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GastroGuide-User: Hanseat1957
hat Restaurant Dubrovnik in 66111 Saarbrücken bewertet.
vor 5 Jahren
"„Traditionsjugo“ im Herzen Saarbrückens – Sehr ordentlich!"
Verifiziert

Geschrieben am 24.09.2016 | Aktualisiert am 24.09.2016
Besucht am 20.09.2016 Besuchszeit: Abendessen 1 Personen Rechnungsbetrag: 38 EUR
Allgemein:

Neben der Erforschung griechischer Kulinarik in ganz Deutschland, werfe ich bei meinen Recherchen auch gerne einen Blick auf die letzten Überlebenden der Balkangastronomie. Und da für den Folgetag meiner Dienstreise ins Saarland ein Griechenbesuch in Saarlouis fest vereinbart war, bot es sich an, ein solches Fossil, das Dubrovnik, aufzusuchen. Es besteht nach Aussage der deutschen Wirts-Schwiegertochter seit 45 Jahren. Die Inneneinrichtung ist zeitlos rustikal, so dass ich nicht behaupten kann, dass das Interieur den Charme der siebziger Jahre verströmt. Das Dubrovnik schrammt somit am Denkmalschutz vorbei.

Am besuchten Dienstagabend waren nur wenige Tische besetzt. Ältere Einheimische, wie man sie beim Jugo erwartet und eine junge Hamburgerin.

Das Preis-Leistungsniveau sehe ich bei 3,5 Sternen.

Unter www.dubrovnik-sb.de findet man u. a. die komplette Karte.

Für Freunde der Balkanküche ist das Dubrovnik einen Besuch wert.

Service:

Dominant erst einmal ein mittelalter Kellner mit modischer kantiger, schwarzer Brille und einer wamsartigen Weste. Erst dachte ich in ihm vom Auftreten her den Wirt sehen zu müssen. Doch dann erschien die blondgezopfte und attraktive deutsche Schwiegertochter, die er als Chefin ansprach. Diese Chefin und weibliche Gäste wie die blonde Hamburgerin, die mir von ihm schon mit einem Augenzwinkern für den Nachbartisch avisiert worden war, sind sicherlich das Salz in der Suppe seines Kellnerlebens. Um seine Chefin scharwenzelte er hingebungsvoll herum. Für den Gast ein Stück Theater.

Aber mit der Zeit sprach er auch mit mir und hatte einen Blick frei, wenn sich mein Glas leerte und sorgte für Nachschub. Ich kann mich also nicht beklagen. Auch die Speisenfolge stimmt.

Wegen des Platzierens am Nachbartisch der Hamburgerin und der darin zum Ausdruck kommenden Bereitschaft zum Teilen, gebe ich ihm 3,5 Sterne.

Die Getränkepreise sind leicht ambitioniert. Sehr ungewöhnlich die Bierbepreisung: 0,4 l Radeberger stehen mit glatten 4,00 € auf dem Bon. 0,25 l kosten 2,30 €, umgerechnet auf übliche 0,3 l ergeben sich 2,76 €. Das „große“ Bier ist also mit einem Negativrabatt versehen. Wasser sah ich nur in kleinen Flaschen auf der Karte (0,25 l = 2,20 €) und die zehn offenen Weine (Dalmatien, Provence, Italien) beginnen bei 4,50 € für das einfache Glas 0,2 l.

Zur Rechnung gab es von der Wirtin einen Julischka (von der Altwirtin/Mama gemixt, so der Kellner).

Essen:

Das Dubrovnik bietet auf seiner Karte die ganze Palette der typischen Balkangerichte vom Rost und aus der Pfanne sowie Steakspezialitäten als Hauptspeisen an. Die ansonsten in Balkanrestaurants zu verzeichnende geringe Auswahl an Vorspeisen wird durch französische Klassiker (Zwiebelsuppe, Schnecken, Froschschenkel, Ragout fin) ergänzt. Vermisst habe ich gegrillte Debreziner.

Als Küchengruß bekam ich eine Art Relish mit viel gegarten Zwiebelstücken anstatt des üblichen Ajvars mit einem Körbchen langweiliger Graubrotscheiben auf den Tisch. Auf meine Frage hin, ob das im Glasschälchen scharf sei, bekam ich nur ein schlichtes „ja“ vom Kellner zu hören. Hier hätte er ruhig einen Warnhinweis aussprechen können (die Hamburgerin war ihm diesen Hinweis wert). Vom Grundgeschmack  her leicht süßlich-tomatig und mit ordentlichem Chiliwumm. Späterhin berichtete die Wirtin am Nachbartisch, dass es sich um eine Hausspezialität handele, die von der Schärfe her unterschiedlich ausfalle, je nach Capsaicingehalt der verwendeten Chilis (so genau drückte sie es nicht aus).

