, wenn auch etwas farblos. Ein schön dickes, saftiges Fischfilet, welches hervorragend schmeckte, nur die Haut hätte knuspriger sein können. Evtl. lag es am Mehl, mit der die Haut eingepudert war. Aus meiner Erfahrung bewirkt es gerade das Gegenteil. Das bißchen Mehl wird evtl kross, schmeckt dann aber bitter und die Haut wird mehr geschützt als kross. Aber das soll nur Ein Kritikpunkt sein. Das Püree kannte ich schon aus der Vorspeise, und jetzt passte das auch besser, da das Muskataroma nicht zu stark war. Schöner angerichtet als drei Nocken, waren sie leider schon etwas abgekühlt. Dafür war das gut eingekochte und leckere Rieslingkraut noch sehr, sehr warm. Ein Gedicht. Dazu eine leicht mit Sahne gebundene Soße, welcher der Schnittlauch ein zart zwiebeliges Aroma verlieh. Da gab es nicht wirklich viel zu meckern. 4,5*

Gut gesättigt legten wir das Besteck auf die (fast) geleerten Teller. Hier und da wurde kapituliert, was aber nur an der Portionsgröße lag. Das Bringen der Dessertkarte war somit überflüssig. Doch was Flüssiges durfte es noch sein. Neben einem Espresso (den nicht ich trank) gab es noch zwei sehr feine Riesling Trester von der Brennerei Dotzauer aus Obersteit (4,50€ / 0,02). Und weil der uns so gut schmeckte, nahm jede Partei noch eine Flasche mit nach Hause. Danach gab es noch ein bißchen Smalltalk mit Frau Fluhr, und auch der Chefkoch Herr Weck ließ sich mal kurz blicken um sich zu erkundigen. Leider musste ich ein, zwei Kritikpunkte nennen. Was er hoffentlich nicht ZU persönlich nahm. Zu seiner Verteidigung muss ich noch erwähnen, dass er den ganzen Abend alleine in der Küche arbeitete.

Somit bin ich dann auch schon am Ende mit meiner ersten Kritik seit Monaten. Bleibt nur noch das


Fazit:

Die Hermannshöhle deutete an was hier drin steckt. Ambitioniert bodenständig und regional. Dazu eine starke Weinkarte.

Das Essen habe ich stärker erwartet, das gebe ich zu. Produkttechnisch war zwar alles einwandfrei, hier und da fehlte mir dann doch der letzte Kick und die Suppe vergessen wir am besten. Und auch etwas Farbe tut jedem Tellergericht gut. Bei meinen Gerichten ging das leider etwas unter. Mit Rücksicht auf die Personalsituation und dem Feedback meiner Begleiter vergebe ich gut anspornende 4*

Der Service agierte zu Beginn etwas mit angezogener Handbremse. Am Ende gab es aber eigentlich nichts zu meckern. Vom oben erwähnten Personalmangel haben wir an diesem Abend jedenfalls nicht zu spüren bekommen. Abzüge dann noch bzgl. des Internetauftritts. Wenn ich Speisekarten schon online stelle, dann auch die richtigen. Es kommen ja nicht nur Einheimische und Stammgäste. Ärgerlich, wenn man mehrere Kilometer anreist, man sich auf ein Menü freut welches im Netz angeboten wird und es dann so nicht gibt. 3,5*

Mit dem Ambiente ist es so eine Sache. Eine Geschmackssache. Wie eigentlich alles. Der Raum an sich wirkte kühl und nichtssagend. Die Stühle aber sehr bequem und am Tisch habe ich dann auch nichts vermisst. Das gilt aber nur für die Vinothek. 3,5*

Was Sauberkeit und sanitäre Einrichtungen angeht gab es großartig nichts zu beanstanden und wurde oben schon erläutert. 4*

Beim PLV bleibe ich etwas zurückhaltend, da ich fest der Meinung bin, das geht alles besser. Und über die Weinpreise lässt sich ja immer streiten. 3,5*

4 - gerne wieder

(1 – sicher nicht wieder, 2 – kaum wieder, 3 – wenn es sich ergibt wieder, 4 – gerne wieder, 5 – unbedingt wieder)
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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