Dann die Bohnensuppe dalmatinische Art. „Serbische Bohnensuppe“ verbietet sich wohl in einem kroatischen Restaurant. Aber Falschbezeichnungen sind für den Juristen bekanntlich unerheblich und so verglich ich die in einem Teller sehr heiß servierte, leicht sämige Suppe mit meinen Erinnerungen an die Bohnensuppen vieler Jugos und kann sagen, die im Dubrovnik spielt um die Meisterschaft mit. Eine ordentliche Einlage mit kleinen weißen Bohnen und Speckstückchen und dem typischen, hier leicht pikanten Geschmack einer Bohnensuppe. Für 5,00 € stimmte auch die Portionsgröße. Mit etwas von dem Relish auf dem Löffel eröffnete sich noch eine neue, scharfe Geschmackswelt.
Relish und Suppe scoren mit 4,5 Sternen.

Leicht ausgehungert hatte ich mir den Grillteller für 16,50 € als Hauptgang ausgewählt.
Dazu gab es eine Schale mit einem gemischten Beilagensalat. Sehr erfrischend der Weißkohl- und der Möhrensalat.

Die Blattsalate mit einem Dressing mit Magginote versehen.

Auf dem Grillteller knusprige, heiße kleine Pommes, ein sehr gemüsiger Djuwetschreis, eine kleine grüne eingelegte, fiese Peperoni und vier Grilladen. Von denen gefielen mir die gut daumengroßen Cevapcici mit ihrer klaren Knoblauchnote am besten. Gefolgt von dem Hacksteak und dem Spieß mit merklichen Fettanteilen. Leider nur trocken das dünne, magere Grillstück vom Schwein.

Die Portionsgröße nicht „erschlagend“.

Auf den Tischen Salz- und Pfeffermühlen.

Bei einem Wiederholungsbesuch würde ich die Cevapcici ordern oder die Steakgüte testen.

Da die Grilladen nicht durchgängig überzeugen konnten, stehen am Ende schwache vier Sterne zu Buche.

Ambiente:

Das Dubrovnik befindet sich in einer Seitengasse, unweit der zentralen Kirche Sankt Johann. Der eingeschossige Flachbau,  mit auffallend karminroter Fassade, ist wohl eine Lückenbebauung aus Nachkriegszeiten. Außenplätze gibt es auf dem schmalen Trottoir nicht. Drinnen überrascht das Dubrovnik mit durchgängigen kleinen Säulen und Bögen aus rotem Klinker. Dadurch entsteht die für viele griechische Restaurants typische nischenartige Untergliederung. Man bekommt auch nur eine Ahnung von der Größe des Restaurants, die angesichts der langen Straßenfront beachtlich ist. Drinnen sind wohl auch Spiegel im hinteren Bereich angebracht, die das Restaurant zusätzlich optisch vergrößern.
Neben den Klinkern sind es viele Pflanzen und rustikale Wand- und Deckenleuchten, die auffallen. Im Hintergrund schmachteten sich französische Chansons ins Ohr und das Plätschern eines kleinen Wasserspiels.
Rottöne bestimmen den Fußboden und die Tischdecken. Auf den Tischen ist genügend Platz.

Insgesamt sitzt man an den Tischen „geschützt“ und bequem, so dass das Dubrovnik auch für ein längeres Verweilen geeignet ist.

Die Toilette für den Herren war erst einmal durch das klassische Schild auf der Tür gekennzeichnet, dass einem nur noch selten begegnet (siehe Foto). Da erwartet man dahinter dann Brauntöne und klassische Keramik. Nicht so im Dubrovnik. Der Handwaschtisch gar ein Hingucker mit seinem unruhigen kleinteiligen Fliesenmuster und dem verspielten Glaswaschbecken (siehe Foto).

Sauberkeit:

Das Dubrovnik macht einen sehr gepflegten Eindruck und der umherschweifende Blick entdeckt keinen Straub oder gar Spinnenweben, trotz der vielen Winkel, Pflanzen usw.
DETAILBEWERTUNG
Service
Sauberkeit
Essen
Ambiente
Preis/Leistung


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